mini|Eingangstor des Hofguts, 1936 in seiner heutigen Form errichtet mini|Gutshof und Schlösschen von einer Anhöhe im Süden, im Vordergrund ein Zufluss des Rettersbachs, im Hintergrund der Berg Steinkopf bei Königstein () mini|Gasthaus „Zum fröhlichen Landmann“ mini|Lage des Besitzes und abhängiger Höfe von Retters 1221: Weit über Vordertaunus und Wetterau verstreute Ländereien mini|Konzentration der Besitztümer auf den Vordertaunus: Treisberg und Seelenberg im Hintertaunus gelangen durch eine Schenkung unter die Kontrolle von Retters mini|Karte von 1592, die nach dem Verkauf von Retters angefertigt wurde mini|1559 bei der Auflösung des Klosters: Fast nur noch Ländereien im Vordertaunus mini|Hof Röders (heute Rettershof) nordöstlich von Fischbach, Karte von 1893
Der Rettershof (auch Hof Retters oder Röders) ist ein Hofgut nordöstlich von Fischbach, einem Stadtteil von Kelkheim im Vordertaunus. Es geht zurück auf ein ehemaliges Prämonstratenserkloster. Vom 12. Jahrhundert bis 1559 waren Ordensfrauen in Retters ansässig, später nutzten verschiedene Eigentümer das Anwesen und seine Ländereien als Hofgut. Heute ist der Rettershof neben der weiterhin bestehenden landwirtschaftlichen Nutzung ein beliebtes regionales Ausflugsziel.
Lage Der Rettershof befindet sich auf dem Gebiet des Kelkheimer Stadtteils Fischbach, rund zwei Kilometer nordöstlich des Ortskerns. Er liegt am Rand des sogenannten Retterswaldes in einem weiten, sich westlich von ihm erstreckendem Tal des Krebsbaches (Zufluss des Fischbachs, der in den Schwarzbach entwässert) zwischen Ruppertshain und Fischbach. In unmittelbarer Nähe des Hofes verläuft der Rettersbach, ein linker Zufluss des Krebsbaches. Westlich schließen sich heute Ackerflächen an, im Osten liegen ausgedehnte Waldflächen. Etwa ein Kilometer nordöstlich beginnt der Königsteiner Stadtteil Schneidhain.
Infrastruktur Über das Gelände führen zahlreiche Wanderwege, es gibt das Gasthaus „Zum fröhlichen Landmann“ und einen großen Parkplatz mit Zufahrt von der B 455 zwischen Fischbach und Schneidhain. Dort befindet sich auch eine Bushaltestelle, die von den Linien 263 und 815 des Rhein-Main-Verkehrsverbundes angefahren wird.
Geschichte Gründung und wirtschaftliche Blüte des Klosters (1146 bis 1369) Um 1136 siedelten die ersten Chorfrauen aus wirtschaftlichen Erwägungen nach Retters über. Der Ortsname Retters leitet sich her von Rat Gottes (= lat. Consilium Dei). Das Gebiet wurde als Retters und Braubach – in reteresse et in brubach – bezeichnetSchenkungsurkunde von Gerhard von Nürings aus dem Jahr 1146, Hauptstaatsarchiv München (Mainzer Urkunden: 23), Zeile 5 und fortan auch Tal des heiligen Kreuzes genannt – que nunc vallis sancte crucis apellatur. Die Chorfrauen entstammten dem Kloster Steinbach im Westerwald, das zur Abtei Rommersdorf bei Neuwied gehörte. Die Ländereien erstreckten sich als Retters über die Wiesen- und Weideflächen zwischen Fischbach und Ruppertshain und Braubach als Tal des zwischen Hornau und Schneidhain verlaufenden Braubachs (die ungefähre Lage der Ländereien lässt sich heute am Braubachweiher erkennen) und befanden sich im Besitz des Grafen Gerhard von Nürings. Er stiftete als letzter Vertreter seines Adelsgeschlechts, das vorwiegend Ländereien in der Wetterau besaß, im Jahr 1146 seine Ländereien von Retters, um auf ihnen ein Kloster errichten zu lassen. In einer Urkunde aus dem Jahr 1245Hauptstaatsarchiv München (Mainzer Urkunden: 84) wird von einem Kloster des Augustinerordens berichtet. Als sicher gilt, dass spätestens ab 1272 Prämonstratenser (ein Orden, der sich im 12. Jahrhundert entwickelte und gleichfalls auf die Augustinusregel beruft) in Retters lebten.Hauptstaatsarchiv München (Mainzer Urkunden: 157–159) Anfangs handelte es sich bei Retters um ein Doppelkloster, in dem Chorfrauen und -herren ansässig waren. Ab etwa 1200 bestand nur noch ein reines Nonnenkloster, dem meist Ordensfrauen von niederem Adel angehörten. Da die Mutterabtei Rommersdorf eine Prämonstratenser-Abtei war, ist zu vermuten, dass die frühe Bezeichnung von Retters als Augustiner-Kloster von 1245 ein Irrtum war, der möglicherweise auf der vom Prämonstratenserorden verwendeten Klosterregel des Heiligen Augustinus beruht. Der Schreiber der Urkunde hat dies möglicherweise dementsprechend unpräzise „Augustiner“ genannt. Auch die Struktur als Doppelkloster spricht dafür, da dies in der Anfangsphase des Prämonstratenserordens als für diesen typisch gilt.
