Gid Tanner and his Skillet Lickers (auch: Gid Tanner and the Skillet Lickers in der Bedeutung Gid Tanner und seine Bratpfannenlecker) war eine US-amerikanische Countryband, die ihre größten Erfolge in den 1920er- und 1930er-Jahren verzeichnen konnte. Die Band zählt zu den frühesten Stars der Old-Time Music.

Karriere Anfänge 1925 kam Frank Walker, der A&R-Manager von Columbia Records nach Atlanta, um dort eine Stringband zusammenzustellen. Er griff auf die Musiker Gid Tanner und den blinden Riley Puckett zurück, die bei Columbia schon einige Platten veröffentlicht hatten. Zusammen mit dem Fiddler Clayton McMichen und dem Banjospieler Fate Norris nannte sich die Band Gid Tanner and his Skillet Lickers. Der Name entstand in Anlehnung an McMichens Lickskillet Band, mit der Tanner vor 1920 schon bei den Atlanta Fiddler’s Conventions aufgetreten war.

Ihre erste Schallplatte, die 1926 mit Bully of the Town auf der A-Seite und Pass Around the Bottle auf der B-Seite erschien, übertraf alle Erwartungen. Mit über 200.000 verkauften Exemplaren war die Single eine der erfolgreichsten Neuerscheinungen des Jahres und beförderte die Gruppe in eine Art „Starstatus“.Charles K. Wolfe: Classic Country, Pluto Press Australia; S. 79Donald Clarke: The Penguin Encyclopedia of Popular Music, London 1989/1990, ISBN 0-14-051147-4, S. 945, S. 288

Erfolge Die nächste Veröffentlichung Watermelon Hangin’ on the Vine – Hand Me Down My Walkin’ Cane vom September 1926 war fast so erfolgreich wie das Debüt. Bei beiden Titeln übernahm erstmals Gid Tanner den Gesang. Dies sollte er während der nächsten Jahre regelmäßig tun, eigentlicher Sänger blieb jedoch weiterhin Puckett. Innerhalb eines Jahres avancierten Gid Tanner und seine Skillet Lickers neben Charlie Poole and his North Carolina Ramblers zu den erfolgreichsten Hillbilly-Musikern der damaligen Zeit.[ All Music Guide: Gid Tanner] Sie bestritten Auftritte im WLS National Barn Dance und maßen sich mit den damaligen Größen des Showgeschäfts, indem sie die Fiddler der Grand Ole Opry in Nashville, Tennessee zum Fiddler’s Contest herausforderten. Zudem gingen sie auf ausgedehnte Tourneen und waren nur zweimal im Jahr im Studio, wo sie alle Titel des jeweiligen Jahres einspielten.

Ihre dritte Single A Corn Licker Still in Georgia enthielt erstmals Comedy-Einlagen unter der Leitung Tanners, der ein talentierter Entertainer war. Auch diese abwechslungsreiche Musikvariante war äußerst erfolgreich.Wayne W. Daniel: Pickin’ on Peachtree: A History of Country Music in Atlanta, Georgia; University of Illinois Press, 2001

mini|links|Ride Old Buck to Water, 1930 Auch in der folgenden Zeit wurden alle Singles der Skillet Lickers Hits, unter anderem Soldier’s Joy, Slow Buck und A Fiddler’s Convention in Georgia. Besonders prägnant waren die sich ergänzenden Fiddle-Einlagen Tanners und McMichens sowie Pucketts Gitarrenspiel, das späteren Kontrabassspielern als Vorlage dienen sollte. Er war einer der ersten Musiker, die das Walking-Bass-Prinzip anwendeten, also die Saiten nacheinander der Tonhöhe entsprechend zu zupfen (vgl. dazu Ride Old Buck to Water).[ All Music Guide: Riley Puckett]

Auch wenn die Veröffentlichungen der Gruppe ungefähr 20 Prozent der gesamten Hillbilly-D-Serie Columbias, der Veröffentlichungsreihe mit Old-Time-Musik, ausmachten, so verdienten die Mitglieder überwiegend Geld mit ihren Tourneen, die sie durch die Südstaaten und auch in den Norden der USA führten.Theodore Roosevelt: The Winning of the West, Volume 1. BiblioBazaar, 2006, ISBN 1-4264-5680-8, S. 134 Sie tourten unter anderem auch mit Lowe Stokes, Bert Layne, Arthur Tanner und Bill Helms.

