Der Mann mit der eisernen Maske (, oft nur Die Eiserne Maske bzw. Masque de fer, † 19. November 1703 in Paris) war von 1669 bis zu seinem Tod 1703 ein Staatsgefangener von Ludwig XIV. in Frankreich. Über seine Identität wird bis heute spekuliert.

Gefangenschaft mini|Das Gefängnis auf der Insel Sainte-Marguerite mini|Gefängniszelle der „Eisernen Maske“ auf der Insel Sainte-Marguerite In Aufzeichnungen des Leutnants in der Bastille du Junca berichtete dieser 1698 von der Einlieferung eines alten Gefangenen in die Bastille, der vom Gefängnisdirektor Bénigne Dauvergne de Saint-Mars gezwungen wurde, stets eine Maske zu tragen.zitiert bei Andrew Lang, Funck-Brentano

Durch Archivstudien, die unter anderem den Briefwechsel zwischen dem Kriegsminister Louvois und Saint-Mars (allerdings schon von Louvois stark zensiert, so dass etwa 90 % fehlen) zu Tage brachten und die zum Beispiel in den zitierten Büchern von Marcel Pagnol, Mongredien oder Andrew Lang ausführlich dargelegt werden, ist die folgende Geschichte des Gefangenen recht gut belegt.

Der Mann mit der Maske wurde zuerst am 24. August 1669 in der Festung von Pinerolo (Pignerol) im Piemont inhaftiert. In einem Brief vom 19. Juli kündigt Louvois einen Diener namens Eustache Dauger als einen Gefangenen von höchster Bedeutung an, der aus Dünkirchen gebracht werde, zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht verhaftet worden sei. In Pignerol war er mit weiteren hohen Staatsgefangenen wie Nicolas Fouquet und dem Marquis de Lauzun inhaftiert und durfte mit Fouquet Kontakt unterhalten. Er stand Fouquet zeitweise auch als Diener zur Verfügung, wenn dessen Diener La Rivarol krank war. Als Fouquet 1678 größere Freiheiten erbat, machte der König das von der Antwort auf die Frage abhängig, was Dauger seinem Diener La Rivarol anvertraut habe. Die Antwort befriedigte den König, und Fouquet wurden Hafterleichterungen gewährt. Nach Fouquets Tod 1680 entdeckte man ein Loch zwischen seiner Zelle und der Lauzuns. Von da an wurden der Mann mit der Maske und Fouquets Diener streng von Lauzun getrennt, der im folgenden Jahr entlassen wurde. Ab 1681 kam der Mann mit der Maske, der nun die Zelle mit La Rivarol teilte, in die 26 km entfernte Festung Exilles in den Alpen (Val di Susa). 1682 wurden die Haftbedingungen auf Anweisung Louvois’ nochmals verschärft, und die beiden wurden bis zu La Rivarols Tod 1687 getrennt inhaftiert. Als die Festung Exilles vom Krieg bedroht war, wurde der Mann mit der Maske am 3. Mai 1687 auf die Insel Sainte-Marguerite verlegt, auf der damals anfangs nur ein weiterer Gefangener lebte. Im September 1698 wurde er in die Bastille in Paris verbracht, wo er am 19. November 1703 starb. Bei jedem Ortswechsel wurde der Gefängnisdirektor Saint-Mars mit versetzt, der auf diese Weise 1698 zum Gouverneur der Bastille aufstieg – den Mann mit der Maske und einige andere Gefangene immer im Gefolge.

Der unbekannte Mann musste beim Hofgang und beim Kontakt mit Fremden eine Maske tragen. Dies bezeugten sowohl der spätere Beichtvater der Bastille Griffet als auch einer seiner Bewacher in Saint-Margerite, Blainvilliers. Die Aussage des letzteren ist die erste dokumentierte Erwähnung der Maske. Bei Todesstrafe für den Mitwisser durfte er mit niemandem Kontakt aufnehmen – der Offizier, der ihn von Dünkirchen überführte, drohte, ihn sofort zu töten, falls er versuche, ihm etwas anzuvertrauen. Bei jedem der Gefängniswechsel wurde darauf geachtet, dass niemand seine Stimme hören, sein Gesicht sehen oder gar mit ihm sprechen konnte. Beim Transport nach Sainte-Marguerite wurde er in einem mit einem Wachstuch verschlossenen Sänften-Stuhl transportiert, so dass er beinahe erstickte. Als Träger wählte man Italiener aus Turin.