In späterer Zeit verbreitete sich die Legende, Gerhard von Nüringen, der während des Zweiten Kreuzzugs bei Edessa mit 100 Gefolgsleuten in arabische Gefangenschaft geriet und zwei Jahre gefangengehalten wurde, habe das Kloster aus Dankbarkeit über seine Befreiung gestiftet. Dies widerspricht allerdings der Datierung der Schenkungsurkunde vom 13. November 1146, rund ein Jahr vor Beginn des Zweiten Kreuzzugs.Kelkheim im Taunus. Beiträge zur Geschichte seiner Stadtteile. (S. 37)
Seit der Fertigstellung der Abtei war die Klosterkirche der heiligen Jungfrau Maria geweiht (1272 urkundlich erstmals bestätigtKelkheim im Taunus. Beiträge zur Geschichte seiner Stadtteile. (S. 51)). Nach Berichten des im 17. Jahrhundert in Retters ansässigen Geschichtsschreibers Petrus Diederichs wurde die Kirche außerdem noch durch den Mainzer Erzbischof dem hl. Nikolaus geweiht.siehe Aufzeichnungen Petrus Diederichs, Landeshauptarchiv Koblenz Spätestens ab 1162 unterstand Retters als Filialkloster der Abtei Rommersdorf,Am 22. September 1162 wurde Retters und seine Güter als Besitz von Kloster Rommersdorf durch Papst Viktor IV. bestätigt (Rethers cum appendis suis). Siehe Aufzeichnungen Petrus Diederichs, Landeshauptarchiv Koblenz der ältesten Prämonstratenserabtei auf dem Gebiet des Erzbistums Trier.
Sein Schutz oblag zu jener Zeit dem Mainzer Erzbischof. Es dürfte sich zunächst um eine eher ärmliche Klosterzelle gehandelt haben, wie aus einer Niederschrift zum Tod von Burchard von Nürings, dem Bruder des Klosterstifters, hervorgeht.Drauth, Karl: Die Grafen von Nüring. In: Forschungen zur deutschen Geschichte 23, 1883 (S. 368–490) Durch Schenkungen und Handel mit den umliegenden Herrschaften gewann das Kloster jedoch bald an Einfluss, so dass rasch ein wirtschaftlicher Aufschwung einsetzte. In einem Brief des Mainzer Erzbischofs Konrad I. von Wittelsbach aus dem Jahr 1191 waren bereits 22 Ländereien im Vordertaunus und in der Wetterau verzeichnet, denen er als Besitz von Retters Schutz garantierte. In den folgenden Jahrhunderten konzentrierte das Kloster seinen Besitz auf den Vordertaunus, weiter entfernte Ländereien wurden verkauft oder gegen umliegende Gebiete getauscht.
Aus einem weiteren Schutzbrief des Mainzer Erzbischofs Siegfried II. von Eppstein vom 30. Dezember 1221 ist zu entnehmen, dass Retters Ländereien an 40 Orten zwischen Wiesbaden, Frankfurt und Butzbach besaß, darunter als wichtigste Güter Münster, Hornau (beides heute Kelkheimer Stadtteile), Beidenau (heute eine Wüstung), Schneidhain und Liederbach. Insgesamt verfügte Retters zu dieser Zeit über 24 Höfe, zwei Mühlen, 67 Hufen Land (entspricht etwa 407 Hektar, meist Wald und Wiesen), 66 Morgen (rund 13 Hektar) selbst bewirtschaftete Äcker und 20 Weinberge. Hinzu kamen grundzinspflichtige Höfe sowie das Patronat über die Pfarrkirche von Dornheim (von 1191 bis 1559, bei Groß-Gerau).Hauptstaatsarchiv München (Mainzer Urkunden: 40)
Am 13. September 1275 unterstellte der römisch-deutsche König Rudolf I., der dem Haus Habsburg entstammte, Retters dem Schutz des Reiches. Während dieser Zeit der wirtschaftlichen Blüte musste die Zahl der Chorfrauen auf maximal 50 begrenzt werden, da mehr Interessentinnen Aufnahme in das Kloster begehrten als dieses versorgen konnte.
