Die Acentropinae sind eine Unterfamilie der Schmetterlinge aus der Familie der Crambidae, deren Vertreter ausschließlich in Feuchtgebieten und aquatischen Habitaten leben.
Merkmale Auf dem Kopf der Falter ist ein Jordansches Organ ausgebildet. Ocellen (Punktaugen) können vorhanden sein oder fehlen. Bei den Männchen sind die Fühler fadenförmig und gewimpert, bei den Weibchen sind sie nur selten mit einigen wenigen Wimpern versehen. Mandibeln fehlen. Die Maxillarpalpen bestehen meist aus vier Segmenten, bei der Gattung Acentria sind sie sehr klein und bestehen nur aus drei Segmenten. Der Saugrüssel besitzt eine normale Länge und ist spiralförmig aufgerollt, nur bei der Gattung Acentria ist er stark reduziert. Die Labialpalpen bestehen normalerweise aus drei Segmenten. Die Gattung Acentria bildet mit aus zwei Segmenten bestehenden und herabhängenden Labialpalpen eine Ausnahme. Bei allen anderen Gattungen sind sie ausgestreckt. Die Labialpalpen sind ein bis dreimal so lang wie der Augendurchmesser.
Auf den Vorderflügeln sind die Adern R3 und R4 gestielt. Die Ader R5 entspringt direkt an der Zelle. Die Ader R2 ist stets an R3+4 angenähert und in vielen Fällen mit dieser querverbunden. Diese Anastomose ist allerdings kein Merkmal, das die Acentropinae von anderen Unterfamilien unterscheidet, wie von 1897 formuliert, da sie auch bei anderen Unterfamilien der Crambidae gefunden wird. Auch innerhalb der Acentropinae gibt es einige Ausnahmen. Ansonsten besitzen die Acentropinae die typische Flügeladerung der Crambidae. Viele Gattungen wie beispielsweise Cataclysta haben auf den Hinterflügeln Augenflecke, die aber nicht nur bei den Acentropinae zu finden sind. Man findet sie auch bei den Gattungen Archischoenobius , 1984 (Schoenobiinae), Aureopteryx , 1954 (Glaphyriinae) und Talanga , (Pyraustinae).
Die Flügelschuppen ähneln denen der meisten Pyraloidea sehr stark. Bei den meisten Arten der Acentropinae sind sie parallelrandig, distal leicht gezähnt, hohl und haben eine charakteristische Perforation. Abweichungen davon findet man beispielsweise bei Kasania arundinalis und Acentria ephemerella. Bei der erstgenannten Art befindet sich das distale Ende des Schuppenstiels in einer Einbuchtung an der Schuppenbasis. Die Schuppe ist parallelrandig und distal stark gezähnt. Bei der zweiten genannten Art ist die Schuppenform sehr ungewöhnlich. Die Seitenränder verlaufen nicht parallel, sondern enden proximal in zwei Spitzen. Der Stiel sitzt nicht am Schuppenende, sondern ist auf die Unterseite verschoben. Er ist nicht von oben sichtbar, da er von der Schuppe verdeckt wird. Die Schuppe ist distal an zwei oder drei Stellen tief eingeschnitten und die Längsrippen teilen sich in Fasern mit abstehenden Enden.
Bei den Männchen ist ein gut entwickelter, beweglicher Gnathos ausgebildet, der zur Unterscheidung zwischen Acentropinae und Pyraustinae verwendet werden kann, da er letzteren fehlt. Der Gnathos ist klein und häufig an der Basis mit dem Tegumen verschmolzen. Das Signum besteht aus paarigen sklerotisierten Flecken, deren Achse normalerweise parallel zur Längsachse des Corpus bursae verläuft.
Die Puppe besitzt kräftige Frontalborsten und ist hemipneustisch, d. h., sie hat ein oder mehrere geschlossene Tracheenpaare. Am Mesothorax sind keine Stigmata ausgebildet. Die offenen Stigmata auf den Abdominalsegmenten 2 bis 4 sind röhrenförmig verlängert. Sie sind charakteristisch für die Unterfamilie und von keiner anderen Schmetterlingsgruppe bekannt. Ihre Funktion ist bisher unbekannt, man nimmt an, dass sie sich im Zusammenhang mit der Unterwasseratmung entwickelt haben. Die Stigmata auf den Segmenten 5 bis 8 sind nur oberflächliche Narben, an denen innen die Gefäßinnenhaut der Tracheen ansetzt. Nach dem Schlupf der Falter verbleibt diese filamentöse Gefäßinnenhaut in der Exuvie.
