Der Gouverneur von Berlin war der Oberste Befehlshaber in der Residenz- und Hauptstadt des preußischen Staates. Der König ernannte oft einen militärischen Würdenträger zum Gouverneur, der wegen allgemein anerkannter Verdienste um den Staat nicht nur in Militär-, sondern auch in Zivilkreisen Autorität genoss. Der Gouverneur war für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung und im Kriegsfall für die Verteidigung Berlins verantwortlich. Er überwachte die Kommunikation der obersten Zivil- mit den Militärbehörden in der Hauptstadt. Die Disziplinargewalt über die Truppen der Garnison Berlin lag bei ihm, im Unterschied zu den übrigen Garnisonen, wo sie der jeweilige Truppenkommandeur innehatte. Der Gouverneur berichtete in allen diesen Angelegenheiten direkt an den König. Ihm stand als Gouvernement ein Stab von Offizieren aller Waffengattungen und des Militärsanitäts- und Veterinärwesens zur Verfügung. Sein Vertreter war der Stadtkommandant.

mini|Siegelmarke des Berliner Gouvernements Anfang des 17. Jahrhunderts wurde das Hohe Haus, der mittelalterliche Berliner Sitz der Brandenburger Markgrafen, zum Gouverneurshaus umgebaut. Von 1706 bis 1732 befand sich die Dienstwohnung des Gouverneurs im später Kronprinzenpalais genannten Gebäude in der Straße Unter den Linden in Berlin-Mitte, dann bis 1808 im Gouverneurshaus in der Königstraße. Danach war der Dienstsitz bis 1847 in der Oberwallstraße 4, dann bis 1864 zeitweilig das Palais Wrangel am Pariser Platz 3, ab 1875 am Leipziger Platz 10, ab 1889 in der Garde du Corps-Kaserne, Charlottenstraße 40 und von 1896 bis 1915 Hinter dem Gießhaus 3.

Liste der Gouverneure von Berlin (unvollständig) 1658: Heinrich von Uffeln 1660: Joachim Rüdiger von der Goltz 1670: Gerhard Bernhard von Pölnitz 1677: Adolph von Goetze 1684: Hans Adam von Schöning 1691: Heino Heinrich von Flemming 1698: Hans Albrecht von Barfus 1702: Alexander Hermann von Wartensleben 1735: Caspar Otto von Glasenapp 1747: Friedrich Wilhelm Herzog von Holstein-Beck 1749: James Keith 1758: Johann von Lehwaldt 1763: Johann Dietrich von Hülsen 1767: Friedrich Ehrenreich von Ramin 1782: Wichard von Möllendorff 1805: Friedrich Wilhelm Graf von der Schulenburg-Kehnert, bis 6. August 1807 1808: Anton Wilhelm von L’Estocq, ab 12. November 1808 1809: Friedrich Adolf von Kalckreuth 1818: August Neidhardt von Gneisenau (nur nominell) 1820: Ludwig Matthias Nathanael Gottlieb von Brauchitsch (als Kommandant mit der Wahrnehmung der Geschäfte beauftragt) 1827: Ernst Ludwig von Tippelskirch (als Kommandant mit der Wahrnehmung der Geschäfte beauftragt) 1837: Karl von Müffling, bis 5. Oktober 1847 1848: Ernst von Pfuel, vom 11. bis 18. März, sonst kein Gouvernement in Berlin 1849: Friedrich von Wrangel (mit der Wahrnehmung der Geschäfte beauftragt) 1850 bis 1857: kein Gouvernement in Berlin 1857: Friedrich von Wrangel 1864: Franz von Waldersee 1870: Philipp Carl von Canstein 1871: Emil von Schwartzkoppen (mit der Wahrnehmung der Geschäfte beauftragt) 1873: Wolf Louis Anton Ferdinand von Stülpnagel (mit der Wahrnehmung der Geschäfte beauftragt) 1875: Leopold Hermann von Boyen 1879: Eduard von Fransecky 1882: Karl Georg Gustav Freiherr von Willisen 1886: Bernhard von Werder 1888: Alexander von Pape 1895: Walter von Loë 1897: Karl von Wedel 1899: August von BomsdorffMilitär-Wochenblatt. Nr. 94, 19. Oktober 1899, S. 2369. 1901: Wilhelm von Hahnke 1909: Gustav von Kessel 1918: Alexander von Linsingen

