mini|Hekla 2006 mini|Hekla auf einer Karte von Abraham Ortelius aus dem Jahr 1585 mini|Hekla im Winter 2007 mini|Hekla 2010 mit Asche vom Ausbruch des Eyjafjallajökull
Die Hekla ([], isländisch für Haube) ist ein 1491 m hoher Vulkan im Süden Islands, auf dem Gemeindegebiet von Rangárþing ytra. Sie ist der Zentralvulkan einer 40 km langen Vulkanspalte und mindestens 6600 Jahre alt. Der Berg gehört zu den drei aktivsten Vulkanen Islands. Die beachtlichen Eruptionen des Vulkans haben immer wieder große Teile von Island mit vulkanischen Aschen und Bims (Tephra) bedeckt. Etwa zehn Prozent der Tephra, die in den letzten 1000 Jahren auf Island ausgestoßen wurde, stammt von der Hekla – das sind etwa fünf Kubikkilometer. Zusätzlich wurden während dieser Zeit etwa acht Kubikkilometer Lava freigesetzt. Die Hekla gehört zu den Schichtvulkanen.
Lage Der Vulkan liegt nordöstlich des Ortes Hella und etwa 25 km westlich von Landmannalaugar im Hochland von Island. Die Entfernung nach Reykjavík beträgt 107 km.
Geologie Die Hekla befindet sich an einem Tripelpunkt, an dem die südliche isländische Erdbebenzone auf die östliche Vulkanzone trifft. Zu dem 40 km langen Vulkansystem gehören zahlreiche Krater (unter anderem die Krater der Vatnafjöll), wobei der Berg Hekla der Zentralvulkan ist. Er liegt auf einer WSW-ONO ausgerichteten Spalte und hat sich durch wiederholte Spaltenausbrüche aufgebaut.
Die Hekla ist eine Mischform aus Spaltenvulkan und Stratovulkan.Thor Thodarsson, Armann Hoskuldsson: Classic Geology in Europe. 3.: Iceland. 2002, S. 87 f. Über den Hauptgipfel zieht sich eine 5 km lange Ausbruchsspalte, die Heklugjá, auf der sich in den Ausbrüchen der letzten Jahre ein Hauptkrater aufgebaut hat. Bei Eruptionen öffnet sich normalerweise die ganze Spalte der Länge nach.
Aufgrund von geodätischen Messungen konnte die Magmakammer der Hekla in 11 km Tiefe lokalisiert werden. Ihre Größe wird auf ca. 25 km³ geschätzt. Durch Entmischung in der Magmakammer während der vulkanischen Ruhephasen verändert sich die Komposition der Lava im Laufe einer Eruption graduell von rhyolithischer (63 % SiO2) zu einer andesitischen (54 % SiO2) Zusammensetzung. Die von Hekla emittierte Tephra enthält einen hohen Anteil an Fluoriden, die giftig für Tiere sind und daher Weiden für die Viehnutzung unbrauchbar machen können.S. Thorarinsson: Hekla, A Notorius Volcano. S. 18Erik Sturkell: Hekla Deformation. Geologisches Institut, Universität von Island (englisch); abgerufen am 13. April 2009. Die Phänokristalle im Lavagestein der Hekla bestehen aus Mineralen wie Feldspat, Pyroxen, Titanomagnetit, Olivin und Apatit.S.Thorarinsson: Hekla, A Notorius Volcano. S. 39–58. Die Tephren der Hekla haben eine charakteristische Zusammensetzung und können daher sehr gut zur Datierung mittels Tephrochronologie verwendet werden. Geologisches Institut, Universität von Island.
In ihren Ruhephasen ist die Hekla oft mit Schnee und kleinen Gletschern bedeckt. Erdbeben in ihrer Umgebung sind selten. Die Erdbebentätigkeit beginnt meist erst ca. 30–80 Minuten vor einer Eruption. Erdbeben an der Hekla liegen normalerweise unter Magnitude 2, wenn sie sich in einer Ruhephase befindet, und um Magnitude 3 bei einer Eruption.Heidi Soosalu: Universität Island.
