Die Wasserkuppe ist mit Höhe der höchste Berg der Rhön und zugleich die höchste Erhebung in Hessen. Sie liegt im Landkreis Fulda mit Gipfellage im Gebiet von Gersfeld.
Auf dem Berg, der überregional als „Wiege des Segelflugs“ bekannt ist, entspringt die Fulda; weitere 30 Bäche haben hier ihren Ursprung. Von der Gipfelregion reicht der Blick bei guter Sicht über die Rhönlandschaft hinweg unter anderem bis zu Hohem Meißner, Rothaargebirge und Taunus.
Etymologie Zur Herkunft des Namens Wasserkuppe existieren zwei namenkundliche Sichtweisen. Nach der ersten wird der Name trotz des Quellenreichtums am Berg nicht auf das Wort Wasser, sondern auf das mittelhochdeutsche Wort wass zurückgeführt, das einen Weideplatz bezeichnet. Gegen diese Wortherkunft spricht jedoch, dass im Mittelhochdeutschen nicht das Wort wass existiert, sondern das Wort wase mit der heutigen Bedeutung Rasen. Gleichzeitig gibt es jedoch das Wort wazzer, was in der heutigen Bedeutung unter anderem den Begriffen Wasser, aber auch See oder Fluss entspricht.
Damit ist es wahrscheinlicher, dass der Name Wasserkuppe sich von den vielen Quellbächen auf dem Berg ableitet. Demnach könnte der Bergname, genauso wie der mittelhochdeutsche Begriff, eine Lautverschiebung von wazzer nach Wasser gemacht haben. Dafür spricht auch, dass das mittelhochdeutsche Wort wasse heute die Bedeutung des Wortes Schärfe hat. Die mittelhochdeutsche Wasserkupfe wäre damit also weder ein Weideplatz, noch eine Anhöhe voller Wasser gewesen, sondern eine scharfe Kuppe.
Einen endgültigen Beleg für eine der beiden Thesen kann die Namenkunde jedoch nicht liefern. Stattdessen müsste eine mittelhochdeutsche Textquelle die zeitgenössische Wortbedeutung in der einen oder anderen Weise bestätigen.
Geographie Lage Die Wasserkuppe liegt im Naturpark Hessische Rhön und im Biosphärenreservat Rhön. Ihr Gipfel befindet sich etwa 20 km ostsüdöstlich der Stadt Fulda, 5,3 km nördlich von Gersfeld, 4,7 km nordöstlich von Poppenhausen und 5 km westlich von Wüstensachsen (Hauptort der Gemeinde Ehrenberg) und gehört zum Gersfelder Gebiet (Entfernungen jeweils Luftlinie). Nahe dem Berg gelegene Ortschaften sind: Dietges und Brand im Norden, Reulbach im Nordosten, Obernhausen im Süden, Tränkhof im Westen, Sieblos im Westnordwesten und Abtsroda im Nordwesten.
Auf der Südflanke der Wasserkuppe entspringt die Fulda als linker Quellfluss der Weser, auf ihrer Südwestflanke der Fulda-Zufluss Lütter und auf der Westflanke der Lütter-Zufluss Haardt. Der Nordausläufer des Berges ist die Abtsrodaer Kuppe () und ihr Südwestausläufer der Pferdskopf (). Die Landschaft leitet nach Südsüdwesten zum Eubeberg (Eube; ca. ) und nach Ostnordosten zum Schafstein () über. Im Ostsüdosten der Gipfelregion befindet sich eine hohe Kuppe, die gelegentlich als Kleine Wasserkuppe bezeichnet wird.
Naturräumliche Zuordnung Die Wasserkuppe gehört in der naturräumlichen Haupteinheitengruppe Osthessisches Bergland (Nr. 35) zur Haupteinheit Hohe Rhön (354), Untereinheit Hochrhön (354.1), Naturraum Wasserkuppenrhön (354.10).
Geologie Die Existenz der Wasserkuppe als Berg geht auf die relativ hohe Erosionsresistenz des vulkanischen Gesteins zurück, aus dem sie aufgebaut ist. Es handelt sich um Basalt und basaltischen Tuff, die einer spättertiären vulkanischen Episode im heutigen Rhöngebiet entstammen. Das Vulkangestein durchschlägt und überdeckt Sedimentgesteine der Trias (Buntsandstein, Muschelkalk), die an den unteren Hängen und im Umland der Wasserkuppe anstehen.
Geschichte Zur Keltenzeit gab es über die Wasserkuppe einen Handelsweg vom „“Oppidum Milseburg zum Ortesweg, auf den dieser beim Schwarzen Moor traf. Im Mittelalter war das Gebiet zwischen der Wasserkuppe und dem Pferdskopf besiedelt.
mini|Schutzhütte (vorne mit dem Wellblechdach) und Schutzhaus auf dem Gipfel der Wasserkuppe. Historische Postkarte aus der Zeit vor 1906.
