mini|Kaija Saariaho, 2013 Kaija Anneli Saariaho (* 14. Oktober 1952 in Helsinki; † 2. Juni 2023 in Paris) war eine finnische Komponistin.
Leben und Werk Saariaho studierte an der Sibelius-Akademie in Helsinki bei dem nicht zuletzt als Opernkomponist bekannten Avantgardisten Paavo Heininen und gründete mit Jukka Tiensuu, Eero Hämeenniemi, Jouni Kaipainen, Olli Kortekangas, Magnus Lindberg, Esa-Pekka Salonen und Jukka-Pekka Saraste die Gruppe Korvat auki! (Ohren auf!). Sie setzte ihre Ausbildung dann in Freiburg im Breisgau bei Brian Ferneyhough und Klaus Huber fort, nahm an den Darmstädter Ferienkursen teil und studierte ab 1982 – nach dem sie Tristan Murails Vortrag gehört hatte – am IRCAM im Centre Pompidou in Paris computergestützte Komposition und Arbeit mit dem Tonband und Live-Elektronik. Sie lebte in Paris mit ihrer Familie bis zu ihrem Tod im Juni 2023.
Es entstanden Kompositionen wie Verblendungen (1984), ein Wechselspiel zwischen Orchester und Tonband, sowie Du Cristal (1989) und …à la Fumée (1990) unter Verwendung von Live-Elektronik. Unter dem Einfluss der spectralists, einer französischen Komponistengruppe, deren Kompositionen auf der Computeranalyse des Klangspektrums einzelner Töne auf verschiedenen Instrumenten basieren, wandte sich Saariaho einem Stil zu, der von lang gehaltenen Bassnoten und der Verwendung mikrotonaler Intervalle geprägt ist. In diesem Stil komponierte sie ihr bekanntestes Werk, Graal théâtre für Violine und Orchester (1994–1997).
Saariahos Werke wurden bei internationalen Festivals in London (1989), Jakarta (1989), Paris (1989, 1991) und Wien (1993) aufgeführt. Bei den Salzburger Festspielen dirigierte Kent Nagano 2000 mit großem Erfolg ihre erste Oper L’amour de loin, die auf ein Libretto von Amin Maalouf nach der Biografie des Troubadours Jaufré Rudel La vida breve beruhte. 2006 fand die Uraufführung ihrer Oper Adriana Mater an der Opéra Bastille in Paris statt. Im selben Jahr gab es in Wien die Uraufführung ihres Oratoriums La passion de Simone über das Leben von Simone Weil. 2010 wurde in Lyon Saariahos dritte Oper, Émilie, uraufgeführt. Das Libretto zu dieser Einpersonen-Oper schrieb wiederum Amin Maalouf, Dirigent war Kazushi Ōno. 1999 dirigierte Kurt Masur mit dem New York Philharmonic Orchestra ihre Komposition Oltra mar für Chor und Orchester.
Auf Einladung von Walter Fink erschien sie im jährlichen Komponistenporträt des Rheingau Musik Festival 2010, als zweite Frau nach Sofia Gubaidulina. Im Metternichsaal von Schloss Johannisberg erklangen unter anderem Sept papillons für Violoncello solo (2000), gespielt von Anssi Karttunen, und Quatre instants für Sopran und Klavier (2002) mit Pia Freund und David Lively. 2011 wurde der Einspielung ihrer Oper L’amour de loin durch das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin und den Rundfunkchor Berlin unter der Leitung von Kent Nagano der Grammy Award in der Kategorie Best Opera Recording zuerkannt. 2012 wurde sie in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. In der Saison 2016/2017 brachte die Metropolitan Opera New York ihre Oper L’amour de loin (Uraufführung 2000)., abgerufen am 10. Oktober 2018 2012 wurde Saariaho zum Ehrenmitglied der International Society for Contemporary Music (ISCM) gewählt.ISCM Honorary Members, abgerufen am 29. Juni 2020 2017 wurde sie als auswärtiges Ehrenmitglied in die American Academy of Arts and Letters aufgenommen. 2021 wurde ihre Oper Innocence mit großem Erfolg beim Festival d’Aix-en-Provence uraufgeführt.Roberto Becker: Die düstere Macht des Vergangenen. In: Die Deutsche Bühne. 4. Juli 2021, abgerufen am 1. Februar 2022 (Rezension der Uraufführungsproduktion). Kurz nach ihrem Tod wurde im August 2023 ihr Trompetenkonzert Hush (dt. Schweigen) beim Helsinki Festival uraufgeführt.
Kaija Saariaho starb im Juni 2023 im Alter von 70 Jahren an einem Hirntumor (Glioblastom). Die Erkrankung wurde bereits 2021 diagnostiziert, auf eigenen Wunsch jedoch erst posthum öffentlich.. In: saariaho.org, 2. Juni 2023, abgerufen am 23. Februar 2026 (englisch)
Musikpreise 1986: Kranichsteiner Musikpreis der Darmstädter Ferienkurse 1988: Prix Italia für Stillleben 1989: Ars Electronica Prize für Stillleben und Io 2000: Musikpreis des Nordischen Rates für Lonh 2000: Stoeger Prize, zusammen mit Michael Daugherty 2003: Für die Oper L’amour de loin (entstanden 1999/2000) wurde Saariaho mit dem Grawemeyer Award für Musik ausgezeichnet. 2009: Heidelberger Künstlerinnenpreis, dotiert mit 5.000 EuroBAZ, Ausgabe B vom 17./18. Januar 2009, Seite 5 2009: Wihuri-Sibelius-Preis 2011: Léonie-Sonning-Musikpreis. 2011: Mit dem Grammy Award in der Kategorie Best Opera Recording wurde die Operneinspielung L’amour de loin durch das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin und den Rundfunkchor Berlin, Leitung Kent Nagano, ausgezeichnet. 2013: Polar Music Prize, gemeinsam mit Youssou N’Dour In: Dagens Nyheter, dn.se, 7. Mai 2013. 2017: BBVA Foundation Frontiers of Knowledge Award 2021: Goldener Löwe der Musikbiennale von Venedig für ihr LebenswerkBiennale Musica 2021: Kaija Saariaho – Golden Lion for Lifetime Achievement 2023: Akademikerin der Kunst
Literatur
Weblinks
Website von Kaija Saariaho
Werkverzeichnis
Einzelnachweise
Kategorie:Komponist klassischer Musik (20. Jahrhundert) Kategorie:Komponist (Finnland) Kategorie:Komponist (Chor) Kategorie:Mitglied der American Academy of Arts and Sciences Kategorie:Mitglied der American Academy of Arts and Letters Kategorie:Finne Kategorie:Geboren 1952 Kategorie:Gestorben 2023 Kategorie:Frau