Erdbebentätigkeit, Bodendeformation und Gasemissionen von Hekla werden von Geologen des isländischen Wetterdienstes (Veðurstofa Ísland) überwacht.Überwachung der Hekla. en.vedur.is/about-imo
Hekla als Typlokalität und Namensgeber In Mineralproben, die rund um Hekla gesammelt wurden, konnten bisher mehr als 10 anerkannte Mineralarten nachgewiesen werden. Unter anderem sind dies Anhydrit und Gips, Hämatit, Hieratit, Hydrokenoralstonit, Jarosit, Malladrit, Opal, Oskarssonit und Salmiak. Für die Minerale Heklait, Jakobssonit, Leonardsenit, Topsøeit und Verneit gilt Hekla zudem als Typlokalität (erster Fundort), wobei ersteres nach dem Vulkan benannt wurde.Typlokalität Hekla-Vulkan beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 25. Februar 2026.
Eruptionsdynamik Die Eruptionen der Hekla sind im Allgemeinen langfristig nur schwer voraussagbar. Einige sind nur von kurzer Dauer, wie etwa die von 2000, andere können über Monate und Jahre anhalten, wie etwa die von 1947 (29. März 1947 bis April 1948). Wie bei anderen Vulkanen gilt hier: Je länger die Ruhepause des Vulkans ist, desto kräftiger bis katastrophaler die folgende Eruption.
In den letzten Jahren folgten die Ausbrüche meist einem bestimmten Schema. Sie beginnen mit einer kurzen explosiven Phase (plinianisch), bei der es zum Ausbruch dazitischer und andesitischer Tephren und der Entstehung pyroklastischer Ströme (Glutwolken) kommt. Diese explosive Phase dauert meist wenige Stunden an und konzentriert sich auf den Gipfelkrater. Danach geht der Ausbruch in eine effusive Spalteneruption entlang der Heklugjá über, wobei andesitische Laven freigesetzt werden. Die effusive Phase hält einige Stunden bis Wochen an. Die eruptierte Lava ist rhyolitischer (63 % SiO2) bis andesitischer (54 % SiO2) Zusammensetzung, wobei sich die Komposition der Lava während eines Ausbruchs (nachweislich seit 1510) nach immer dem gleichen Muster ändert: Je länger die prä-eruptive Ruhephase war, desto höher ist der SiO2-Anteil des zu Beginn einer Eruption ausgeworfenen Magmas. Mit anhaltender Eruption sinkt der SiO2-Anteil auf 54 %. Der Effekt ist auf eine Entmischung des Magmas in der Magmakammer (gravitative Differentiation: Aufstieg von Phasen mit geringerer Dichte und Absinken von Phasen mit höherer Dichte) während der vulkanischen Ruhephasen zurückzuführen.
Hochauflösende geodätische Messungen (Strainmeter) konnten nachweisen, dass eine Bodenabsenkung durch Volumenverringerung in der Magmakammer nur während der anfänglichen explosiven Eruptionsphasen zu beobachten ist. Im Gegensatz dazu tritt keine Bodendeformation während der Hauptphase des Ausbruchs ein. Daraus folgt, dass die Magmakammer während eines Ausbruchs mit der gleichen Rate wieder aufgefüllt wird, wie Magma an der Erdoberfläche eruptiert wird. Die Effusion von Magma ist daher vom Dichteauftrieb des Magmas und nicht von Druckabbau in der Magmakammer kontrolliert. Wenn das differenzierte, leichte Material (mit > 54 % SiO2) aus dem oberen Teil der Magmakammer eruptiert ist, endet der Ausbruch. Eine längere prä-eruptive Ruhephase führt demnach zu einer größeren Eruption, da mehr Material differenzieren und sich im oberen Teil der Magmakammer anreichern konnte. Die Konsequenz einer bereits aufgefüllten Magmakammer am Ende einer Eruption ist, dass nicht Magma-Einspeisung von außen den neuerlichen Druckaufbau des Systems während der vulkanischen Ruhephasen steuert, sondern dass stattdessen interne Prozesse in der Magmakammer (Gasaufstieg) die wiedereinsetzende Druckerhöhung bewirken. Aus den Beobachtungen an der Hekla konnte somit das Modell für selbstregulierende Ausbruchszyklen abgeleitet werden.
Eruptionsgeschichte der Hekla Etwa 38 Ausbrüche der Hekla vor der Besiedelung Islands konnten nachgewiesen werden.