Im Herbst 1878 wurde vom zwei Jahre zuvor gegründeten Rhönklub wieder ein Gebäude auf der Wasserkuppe errichtet. Es handelte sich dabei um eine einfache, etwa 24 m² große Wetterschutzhütte, ungefähr an dem Platz, an dem sich heute noch das Radom befindet. Aus Kostengründen wurde damals eine innen mit Holz verkleidete Blechhütte gewählt. Eingeweiht wurde sie am 2. Juni 1879. In der Zeit zwischen Mai und Oktober wurde sie von einem Gastwirt aus Poppenhausen bewirtschaftet. Von Anfang an war sie von Einheimischen und ersten Touristen rege besucht, so dass der Betreiber schon 1879 mit dem Bau eines Schutzhauses neben der Hütte begann, welches 1880 eröffnet wurde. Neben dem Aufenthaltsraum, der Küche und dem Keller gab es in dem Haus Schlafräume mit zwanzig Betten. 1884 wurde noch ein Stall angebaut, in dem die Betreiberfamilie drei Kühe, einige Hühner und Pferde hielt. Mit einem Gespann wurden von einer Magd mehrmals in der Woche aus Poppenhausen frische Lebensmittel abgeholt. Nach dem Tod des ersten Wirtes 1906 wurde der Betrieb zuerst von seiner Frau und danach ab 1910 von deren Schwiegersohn weitergeführt. 1916 erbaute dieser den „Berggasthof“
mini|Das Ursinus Haus, 2017 mini|Segelflugwettbewerb 1932
Darmstädter Schüler begannen 1911 mit Flugversuchen von der Wasserkuppe (siehe Akaflieg Darmstadt). Hierzu wurde der Gleitflieger von Helfern an den Flächenenden gegen den Wind gezogen und bekam durch Aufwinde am Hang Auftrieb.Peter Riedel: Start in den Wind. Erlebte Rhöngeschichte 1911–1926. Motorbuch, Stuttgart 1977, ISBN 3-87943-539-1, S. 41ff. Seitdem entstand zur Beherbergung der Piloten und deren Kameraden ein Fliegerlager, das in den damaligen Gemarkungsgrenzen der Gemeinden Abtsroda, Obernhausen, Reulbach sowie Schachen errichtet wurde. Im Sommer 1920 wurde der erste Rhön-Segelflugwettbewerb durchgeführt, an dem sich 25 junge Flieger aus Darmstadt und anderen Orten beteiligten.Werner Helmes: Und sie blieben tagelang in der Luft. In: Die Rhön (= Merian, Jg. 17 (1964), Heft 4), S. 53–54 und 95, hier S. 54. Dort wurde erstmals der Start mit einem Gummiseil praktiziert.
1922 erreichte Arthur Martens eine Flugleistung von einer Stunde. Im selben Jahr gründete er „Martens Fliegerschule“. Ab Ende der 1920er Jahre ging man in den Thermikflug über.
Seit 1923 steht das Fliegerdenkmal, ein Bronzeadler auf einem vulkanischen Basaltschlot. Es erinnert an die gefallenen Flieger des Ersten Weltkriegs und wurde vom „Ring der Flieger“ errichtet.
Die Rhön-Rossitten-Gesellschaft errichtete 1925 auf der Wasserkuppe ein festes Gebäude, in dem die Abteilungen Flugtechnik und Aerodynamik des Forschungsinstituts der Gesellschaft, die Leitung und Organisation der Rhönwettbewerbe und eine Wetterwarte des Preußischen Meteorologischen Dienstes untergebracht wurden. Zu Ehren des Mitbegründers der Rhönsegelflugwettbewerbe erhielt dieses Gebäude den Namen Ursinus Haus.Tafel Ursinus-Haus der Hinweisreihe Historisches Gersfeld der Stadt Gersfeld (Rhön); an der Frontseite des Gebäudes links neben der Treppe zur Haustür.
Auf dem Berggasthof war ein Turm errichtet worden. In dessen unterem Teil befand sich Technik für Wettermessungen während darüber ein Hochbehälter zur Trinkwasserversorgung untergebracht war. Der Hochbehälter wurde 1941 wieder abgebaut.
1933 ging aus der hier ansässigen Rhön-Rossitten-Gesellschaft die Deutsche Forschungsanstalt für Segelflug hervor. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde eine militärische Flugschule eingerichtet und die meisten festen Gebäude wurden errichtet.
1937 wurde das Gebiet der Wasserkuppe im Zuge der damaligen Umlegungsverfahren nach Obernhausen eingemeindet. Seit der Gründung des Fliegerlagers auf dem Berg war ungeklärt, zu welcher Gemeinde der für die Region Rhön nun durch Fremdenverkehr und durch die Rhön-Segelflug-Wettbewerbe auch wirtschaftlich wichtige Berg der Flieger gehörte. Seit 1972 gehört Obernhausen als Ortsteil zur Stadt Gersfeld. Ab 1939 wurde die Wetterstation von der Wehrmacht als „Funkmessanlage“ (Radarstation) für die Luftwaffe genutzt.
