Naunhof ist eine Stadt im sächsischen Landkreis Leipzig. Sie grenzt an den südöstlichen Stadtrand von Leipzig und bildet zusammen mit den Gemeinden Belgershain und Parthenstein die Verwaltungsgemeinschaft Naunhof.
Geographie Lage Naunhof liegt 20 km südöstlich von Leipzig in der Leipziger Tieflandsbucht und wird zu 75 Prozent von Wald umschlossen. Durch Naunhof fließt die Parthe. Die Stadt ist für ihre Badeseen (ehemalige Kiesgruben) bekannt. So gibt es den Naunhofer See (nach dem Flurstück „Die Grille“ auch Grillensee genannt), den Ammelshainer See (auch bekannt als Moritzsee – dieser Name rührt vom ehemaligen Moritztümpel her, der sich am Ort der späteren Kiesgrube befand) und weiter westlich den Albrechtshainer See.
Stadtgliederung Zur Stadt Naunhof gehören folgende Ortsteile: Albrechtshain Ammelshain Eicha Erdmannshain Fuchshain Lindhardt
Geschichte Die der damaligen Gau Chutizi zugehörigen Region um Naunhof wurde vermutlich ab Mitte des 12. Jahrhunderts dauerhaft besiedelt.,Hermann Schulze 1898, S. 2; Heinz Thümmler 1983, S. 21. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts wurde auf dem Gebiet der heutigen Stadt an einem Parthe-Übergang durch die Wettiner entlang der Handels- und Verkehrswege zwischen Leipzig und den südöstlich davon gelegenen markgräflichen meißnischen Regionen und Städten eine Wasserburg errichtet.Uwe Schirmer: Amt und Stadt Naunhof vom 13. bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts. In: Naunhofer Geschichte 1998, S. 21. Diese zunächst als nova curia („Neuer Hof“) benannte Befestigungsanlage diente als Verwaltungsmittelpunkt einer Vogtei und wurde im Dreißigjährigen Krieg weitestgehend zerstört.Hermann Schulze 1898, S. 4. Die erste gesicherte erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte 1223.Olaf Beyer: Ereignisse um den markgräflichen Hof – 1223. In: Naunhofer Geschichte 1998, S. 17 f. Rund um die Burg entstand in den folgenden Jahrzehnten eine größere feste Siedlung, zudem wurde in dieser Zeit eine Kirche errichtet.Uwe Schirmer: Amt und Stadt Naunhof vom 13. bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts. In: Naunhofer Geschichte 1998, S. 26. Die Burg selbst verlor ab Ende des 14. Jahrhunderts für die Wettiner an BedeutungUwe Schirmer: Amt und Stadt Naunhof vom 13. bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts. In: Naunhofer Geschichte 1998, S. 25. 1555 war das Schloß genannte Gebäude bereits weitestgehend zugewachsen. Nach der Aufgabe des Dorfs Clade südöstlich von Naunhof zu gleicher Zeit, führte der Handelsweg zwischen Leipzig und Grimma durch den Ort, ab dem beginnenden 16. Jahrhundert ist ein durch Naunhof führender befestigter Steinweg nachweisbar. Kurz danach wurden im Ort ein Rathaus und eine Brauerei errichtetUwe Schirmer: Amt und Stadt Naunhof vom 13. bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts. In: Naunhofer Geschichte 1998, S. 30. Mitte des Jahrhunderts wurden Ausgaben für ein Schulgebäude, ein Spital und eine Badestube angeführt.Uwe Schirmer: Amt und Stadt Naunhof vom 13. bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts. In: Naunhofer Geschichte 1998, S. 35. Eine Wassermühle, die sogenannte Schlossmühle an der angestauten Parthe, war schon im 14. Jahrhundert erbaut worden.Olaf Beyer: Naunhof – Vasallenstädtchen der Grundherren zu Pomßen. In: Naunhofer Geschichte 1998, S. 46. Die 1515 neu errichtete Mühle ist das älteste erhaltene Gebäude in Naunhof.
1421 wurde erstmals ein Gemeindevorsteher („proconsul“) erwähnt, ein Gemeinderat 1508. Fünf Jahre später wurde zum ersten Mal ein Bürgermeister namentlich genannt. 1421 waren 41 steuerpflichtige Haushalte in Naunhof verzeichnet, 1510 bereits 57. Die Einwohner waren zumeist in der Landwirtschaft tätig. Obwohl der Ort mehrmals in dieser Zeit als „Städtchen“ bezeichnet wurde und Braurecht hatte, hatte Naunhof zu dem Zeitpunkt eher dörflichen Charakter.
