miniatur|J. Bernlef (2008)

J. Bernlef (eigentlich Hendrik Jan Marsman; * 14. Januar 1937 in Sint Pancras; † 29. Oktober 2012 in AmsterdamSchrijver Bernlef (75) overleden. De Volkskrant, abgerufen am 29. Oktober 2012) war ein niederländischer Schriftsteller, der in seiner Lyrik und Prosa vor allem der Frage nachging, „inwieweit sich subjektives und objektives Erleben, Erinnern und Vergessen, Beobachtung und Wahrnehmung in Sprache fassen lässt.“Internationales Literaturfest Berlin 2004, abgerufen am 29. Januar 2011 Mit seinem Roman Hersenschimmen (Hirngespinste) von 1984, der die innere Erfahrungswelt eines Alzheimerkranken zu schildern versucht, wurde Bernlef auch in Deutschland bekannt. Der Roman wurde 1988 verfilmtRegie Heddy Honigmann, Hauptrolle Joop Admiraal, später zudem für die Bühne bearbeitet.Siehe Alzheimerforum, abgerufen am 29. Januar 2011, und THEATER RAMPE Verfall eines Alzheimer-Kranken: "Hirngespinste" in der Regie von Chaim Levano gastiert im Saalbau Neukölln – Berliner Zeitung, abgerufen am 29. Januar 2011

Leben

Bernlef wurde 1937 in Sint Pancras, einem Dorf nördlich von Alkmaar, in den Niederlanden geboren und wuchs mit einigen Unterbrechungen in Amsterdam auf, wo er bis zu seinem Lebensende lebte. Nach dem Abitur (1955) arbeitete er in einer Buchhandlung und leistete von 1956 bis 1958 den Militärdienst ab. In dieser Zeit wurden erste Gedichte Bernlefs in Zeitschriften veröffentlicht. In die Jahre 1958 und 1959 fallen längere Aufenthalte in Schweden, wo er als Gelegenheitsarbeiter seinen Lebensunterhalt verdiente, aber auch ernsthaft mit dem Schreiben begann. Von 1960 bis 1964 bei einer Buchimportfirma tätig, arbeitete Bernlef seitdem als freier Schriftsteller und Übersetzer. Aus dem Schwedischen übersetzte Bernlef unter anderem Lars Gustafsson, Per Olof Sundman und Tomas Tranströmer sowie aus dem Amerikanischen Elizabeth Bishop und Marianne Moore. Neben Sprache interessierte sich Bernlef leidenschaftlich für Jazzmusik – worüber er ebenfalls einige Bücher veröffentlicht hat. Er starb im Alter von 75 Jahren in seinem Wohnort Amsterdam.

Werke

Kokkels (Herzmuscheln), Gedichte, 1960 Stenen spoelen (Steine waschen), Erzählungen, 1960 Dit verheugd verval, 1963 Achterhoedegevecht, Roman, 1965 Paspoort in duplo (Doppelter Paß), Roman, 1966 Sneeuw (Schnee), Roman, 1973 Meeuwen (Möwen), Roman, 1975 Analogie und Ironie. Über Octavio Paz, Aufsatz, 1976 De man in het midden (Der Mann in der Mitte), Roman, 1976 Onder ijsbergen Roman, 1981 (dt. Zwischen Eisbergen. Übersetzt von Helga van Beuningen, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-518-11694-0). Hersenschimmen. Roman, 1984 (dt. Hirngespinste. Übersetzt von Maria Csollány, Piper, München/Zürich 1989, ISBN 3-492-10963-2; zuletzt als Bis es wieder hell wird. Übersetzt von Maria Csollány, Nagel & Kimche, München 2007, ISBN 978-3-312-00395-2). Publiek geheim (Öffentliches Geheimnis), Roman, 1987 Vallende ster (Fallender Stern), Roman, 1989 Ontroeringen (Gefühle), Essays, 1991 De witte stad (Die weiße Stadt), Roman, 1992 Niemand wint (Keiner gewinnt), Gedichte, 1992 Eclips, Roman, 1993 Schiet niet op de pianist. Over jazz, Essays, 1993 Vreemde wil, Gedichte, 1994 Alfabet op de rug gezien. Poëzievertalingen, Poetische Übersetzungen, 1995 Cellojaren (Cellojahre), Erzählungen, 1995 Achter de rug, Gedichte 1960–1990, 1997 Verloren zoon (Verlorener Sohn), Roman, 1997 De losse pols (Die Manschette), Essays, 1998 Aambeeld (Amboss), Gedichte, 1998 Meneer Toto – tolk (Herr Toto – Interpretation), Prosa 1999 Haalt de jazz de eenentwintigste eeuw?, Essays, 1999 Boy, Roman, 2000 Bernlefs Beste volgens Bernlef, 2000 Bagatellen voor een landschap, Gedichte, 2001 Tegenliggers. Portretten en ontmoetingen (Gegenverkehr. Portraits und Begegnungen), 2001 Verbroken zwijgen, Erzählungen, 2002 Buiten is het maandag (Draußen ist Montag), Roman, 2003 Kiezel en traan, Gedichte, 2004 Een jongensoorlog (Krieg eines Jungen), Roman, 2005 De onzichtbare jongen (Der unsichtbare Junge), Roman, 2005 Hoe van de trap te vallen, Jazzgeschichten, 2006 Op slot (Gesperrt), Roman, 2007 Het begin van tranen (Der Beginn der Tränen), Erzählungen, 2008 Dwaalwegen (Wanderwege), Gedichte, 2008 De pianoman, Novelle, 2008 (Boekenweekgeschenk, 2008) De rode droom (Der rote Traum), Roman, 2009

Literatur

Helmut Koopmann 1986 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über Hersenschimmen, abgerufen am 29. Januar 2011. Koopmann hält es für fragwürdig, wenn der Ich-Erzähler Marten Klein seine zunehmende Verwirrung selber darstellt, nämlich „erstaunlich klar“. Man könne bezweifeln, im Kopf eines Schizophrenen gehe es derart ordentlich zu. Nur die Kindheitserinnerungen des Erzählers seien nachvollziehbar ein Bollwerk gegen die Zersetzung. Der „sanfte“ Erzählton mache Kleins Geschichte „grausam und eindringlich“ zugleich. Carel ter Haar: Nachwort zu Zwischen Eisbergen, Frankfurt/Main 1993, ISBN 3-518-11694-0 Anja Fröhling: Literarische Reisen ins Eis. Interkulturelle Kommunikation und Kulturkonflikt, Würzburg 2005, ISBN 3-8260-2948-8. Darin Die guten Absichten, eine Betrachtung des Romans Zwischen Eisbergen, der in Grönland spielt (dänischer Jurist untersucht Ritualmord), S. 107–129.

Auszeichnungen 1962: Poesiepreis der Stadt Amsterdam für den Gedichtband Morene 1964: Poesiepreis der Stadt Amsterdam für En dode hagedis 1964: Lucy B. en C.W. van der Hoogtprijs für Dit verheugd verval 1977: F. Bordewijkpreis für De man in het midden 1984: Constantijn Huygensprijs für das Gesamtwerk 1987: AKO-Literaturpreis für Publiek geheim 1989: Diepzeeprijs für Hersenschimmen 1994: P.C.-Hooft-Preis für das poetische Werk

Einzelnachweise

Weblinks

Das europäische Gedicht (2006), abgerufen am 29. Januar 2011

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