Bolesławiec [] (deutsch Bunzlau; schlesisch Bunzel) ist eine Stadt im Powiat Bolesławiecki in der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen. Sie ist Sitz der umgebenden Landgemeinde Bolesławiec, der sie nicht angehört.

Die Stadt ist für die Bunzlauer Keramik und durch den deutschen Barockdichter und Literaturtheoretiker Martin Opitz bekannt.

Geographie Die Stadt liegt in Niederschlesien am Ostufer des Bober, rund 75 km südlich von Zielona Góra (Grünberg) und 130 km östlich von Dresden.

Geschichte mini|Plan der Stadt Bunzlau im Jahre 1882 mini|Der Ring mit Bürgerhäusern aus dem Ende des 17. Jahrhunderts und dem Rathaus von 1776 mini|hochkant|Fragment der mittelalterlichen Stadtmauer mini|hochkant|Gründerzeitliches Wohn- und Geschäftshaus am Ring 28 aus dem Jahr 1900 mini|Bunzlauer Keramik

Der Name Bolesławiec ist ein patronymischer Name, abgeleitet vom slawischen Namen Bolesław, der sich aus zwei Teilen des altpolnischen, heute ungebräuchlichen Begriffs bole(j) für sehr und sław für Ruhm zusammensetzt. Der Name bedeutet wörtlich „sehr berühmt“ und wurde der Stadt zu Ehren ihres Gründers, des Herzogs Bolesław I. gegeben, der die Stadt um 1190 gründete und ihr zahlreiche Privilegien gewährte.Bolesław, niem. Bunzlau. In: Słownik geograficzny Królestwa Polskiego i innych krajów słowiańskich. Band 1, Warschau 1880, S. 298–299 (polnisch ). Ab 1195 sind Goldfunde belegt. „Bolezlauez“ ( wurde erstmals im Jahre 1201 erwähnt. Nach dem Mongolensturm 1241, gegen den auch Bunzlauer zu Felde gezogen sein sollen, erhielt der Ort Stadtrechte und wurde damals wahrscheinlich auch neu angelegt. Die auf dem heutigen Wappen dargestellte Stadtmauer ist erstmals 1316 in einem Siegel zu finden. Im Jahre 1346 kam die Stadt unter die Herrschaft der Krone Böhmen.

In den Hussitenkriegen erlitt die Stadt 1429 schwere Zerstörungen. Nachdem sich die Stadt von den Schäden des Kriegs erholt hatte, wurde 1479 mit dem Bau einer modernen doppelten Stadtmauer begonnen, die die Stadt vor einer weiteren Einnahme schützen sollte. Im Zuge des Wiederaufbaus der Stadt wurde anschließend auch ab 1482 die Marienkirche in ihrer heutigen gotischen Form neu errichtet.

Die Töpferei erlangte in der Stadt schon früh Bedeutung, bereits 1511 wurde die städtische Töpferzunft erstmals erwähnt. Nach 1522 wurde ein Großteil der Bevölkerung der Stadt protestantisch und somit wurde Bunzlau zu einem wichtigen Zentrum der Reformation. Das Wahrzeichen der Stadt, das Rathaus, wurde 1525 von Wendel Roskopf umgebaut. Im selben Jahr wurde in Bunzlau mit dem Bau einer Kanalisation begonnen, die 1565 fertiggestellt wurde. Mit dieser ungewohnten und aufwändigen Bauleistung besaß Bunzlau somit die erste deutsche Kanalisation. Bereits 1558 entstand die erste Apotheke in der Stadt. Am Ende dieses für Bunzlau sehr bedeutenden Jahrhunderts wurde 1597 der berühmte deutsche Dichter des Barock und Begründer der Schlesischen Dichterschule Martin Opitz in Bunzlau geboren. Er schuf in der deutschen Dichtung eine neue Art der Poetik und wurde auch als Vater und Wiederhersteller der Dichtkunst bezeichnet.

Gegen Ende des Dreißigjährigen Kriegs wurde Bunzlau von schwedischen Truppen unter General Torstensson verwüstet. Von 1752 bis 1756 errichtete die protestantische Gemeinde auf dem Gelände der von den Schweden zerstörten ehemaligen Burg eine steinerne Kirche.

Im Jahre 1753 fertigte der Bunzlauer Töpfermeister Gottfried Joppe den Großen Topf an. Er war mit 2,20 m Höhe, 4,20 m Umfang und 12 Zentnern Gewicht das größte Beispiel der Bunzlauer Keramik. 1813 verursachten die Franzosen einige Sprünge, danach wurde er mit einem Drahtnetz zusammengehalten bzw. zusammengeflickt. 1945 wurde er bei der Eroberung der Stadt zerstört.