1292Heinz Thümmler 1983, S. 22. und 1373 wurde der Ort noch Nuwenhof genannt, 1535 Nawenhoff. 1550 richtete der sächsische Kurfürst Moritz eine reitende Post zwischen Dresden/Meißen und Leipzig ein, deren Wegstrecke durch Naunhof verlief. Einhergehend mit dem Recht Naunhofs, bereits seit dem 15. Jahrhundert Wegezoll einzustreichen, wuchs die Bedeutung der Gemeinde.Olaf Beyer: Naunhof – Vasallenstädtchen der Grundherren zu Pomßen. In: Naunhofer Geschichte 1998, S. 45. 1557 verkaufte der sächsische Kurfürst August Naunhof mit allen Lehen an den Rat und Amtshauptmann von Grimma und Leipzig Hans von Ponickau. Die Frondienste der Einwohner sowie die Gerichtsbarkeit gingen nun bis Mitte des 19. Jahrhunderts vom Landesherrn auf das Amt Pomßen über.Olaf Beyer: Naunhof – Vasallenstädtchen der Grundherren zu Pomßen. In: Naunhofer Geschichte 1998, S. 41 f. Unter der neuen Herrschaft entstanden anschließend entlang der Hauptstraße (Ober- und Untergasse) neue Nebenstraßen und 29 Häuser.Helga Korlach: Die Stadt wächst. In: Naunhofer Geschichte 1998, S. 55 f.
1679 erhielt Naunhof durch die Stadt Leipzig das Privileg, zwei Mal im Jahr Märkte abhalten zu dürfen, ab 1832 drei.Heinz Thümmler 1983, S. 23. 1729 verzeichnete Naunhof 114 Häuser, drei Wüstungen und 500 Einwohner. Am 28. Februar 1734 wurden durch einen Brand das aus dem 17. Jahrhundert stammende Rathaus, die örtliche Schmiede sowie 23 Wohnhäuser zerstört. 1738/39 wurde an gleicher Stelle, der Westseite des Marktes, ein neues zweistöckiges Rathaus erbaut.Helga Korlach: Die Stadt wächst. In: Naunhofer Geschichte 1998, S. 63. Der 1734 ins Amt gekommene und aus dem vogtländischen Schwarzbach stammende Pfarrer Christoph Gottfried Ungibauer führte 1740 in der Stadt und in der Region den Kartoffelanbau ein.Hermann Schulze 1898, S. 39. 1775 ist das erste örtliche Spritzenhaus neben dem Rathaus nachweisbar, das der Aufbewahrung von Feuerlöschgeräten diente.Jürgen Rückert: 125 Jahre Freiwillige Feuerwehr Naunhof. In: Naunhofer Geschichte 1998, S. 80. Im Jahr 1806 waren im Ort 600 Einwohner verzeichnet, darunter 61 Handwerksmeister. Ein Jahr später begannen in Naunhof m Rahmen der Befreiungskriege wechselnde Einquartierungen und Truppendurchzüge.Helmut Schumann: Am Rande der Völkerschlacht 1813. In: Naunhofer Geschichte 1998, S. 50. Im Oktober 1813 wurde Naunhof von den französischen Truppen Napoleons im Umfeld der Völkerschlacht besetzt, ein Zehntel der etwa 1.000 Einwohner starb an Infektionskrankheiten.
1830 wurde in Naunhof eine örtliche Kommunalgarde gegründet, 1857 wurde ein neues und größeres Gebäude an Stelle des alten Rathauses erbaut.Helga Korlach: Die Stadt wächst. In: Naunhofer Geschichte 1998, S. 64. Hier fand auch die kurz zuvor gegründete Stadtsparkasse ihren Sitz, durch die der Rathausbau mitfinanziert wurde. Das örtliche Kreditinstitut wurde in der Folgezeit mehrmals erweitert und ausgebaut.Helga Korlach: Die Stadt wächst. In: Naunhofer Geschichte 1998, S. 68. In den 1840er Jahren wurden in Naunhof die ersten Vereine gegründet.Jürgen Rückert: Das Naunhofer Vereinsleben – aus Vergangenheit und Gegenwart. In: Naunhofer Geschichte 1998, S. 69. Jahr 1866 wurde der Ort an die neu eröffnete Eisenbahnlinie zwischen Leipzig und Grimma angebunden. 1875 hatte Naunhof 1.371 Einwohner, die Wasserversorgung erfolgte zu diesem Zeitpunkt noch über einen zentral gelegenen Brunnen auf dem Markt. 1887 bzw. 1895 wurden in Naunhof zwei Wasserwerke errichtet, um die Versorgung Leipzigs mit Grundwasservorräten zu gewährleisten. In der Folgezeit siedelten sich auch Fabriken in Naunhof an, so z. B. die Spinnerei Wagner & Söhne 1887.Helga Korlach: Die Stadt wächst. In: Naunhofer Geschichte 1998, S. 57. 1873 wurde die Freiwillige Feuerwehr Naunhof gegründet, zentrale Anlaufstelle war das 1860 neu errichtete Spritzenhaus in der Ungibauerstraße. Eine wichtige Einnahmequelle des Ortes bildete weiterhin bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts die sogenannte Brau-Commun. So besaßen um 1850 etwa 40 Güter und Häuser der Stadt das Recht, ganzjährig Bier zu brauen und auszuschenken. Daneben gab es zu dieser Zeit noch zwei reine Schankstätten bzw. Gasthöfe.Olaf Beyer: Naunhof – Vasallenstädtchen der Grundherren zu Pomßen. In: Naunhofer Geschichte 1998, S. 48 f.
