U 107 war ein deutsches U-Boot vom Typ IX B, das im Zweiten Weltkrieg von der deutschen Kriegsmarine eingesetzt wurde.
Geschichte
Der Auftrag für das Boot wurde am 24. Mai 1938 an die AG Weser in Bremen vergeben. Die Kiellegung erfolgte am 6. Dezember 1939, der Stapellauf am 2. Juli 1940, die Indienststellung unter Kapitänleutnant Günter Hessler fand schließlich am 8. Oktober 1940 statt. Wie die meisten deutschen U-Boote seiner Zeit hatte auch U 107 ein bootsspezifisches Zeichen, das am Turm und von der Besatzung an Mützen und Schiffchen getragen wurde. Es handelte sich um vier Asse. Die Besatzung hatte sich für dieses Symbol entschieden, da Kommandant Hessler ein begeisterter Patience-Spieler war.Georg Högel: Embleme, Wappen, Malings deutscher U-Boote 1939–1945. 5. Auflage. Koehlers Verlagsgesellschaft mbH, Hamburg 2009, ISBN 978-3-7822-1002-7, Seite 152.
Das Boot gehörte nach seiner Indienststellung am 8. Oktober 1940 bis zum 31. Dezember 1940 als Ausbildungsboot zur 2. U-Flottille in Wilhelmshaven. Nach der Ausbildung gehörte U 107 vom 1. Januar 1941 bis zu seiner Versenkung am 18. August 1944 als Frontboot zur 2. U-Flottille in Wilhelmshaven bzw. Lorient.
Einsatz und Geschichte U 107 absolvierte während seiner Dienstzeit 13 Unternehmungen, auf denen 39 Schiffe mit einer Gesamttonnage von 217.786 BRT versenkt und ein Schiff mit 10.068 BRT beschädigt wurde.
Erste Unternehmung mini|Der Bugraum von U 107 Das Boot lief am 24. Januar 1941 um 8.50 Uhr von Wilhelmshaven aus und lief am 1. März 1941 um 10.00 Uhr in Lorient ein. Auf dieser 46 Tage dauernden und zirka 5.420 sm über und 108 sm unter Wasser langen Unternehmung in den Nordatlantik sowie westlich des Nordkanals und Irlands wurden vier Schiffe mit 18.482 BRT versenkt.
3. Februar 1941: Versenkung des britischen Dampfers Empire Citizen () mit 4.683 BRT. Der Dampfer wurde durch zwei Torpedos versenkt. Er hatte Stückgut sowie zwölf Passagiere an Bord und befand sich auf dem Weg von Liverpool nach Rangoon. Das Schiff war ein Nachzügler des Konvois OB-279 mit 39 Schiffen. 66 Crewmitglieder und zwölf Passagiere wurden getötet, fünf Crewmitglieder wurden gerettet. 3. Februar 1941: Versenkung des britischen Dampfers Crispin () mit 5.051 BRT. Der Dampfer wurde durch einen Torpedo versenkt. Die Crispin war ein Kommando- und Rettungsschiff. Es gehörte zum aufgelösten Konvoi OB-280 mit 27 Schiffen. Es gab keine Verluste, 121 Überlebende. 6. Februar 1941: Versenkung des kanadischen Dampfers Maplecourt () mit 3.388 BRT. Der Dampfer wurde durch einen Torpedo versenkt. Er hatte 3.604 t Stückgut inklusive 1.540 t Stahl geladen und befand sich auf dem Weg von Montreal über Sydney nach Preston. Das Schiff war ein Nachzügler des Konvois SC-20 mit 42 Schiffen. Es war ein Totalverlust mit 37 Toten. 24. Februar 1941: Versenkung des britischen Dampfers Manistee () mit 5.360 BRT. Der Dampfer wurde durch zwei Torpedos versenkt. Die Manistee war ein Kommando- und Rettungsschiff. Sie gehörte zum Konvoi OB-288 mit 46 Schiffen.
Zweite Unternehmung mini|U 107 in Lorient (1941) Das Boot lief am 29. März 1941 um 19.30 Uhr von Lorient aus und lief am 2. Juli 1941 um 10.53 Uhr wieder dort ein. Auf dieser 106 Tage dauernden und 15.744 sm über und 173 sm unter Wasser langen Unternehmung, wurden 14 Schiffe mit 86.699 BRT versenkt. U 107 wurde am 3. Mai 1941 von dem Versorger Nordmark mit Brennstoff und Proviant versorgt, sowie vom 9. bis zum 10. Mai 1941 vom Versorger Egerland mit Torpedos und Brennstoff. Diese Feindfahrt von U 107 war die erfolgreichste Einzelunternehmung eines U-Bootes während des gesamten Krieges.
