Die Dänischen Streitkräfte (, kurz Forsvaret) sind die Streitkräfte des Königreichs Dänemark, zu dem auch die Färöer und Grönland gehören.

Aufgaben Die Hauptaufgabe der Streitkräfte ist die Verteidigung der dänischen Souveränität, die Gewährleistung der Existenz und Integrität eines unabhängigen Dänemarks sowie die Sicherstellung einer friedlichen Weiterentwicklung des Staates und der Welt in Hinblick auf die Menschenrechte. Danish Defence, 24. April 2008 (abgerufen am 1. Dezember 2008) Die Hauptaufgaben sind: Zusammenarbeit mit anderen Staaten im Rahmen der NATO-Mitgliedschaft Kontrolle der Grenzen Dänemarks, Grönlands und Färöers Zusammenarbeit mit Nicht-NATO-Mitgliedern in Mittel- und Osteuropa Konfliktprävention durch internationale Friedensmissionen Aufbau einer Gesamtverteidigung durch Zusammenarbeit mit zivilen Organisationen

Oberkommando und Organisation Der König oder die Königin ist de jure Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Derzeitiges Staatsoberhaupt ist König Frederik X. Praktisch hat der Verteidigungsminister die Befehlsgewalt inne, das Verteidigungsministerium (Forsvarsministeriet) sitzt in Kopenhagen. Oberster militärischer Vorgesetzter ist der Forsvarschefen im Rang eines Generals oder Admirals. Seit April 2015 gibt es einen gemeinsamen Führungsstab (Vaernestabe) der Teilstreitkräfte sowie der weiteren Kommandos und zentralen Bereiche, der seinen Standort in Karup hat.

Die Streitkräfte bestehen aus den Teilstreitkräften: Heer (Hæren), Marine (Søværnet, Kongelige Danske Marine), Luftwaffe (Flyvevåbnet), Heimwehr (Hjemmeværnet).

Geschichte mini|Dänischer Soldat, Aquarellstudie von Emil Hünten (1827–1902)

Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit war Dänemark eine nordeuropäische Großmacht mit einem entsprechenden Heer und einer großen Flotte. Die Übertragung des Amtes eines Flottenvorstehers durch König Johann I. im Jahre 1510 an den Adeligen Henrik Krummedike sieht man in Dänemark als Gründung der Dänischen Marine. Seither organisierte man eine Flotte mit eigenen Kriegsschiffen und einer festen Besatzung.Journal 4/2010 der dänischen Post anlässlich der Briefmarken-Jubliäumsausgabe 500 Jahre Marine Während des 15.–17. Jahrhunderts bestanden die dänischen Heere üblicherweise aus Söldnern. Erst nach dem Ende des Zweiten Nordischen Krieges (1655–1660) und dem Verlust der schonischen Provinzen an Schweden kam es im Zusammenhang mit der Einführung des Absolutismus (lex regia von 1665) zur Aufstellung eines stehenden Heeres, das auch in Friedenszeiten nicht aufgelöst wurde. Das Offizierkorps und große Teile der Mannschaften stammten in dieser Zeit aus dem deutschsprachigen Raum; bis 1772 war deshalb die offizielle Kommandosprache im dänischen Heer Deutsch. Lediglich die im 18. Jahrhundert phasenweise aufgestellten „nationalen“ Regimenter bestanden überwiegend aus Dänen, Norwegern und Schleswig-Holsteinern. Die Regimenter im Königreich Norwegen bestanden bis auf zwei „geworbene“ Regimenter aus Norwegern. Die Kriegsmarine war eine Domäne der Dänen und Norweger, ein deutsches Element wie im Heer und der zivilen Verwaltung gab es kaum.Vgl. ausführlich zur dänischen Armee bis 1863 im Allgemeinen sowie in Schleswig-Holstein im Besonderen: Eva Susanne Fiebig, Jan Schlürmann: Handbuch zur nordelbischen Militärgeschichte. Heere und Kriege in Schleswig, Holstein, Lauenburg, Eutin und Lübeck 1625–1863/67. Husum 2010, ISBN 978-3-89876-317-2.

Die Frühe Neuzeit war vor allem von Konflikten mit dem Nachbarn Schweden bestimmt. Mit dem Frieden von Brömsebro 1645 musste Dänemark die zuvor norwegischen Territorien Jämtland und Härjedalen sowie die Inseln Gotland und Saaremaa (dänisch: Øsel) an Schweden abtreten. Mit dem Frieden von Roskilde 1658 verlor Dänemark schließlich auch seine eigenen Provinzen östlich des Öresundes Skåne, Blekinge und das zuvor schon verpfändete Halland an Schweden, die auch in nachfolgenden dänisch-schwedischen Kriegen nicht wiedergewonnen werden konnten.