Es wurden ihm allerdings zahlreiche Vergünstigungen gewährt. Seine Wäsche wurde in Sainte-Margerite zweimal die Woche gewechselt, er hatte eine möblierte Zelle, einen Diener und erhielt gleich nach Einlieferung alle Bücher, die er verlangte. Er durfte die Laute spielen und wurde bei Bedarf ärztlich versorgt. Für ihn und seinen Diener erhielt Saint-Mars 12 Livres pro Tag für Verpflegung.Nach Pagnol entsprach 1 Livre im Jahr 1965 etwa zwölf neue Francs

Für seine Bewachung wurde kein Aufwand gescheut. Der Bau seiner Gefängniszelle auf der Insel Sainte-Marguerite, eine der Îles de Lérins vor Cannes, kostete 5.000 Livres. In Pignerol wurde eine spezielle Zelle gebaut mit drei hintereinander liegenden Türen, damit die Wachen von außen nichts aus der Zelle hören konnten. Sie hatte doppelt vergitterte Fenster, die von außen nicht eingesehen werden konnten. Er wurde vom Gefängnisdirektor persönlich betreut, der ihm die Speisen auftischte. Nach Zeugenaussagenzitiert von Formanoir 1768 nahmen die Offiziere in seiner Gegenwart den Hut ab und setzen ihn erst nach Aufforderung wieder auf.

Voltaire versuchte bei seiner Inhaftierung in der Bastille 1717 möglichst viel über den Fall zu erfahren. Er behauptete, dass er eine Maske aus Eisen trug, doch war sie aus schwarzem Samt. Allerdings soll sie Stahlteile gehabt haben, damit er essen konnte, während er sie trug. Nach Voltaire war er ein Bruder Ludwigs XIV. – eine These, die Alexandre Dumas in seinem Roman popularisierte – und bei seinem Tod etwa 60 Jahre alt. Nach Zeugenaussagen hatte er schon 1687 in Exilles graue Haare.Sowohl der Arzt der Bastille, der spätere Beichtvater der Bastille, Griffet, als auch Guillaume, der Formanair (Année litteraire 1768, zitiert bei Pagnol, S. 52), äußern sich so. Formanair war der Enkel jenes Formanair, der Saint-Mars diente und sein Erbe antrat.

Hypothesen zu seiner Identität Die Versuche, den Mann mit der Maske zu identifizieren, sind zahlreich und jede Hypothese hat ihre prominenten und teilweise erbitterten Verfechter. Möglicherweise handelt es sich aber um eine Vermischung von Gerüchten und Tatsachen über verschiedene Gefangene Ludwigs XIV. Diese Erklärung wurde zuerst 1801 von Pierre Roux-Fazillac (1746–1833) vorgeschlagen, einem französischen General und Revolutions-Deputierten.