Am 29. Mai 1812 reiste Kaiser Napoleon auf dem Weg nach Russland durch Bunzlau und wurde bejubelt. Am 13. Dezember des Jahres kehrte er „in bescheidener Stille zurück“. Nach einem kurzen Halt in Bunzlau machte sich Napoléon Bonaparte auf den Weg Richtung Sachsen.Christian Friedrich Emanuel Fischer: Zeitgeschichte der Städte Schlesiens. Band 2, S. 155. 1816 wurde Bunzlau Kreisstadt des Landkreises Bunzlau. 1846 wurde der bekannte 450 m lange Eisenbahnviadukt über den Bober eröffnet, Teil der durch Breslau und die Mährische Pforte geführten ersten Eisenbahnverbindung zwischen Berlin und Wien. Im Jahr 1897 wurde in Bunzlau die Königliche Keramische Fachschule begründet, die 1922 in Staatliche Keramische Fachschule umbenannt wurde.originalbunzlau.de: Bekannt wurde die Bunzlauer Keramik. 1930 wurde diese durch eine Glasfachschule erweitert. Um 1900 hatte Bunzlau eine evangelische und eine katholische Kirche, eine in der Pogromnacht im November 1938 zerstörte Synagoge, ein Gymnasium, ein evangelisches Lehrerseminar, das Amtsgericht Bunzlau und eine Reihe unterschiedlicher Fabrikationsbetriebe.

Bis 1945 gehörte Bunzlau zum Landkreis Bunzlau im Regierungsbezirk Liegnitz der preußischen Provinz Schlesien des Deutschen Reichs.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges erlitt Bunzlau schwere Zerstörungen, sodass 60 % der Bebauung in Trümmern lagen. Die Rote Armee eroberte die Stadt am 11. Februar 1945. Nach Beendigung der Kampfhandlungen wurde Bunzlau von der sowjetischen Besatzungsmacht der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Die ersten Polen aus dem Lemberger Raum trafen in Bunzlau erst am 17. September 1945 ein, im Herbst kam ein weiterer Transport, und im folgenden Jahr siedelten in Bunzlau viele Remigranten aus Jugoslawien.Evelyne A. Adenauer: Das christliche Schlesien 1945/45. Wie die Erzdiözese Breslau und die Kirchenprovinz Schlesien der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union endeten und in Schlesien polnische katholische Apostolische Administraturen eingerichtet wurden (Dissertation Universität Köln, 2010) (= Beiträge zu Theologie, Kirche und Gesellschaft im 20. Jahrhundert, Band 22). Lit Verlag, Münster 2014, ISBN 978-3-643-11822-6, S. 396 (Google Books, eingeschränkte Vorschau). Die Polen führten für Bunzlau die Ortsbezeichnung Bolesławiec ein. In der Folgezeit wurde die einheimische deutsche Bevölkerung von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde aus Bunzlau vertrieben.

In den 1950er Jahren wurde mit dem Wiederaufbau der Stadt begonnen. Die ehemalige enge Altstadtbebauung wurde nicht restauriert, und der Status als besterhaltener schlesischen Altstadt fiel nun auch nicht mehr Bolesławiec zu. Dennoch ist die wiederaufgebaute Altstadt heute sehenswert. Nach der Kreisreform von 1975 verlor die Stadt ihre Funktion als Kreisstadt, aber 1999 wurde der Powiat wiederhergestellt.

Am 26. April 2023 erhielt die Stadt den Europapreis des Europarates für ihre herausragenden Bemühungen um den europäischen Integrationsgedanken.

Demographie + Entwicklung der bis 1945 deutschen Bevölkerung Jahr Einwohner Anmerkungen 1816 3.175 Gustav Neumann: Das Deutsche Reich in geographischer, statistischer und topographischer Beziehung. Band 2, G. F. O. Müller, Berlin 1874, S. 221 (books.google.de). 1840 5.843 davon 4.953 Evangelische, 810 Katholiken und 80 JudenJohann G. Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preusz. Provinz Schlesien. 2. Auflage. Breslau 1845, S. 809 (books.google.de). 1843 6.350 am Jahresende, davon 191 Militärpersonen einschließlich Familien und DienerschaftW. Dieterici (Hrsg.): Die statistischen Tabellen des preussischen Staats nach der amtlichen Aufnahme des Jahres 1843. Nicolai, Berlin 1845, S. 215. 1871 8.817 1885 10.790 1890 12.921 davon 10.383 Evangelische, 2.343 Katholiken und 168 Juden 1900 14.590 davon 2.604 Katholiken und 111 Juden 1910 16.190 1925 17.977 davon 14.550 Evangelische, 2.575 Katholiken, 26 sonstige Christen, 103 Juden 1933 19.625 davon 15.719 Evangelische, 2.653 Katholiken, keine sonstigen Christen, 112 Juden 1939 20.753 davon 15.973 Evangelische, 3.204 Katholiken, 63 sonstige Christen, 54 Juden