Kommandanten von Berlin (unvollständig) Der Dienstsitz der Kommandanten befand sich von ca. 1707 bis 1735 im Kommandantenhaus auf der Bastion 10, in der Nähe der Königsbrücke, von 1736 bis 1799 in Privathäusern und von 1799 bis 1945 im KommandantenhausNeuestes topographisch statistisches Gemälde von Berlin und dessen Umgebungen. S. 274 f. Kommandantur am Platz am Zeughaus (seit 1933 Unter den Linden 1). 1638: Dietrich von Kracht, Oberst

1690: Georg Abraham von Arnim, Oberst 1713: Ernst Ludwig von Hacke, Generalleutnant 1714: Jean Quirin de Forcade, Generalleutnant 1729: Caspar Otto von Glasenapp, Generalleutnant später Gouverneur 1735: Egidius Ehrentreich von Sydow, General der Infanterie 1749: Hans Christoph Friedrich von Hacke, Generalleutnant 1754: Dietrich Reichard von Meyerinck, Generalleutnant 1756: Friedrich Wilhelm von Rochow, Generalleutnant 1760: Johann Christoph von Zegelin, Hauptmann (Kapitän) ad interim 1763: Friedrich Wilhelm von Wylich und Lottum, Generalmajor 1774: Anton Abraham von Steinkeller, Generalmajor 1781: Heinrich Gottlob von Braun, General der Infanterie 1799: Karl Ludwig Bogislav von Goetze, Generalleutnant 1806: Johann Adolph von Lützow, Generalmajor 1808: Ludwig von Chasôt, Generalmajor 1809–1827: Ludwig Matthias Nathanael Gottlieb von Brauchitsch, Generalleutnant 1812: Joseph François Durutte, französische Besatzung 1827–1840: Ernst Ludwig von Tippelskirch 1835–1838: August Ludwig von Nostitz, 2. Kommandant 1840: Karl Georg von Loebell 1841: Peter von Colomb 1843: Leopold von Lützow 1844: Wilhelm von Ditfurth 1848: Wilhelm von Thümen 1850: Eduard von Bonin, von April bis September 1850/51: Karl Friedrich Ludwig von Hahn 1851: Friedrich von Borcke 1854: Eduard von Schlichting 1857: Gebhard Karl Ludolf von Alvensleben 1868: Friedrich Alexander von Bismarck-Bohlen 1871: Leopold von Stückradt 1872: Emil von Schwartzkoppen 1874: Gustav von Neumann-Cosel 1878: Hermann Ludwig von Wartensleben 1880: Oskar von Meerscheidt-Hüllessem 1882: Rudolf von Oppeln-Bronikowski 1883: Ludwig von Spangenberg 1885: Otto von Derenthall 1900–1902: Generalmajor von Ende 1902–1904: Paul von Hoepfner Mai 1904 bis August 1905: Karl Hoyer von Rotenheim, Generalmajor (im Dienst verstorben) 1905–1907: Kuno von Moltke 1907–1913 und 1914–1916: Max von Boehn 1913/14 und 1917/18: Henning von Bonin (1856–1923) September/November 1918: Oskar Schwerk November/Dezember 1918: Otto Wels 1925–1928: Johannes Severin Dezember 1931 bis Januar 1933: Bodo von Witzendorff 1933–1937: Ernst Schaumburg 1940–1944: Paul von Hase

Literatur Klaus-Rainer Woche: Vom Wecken bis zum Zapfenstreich. Die Geschichte der Garnison Berlin. Kurt Vowinckel-Verlag, Berg am Starnberger See 1998, ISBN 3-921655-87-0, S. 199–201. Leopold von Zedlitz-Neukirch: Die Staatskräfte der preussischen Monarchie unter Friedrich Wilhelm III. Band 3. S. 191. Berliner Adresskalender aus den Jahren 1707 bis 1918

Einzelnachweise

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