Zwillingsbruder Ludwigs XIV. Wie schon erwähnt, vertrat VoltaireSiecle de Louis XIV. 1751 und in Supplementen bis 1771, weiter entwickelt in Essai sur l histoire generale 1763, Questions sur l encyclopedie, 1770/1, Artikel Anna in seinem Dictionnaire philosophique. Alle Stellen zitiert bei Pagnol, S. 45ff die These, der Gefangene sei ein Zwillingsbruder Ludwigs XIV. gewesen, den Anna von Österreich und Mazarin an einem anderen Ort aufwachsen ließen. Voltaire behauptet auch, dass der Gefangene bereits 1661, wenige Monate nach dem Tod Mazarins, eingeliefert worden sei, nach seiner Theorie kurz nachdem Ludwig XIV. davon erfahren habe. Auch Marcel Pagnol behauptet, er sei ein auf dem Land und danach in England aufgewachsener Zwillingsbruder Ludwigs XIV. gewesen, der sich in eine Intrige zum Sturz des Königs verwickeln ließ und bei seiner Rückkehr in Dünkirchen verhaftet wurde.Das wurde besonders von Soulavie 1790 (Herausgeber von Richelieus Memoiren) vertreten, also schon zur Revolutionszeit, als man das Ancien Régime diffamieren wollte. Auch Melchior Grimm vertrat 1789 diese These, die er angeblich von einem alten Diener erfahren habe. Bei der Geburt Ludwigs XIV. waren rund 50 Personen unmittelbar anwesend; erst einige Stunden später zog sich die Königin mit einer Hebamme und einer Hofdame zurück. Nach dieser Theorie wäre später noch ein Zwilling geboren worden, der nach damaligem Recht dann Thronfolger seines älteren Zwillings gewesen und deshalb vom Berater Ludwigs XIII. Kardinal Richelieu beiseite genommen worden sei, um Verwirrungen vorzubeugen, und der daher bei einer Pflegefamilie aufwuchs. Zweifel an dieser Theorie gründen jedoch darin, dass ein weiterer möglicher Thronerbe bei der damaligen Kindersterblichkeit Richelieu höchst willkommen hätte sein müssen. Das Hauptargument von Pagnol scheint zu sein, dass man auch in den 1690er Jahren strikte Anweisung gab, dass das Gesicht nicht erkannt werden dürfe. Bei der Überführung in die Bastille gab Ludwig XIV. Anweisung, dass er von niemandem „gesehen und erkannt“ werden würde („qu’il ne soit vu ni connu de personne“, statt „erkannt“ für connu ist auch die Übersetzung „gekannt“ möglich; Pagnol liefert jedoch Argumente für die erste Version). Die einzige Person, die man damals, so lange Zeit nach der Verhaftung, sofort erkannt hätte, wäre aber der König beziehungsweise sein eineiiger Zwilling gewesen.

Illegitimer Sohn der Königin Nach einer anderen Theorie war der Mann mit der Maske ein illegitimes Kind Annas von Österreich, die lange Jahre von ihrem Mann entfremdet lebte. Diskutiert wurde zum Beispiel eine Liaison mit Kardinal Mazarin (de Mihiel 1790),de St. Mihiel, Le véritable homme dit au masque de fer, Straßburg 1790 (korrigierte Neuauflage)Sowie die Diskussion der Theorien in: Anekdoten vom Französischen Hofe vornehmlich aus den Zeiten Ludewigs XIV], Straßburg 1789, Digitalisat, Münchener Digitalisierungszentrum, Anmerkung des Herausgebers (V.V.) S. 38–46, der Herausgeber war August Ferdinand Graf von Veltheim. der während ihrer langen Regentschaft ihr Premierminister war, mit dem Herzog von Buckingham (Luchet), oder dem Musketieroffizier Francois de Cavoye, der tatsächlich einen 1637 geborenen Sohn Eustache Dauger hatte.Marie Madeleine Mast 1974 Danach wäre die zufällige Übernachtung Ludwigs XIII. im Louvre, der Residenz der Königin – eine Übernachtung, in deren Verlauf Ludwig XIV. nachweislich gezeugt wurde – ebenso von Richelieu arrangiert worden wie eine gleichzeitige Liaison Annas mit einem Unbekannten. Die Haltlosigkeit dieser Theorie liegt in dem Umstand, dass ein außereheliches Kind Annas von Österreich überhaupt keinen Thronanspruch gehabt hätte, da nach dem alten Salischen Erbrecht nur die legitime männliche Linie des Königshauses zählte. Somit wäre dieses hypothetische Arrangement für Richelieu vollkommen sinnlos gewesen.

Leiblicher Vater Ludwigs XIV. Williamson unterstützt die Theorie von Lord Quickswood, dass es sich bei dem geheimnisvollen Gefangenen um den leiblichen Vater von Ludwig XIV. handelte. Demnach hätte es sich bei Ludwig XIV. um ein Kind gehandelt, das Ludwig XIII. nur (von Richelieu und Anna von Österreich) untergeschoben worden war, um die Thronbesteigung Gaston d’Orléans’ zu verhindern. Den wirklichen Vater schickte man ins Exil ins damals französische Kanada. Als dieser aber versuchte, aus seinem Wissen Kapital zu schlagen, beispielsweise beim englischen König Karl II., der dadurch seine Verhandlungsposition gegenüber Ludwig XIV. hätte verbessern können, wurde er entführt und inhaftiert. Quickswood gibt allerdings selbst zu bedenken, dass der Gefangene dann bei seinem Tod schon weit über 80 gewesen sein müsste, was im Widerspruch zu Zeugenaussagen stehe.

François de Vendôme