mini|Karte der Region Zips/Spiš im Nordosten der heutigen Slowakei, schraffiert im Nordwesten der seit 1918, endgültig 1920 zu Polen gehörende Teil Die Zips (; ; ; russinisch Спіш; ) ist eine historische Landschaft in der nordöstlichen Slowakei und – ein kleiner Teil – im Süden der polnischen Woiwodschaft Kleinpolen. Von ihr leitet sich der Name des ehemaligen ungarischen Komitats Zips ab.
Lage und Geographie mini|Blick über Kežmarok in der Popradská kotlina auf die östliche Hohe Tatra im April Die historische Region Zips liegt in der nordöstlichen Slowakei und umfasst den östlichen Teil des Hochgebirges Hohe Tatra () und die Gebiete östlich davon. Ein kleiner Teil des Gebietes, die Polnische Zips, liegt seit 1918 in Polen. mini|Ungarisch beschriftete Karte des Komitats Zips von 1890 mit gut erkennbarem Oberflächenprofil. Die südliche Grenze bilden von West nach Ost: die Ostausläufer der Niederen Tatra (), das Slowakische Paradies (Slovenský raj) und Ostteile des Slowakischen Erzgebirges (slowakisch Slovenské rudohorie). Die Ostgrenze zur historischen Region Scharosch (Šariš) bildet im Südosten der Gebirgszug Branisko, im Osten das Zips-Scharoscher Zwischengebirge (Spišsko-šarišské medzihorie) und im Nordosten das Lublauer Gebirge (Ľubovnianska vrchovina). Im Norden wird die Zips streckenweise vom Flusslauf des Dunajec und dem Gebirge der Pieninen (polnisch und ) begrenzt, die aber im Nordosten als Kleine Pieninen und im polnischen Nordwesten als Zipser Pieninen in die Landschaft hineinragen. Begrenzung sind hier die dahinter, außerhalb der Zips liegenden Gebirgszüge der Sandezer Beskiden () im Nordosten und die Gorce im westlichen Norden. Im Nordwesten begrenzt die Zips in Polen das Bukowina-Gebirge () und im Westen, wo die Zips an die slowakische historische Landschaft Liptau (slowakisch Liptov) grenzt, liegt das Hochgebirge der Hohen Tatra mit ihrem Querkamm Belaer Tatra ().
Intern untergliedert das Gebirgsmassiv der Leutschauer Berge () die Zips in die im Westen und Norden gelegene Oberzips und die im Südosten gelegene Unterzips. Die Oberzips ist geprägt vom Talkessel der Popper (Poprad) (als Talkessel slowakisch Popradská kotlina; östlicher Teil des Untertatra-Talkessels-Podtatranská kotlina), welche aus der Hohen Tatra kommend die Oberzips von Westen nach Nordosten durchfließt und in den Dunajec mündet. Im polnischen Nordwesten ist die Oberzips von den Bergländern des Zipser Gebirges () und der nördlicheren Zipser Pieninen (), im slowakischen Nordteil von der Zipser Magura () geprägt. Die Unterzips ist vom Talkessel des oberen Hernad (slowakisch Hornád) (Hornádska kotlina, nur bis Jaklovce) geprägt und reicht im Norden in die Leutschauer Berge und im Süden entlang dem Tal des Nebenflusses Göllnitz (Hnilec) auch ins Slowakische Erzgebirge. Der Erzreichtum dieses Gebirges (historisch auch „Ungarisches Erzgebirge“ genannt) machte die Unterzips schon im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit zu einem Zentrum des Bergbaus mit mehreren wohlhabenden Bergstädten. Außerdem verläuft durch die Zips die kürzeste Handelsverbindung von Ungarn und dem Schwarzen Meer nach Polen und zur Ostsee (entlang der Flusstäler Theiß-Hornád oder Donau-Waag weiter entlang Poprad-Dunajec-Weichsel), was die Entstehung wohlhabender Handelsstädte begünstigte. Die Europäische Hauptwasserscheide verläuft in der südwestlichen Zips über den Hauptkamm der Leutschauer Berge, durch den relativ kleinen Ziegenkamm (Kozie chrbty) und entlang der Westgrenze der Zips durch den Untertatra-Talkessel in die Hohe Tatra.