In den Napoleonischen Kriegen versuchte Dänemark zunächst, bewaffnete Neutralität zu wahren, wurde jedoch von Großbritannien angegriffen und verlor seine Flotte in der Seeschlacht von Kopenhagen. Die danach wieder aufgebaute Flotte wurde, nachdem Dänemark eine Allianz mit Frankreich eingegangen war, von der Royal Navy in der Zweiten Seeschlacht von Kopenhagen erneut vernichtend geschlagen und musste an Großbritannien ausgeliefert werden. Das Heer nahm 1813 an zwei Gefechten im heutigen Schleswig-Holstein bei Bornhöved und Sehestedt gegen die alliierten Truppen teil, in Norwegen wurde noch 1813/14 gegen schwedische Truppen Widerstand geleistet. Nach dem Kieler Frieden vom 14. Januar 1814 wurden Heer und Marine wieder aufgebaut, wobei das nunmehr schwedische Norwegen aus dem Militärsystem des dänischen Gesamtstaates herausfiel. Bis zur Schleswig-Holsteinischen Erhebung (1848–1851) führte das dänische Heer keinen Krieg mehr. Mit einer halbherzigen Reform im Jahre 1842 versuchte man, das Militärsystem und insbesondere die Heeresergänzung den neueren Entwicklungen anzupassen. Doch erst der Bürgerkrieg zwischen Dänen und deutschen Schleswig-Holsteinern führte 1849 zur Einführung der allgemeinen Wehrpflicht. Nach der Niederlage im zweiten Deutsch-Dänischen Krieg und dem Verlust Schleswigs 1864 begann für Dänemark eine Epoche der Neutralität.

Erster Weltkrieg und die Zwischenkriegszeit Im Ersten Weltkrieg war die Neutralitätspolitik, gestützt insbesondere auf die Sicherung durch die Marine, erfolgreich. In der Zwischenkriegszeit rüstete Dänemark ab, zeitweise wurde sogar die Auflösung von Heer und Marine diskutiert. Die Befestigung der Hauptstadt Kopenhagen blieb zwar erhalten, sie entsprach aber nicht mehr modernen Anforderungen an eine Festung. Einige Forts wurden in den 1920er und 1930er Jahren aufgelassen, so die landseitigen Forts ab 1920 und das Fort Trekroner 1932.

Zweiter Weltkrieg Obwohl Dänemark und das Deutsche Reich 1939 einen Nichtangriffspakt geschlossen hatten, wurde Dänemark von der Wehrmacht am 9. April 1940 besetzt. Heer und Marine blieben zunächst erhalten. Aus Furcht vor einer alliierten Invasion Jütlands verlangte die Besatzungsmacht die Räumung der Halbinsel von dänischen Truppen. Das dänische Oberkommando lehnte ab, die Truppen blieben. Die deutsche Anfrage, ob sich die Truppen im Invasionsfall neutral verhalten würden, wurde mit Wir werden das tun, was für Dänemark richtig ist beantwortet.

Auf deutschen Druck hin mussten 1941 fünf abgerüstete Torpedoboote an die deutsche Kriegsmarine ausgeliefert werden. Als Zeichen des Protestes wurde auf Befehl König Christians X. die Flagge auf der Sixtus-Bastion in Kopenhagen, die Symbol der dänischen Souveränität ist, am Tag der Auslieferung halbmast gesetzt. Alle Schiffe der dänischen Marine folgten diesem Beispiel. Am 29. August 1943 wurde durch die Besatzungsmacht der Ausnahmezustand verhängt. Das dänische Heer wurde – nach kurzer Gegenwehr, die vor allem dem Unbrauchbarmachen von Waffen und Gerät diente – entwaffnet; die Offiziere wurden von der Wehrmacht interniert. Die dänische Flottenführung hatte ein Übergreifen der Besatzungsmacht auf die Flotte vorhergesehen und einen entsprechenden Operationsplan vorbereitet. Die Schiffe sollten versuchen, das neutrale Schweden zu erreichen, oder, wenn dies nicht möglich war, durch ihre Besatzungen selbst versenkt werden, um zu verhindern, dass sie den Deutschen in die Hände fielen. Die meisten Schiffe wurden selbst versenkt, einigen Einheiten gelang die Flucht nach Schweden. Das größte Schiff der dänischen Marine, das Panzerschiff Niels Juel, befand sich am 29. August 1943 auf Ausbildungsfahrt im Isefjord. Die Niels Juel erhielt im Hafen von Holbæk per Funk den Befehl, schwedische Hoheitsgewässer aufzusuchen. Das Schiff wurde in volle Gefechtsbereitschaft versetzt und lief mit Höchstfahrt nordwärts Richtung Kattegat. Am Ausgang des Isefjords wurde die Niels Juel von deutschen Flugzeugen angegriffen – das dänische Schiff erwiderte das Feuer. Es begann die Schlacht im Isefjord: Angriffe wurden mit Bordwaffen abgewehrt, aber bei einem weiteren Bombenangriff fiel die Feuerleitanlage auf der Niels Juel aus und das Schiff musste bei Seeland auf Grund gesetzt werden. Heer und Flotte wurden durch die Besatzungsmacht aufgelöst.