Helms zufolge spielte die Band meistens auf Fiddlewettbewerben, die drei Tage dauerten: „These conventions would last usually three days in one place, and the last night was usually contest night – you fiddled off and they had prizes for guitar and banjo players. …“Theodore Roosevelt: The Winning of the West. Volume 1. BiblioBazaar, 2006, ISBN 1-4264-5680-8, S. 135 f. („Diese Veranstaltungen dauerten gewöhnlich drei Tage, und am letzten Abend fand normalerweise der Wettbewerb statt - man gab sein Bestes an der Fiddle, und es gab Preise für Gitarristen und Banjospieler. …“). Obwohl es im Süden der USA bereits Stummfilmkinos gab, erfreuten sich die Wettbewerbe größerer Beliebtheit, so Helms: „[…] they was crazy about hillbilly fiddling and banjo picking and, man, you’d fill every place you went up.“ („Sie [die Leute] waren verrückt nach Hillbilly-Musik, und die Veranstaltungen waren immer ausverkauft.“). Laut Helms nahm die Band an einem Abend bis zu 400 Dollar ein, bei einem Preis von 25 Cent für Erwachsene; Kinder zahlten 15 Cent.

Niedergang und Neuformierung Obwohl Clayton McMichen schon seit Beginn der Skillet Lickers nicht zufrieden mit der Situation war, wurde es 1930 absehbar, dass die Differenzen der Mitglieder immer schlimmer wurden. McMichen hatte zusammen mit Bert Layne, Lowe Stokes und einer Reihe anderer Musiker für Brunswick Records bereits 1928/1929 verschiedene Jazz-orientierte Stücke aufgenommen, so zeigte sich nun auch mit seiner neuen Band, den Georgia Wildcats, die deutliche Entwicklung zum Western Swing. Der traditionelle Stil der Skillet Lickers stand daher im Gegensatz zu McMichens experimentellen Klängen, sodass für ihn klar war, die Band zu verlassen.

Neben den inneren Streitigkeiten verschärfte auch die Weltwirtschaftskrise und die daraus resultierende schlechte Lage der Plattenindustrie die Lage der Skillet Lickers. Columbia wurde hart von der Krise getroffen und versuchte über die Band, die in den letzten Jahren Garant für hohe Verkaufszahlen und Profit waren, ihre Lage zu verbessern.Richard L. Matteson Jr: Mac and the Skillet Lickers. Part 5. Bluegrass Music and Artwork blog Am 24. Oktober 1931 fand die letzte Session der Skillet Lickers statt. Eigentlich hatte Clayton McMichen die Gruppe bereits verlassen, vor allem wegen der Differenzen mit den anderen Musikern. Da er aber von Columbia überdurchschnittlich gut für seine Aufnahmen bezahlt wurde, nahm er das Angebot an, da er jetzt auch eine Familie zu versorgen hatte. Auf dieser letzten Session in Atlanta fehlte Fate Norris aus bis heute ungeklärten Gründen, sodass Gid Tanner am Banjo einspringen musste und dieser wiederum durch Bert Layne an der Fiddle ersetzt wurde. Dadurch ergab sich eine Besetzung mit Riley Puckett (Gesang/Gitarre), Clayton McMichen (Fiddle), Lowe Stokes (Fiddle), Bert Layne (Fiddle) und Gid Tanner (Banjo).

Für Frank Walker war von Anfang an klar, dass die Band irgendwann zerbrechen würde, da die Charaktere zu unterschiedlich waren. Der liberale McMichen, der vor allem eine Vorliebe für Jazz hatte, und der konservative Norris hatten die größten Differenzen. Tanner, der oft Streitschlichter sein musste, konnte die Band sechs Jahre lang mit Kompromissen zusammenhalten, danach musste auch er aufgeben. McMichen sagte später in einem Interview dazu: „Two or three in there [the Skillet Lickers] couldn’t play“ („zwei oder drei von ihnen konnten nicht spielen“) und dass er es nicht mochte, mit ihnen zu spielen: „they just was about 30 years behind us, or 40, in the music business“ („Sie hinkten in musikalischer Hinsicht 30 oder 40 Jahre hinter uns her“).