Politisch ist die Landschaft (seit 1996) zwischen den Landschaftsverbänden Košický kraj und Prešovský kraj geteilt. In der weiteren Gliederung gehören die Bezirke Gelnica, Kežmarok, Levoča, Poprad, Spišská Nová Ves und Stará Ľubovňa vollständig oder größtenteils zur Zips, die Bezirke Rožňava und Košice-okolie haben jeweils kleinere Anteile an der historischen Landschaft. Wichtige Städte sind Poprad (deutsch Deutschendorf, mehrere weitere historische Kleinstädte heute eingemeindet), Levoča (deutsch Leutschau), Spišská Nová Ves (deutsch Zipser Neudorf) und Kežmarok (deutsch Kesmark oder Käsmark).
Etymologie Die Herkunft des Regionalnamens Zips (, , russinisch Спіш–Aussprache jeweils , –, Latein: Scepus(ia)) ist bis heute ungeklärt.Heinz Schleusener: Auf den Spuren des Namens Zips. in: Karpatenblatt (20. März 2023) (eingesehen am 25. März 2023). Sicher ist, dass alle diese Formen einen gemeinsamen Ursprung haben, aber es gibt slowakische, ungarische, deutsche und lateinische Etymologievorschläge, die alle nicht ungezwungen wirken. Ein slowakischer Etymologievorschlag verbindet ihn mit dem in ost- und nordslowakischen Dialekten vorhandenen Wort špiška „Stock“ und leitet ihn vom altslawisch-altslowakischen pьchjati/pĭchjati „stechen, schneiden“, mit Präfix: sъpichjь/sŭpĭchjĭ ( „schneiden, fällen, roden“) her, aus dessen altslowakischem Substantiv (sŭpĭch, etwa: „Rodungsland“) sich durch Palatalisierung und Elision der heutige slowakische Name, identisch auch in andere slawische Sprachen der Region und in veränderter Form ins Ungarische, Deutsche und Lateinische entlehnt, gebildet haben könnte.Šimon Ondruš: Pôvod názvov stovenských vrchov, hradov a stotíc. In: Studia Academica Slovaca 9 (1980), S. 281–282. Ein ungarischer Etymologievorschlag von Szepes verbindet ihn mit szép „schön“ bzw. szép ez „das ist schön“, es gibt weitere ungarische Etymologievorschläge, wie von dem auch als Name verbreiteten szipis „schlürfen, schlucken“ bzw. „Schlucker“. Ein deutscher Etymologievorschlag von Zipf(el) wird heute nur noch selten vertreten, aber es wird darauf hingewiesen, dass im deutschen Sprachraum auch ältere Ortsnamen mit diesem Wortstamm existieren – z. B. Zips bei Bayreuth, Zipsendorf u. a., beide allerdings auch mit alternativer slawischer EtymologieZu Zipsendorf vgl. MDR: Zipsendorf. Stadtteil von Meuselwitz. (Etymologie nach Ernst Eichler und Hans Walther: Untersuchungen zur Ortsnamenkunde und Sprach- und Siedlungsgeschichte des Gebietes zwischen Mittlerer Saale und Weisser Elster. Berlin 1984, S. 344f. Zu Zips (Pegnitz) siehe den Artikel, wo nach Ernst Eichler, Albrecht Greule, Wolfgang Janka, Robert Schuh (Hrsg.): Beiträge zur slavisch-deutschen Sprachkontaktforschung. Band 2: Siedlungsnamen im oberfränkischen Stadt- und Landkreis Bayreuth (= Slavica. Monographien, Hand-, Lehr- und Wörterbücher. Band 4). Carl Winter, Heidelberg 2006, S. 242–245. –, weshalb eine deutsche Herkunft nicht vollkommen ausgeschlossen ist.Heinz Schleusener: Auf den Spuren des Namens Zips. in: Karpatenblatt (20. März 2023) (eingesehen am 25. März 2023). Ein ebenfalls bis heute vertretener lateinischer Etymologievorschlag leitet den Namen von lateinisch (s)cipus „Grenzstein“ ab; der früh belegte Name silva Scipusiensis könnte demnach „(Grenz-)Wald mit Befestigung“ bedeuten.Stanislava Kolková: Zips. In: Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (2019), Kapitel „Etymologie“ (Stand 1. September 2020, eingesehen am 25. März 2023).