In diesen Jahren trug auch die Mystikerin Christina von Retters (geboren 1269, gestorben 1291 oder 1292, später seliggesprochen) ob ihres Namens zur Bekanntheit des Klosters bei. Gleichwohl ist fraglich, ob sie je in Retters wirkte.
Im 13. Jahrhundert banden die Herren von Eppstein das Kloster Retters eng an sich. 1272 erhielt es von Gottfried (dem Älteren) von Eppstein die Ländereien von Treisberg und Seelenberg als Schenkung. Am 13. Mai 1297 erließ der aus dem Eppsteiner Haus stammende Mainzer Erzbischof Gerhard II. dem Kloster seine Abgaben. Im 14. Jahrhundert geriet das Kloster dann zunehmend in Abhängigkeit von den Eppsteiner Landesherren und wurde von diesen bald als Eigenkloster angesehen. Die Herren von Eppstein waren fortan Klosterherren von Retters, das Investiturrecht und die geistliche Führung oblagen aber weiterhin der Abtei Rommershausen.Kelkheim im Taunus. Beiträge zur Geschichte seiner Stadtteile. S. 42
Niedergang und Auflösung des Klosters (1369 bis 1559) Mitte des 14. Jahrhunderts begann ein massiver wirtschaftlicher Niedergang, mit dem der Verkauf von Gütern einherging. Pest, Bevölkerungsrückgang und Kriege wirkten sich negativ auf Handel und Klosterbetrieb aus. Zudem geriet Retters während verschiedener Fehden immer wieder zwischen die Fronten, 1374 wurde es durch Reifenberger Raubritter geplündert. 1369 musste mit den Besitzungen von Treisberg, die für 200 Gulden an Frank VIII. von Cronberg verkauft wurden, ein wesentlicher Bestandteil des Grundbesitzes abgegeben werden. Nun wurden vorwiegend die verbliebenen Ländereien in der Umgebung von Retters aus selbst bestellt, mit Ausnahme von Beidenau befanden sich keine Höfe mehr in Abhängigkeit vom Kloster. Von 1350 bis 1507 war Retters der Freien Reichsstadt Frankfurt heerpflichtig und im Kriegsfall in die Verteidigung der Stadt und des Umlandes eingebunden.Kopialbuch II, Nr. 58 fol. 22r im Stadtarchiv Frankfurt (1350)
1433 spaltete sich das Haus Eppstein in die Linien Eppstein-Münzenberg (vormals Falkenstein-Münzenberg, da in Falkenstein ansässig) und Eppstein-Königstein auf, die Retters fortan als gemeinsamen Besitz verwalteten. Durch Streitigkeiten zwischen beiden Familienzweigen geriet das Kloster zunehmend in wirtschaftliche Not, Hunger und Verwahrlosung griffen um sich. Um 1500 lebten noch etwa 20 Personen in Retters. Als im Jahr 1535 mit Eberhard IV. der letzte Eppsteiner Graf und Schutzherr von Retters starb, ohne Nachfahren zu hinterlassen, fielen das Kloster und seine Ländereien an die Herren von Stolberg, wie es bei der Heirat seiner Schwester Anna mit Botho von Stolberg beschlossen worden war.
Nachdem Botho 1538 gestorben war, teilten seine Söhne in einem Erbvergleich am 26. August 1538 seinen Besitz untereinander auf. Retters wurde hierbei dem neuen Familienoberhaupt, Ludwig von Stolberg-Königstein (er residierte in Königstein), zugeschlagen. Ludwig war von seinem Bruder Christoph zu Stolberg, dem Dompropst von Halberstadt,Christoph zu Stolberg erbte die Dörfer Kelkheim, Hornau und Eppstein zur lutherischen Lehre bekehrt worden.
Ab 1540 führte Ludwig in seiner gesamten Grafschaft die Reformation ein und begann Klöster und Stifte aufzulösen. In den Jahren 1542 und 1544 wütete die Pest im Vordertaunus, auch Retters war betroffen, mehr als die Hälfte der Ordensfrauen starben. Stück für Stück lösten die Herren von Stolberg die besten Ländereien aus dem Besitz des zunehmend in Auflösung befindlichen Klosters, das durch hohe Schulden, Misswirtschaft und eine große Zahl von Austritten so geschwächt war, dass immer wieder Krankheit und Hunger ausbrachen und Geld für dringend notwendige Reparaturen fehlte.
Nach Streitigkeiten mit dem Pächter des Beidenauer Hofes, Konrad von Hattstein, der sich über die schlechten Bedingungen beim Grafen Ludwig beklagt hatte, beschlagnahmte dieser schließlich Beidenau und belehnte den bisherigen Pächter mit diesem Gut. Somit verlor das Kloster auch noch seinen letzten großen Besitz.