Langenargen ist eine baden-württembergische Gemeinde am Nordufer des Bodensees, etwa acht Kilometer östlich von Friedrichshafen im Bodenseekreis.

Lage mini|Langenargen Die Gemeinde liegt zwischen den Mündungen der Bodenseezuflüsse Argen und Schussen auf einer weit in den hier besonders breiten Bodensee hineinragenden Landzunge.

Nachbargemeinden Langenargen grenzt im Westen an Eriskirch, im Norden an Tettnang und im Osten an Kressbronn. Im Süden bildet der Bodensee die natürliche Grenze zur Schweiz.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde Langenargen gehören die Dörfer Langenargen und Oberdorf, die Weiler Bierkeller, Schwedi und Tuniswald sowie die Höfe Endringerhof und Mückle.

Schutzgebiete Im Gebiet der Gemeinde Langenargen sind vom Regierungspräsidium Tübingen oder dem Landratsamt Bodenseekreis als unterer Naturschutzbehörde ein Naturschutzgebiet („Argen“) und fünf Landschaftsschutzgebiete („Argenaue Reutenen“, „Eiszeitliche Ränder des Argentals mit Argenaue“, „Sand- bzw. Baggergruben nördlich und westlich des Bierkellers“, „Tettnanger Wald mit Hochwacht, Krüntenbühl, Reichenbühl, Argenhardter Kopf, Schoos und Steilrand des Argentales an dem Schwandenbogen“ und „Württembergisches Bodenseeufer“) ausgewiesen.

Geschichte mini|Strandbad um 1900 In den 1990er Jahren wurden auf dem Gemeindegebiet römische Funde des ersten und zweiten nachchristlichen Jahrhunderts gemacht, was zu der These führte, dass der Ortsname „Ad Arguna“ auch ohne lückenlose Besiedlungskontinuität möglicherweise auf eine römische topographische Bezeichnung zurückgeht (wie beispielsweise von dem Archäologen Eric Breuer vertreten).

Langenargen wurde unter dem Namen „Arguna“ im Jahr 773 in einer Schenkungsurkunde an das Kloster St. Gallen zum ersten Mal urkundlich erwähnt.Stiftsarchiv St. Gallen (Hrsg.): Chartularium Sangallense. Band I, St. Gallen 2013, S. 54 f. 1193 war Heinrich von Veringen „Custos et Cellarius“ der Kirche Langenargen (ecclesiae Argeninensis). Seit 1290 im Besitz der Grafen von Montfort, entstand hier ab 1343 eine Burg und eine Münzstätte. Der Ort fungierte sodann bis zum Staatsbankrott des Jahres 1780 als Haupt- (1440–1520) oder Nebenresidenz eines Kleinststaates im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, der Grafschaft Montfort.Elmar Kuhn: Langenargen – fast sechs Jahrhunderte Herrschaft und Residenz der Grafen von Montfort. In: Gemeinde Langenargen (Hrsg.): Jahresrückblick 2015 – Ausblick 2016. Eigenverlag, Langenargen 2016, S. 55 ff.

Herkunft des Ortsnamens Bei der Frage nach der Herkunft des Ortsnamens „Langenargen“ wird oft angenommen, der Name komme daher, dass sich der Ort in einer beträchtlichen Länge am Bodensee-Ufer erstreckt (z. B. Memminger: Beschreibung des Oberamts Tettnang, Verlag J. G. Cotta’sche Buchhandlung, Stuttgart 1838). In der Stiftungsurkunde des Langenargener Hospitals zum Heiligen Geist vom 12. Oktober 1491 findet sich allerdings der Ortsname „Zu der langen Argen“. Auch in der Schwäbischen Chronik des Thomas Lirer von 1486 ist vom „Schloß zu der langen Argo“ die Rede. Beides bezieht sich wahrscheinlich auf den Fluss Argen. In den Kirchenbüchern der Katholischen Kirche von Langenargen findet man im 17. Jahrhundert auch „Arga“ als Ortsname, später auch „Langen Arga“, vermutlich die umgangssprachliche Bezeichnung für „Argen“ bzw. „Langen Argen“.Kirchenbüchern der Katholischen Kirche von Langenargen

