*Walhaz [] ist ein rekonstruiertes urgermanisches Wort, das „fremd“ oder „Fremder“ bedeutet und von den germanischen Völkern verwendet wurde, um Römer und (romanisierte) Kelten und deren Sprachen zu beschreiben. Mehrere moderne Varianten des Wortes existieren in verschiedenen Sprachen und beschreiben zahlreiche unterschiedliche zeitgenössische oder historische Volks- bzw. Sprachgruppen.

Die moderne deutsche Form ist Welsche oder Walsche und bezog sich historisch auf benachbarte romanischsprachige Völker. So wurde der Ausdruck Welschland früher unter anderem für Italien und Frankreich verwendet, heute aber hauptsächlich in der Schweiz für die Romandie oder Welschschweiz. In Tirol, Südtirol (Walsche) und in Kärnten (Walische) bezieht sich das Wort auch heute noch auf die Italiener, allerdings mit einer historisch fehlenden, abfälligen Konnotation. Daneben ist das Wort als Bestandteil in zahlreichen Orts-, Flur- und Familiennamen enthalten.

Der entsprechende urgermanische Gegenbegriff war *þeudiskaz („volkstümlich“ oder „nicht-Latein“). Im althochdeutschen und altsächsischen Raum entwickelte sich der Stammesname der Veneter, in Form von Wenden, zu einem ähnlichen Sammelbegriff für nichtgermanische Völker im Osten.

Wortherkunft Nach J. R. R. Tolkien kann das Wort „als allgemeiner germanischer Name für eine Person, die wir für einen Keltischsprecher halten können“, gedeutet werden.Welsh. In: Douglas Harper: Online Etymology Dictionary. etymonline.com (englisch)„common Gmc. name for a man of what we should call Celtic speech.“ – J. R. R. Tolkien, zitiert nach Online Etymology Dictionary. Übers. Wikipedia

Das Wort erscheint in den Formen althochdeutsch Singular walh, Plural walha, das Zugehörigkeitsadjektiv althochdeutsch walhisk, altenglisch wilisc „fremd, nicht-englisch, kymrisch“, altnordisch valskr, valir „Gallier, Französisch“. Das Adjektiv kann auf erschlossenes urgermanisches *walhiska- zurückgeführt werden.

Germanische Bezeichnung für Kelten Mit dem Wort wurde in den frühesten Nachweisen ein Nachbarvolk der Germanen bezeichnet. Das Wort wird etymologisch auf den Namen der Volcae bezogen. Dieser keltische Stamm kam in vorhistorischer Zeit mit germanischen Völkern in Berührung und lebte um die Zeitenwende im südfranzösischen Aquitanien.Caesar: De bello Gallico, 52/51 v. Chr. Die Volcae besaßen davor mutmaßlich großen Einfluss in Moravia (Mähren) und kontrollierten zusammen mit anderen Stämmen (Boii, Cotini und weitere Donaukelten) ein bedeutendes Netz von Handelswegen zwischen dem Mittelmeerraum und den germanischen Siedlungsgebieten. Man nimmt auch an, dass die Volcae nordöstlich des Rheins wohnten, im heutigen westlichen und zentralen Deutschland, im Stromgebiet der Weser. Gaius Iulius Caesar erwähnt die Volcae Tectosages als einen keltischen Stamm, der seinerzeit noch im westlichen Germanien wohnte.De bello gallico: 6.24

Um die Zeitenwende wurde dieser Name von germanischen Sprechern verallgemeinernd auf alle Kelten übertragen. Der Name ist in einigen germanischen Sprachen eine Bezeichnung für diverse keltische Volksgruppen, etwa bei den Angeln, Jüten und Sachsen, die im 5. Jahrhundert die Insel Britannien besetzten und auf die dortige keltische Bevölkerung trafen: westsächsisch wilisc, wylisc, anglisch und kentisch welisc, wælisc, altenglisch walh oder wealh.Tolkien: English and Welsh. Zit. nach Die Wurzel findet sich beispielsweise in Namen wie Wales (bzw. Welsh, „walisisch“) und Cornwall wieder.

Übergang des Worts auf Romanen 200px|mini|Kupfer-Replikat des schwedischen Brakteaten von Tjurkö (Kopie einer römischen Münze), ca. 400–650 n. Chr. Im älteren Futhark geschrieben erscheint das urnordische Wort walhakurne („welsches Korn“, „fremdes Getreide“), offenbar eine Kenning für „Gold“ mit Bezug auf die Münze.

Spätestens nach dem Ende der Antike bezeichnet der Ausdruck zunehmend auch Romanen. Auf dem europäischen Festland waren bis zum Zusammenbruch des Weströmischen Reiches nahezu alle Kelten romanisiert worden; die germanische Bezeichnung für diese Völker blieb jedoch weiterhin dieselbe und erweiterte sich auf Romanischsprachige ohne nähere Differenzierung.