Pfingsten 1944 starben bei einem alliierten Fliegerangriff 13 Menschen und 50 wurden verletzt. Die Mehrzahl waren Jugendliche, junge Modellflieger und einige Mitglieder des Jungvolks, die auf der Wasserkuppe im Bereich der Märchenwiese ihr Zeltlager hatten. 170 Bomben einer US B 17 Bomberstaffel brachten den Tod. Die Jugendlichen waren zwischen 12 und 14 Jahre alt. Die Wasserkuppe war gegen 15:16 Uhr Gelegenheitsziel für den Bombenabwurf geworden. Das ursprüngliche Ziel waren eigentlich die Dessauer Junkerswerke. Wegen schlechter Sichtverhältnisse im Raum Dessau wurde die Bombenlast auf dem Rückflug über der Wasserkuppe, die als Flugplatz auch Ersatzziel war, abgeworfen. Die Hermann-Göring-Flugzeughalle mit ihren dort abgestellten rund 40 Segel- und fünf Motorflugzeugen brannte nach einem Treffer völlig nieder.Main-Post, abgerufen am 4. Juni 2020
mini|Ikarus mit ausgebreiteten Flügeln (Glasfenster von Erhard Klonk in der Ehrenhalle im Lilienthal-Haus)
1945 wurden die Einrichtungen vor dem Eintreffen der US-Armee zerstört. Diese beschlagnahmte am 20. Juli das gesamte bebaute Gebiet einschließlich des Berggasthofes mit dem Turm, der Martens Fliegerschule, der Reichssegelflugschule und dem Segelfluggelände und erklärte es zu militärischem Sperrgebiet. Von 1945 bis Ende 1946 wurde auf der Wasserkuppe von der britischen Royal Air Force eine Fernmeldestation und von der US-Armee eine Radiorelaisstation betrieben. Ab dem 1. Januar 1947 übernahmen die US-Streitkräfte den Berg allein und installierten noch im selben Jahr eine mobile Radarstation.
Während der Berlin-Blockade wurden die „Rosinenbomber“ von der Wasserkuppe aus geleitet. In der Zeit der Deutschen Teilung im Kalten Krieg wurde von der Wasserkuppe aus der Luftraum im Gebiet des Warschauer Pakts überwacht. Der Turm wurde dann am 4. Oktober 1955 abgerissen, weil er den Betrieb der Radareinrichtungen durch die US-Armee störte. Die markante Stahlkonstruktion war damals ein weithin sichtbares Erkennungszeichen der Wasserkuppe. Die Radaranlage wurde 1978 an die Bundeswehr übergeben. 1998 wurde deren Betrieb und damit die militärische Nutzung der Wasserkuppe eingestellt.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde die touristische Erschließung der Wasserkuppe, welche 1878 mit dem Bau der Schutzhütte begonnen hatte, forciert.
Schutzgebiete Auf der Nordflanke der Wasserkuppe liegt direkt unterhalb des Hochrhönrings das Naturschutzgebiet (NSG) Nordhang Wasserkuppe (CDDA-Nr. 318864; 2001 ausgewiesen; 15,7 ha groß), nach Osten fällt ihre Landschaft zum NSG Schafstein bei Wüstensachsen (CDDA-Nr. 165354; 1997; 1,2361 km²) und nach Südosten zum NSG Rotes Moor (CDDA-Nr. 7015; 1979; 312,24 km²) ab; bis auf die Südsüdwestflanke des Berges reicht der Nordausläufer des am Eubeberg gelegenen NSG Eube (CDDA-Nr. 318379; 2002; 1,3517 km²). Außer auf einem kleinen Teil der Gipfelregion liegen auf dem Berg Bereiche des Landschaftsschutzgebiets Hessische Rhön (CDDA-Nr. 378477; 1967; 410,1096 km²). Auf Großteilen der Wasserkuppe befinden sich Bereiche des Fauna-Flora-Habitat-Gebiets Hochrhön (FFH-Nr. 5525-351; 48,0962 km²). Auf dem Berg liegen Teile des Vogelschutzgebiets Hessische Rhön (VSG-Nr. 5425-401; 360,8013 km²).
Klimatabelle
Einrichtungen Auf der Wasserkuppe existieren heute ein großes Segelflugzentrum, ein Flug- und Schulungszentrum für Hängegleiter, Paragliding und Snowkiting, ein Segelflugmuseum, das Radom Wasserkuppe (Radarkuppel), das Kompetenzzentrum Rhön, Hotels, Restaurants, ein Feriendorf, ein Zeltplatz, Regional- und Souvenirläden, Sommerrodelbahnen, Skilifte und ein Kletterwald sowie einige kleinere Fahrgeschäfte.
Fliegerei mini|hochkant|Das Fliegerdenkmal am erodierten Vulkanschlot mini|links|Wasserkuppe aus einem Segelflugzeug gesehen