Langenargen seit dem 15. Jahrhundert mini|Schloss Montfort am Bodensee mini|Gulden zu 60 Kreuzer von Anton II. von Montfort, 1690 im Münzhof Langenargen geprägt mini|Blick auf die 1896/97 errichtete Argenbrücke 1440 wurde Argen eine Residenz der Montforter Nebenlinie Tettnang-Rothenfels. Um diese aufzuwerten, erwirkte Graf Hugo ab 1447 die Hochgerichtsbarkeit für die Herrschaft Argen, das Recht ein Kauf- und Gredhaus am See zu errichten, sowie das Recht auf einen Wochen- und Jahrmarkt. Den Abschluss dieser Bemühungen bildete das Stadtrecht von Immenstadt, das dem Marktflecken Argen von Kaiser Friedrich III. am 8. Januar 1453 verliehen wurde. Dieses Privileg wurde 1463 bestätigt.Johann B. Kichler: Langenargen und seine Geschichte. Gemeindeverwaltung, Langenargen 1911, S. 47.Peter Eitel: Die Städte der Grafen von Montfort in Oberschwaben. In: Decker-Hauff, Hansmartin, Franz Quarthal, Wilfried Setzler (Hrsg.): Die Pfalzgrafen von Tübingen. Städtepolitik, Pfalzgrafenamt, Adelsherrschaft im Breisgau. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1981, S. 29–38.

Seit 1577 ist in Langenargen eine Schule nachweisbar.

1694 stiftete das Haus Montfort ein Kapuzinerkloster in Langenargen. Ab 1716 erfolgte der Neubau des Hospitals zum Heiligen Geist, ab 1718 der Neubau der katholischen Pfarrkirche St. Martin innerhalb des Stadtgrabens. Ein Vorgängerbau im Unterdorf wurde bis auf den Chor abgebrochen.

Die Stadt und die Burg der Montforter wurden im Dreißigjährigen Krieg stark zerstört, jedoch später wieder aufgebaut (siehe Seekrieg auf dem Bodensee 1632–1648). Die Burg wurde in der Folgezeit zunächst zu einem Schloss ausgebaut (spätes 17. Jahrhundert), um 1800 als Gefängnis genutzt und 1810 zum Abbruch freigegeben.

Neuzeit 1780 traten die verschuldeten Grafen von Montfort ihre Güter an Vorderösterreich ab. Mit dem Frieden von Pressburg fielen diese 1805 an das Kurfürstentum Bayern. Durch den Grenzvertrag von 1810 ging Langenargen an das Königreich Württemberg über und wurde dem Oberamt Tettnang unterstellt. Im Rahmen der bürgerlichen Revolution von 1848 wurde der lebenslange Anspruch auf Gemeindeämter abgeschafft. Schultheiß und Gemeinderat wurden stattdessen zeitlich befristet gewählt. Das neue, bis heute erhaltene Schloss entstand von 1861 bis 1866 als privates Sommerschloss Villa Argena für König Wilhelm I. von Württemberg, der jedoch zwei Jahre vor Fertigstellung verstarb. Das Schloss wurde nach Plänen des Ravensburger Oberamtsbaurates Gottlieb Pfeilsticker mit einem achteckigen Treppen- und Aussichtsturm in der Gebäudemitte errichtet. Als Reminiszenz an das annähernd 500 Jahre hier regierende Grafengeschlecht erhielt es sodann den Namen Schloss Montfort. 1896/97 wurde mit der Hängebrücke über die Argen nach Kressbronn die erste Kabelhängebrücke Deutschlands erbaut. Zwei Jahre später erhielt Langenargen durch die Bahnstrecke Friedrichshafen–Lindau Anschluss an das Streckennetz der Württembergischen Staatseisenbahnen und der benachbarten Bayerischen Staatseisenbahnen.

mini|Panorama von Langenargen bis Lindau, um 1900 Im Ersten Weltkrieg fielen 41 Langenargener. Die Novemberrevolution im Spätherbst 1918, das mit ihr einhergehende Ende der Monarchie und die neuen demokratischen Staatsstrukturen führten auch in Langenargen zu tiefgreifenden gesellschaftlichen Umwälzungen. Erstmals waren alle Männer und auch die Frauen über 20 Jahren wahlberechtigt, im Jahr 1922 zog mit Anna Kling (MSPD) zum ersten Mal eine Frau in den Langenargener Gemeinderat ein.

Zweiter Weltkrieg 1937 erfolgte die Eingemeindung des östlichen Teils der bislang selbstständigen Gemeinde Oberdorf, um Langenargen mehr räumliche Entwicklungsmöglichkeiten zu geben. Die Verwaltungsreform während der NS-Zeit in Württemberg führte 1938 zur Zugehörigkeit zum Landkreis Friedrichshafen, der nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem 168 Einwohner fielen und weiter 34 vermisst wurden, als Landkreis Tettnang fortbestand.

Langenargen heute Seit 1945 lag Langenargen in der Französischen Besatzungszone und kam somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern, das 1952 im Land Baden-Württemberg aufging. In den Jahrzehnten nach dem Krieg wurde das öffentliche Leben Langenargens von der am Ort stark vertretenen französischen Besatzungsmacht geprägt; so war hier bis 1986 die 2. Escadron des 13. Dragoner-Fallschirmjäger-Regiments untergebracht.