Kurz nach dem Abschmelzen des Eisschildes der letzten Eiszeit scheinen sehr voluminöse, aber eher effusive Eruptionen stattgefunden zu haben, bei denen jeweils bis zu 15 km³ Lava gefördert wurden. Explosive Eruptionen mit hoher Aschenproduktionsrate traten hingegen erst später auf.
Die H3-Eruption der Hekla Bei diesem Ausbruch handelt es sich um einen sehr bedeutenden Ausbruch in vorhistorischer Zeit. Er ereignete sich um 1159 v. Chr. und gilt als schwerster Ausbruch der Hekla im Holozän.Jón Eiríksson et al.: Chronology of late Holocene climatic events in the northern North Atlantic based on AMS 14C dates and tephra markers from the volcano Hekla, Iceland. In: Journal of Quaternary Science, 2000, 15, Nr. 6, S. 573–580.
Dabei wurden 7,3 km³ Tephra in die Atmosphäre geschleudert, so dass diese Eruption auf der heutigen Messskala für Vulkanausbrüche VEI auf der Stufe 5 steht.Mike Baillie: Hekla 3: how big was it? In: Endeavour. New series, 1989, 13, S. 78–81. Dabei wurde ganz Island von einer Tephralage bedeckt. Eine weitere Folge war sicherlich eine jahrelange Abkühlung der Nördlichen Hemisphäre, die sich auf Orkney nachweisen lässt.
Uneinigkeit besteht bezüglich der genauen Datierung.
Andy Baker datierte die Eruption auf 1135 ± 130 v. Chr. aufgrund von Untersuchungen bzgl. der Vegetation in IrlandMike Baillie: Do Irish bog oaks date the Shang dynasty? In: Current archaeology, 1989, 10, S. 310–313.Andy Baker et al.: The Hekla 3 volcanic eruption recorded in a Scottish speleothem? In: The Holocene, 1995, 5 (3), S. 336–342. doi:10.1177/095968369500500309 sowie des Grönlandeises.Dated by uranium-thorium thermal ionization mass spectrometry to 1135 ± 130 BC. In: Andy Baker et al.: The Hekla 3 volcanic eruption recorded in a Scottish speleothem? In: The Holocene, 1995, S. 336–342. doi:10.1177/095968369500500309 Dabei fand man in Bäumen und Baumresten besonders enge Jahresringe. Jedoch existiert auch ein Datierungsversuch (Dagmore u. a.) um 929 ± 34 v. Chr.AJ Dugmore, G. T. Cook, J. S. Shore, A. J. Newton, K. J. Edwards, G. Larsen: Radiocarbon Dating Tephra Layers in Britain and Iceland. In: Radiocarbon, 1995, 37 (2); doi:10.1017/S003382220003085XAndrew Dugmore, Geriant Coles, Paul Buckland: A Scottish speleothem record of the H-3 eruption or human impact? A comment on Baker, Smart, Barnes, Edwards and Farrant. In: The Holocene, 1999, 9.4, S. 501–503
Einige Ägyptologen und die Wissenschaftler von Orkney datieren den Ausbruch auf 1159 v. Chr., weil dies z. B. Missernten und Hungersnöte unter der Regierung von Ramses III. oder gar den ganzen Komplex des Zusammenbruchs der Bronzezeit erkläre.Frank J. Yurco: End of the Late Bronze Age and Other Crisis Periods: A Volcanic Cause. In: Emily Teeter, John Larson (Hrsg.): Gold of Praise: Studies on Ancient Egypt in Honor of Edward F. Wente (= Studies in Ancient Oriental Civilization. Band 58). Oriental Institute of the University of Chicago, Chicago IL 1999, ISBN 1-885923-09-0, S. 456–458. Eine dritte Gruppe von Wissenschaftlern hat sich auf eine Datierung um 1050 v. Chr. (3000 BP) geeinigt.Stefan Wastegår: Towards a Holocene Tephrochronology for Sweden. XVI INQUA Congress, Paper No. 41–13, Saturday, 26. Juli 2003
Übersicht über die bekannten Ausbrüche der Hekla seit dem Hochmittelalter Nach der ersten urkundlich belegbaren Eruption im Jahr 1104 folgten bislang insgesamt zwischen 20 und 30 weitere belegte Eruptionen. (Die Zahl hängt von der Quelle ab. Smithsonian zum Beispiel zählt 1980 und 1981 als 2 Ausbrüche.)