Trotz der Wirtschaftskrise und den schleppenden Verkäufen waren die Skillet Lickers weiterhin äußerst populär.Richard L. Matteson Jr: Mac and Slim: On the Road Again. Bluegrass Music and Artwork blog Als McMichen zusammen mit seiner neuen Band 1931 nach Covington, Kentucky, ging und bei WCKY auftrat, wurde Riley Puckett eingebracht und als „Skillet Lickers“ aufgetreten. Der Besitzer des Senders verschaffte der Band reichlich Auftritte in der Umgebung – an einem Konzert war die Besucherschlange sogar drei Blocks lang. Doch McMichen und seine Band verließen WCKY, um ein lukrativeres Angebot bei WLW anzunehmen. Die fehlenden Musiker wurden durch Gid Tanner und Fiddler Bill Helms ersetzt.

rechts|200px|Down Yonder, 1934 mini|links|Back Up and Push, 1934

1934 unterzeichnete Tanner bei Bluebird Records und formierte neue Skillet Lickers mit Riley Puckett an der Gitarre, Ted Hawkins an der Mandoline, seinem Bruder Arthur am Banjo und seinem Sohn Gordon, der Fiddle spielte. Aus ihrer Session in San Antonio, Texas, stammt ihr letzter und zugleich größter Hit Down Yonder. Für Tanner war es das letzte Mal, dass er ein Studio betrat. Auftritte bestritten jedoch alle Mitglieder weiterhin, 1935 beim Radiosender WJTL in Atlanta sogar zusammen als Gruppe.

Die Skillet Lickers heute Im Zuge des Folk-Revivals in den 1960er Jahren rief Gid Tanners Sohn Gordon die Band seines Vaters wieder ins Leben. Gid Tanner selbst erlebte dies nicht mehr, er war bereits 1960 gestorben. Seit Mitte der 1980er Jahre werden die Skillet Lickers von Gid Tanners Enkel Phil unter dem Namen Phil Tanner’s Skillet Lickers geleitet. 1992 erschien auf Global Village Records das Album The Tanner Legacy Now, das neue und alte Stücke enthält. Auch Phils Sohn Russel spielt in der Band. In dieser Konstellation treten die Skillet Lickers weiterhin auf Folk- und Bluegrass-Festivals auf.

1988 wurden die Skillet Lickers in die Georgia Music Hall of Fame und in die Atlanta Country Music Hall of Fame aufgenommen.

Musikalisches Werk Einfluss und Leistung Die Skillet Lickers sind eine der erfolgreichsten und einflussreichsten Bands der Hillbilly-Musik. Die Stringband sollte den Bluegrass weitreichend beeinflussen und stellte auch für spätere Folkmusiker eine Vorlage darWayne W. Daniel: Pickin’ on a Peach Tree: A History of Country Music in Atlanta. University of Illinois Press, 2001. Die Fiddle-Spielweise McMichens und Tanners war zur damaligen Zeit unverwechselbar und auch Pucketts Gitarrenspiel trug zum besonderen Klang der Musik bei. Jedoch waren die Skillet Lickers keineswegs Profimusiker, lediglich Riley Puckett verdiente seinen Lebensunterhalt mit der Musik; aufgrund seines fehlenden Augenlichts hatte er wenig andere Möglichkeiten. McMichen war hauptberuflich Automechaniker und Gid Tanner Farmer. Über Fate Norris’ Tätigkeiten ist nichts bekannt, jedoch ist es wahrscheinlich, dass auch er kein professioneller Musiker war. In einem kleinen Dialog vor der Aufnahme des Stückes Nancy Rollin, der mitgeschnitten wurde, erzählt Norris von einer Firma, bei der er arbeite ([…] the company I am workin’ for…).

Repertoire Das Repertoire der Skillet Lickers reichte von alten Traditionals wie Old Joe Clark, John Henry oder Cotton-Eyed Joe über damals moderne Stücke wie Wendell Halls It Ain’t Gonna Rain No Mo’ oder Vernon Dalharts Wreck of the Old Southern '97 bis hin zu Gospel-Arrangements wie Don’t You Hear Jerusalem Moan? oder sogar Marschlieder wie It’s a Long Way to Tipperary. Den größten Anteil ihrer Stücke stellten jedoch die Traditionals, Stücke, die die Mitglieder schon in ihrer Jugend von Verwandten oder Bekannten erlernten. Einige Titel waren melodisch vollkommen gleich, lediglich der Text wurde verändert, wie bei Flatwoods und Cotton-Eyed Joe.

Einen besonderen Teil ihres Repertoires machten die Sketche aus, was damals vollkommen neu war und sich äußerst gut verkaufte.[ The Skillet Lickers.] All Music Guide. Das bekannteste Beispiel ist wohl A Corn Licker Still in Georgia, das insgesamt 14 verschiedene Teile bot, von denen jedoch nicht alle veröffentlicht wurden. Die ersten beiden Teile erschienen 1926, verteilt auf A- und B-Seite. Hierbei war McMichen oft Erzähler und führte so die Geschichte weiter. Tanner dagegen mimte oft den Clown, der zwischendurch Witze zum Besten gab oder durch seine Ungeschicktheit lustig auffiel.