1944 wurde in Schweden die Dänische Brigade als Polizeieinheit aufgestellt und aus den nach Schweden geflohenen Schiffen und Booten der Marine die Dänische Flottille gebildet. Die Brigade (rund 5000 Mann) setzte am 5. Mai 1945 nach Dänemark über und übernahm gemeinsam mit britischen Truppen die Kontrolle über das Land.

Nach dem Zweiten Weltkrieg mini|Die königliche Leibgarde vor Schloss Amalienborg mini|Mannschaftswagen Piranha V

Die dänische Armee beteiligte sich seit 1947 in Form der dänischen „Deutschland-Brigade“ an der alliierten Besatzung Deutschlands.Peter Hertel Rasmussen: Den danske Tysklandsbrigade 1947–1958, Odense 2019 Die Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges führten zur Aufgabe der Neutralität. Dänemark ist Gründungsmitglied der NATO. 1950 wurde aus den Fliegerkräften der Marine und dem Heeresfliegerkorps die Luftwaffe als eigenständige Teilstreitkraft organisiert.

Innerhalb der NATO-Strategie spielte insbesondere die dänische Marine eine Rolle, um den Ausbruch von Marinekräften des Warschauer Pakts von der Ost- in die Nordsee und damit in den Atlantik zu verhindern. Zudem besaß das Land einen großen Wert als Standort für Aufklärungsmittel, die den Schiffsverkehr in der Ostsee und die elektronische kommunikation überwachten. Für den seitens der Warschauer Vertragsorganisation vorgesehenen Hauptstoß durch Norddeutschland wurde die Eroberung Dänemarks zur Flankensicherung und zur landseitigen Gewinnung der Ostseezugänge als geboten angesehen. Für diese Jütländische Operation vorgesehen war die Küstenfront, ab 1961 unter polnischem Oberbefehl, aus einem großen Teil der Polnischen Streitkräfte, der 5. Armee der NVA und der sowjetischen 2. Garde-Panzerarmee. Zur See hätte ein Großteil der Volksmarine, der polnischen Marine und die Baltische Rotbannerflotte den Ostseeausgang freizukämpfen versucht. Auch dieser Stoß wäre mit Kriegsführung zu Lande verbunden gewesen, der Seeländischen Operation in der Form von Luft- und Seelandungen vornehmlich auf Seeland.

Diese Pläne waren der dänischen Politik und Militärführung sowie der NATO in ihren Grundzügen und teils darüber hinaus bekannt. So hätte die amphibische Anlandung auf Seeland nur am Strand von Køge und in der Bucht von Faxe stattfinden können, vorgetragen von einer Mot. Infanteriedivision und zwei Luftlanderegimentern. Der landseitige Angriff auf Jütland wurde zwischen dem ersten und dem zehnten Tag der Offensive der Warschauer Vertragsstaaten, der Landungsversuch auf Seeland zwischen dem zweiten und dem zehnten Tag. Die dänische Marine und der Nachrichtendienst beobachteten Flottenmanöver der DDR, Polens und der Sowjetunion in der Ostsee genau.

In den frühen Jahren der NATO wurde davon ausgegangen, dass man Dänemark zunächst nicht verteidigen könne und später zurückerobern müsse. Erst nach Aufstellung und einem gewissen Aufwachsen der deutschen Bundeswehr wurde eine Verteidigung nach Einschätzung der NATO möglich. Entsprechend unterstellte Dänemark seine Streitkräfte 1962 zusammen mit Teilen der Bundeswehr dem Allied Command Baltic Approaches (BALTAP). Damit waren die dänischen Streitkräfte die ersten und einzigen, die während des Kalten Krieges unter einem gemeinsamen multinationalen Hauptquartier als Korpsstab der NATO zusammengefasst waren.