Geschichte Angliederung an Ungarn 11.–14. Jahrhundert mini|Blick von der Zipser Burg nach Südwesten in die Zipser Landschaft (mittlere Hornádska kotlina) mini|Zipser Burg vor dem Hintergrund des Branisko. Die gebirgige Zips gehörte zur Zeit der Christianisierung Ungarns unter Stephan dem Heiligen um das Jahr 1000 noch nicht zum Herrschaftsbereich des Königreichs Ungarn, sondern wurde danach schrittweise erobert oder erworben. Bis 1050 eroberte Ungarn Gebiete im Süden bis zum Hornád, in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts folgten große Teile der Region am Poprád. Nach dem inneren Zusammenbruch des Reiches im Mongolensturm 1241/42 wurde die Herrschaft unter Béla IV. wieder hergestellt. Erst Anfang des 14. Jahrhunderts wurde das letzte Teilgebiet im Nordosten um Podolínec (deutsch: Pudlein) und Stará Ľubovňa (dt. Alt-Lublau) von Polen erworbenReinhard Scholz: Geschichte der Zips und des Ortes Rissdorf. in: Karpatenblatt, 19. Februar 2021.Katalin Gönczi, Wieland Carls: Sächsisch-Magdeburgisches Recht in Ungarn und Rumänien. Autonomie- und Rechtstransfer im Donau- und Karpatenraum. Berlin/Boston 2013, S. 41–60., wahrscheinlich 1310 als Schenkung des polnischen Königs Władysław I. Ellenlang an den ungarischen Kleinkönig Matthäus Csák, möglicherweise 1320 bei der Hochzeit von Ellenlangs Tochter Elisabeth von Polen mit Karl I. Robert von Ungarn erneuert.Marek Sobczyński: Kształtowanie się Karpackich granic Polski (w X.–XX. w.) (= „Die Bildung der Karpatengrenze Polens (im 10.–20. Jh.).“) Łódź 1986, S. 8. In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts schuf Ungarn die Zipser Gespanschaft / Komitat (comitatus Scepusiensis), die bis zur Verwaltungsreform in der Tschechoslowakei im Jahr 1922 existierte. Ihr Sitz war in der Anfangszeit die damals gegründete Zipser Burg, auf der der königliche Gespan/Graf/comes saß, aber bereits 1271 wird Levoča (deutsch: Leutschau, ungarisch: Lőcse) als [zweite] Hauptstadt (capitalis) bezeichnet, weil hier die autonomen Gerichte und Selbstverwaltungsinstitutionen der die Region bald politisch dominierenden Zipser Sachsen saßen, ab dem 15. Jahrhundert wurde sie auch die eigentliche Hauptstadt, nicht nur für die Zipser Sachsen.Katalin Gönczi, Wieland Carls: Sächsisch-Magdeburgisches Recht in Ungarn und Rumänien. Autonomie- und Rechtstransfer im Donau- und Karpatenraum. Berlin/Boston 2013, S. 55–56.
Ansiedlung der Zipser Sachsen 12.–14. Jahrhundert Die meisten Zipser Städte haben ihren Ursprung in deutschen Stadtgründungen, in der Unterzips vor allem Bergstädte, die oft ältere slowakische Siedlungen eingliederten. Die ursprünglich hauptsächlich slawisch-altslowakische Bevölkerung in diesem Gebiet war beim Mongoleneinfall 1241/42 dezimiert oder vertrieben worden. In der folgenden zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, zu geringem Anteil in der Unterzips schon in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts, siedelten die ungarischen Könige deutschsprachige Siedler an.