Biologie Die Vertreter der Acentropinae leben ausschließlich in Feuchtgebieten und aquatischen Habitaten. Die Fähigkeiten, auf der Wasseroberfläche oder sogar unter Wasser zu leben, sind artabhängig unterschiedlich oder können auch durch die Ontogenese bedingt sein. Bei jungen Raupen ist ein nach außen abgeschlossenes Tracheensystem ausgebildet, das den Sauerstoff über die hydrophile Exokutikula aufnimmt. Spätere Raupenstadien entwickeln entweder eine Plastronatmung oder nehmen den Sauerstoff über Tracheenkiemen auf. Die Verpuppung findet innerhalb eines luftgefüllten Seidengespinstes statt. Hier erhält die Puppe den lebensnotwendigen Sauerstoff über offene Stigmata aus der Luft innerhalb des Gespinstes. Der Sauerstoff diffundiert dabei – bedingt durch den Gradienten des Partialdrucks – aus dem umgebenden Wasser in das Gespinst nach. Die Falter können mit ihren langen Beinen direkt auf der Wasseroberfläche landen. Die Weibchen legen auf diese Weise die Eier an aquatischen Wirtspflanzen ab. Dazu wird der hintere Teil des Abdomens unter Wasser getaucht.
Systematik mini|Anydraula glycerialis mini|Cataclysta camptozonale mini|Elophila icciusalis mini|Hygraula nitens mini|Nymphula stagnata mini|Parapoynx stratiotata mini|Strepsinoma hapilistalis
Zur Unterfamilie Acentropinae wird heute fast immer die früher selbständige Unterfamilie Nymphulinae im Status eines Tribus gerechnet. In Europa kommen 13 Arten in sechs Gattungen vor. Eine Anzahl von Arten wurde nach Europa eingeschleppt und besiedelt Gewächshäuser mit Wasserpflanzen. Weltweit sind derzeit insgesamt etwa 730 Arten in 78 Gattungen bekannt:
Acentria , 1829 Agassiziella , 1989 Almonia , 1866 Anydraula , 1885 Araeomorpha , 1908 Argyractis , 1897 Argyractoides , 1956 Argyrophorodes , 1956 Aulacodes , 1854 Banepa , 1888 Brevicella , 1912 Callilitha , 1959 Cataclysta , 1825 Chrysendeton , 1881 Clepsicosma , 1888 Compsophila , 1886 Contiger , 1956 Cryptocosma , 1863 Decticogaster , 1880 Diathraustodes , 1896 Dodanga , 1886 Elophila , 1822 Eoophyla , 1900 Eoparargyractis , 1956 Ephormotris , 1933 Eristena , 1896 Eurytorna , 1886 Galadra , 1865 Gethosyne , 1896 Giogia , 1965 Glyphandra , 1900 Goniopalpia , 1903 Hemiloba , 1901 Hyaloplaga , 1892 Hygraula , 1885 Hylebatis , 1908 Kasania , 1910 Langessa , 1972 Lasiogyia , 1907 Lathroteles , 1971 Leucogephyra , 1896 Margarochroma , 1896 Margarosticha , 1863 Neargyractis , 1956 Neocataclysta , 1956 Neoschoenobia , 1900 Neurophruda , 1896 Nicaria , 1880 Niphadaza , 1886 Nyctiplanes , 1937 Nymphicula , 1880 Nymphula , 1802 Nymphuliella , 1956 Nymphulodes , 1919 Oligernis , 1894 Oligostigma , 1854 Oligostigmoides , 1956 Opisthedeicta , 1890 Osphrantis , 1897 Oxyelophila , 1922 Paracataclysta , 1983 Paracymoriza , 1890 Parapoynx , 1825 Petrophila , 1830 Potamomusa , 1985 Pseudlithosia , 1907 Pythagoraea , 1929 Stegothyris , 1863 Strepsinoma , 1897 Symphonia , 1896 Synclitodes , 1974 Temnobasis , 1916 Teratausta , 1903 Teratauxta , 1901 Tetrernia , 1890 Theila , 1900 Thevitella , 1958 Usingeriessa , 1956
Belege
Weblinks Lepiforum Fotoübersicht Acentropinae Markku Savela
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