Nach der Einwanderung der Franken in Gallien übernahmen auch die ansässigen Galloromanen den fränkischen Landesnamen Walha aus der Sprache der Eroberer. Daraus wurde das französische (la) Gaule, das jedoch bald nur noch das Land vor der Zeit der Merowinger und Karolinger, also im Wesentlichen die ehemalige römische Provinz Celtica, bezeichnete. Das französische Wort Gaule leitet sich also nicht aus dem lateinischen Gallia ab, das in der Zeit nach Caesar für Norditalien (Gallia cisalpina) und die Provence (Gallia narbonensis) steht.

Die bairisch-fränkische Landnahme,Manfred Scheuch: Österreich – Provinz, Weltreich, Republik. Ein historischer Atlas. Verlag Christian Brandstätter, Wien 1994. Lizenzausgabe: Verlag Das Beste, ISBN 3-87070-588-4, S. 16ff. die ab dem 5. Jahrhundert den Rhein überschreitend auch Richtung Südosten erfolgt, fand keineswegs ein von der Völkerwanderung entvölkertes Land vor, sondern lateinischsprechende Christen verschiedenster ethnischer Herkunft (wenn auch anzunehmend viele Italer nach Odoakers Rückruf der römischen Bürger 487 das Land verlassen hatten). Die sich im Gebiet des heutigen Bayern als Volkstum bildenden BajuwarenHeinz Dopsch: Zum Anteil der Romanen und ihrer Kultur an der Stammesbildung der Bajuvaren. In: Hermann Dannheimer, Heinz Dopsch (Hrsg.): Die Bajuwaren. Von Severin bis Tassilo 488–788. Ausstellungskatalog Gemeinsame Landesausstellung des Freistaates Bayern und des Landes Salzburg Rosenheim/Bayern Mattsee/Salzburg 19. Mai bis 6. November 1988. Prähistorische Staatssammlung München und Amt der Salzburger Landesregierung 1988, S. 47–54. begegneten den keltischen Breonen im Tiroler Inntal und abgewanderten Norikern im Südtiroler Eisack- und Wipptal (Nurichtal, Vallis Noricana)Dopsch: Breonen und Noriker in Tirol. 1988, S. 51–52. und erreichten im 7. Jahrhundert die heutige Sprachgrenze bei Salurn, wo sie friedlichen Kontakt mit den Ladinern aufnahmen.Scheuch: Romanisierte Restbevölkerung. 1994, S. 18–19. Der heilige Rupert, der 696 in Salzburg mit der Missionierung der Südgrenze Austriens beginnt, gründet sein Bistum auf Basis ungebrochener römischer Tradition, und dort dürften sich romanischsprechende Sprachinseln, vielleicht sogar ethnische Romanen darüber hinaus gehalten haben, wie etwa das Adelsgeschlecht der de Albina von Oberalm bei Salzburg und die Ortsnamen der dortigen Gegend,Dopsch: Der romanische Adel im Salzburger Raum. 1988, S. 52 f. oder die Ortschaft Latein bei Straßwalchen („Lateinsprecher in der Nachbarschaft von Romanen“)Scheuch: Salzburg – Erzbistum und Reichsfürstentum. 1994, S. 36–37. zeigt. Walchen-Ortsnamen finden sich neben dem ganzen nördlichen Alpenrand insbesondere im damaligen Grenzland-Dreieck Salzburg–Wels/Steyr–Pongau/Ennstal, wo sich romanische, baiuwarische und slawische Namen derselben Zeitstufe mischen,Scheuch: Baiern und das karolingische Ostland. 1994, S. 24–25. und auch südlich des Alpenhauptkammes in Kärnten und der Steiermark, die von ehemals norisch-romanischen Inseln im slawischen Reich, dann bairische Grenzmark und Herzogtum Karantanien, zeugen. Für die autochthone kulturelle Kontinuität findet sich etwa in der Vita Sancti Severini, der Lebensbeschreibung des Hl. Severin von Noricum (410–482) des frühen 7. Jahrhunderts, ein zeitgenössisches Zeugnis, wo Eugippius schreibt, die hätten – trotz Hunneneinfalls, Zugs der Langobarden, Rugier, Ostgoten und anderer wandernder Germanen, Awarensturms und slawischer Landnahme – .Zitat Scheuch: Romanisierte Restbevölkerung. 1994, S. 19.

Noch in der Salzburger Urkunde Notitia Arnonis und den nur wenig späteren Breves Notitiae werden noch aus den Jahren um 790/800 80 abgabenpflichtige Romanen an der bayerischen Traun erwähnt, Traunwalchen ist als „trunwalha“ genannt.„(…) in eodem pago Trunwalha dedit, qui dicuntur Romanos tributales LXXX (…)“ Romanische Bevölkerung kann man hier für die Orte Litzlwalchen, Traunwalchen, Walchenberg, Roitwalchen, Kammer, Oberwalchen und Katzwalchen annehmen.