1960 gelangte das Schloss Montfort endgültig in den Besitz der Gemeinde. Die Seegfrörne des Jahres 1963, bei der die gesamte Bodenseefläche überfror, entwickelte sich zu einem gigantischen Naturschauspiel und völkerverbindendem Element zwischen den Bodensee-Anrainerstaaten.

1970 gedachte die Gemeinde Langenargen mit glanzvollen Feierlichkeiten ihrer erstmaligen urkundlichen Erwähnung vor 1200 Jahren. Auf Grund der Kreisreform in Baden-Württemberg wurde Langenargen 1973 Bestandteil des Bodenseekreises. 1976 richtete der Verein zur Förderung und Pflege der Kunst ein Museum im ehemaligen barocken Pfarrhaus am Marktplatz ein, das seither überregionale Bekanntheit genießt. Im Sommer 1993 erwiesen zwei prominente Gäste der Bodenseegemeinde ihre Reverenz: Bundeskanzler Helmut Kohl und der französische Staatspräsident Mitterrand besuchten Langenargen und trugen sich ins Goldene Buch ein.

Nach dem Pfingsthochwasser 1999, einem Jahrhunderthochwasser, blieben große Teile der seenahen Wohngebiete Langenargens wochenlang überflutet.

2022 begann im Ortsteil Bierkeller eines der größten Wohnbauprojekte für Langenargen „NaturElla“, dort werden nach der geplanten Fertigstellung 120 Wohneinheiten entstehen.

Entwicklung des Gemeindegebiets Einwohnerentwicklung Ende des 19. Jahrhunderts kam es aufgrund der rein agrarisch ausgerichteten Wirtschaftsstruktur zu einem Bevölkerungsrückgang, der verstärkt den Ortsteil Oberdorf betraf. Ab 1890 wurde diese Rückwärtsentwicklung durch einen Aufschwung im Handel- und Gewerbesektor gestoppt. Seither wird bis heute eine stetig wachsende Einwohnerzahl verzeichnet.

Bevölkerungsentwicklung in Langenargen

Im frühen 20. Jahrhundert ging das Bevölkerungswachstum auf eine hohe Geburtenrate, aber auch eine starke Zuwanderung zurück, der eine verbesserte Verkehrsanbindung und die Industrialisierung der gesamten Bodenseeregion zugrunde lagen. Die Weltwirtschaftskrise von 1929 ließ das Bevölkerungswachstum zwischen 1925 und 1933 um durchschnittlich 1,1 Prozent schrumpfen. Infolge der Ansiedlung von Rüstungsbetrieben in Friedrichshafen vergrößerte sich die Bevölkerung dann zwischen 1933 und 1939 um fast 25 Prozent. Der Zweite Weltkrieg hatte auch Auswirkungen auf Langenargen, was sich vor allem am Anteil der männlichen Bevölkerung widerspiegelte. In den 1950er Jahren stieg die Bevölkerung durch den Zustrom Heimatvertriebener weiter an. In den Jahren des Wirtschaftswunders kam es ebenfalls zu einem Anstieg von Immigranten. Anfang der 1990er Jahre konnte Langenargens Einwohnerzahl vom Fall des Eisernen Vorhangs erheblich profitieren.

Eingemeindungen 1937: Oberdorf

Religionszugehörigkeit Religion Anteil in % 1910 1987 2016 katholisch 90,1 64,5 48,7 evangelisch 9,9 26,1 21,7 andere / keine 0 9,4 29,7

Politik mini|Rathaus Langenargen Verwaltungsverband Langenargen bildet mit Kressbronn am Bodensee und Eriskirch einen Gemeindeverwaltungsverband, der seinen Sitz in Langenargen-Oberdorf hat.

Gemeinderat Der Gemeinderat in Langenargen besteht aus den 18 gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem ErgebnisWahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums.

Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019 FWV Freie Wählervereinigung Langenargen 40,77 7 33,7 6 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 32,17 6 26,1 5 GRÜNE Offene Grüne Liste 19,73 4 30,8 5 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 7,32 1 9,4 2 gesamt 100,0 18 100,0 18 Wahlbeteiligung 65,83 % 66,5 %

Wappen

Schultheißen und Bürgermeister

Städtepartnerschaften und Patenschaften Bois-le-Roi, seit 1991 Noli, seit 2005 Arbon am gegenüberliegenden Seeufer, seit 1963 Höckendorf, Sachsen, seit 1990 3ème Régiment de Hussards, 1er Escadron, Immendingen, seit 2000 Luftlandesanitätskompanie (SpezEins), 4./Luftlandeunterstützungsbataillon 262, Merzig, seit 2003

Kultur und Sehenswürdigkeiten Museen mini|Museum Langenargen (ehem. Pfarrhaus)