+ Einwohnerentwicklung seit 1945 Jahr Einwohner 1946 3.145Główny Urząd Statystyczny 1950 7.883 1955 17.836 1960 22.815 1970 30.600 1975 36.200Heinz Rudolf Fritsche: Schlesien Wegweiser. Bechtermünz Verlag, Augsburg 1996. 1980 39.800Encyklopedia Powszechna PWN. 1995 44.436stat.gov.pl: 2000 41.731 2005 40.984

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Rathaus mini|hochkant|Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt Bauwerke Ring Bolesławiec besitzt einen über 9000 m² großen quadratischen Ring, der zum Großteil nach dem Dreißigjährigen Krieg erneut bebaut wurde. Aus dieser Zeit stammen die barocken Bürgerhäuser. Es finden sich außerdem noch Häuser aus der Renaissance und ein Gebäude aus der Spätgotik. Nach den Zerstörungen am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Ring wieder aufgebaut und bildet heute wieder ein geschlossenes Ensemble mit dem Rathaus in der Mitte.

Bemerkenswert sind am Ring das barocke Haus Nummer 6, die klassizistischen Fassaden der von Anfang des 19. Jahrhunderts stammenden Nummern 19, 27,32, und 42 sowie unter Nummer 29 der spätbarocke Gasthof Goldener Engel (Pod Złotym Aniołem) und unter Nummer 36 der Gasthof Drei Kränze (Pod trzema wieńcami).Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen. Schlesien. München 2005, ISBN 3-422-03109-X, S. 156.

Stadtpaläste und Bürgerhäuser Das Haus der Familie Fernbach, einer Bunzlauer Verleger- und Druckerfamilie liegt heute in der ul. Mickiewicza (ehemals Poststraße) Nr. 6a. Es wurde 1883 in einer Stilmischung von Neorenaissance und Klassizismus errichtet. Im Inneren gibt es einen Säulensaal.

Das Jugendstilhaus (Kamienica Junga), das einmal der Metzgerei Jung gehörte, befindet sich in der ul. Mickiewicza 1. An der Fassade des 1906 errichteten Gebäudes befindet sich florales Keramikdekor, das Ladeninnere ist original erhalten. Die frühere Buchhandlung und Druckerei der Familie Appun (Kamienica Appuna Am Ring Nr. 28) wurde 1902 als Kaufhaus errichtet.

Um 1840 wurde das Wohnhaus Engelhardt Gansel errichtet. Das Gebäude des Bunzlauer Architekten wurde um 1840 im Stil einer italienischen Villa gebaut, es steht in der ul. Zgorzelecka 19.

Rathaus

Kirchen

Erwähnt wurde die Katholische Pfarrkirche Maria Himmelfahrt und St. Nikolaus (kościół parafialny pw. Wniebowzięcia NMP i św. Mikołaja,) bereits im 13. Jahrhundert. Sie ist die älteste, aus Stein gebaute Kirche in der Bunzlauer Altstadt. In den Hussitenkriegen wurde sie 1429 zerstört und in der Folge von 1482 bis 1493 wiedererrichtet. Es entstand ein dreischiffiger gotischer Bau, der sich über vier Joche erstreckt. Im Jahre 1524 traten die Bunzlauer zur evangelischen Lehre über. Der erste Prediger hieß Jacob Süssenbach.Christian Friedrich Emanuel Fischer: Zeitgeschichte der Städte Schlesiens. Band 2, S. 155. Die Kirche wurde evangelisch und blieb dies bis 1629 und dann wieder von 1632 bis 1637. Im Dreißigjährigen Krieg erlitt sie 1642 wie die ganze Stadt Zerstörungen, als sie von den Schweden in Brand gesteckt wurde. Der erneute Wiederaufbau erfolgte von 1655 bis 1692, in den letzten Jahren unter Beteiligung von Giulio Simonetti im Barockstil umgebaut, wobei die spätgotische Gestalt aber erhalten blieb. 1928 wurde die Kirche mit ihrem charakteristischen neugotischen Turmhelm versehen. Sehenswert sind das gotische Hauptportal und die Eingangstreppe, an deren Brüstung sich vier barocke Heiligenfiguren von Georg Leonhard Weber befinden, die früher an der Niedertorbrücke aufgestellt waren. Von 1938 bis zu seinem Tod in Haft 1946 war Paul Sauer Stadtpfarrer und Dechant an St. Mariä Himmelfahrt. Am 7. Oktober 2012 wurde die Stadtpfarrkirche in Bunzlau zur Basilica minor erhoben.