Das Wort bleibt nicht auf die Regionen des direkten Kontakts beschränkt: Auch altnordisch – mit Beginn der Wikingerzeit, 800 als Richtdatum – ist Valir oder Vælir als Name für die Römer gebraucht und der Name Valland für ihre Länder. Korrespondierende Adjektive sind välsk, velsk auf Norwegisch, vælsk auf Dänisch.

Das althochdeutsche Walh wurde im Mittelhochdeutschen zu Walch, und die adjektivische Form ahd. walhisk, walhisch „romanisch“ wurde zum mhd. wælsch, zum Beispiel im Alexanderroman von Rudolf von Ems, bis zu Welsche im neueren Deutsch.

Das Substantiv Walch taucht auch in der Neuzeit noch auf, insbesondere im Plural Walchen, wovon eine dialektale Variante, Walen, spezifisch auf Mineraliensucher und Schürfer aus Italien (auch als Venetianer bekannt) bezogen wurde, die vor allem in den Alpen Bodenschätze sammelten und als zauberkundige Zwerge in die Sagenwelt Eingang fanden.

Orts- und Flurnamen der frühen Sprachschichten Ortsnamen mit dem Bestandteil „Welsch“/„Walsch“ sind gehäuft im Sauerland zu finden sowie im süddeutschen und österreichischen Alpenvorland und den Schweizer Voralpen. Diese werden frühestens auf die bairisch-fränkische Landnahme zurückgeführt, und es wird angenommen, dass sie Berührungen zwischen diesem Kulturkreis und der ortsansässigen gallo-romanischen Restbevölkerung, wohl einschließlich der allfälligen Reste der diversen Hilfstruppen des alten Limesraums, dokumentieren. Es sind weit über hundert Walchenorte dokumentiert, mit einer auffallenden Häufung in den Seengebieten des Alpenraums. Eine Auswahl davon: Walchgau, historische Region in Baiern Flachau im Waldviertel Wahlen, Basel-Landschaft*:

Walchensee in Oberbayern Walchsee in Tirol Walensee in der Ostschweiz

Walchshofen, Ortsteil der Stadt Aichach, Bayerisch-Schwaben Walchwil („Welschen-Weiler“) im Kanton Zug Waldsee in Oberschwaben, Landkreis Ravensburg Waldstetten bei Günzburg, Bayerisch-Schwaben Waldstetten bei Schwäbisch Gmünd, Ostalbkreis, Baden-Württemberg Waldkirch im Landkreis Günzburg in Bayerisch-Schwaben (hierbei wurde „Walch“ zu „Wald“) Wallenhausen im Landkreis Neu-Ulm Wallersee im Land Salzburg Wallisellen bei Zürich, Zürich Wällischgraben bei Sankt Aegyd am Neuwalde, Niederösterreich Wals-Siezenheim, Land Salzburg Welschbillig, im Moseltal, wo Moselromanisch gesprochen wurde Welschen Ennest, bei Kirchhundem im Sauerland Welschenrohr im Kanton Solothurn Welschensteinach im Ortenaukreis in Baden-Württemberg Welschnofen, Welschellen im Gadertal, Walchhorn (Reischach) und Wahlen (Toblach) in Südtirol Seewalchen im Salzkammergut Straßwalchen im Land Salzburg Traunwalchen im bayerischen Chiemgaumit einer Häufung in der näheren Umgebung:Katzwalchen; Litzlwalchen; Oberwalchen; Roitwalchen; Walchenberg Wahlenstraße in Regensburg, Bayern Welchenhausen dt. Eifel Welschengeheu in Wittgenstein Welschingen im Hegau Welschneudorf im Westerwaldkreis Vergleiche dazu Windisch/Wenden, den germanischen Namen für Slawen.

Bezeichnungsbeispiele für spezifische Volksgruppen In verschiedenen deutschen Regionalsprachen werden die jeweils unmittelbar benachbarten Romanen oder romanischsprachigen Bevölkerungsgruppen als „Welsche“ bezeichnet. Je nachdem hat der Ausdruck einen neutralen oder abwertenden Klang: Während im Schweizerischen etwa Welsche für Romands (französischsprechende Schweizer) ohne negative Wertung verwendet wird, ist Welsche oder auch Walsche im Tirolischen aus Gründen der bewegten politischen Vorgänge der Neuzeit in diesen Regionen allgemein abwertende Bezeichnung für Italiener. Im Kontext der deutsch-französischen Rivalität war der Begriff im 19. und frühen 20. Jahrhundert im Standarddeutschen als abwertende Bezeichnung für alles Französische in Gebrauch – zum Beispiel in der Wendung „welsche Tücke“ –, ist aber seither ungebräuchlich geworden.