8. April 1941: Versenkung des britischen Dampfers Eskdene () mit 3.829 BRT. Der Dampfer wurde durch einen Torpedo und Artillerie versenkt. Er hatte 5.167 t Kohle sowie Stückgut geladen. Das Schiff gehörte zum Konvoi OG-57 mit 37 Schiffen. Es gab keine Verluste, 39 Überlebende. 8. April 1941: Versenkung des britischen Dampfers Helena Margareta () mit 3.316 BRT. Der Dampfer wurde durch einen G7e-Torpedo versenkt. Er fuhr in Ballast und war auf dem Weg vom Tyne nach Takoradi. Das Schiff gehörte zum aufgelösten Konvoi OG-57 mit 37 Schiffen. Es gab 27 Tote und neun Überlebende. 9. April 1941: Versenkung des britischen Dampfers Harpathian () mit 4.671 BRT. Der Dampfer wurde durch einen G7e-Torpedo versenkt. Er hatte Güter für die britische Luftwaffe (RAF) geladen und befand sich auf dem Weg von Middlesbrough und dem Clyde nach Freetown. Das Schiff gehörte zum Konvoi OG-57 mit 57 Schiffen. Es gab vier Tote und 39 Überlebende. 10. April 1941: Versenkung des britischen Tankers Duffield () mit 8.516 BRT. Der Tanker wurde durch drei G7e-Torpedos versenkt. Er hatte 11.700 t Heizöl geladen und befand sich auf dem Weg von Curaçao nach Gibraltar. Das Schiff gehörte zum Konvoi OG-57 mit 35 Schiffen. Es gab 25 Tote und 28 Überlebende. 21. April 1941: Versenkung des britischen Dampfers Calchas () mit 10.305 BRT. Der Dampfer wurde durch zwei Torpedos versenkt. Er hatte 9.000 t Stückgut inklusive Weizen, Butter, Mehl, Stahl sowie neun Passagiere an Bord und befand sich auf dem Weg von Sydney (Nova Scotia) über Freetown (Sierra Leone) nach Liverpool. 23 Crewmitglieder und ein Passagier kamen ums Leben, 88 Mann überlebten. 30. April 1941: Versenkung des britischen Motorschiffes Lassell () mit 7.417 BRT. Das Schiff wurde durch einen Torpedo versenkt. Es hatte 7.000 t Stückgut geladen und befand sich auf dem Weg von Liverpool nach Rio de Janeiro und Buenos Aires. Das Schiff gehörte zum Konvoi OB-309 mit 49 Schiffen. Es gab 17 Tote und 36 Überlebende. Von den 36 Überlebenden kamen 15 bei der Versenkung des Dampfers Benvrackie um, der von U 105 versenkt wurde. 17. Mai 1941: Versenkung des niederländischen Tankers Marisa () mit 8.029 BRT. Der Tanker wurde durch zwei Torpedos und Artillerie versenkt. Er fuhr in Ballast und war auf dem Weg von Freetown (Sierra Leone) nach Curacao. Es gab drei Tote und 46 Überlebende. 18. Mai 1941: Versenkung des britischen Dampfers Piako () mit 8.286 BRT. Der Dampfer wurde durch zwei Torpedos versenkt. Er hatte 7.100 t Gefrierfleisch, 1.500 t Zink, 24 Säcke Post, 1.500 t Butter sowie 1.500 t Fleisch geladen und befand sich auf dem Weg von Albany über Freetown (Sierra Leone) nach Liverpool. Es gab zehn Tote und 65 Überlebende. 27. Mai 1941: Versenkung des britischen Dampfers Colonial () mit 5.108 BRT. Der Dampfer wurde durch zwei G7a-Torpedos versenkt. Er hatte 3.500 t Stückgut geladen und befand sich auf dem Weg von Liverpool über Freetown (Sierra Leone) nach Beira. Das Schiff gehörte zum aufgelösten Konvoi OB-316 mit 38 Schiffen. Es gab keine Verluste, 100 Überlebende. 28. Mai 1941: Versenkung des griechischen Dampfers Papalemos () mit 3.748 BRT. Der Dampfer wurde durch einen G7a-Torpedo und Artillerie versenkt. Er hatte 5.460 t Getreide geladen und befand sich auf dem Weg von Freetown (Sierra Leone) nach Großbritannien. Es gab zwei Tote und 27 Überlebende. 31. Mai 1941: Versenkung des britischen Dampfers Sire () mit 5.664 BRT. Der Dampfer wurde durch einen G7a-Torpedo versenkt. Er fuhr in Ballast und war auf dem Weg von Las Palmas nach Pepel (Sierra Leone). Das Schiff gehörte zum aufgelösten Konvoi OB-320 mit 18 Schiffen. Es gab drei Tote und 46 Überlebende. mini|Schiffbrüchige in einem im Juni 1941 bei U 107 längsseits kommenden Boot 1. Juni 1941: Versenkung des britischen Motorschiffes Alfred Jones () mit 5.013 BRT. Das Schiff wurde durch drei Torpedos versenkt. Es hatte 2.000 t Militärgüter inklusive Flugzeugen, Lastkraftwagen sowie 180 t Stahl geladen. Das Schiff gehörte zum aufgelösten Konvoi OB-320 mit 16 Schiffen. Es gab 14 Tote und 50 Überlebende. Die Alfred Jones war kein Q-Schiff, es war das Schiff des Konvoi-Kommodore und seines Stabes. 8. Juni 1941: Versenkung des britischen Motorschiffes Adda () mit 7.816 BRT. Das Schiff wurde durch einen G7a-Torpedo versenkt. Es hatte 613 t Stückgut sowie 266 Passagiere an Bord. Das Schiff gehörte zum aufgelösten Konvoi OB-323 mit 34 Schiffen. Sieben Crewmitglieder, der Kommandant des Konvois und zwei Passagiere wurden getötet, 146 Crewmitglieder, fünf Mann Marinepersonal und 264 Passagiere wurden gerettet. 13. Juni 1941: Versenkung des griechischen Dampfers Pandias () mit 4.981 BRT. Der Dampfer wurde durch einen G7a-Torpedo versenkt. Er hatte 4.894 t Kohle sowie 1.050 t Militärgüter inklusive elf Spitfire Flugzeuge geladen und befand sich auf dem Weg von Newport über Tafelbucht nach Alexandria. Es gab elf Tote und 23 Überlebende.