1891 wurde das 1857 errichtete Rathaus größtenteils abgebrochen und neu erbaut, im Jahr 1919 erweitert.Helga Korlach: Die Stadt wächst. In: Naunhofer Geschichte 1998, S. 65 f. 1889 gründete sich im Ort der Verein Elisabethstift, der sieben Jahre später eine Kleinkinderbewahranstalt eröffnete.Heinrich Meusel: Zur Geschichte der Kleinkinderbewahranstalt „Elisabethstift“ in Naunhof. In: Naunhofer Heimatblatt 13 (1937), Nr. 3, S. 11 f. Ab den 1880er Jahren erarbeitete sich Naunhof einen Ruf als Sommerfrische. Neben saisonalen Sommergästen ließen sich immer mehr Großstädter dauerhaft im Ort nieder. Allein zwischen 1884 und 1891 entstanden in Naunhof 57 neue Wohngebäude und Villen. Dazu wurden zahlreiche Erweiterungen und Umbauten an vorhandenen Häusern vorgenommen. Innerhalb weniger Jahre hatte sich die Anzahl der Gebäude in Naunhof nahezu verdoppelt, die Stadt verzeichnete zu dieser Zeit 2.992 Einwohner in 399 Häusern. 1903 wurde die städtische Gasanstalt eingeweiht, damit wurde die Gasbeleuchtung in Naunhof eingeführt.Fritz Günz: 25 Jahre Gasanstalt Naunhof. In: Naunhofer Heimatblatt 4 (1928), Nr. 5, S. 19 f. In den folgenden Jahrzehnten vergrößerte sich der Ort stetig, 1933 lebten 4.408 Einwohner im Ort.Helga Korlach: Die Stadt wächst. In: Naunhofer Geschichte 1998, S. 60. 1925 gründete sich die Ortsgruppe der NSDAP in Naunhof.Geschichte der Ortsgruppe Naunhof der NSDAP. In: Naunhofer Heimatblatt 11 (1935), Nr. 1. Ab 1928 wurde der am ehemaligen Schloss gelegene Hügel abgetragen und der erste Sportplatz in der Gemeinde errichtet. 1934, im Jahr des 50-jährigen Jubiläums des örtlichen Turnvereins TSV Naunhof 1884, wurde das Naunhofer Waldbad eingeweiht.Max Wendland: Vom Städtischen Waldbad Naunshofs. In: Naunhofer Heimatblatt 10 (1934), Nr. 2, S. 5.
Im Februar 1942 wurde durch Bombenangriffe ein Großteil der Bauten am Schützenplatz zerstört.Jürgen Rückert: 125 Jahre Freiwillige Feuerwehr Naunhof. In: Naunhofer Geschichte 1998, S. 82. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges trennte sich 1945 die Sparkasse von der Stadt und wurde Filiale der Kreissparkasse Grimma (von 1981 bis 1990 war auch die örtliche Bank für Handwerk und Gewerbe (Genossenschaftsbank) Naunhof dem Kreditinstitut angegliedert). Im gleichen Jahr gingen die örtlichen Sportvereine in die von pelzgewerblichen Unternehmen getragene BSG Fortschritt Naunhof über, 1952 übernahm die Reichsbahndirektion Halle die Trägerschaft unter der Bezeichnung BSG Lokomotive Naunhof.Jürgen Rückert: Das Naunhofer Vereinsleben – aus Vergangenheit und Gegenwart. In: Naunhofer Geschichte 1998, S. 71.
In der DDR befanden sich mehrere volkseigene Betriebe mit Haupt- oder Nebensitz in Naunhof, so z. B. ein Werk der Leipziger Baumwollspinnerei (ab 1951 als ein Rechtsnachfolger der Spinnerei Wagner & Söhne) oder Produktionsstätten des VEB Sachsenpelz.Heinz Thümmler 1983, S. 24.
Am 21. Dezember 1990 wurde das alte Rathaus durch einen Brand weitestgehend zerstört, 1995 der noch heute genutzte Neubau eingeweiht.
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Eingemeindungen
Ehemalige GemeindeDatum AlbrechtshainStatistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Gebietsänderungen 01.07.1993 Ammelshain 01.01.1994 Eicha (Mergenhain), Eingemeindung nach AlbrechtshainGemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Hrsg.: Statistisches Bundesamt. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7. 01.07.1948 Erdmannshain 01.07.1950 Fuchshain 01.01.1999 LindhardtDas Sachsenbuch. Mit ausführlichem Ortsverzeichnis unter Mitwirkung des Gauamtes für Kommunalpolitik und der Landesdienststelle Sachsen des Deutschen Gemeindetages nach amtlichen Unterlagen bearbeitet. Kommunal-Verlag Sachsen KG, Dresden 1943, . 01.04.1936
Bevölkerung Jahr Einwohner 2002 8.854 2005 8.718 2010 8.531 2015 8.618 Jahr Einwohner 2020 8.721 2021 8.735 2022 8.839
Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen)
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