Dritte Unternehmung Das Boot lief am 6. September 1941 um 19.00 Uhr von Lorient aus und lief am 11. November 1941 um 10.30 Uhr wieder dort ein. Auf dieser 66 Tage dauernden und zirka 10.140 sm über und 46 sm unter Wasser langen Unternehmung in den Mittelatlantik, den Kanarischen Inseln, der Kapverdischen Inseln und vor Freetown, wurden drei Schiffe mit 13.641 BRT versenkt. U 107 gehörte zu einer U-Bootgruppe mit dem Tarnnamen „Störtebecker“. Kommandant Heßler entdeckte am 21. September den Geleitzug Sierra Leone 87 (SL-87), der aus elf Dampfern bestand, die von einer mäßig koordinierten Sicherungsgruppe begleitet wurden. Den Maßgaben der Rudeltaktik folgend unterließ es Heßler zunächst, anzugreifen, sondern versuchte durch Meldezeichen weitere Boote heranzuführen. Als Karl-Friedrich Merten mit U 68 das Gebiet erreichte, entschloss sich auch Heßler zur Attacke. Da zunächst vier seiner Torpedos versagten und dann der Dieselmotor ausfiel, brach Heßler seine Bemühungen ab, zog sich mit U 107 zurück und griff erst zwei Tage später wieder in den Kampf um SL-87 ein.
24. September 1941: Versenkung des britischen Dampfers Dixcove () mit 3.790 BRT. Der Dampfer wurde durch einen Torpedo versenkt. Er hatte 3.046 t westafrikanische Produkte sowie sechs Passagiere an Bord und befand sich auf dem Weg von Port Harcourt über Freetown (Sierra Leone) nach Liverpool. Das Schiff gehörte zum Konvoi SL-87 mit elf Schiffen. Es gab zwei Tote und 56 Überlebende. 24. September 1941: Versenkung des britischen Dampfers John Holt () 4.975 BRT. Der Dampfer wurde durch einen Torpedo versenkt. Er hatte 4.560 t Westafrikanische Produkte sowie neun Passagiere an Bord und war auf dem Weg von Douala nach Liverpool. Das Schiff gehörte zum Konvoi SL-87 mit elf Schiffen. Es gab einen Toten und 68 Überlebende. 24. September 1941: Versenkung des britischen Dampfers Lafian () mit 4.876 BRT. Der Dampfer wurde durch einen Torpedo versenkt. Er hatte 5.724 t Palmkerne, 1.128 t Holz, 810 t Palmöl, Edelmetall Barren sowie vier Passagiere an Bord. Das Schiff gehörte zum Konvoi SL-87 mit elf Schiffen. Es gab keine Verluste, 46 Überlebende.
Kommandant Heßler meldete drei Schiffe mit insgesamt 26.000 BRT versenkt zu haben, überschätzte dabei aber die tatsächlich versenkte Tonnage erheblich. Zusätzlich funkte er zur Befehlsstelle, dass von SL-87 nur noch ein Schiff übrig sei, das zudem effizient bewacht werde. Dies entsprach nicht den Tatsachen. Tatsächlich waren noch fünf Schiffe erhalten – auch Kommandant Merten hatte seine Erfolge erheblich überschätzt – und die Sicherungsgruppe kämpfte mit Treibstoffmangel. Heßlers Schwiegervater Karl Dönitz entschloss sich nach Erhalt dieses irreführenden Berichts, den Angriff auf SL-87 abzubrechen.
Vierte Unternehmung Das Boot lief am 10. Dezember 1941 um 11.00 Uhr von Lorient aus und lief am 26. Dezember 1941 um 15.00 Uhr wieder dort ein. Auf dieser 16 Tage dauernden und zirka 3.700 sm über und 114 sm unter Wasser langen Unternehmung in den Nordatlantik, westlich von Spanien und Gibraltar, wurden keine Schiffe versenkt oder beschädigt.
Fünfte Unternehmung