Das Grevyzebra (Equus grevyi) ist ein Zebra aus der Gattung der Pferde (Equus) innerhalb der Familie der Pferde (Equidae). Die Art ist nach dem ehemaligen französischen Präsidenten Jules Grévy benannt, dem in den 1880er Jahren ein Tier vom Kaiser Abessiniens geschenkt wurde. Das Grevyzebra lebt im nordöstlichen Afrika, hauptsächlich in Äthiopien und Kenia in trockenen Gebieten und ist eher einzelgängerisch. Als Hauptnahrung dienen Gräser, seltener auch weichere Pflanzen. In freier Wildbahn ist das Grevyzebra aufgrund von Bejagung und durch Lebensraumverlust stark gefährdet. Es weist gegenüber anderen Zebraformen das dichteste Streifenmuster auf und stellt die größte der heute wildlebenden Pferdearten dar.
Merkmale Habitus mini|Grevyzebra, liegend Das Grevyzebra ist das größte der heute lebenden Zebras und der größte wildlebende Vertreter der heutigen Pferde. Es erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von ca. 300 cm, zuzüglich einer Schwanzlänge von 50 cm und eine Schulterhöhe von 125 bis 150 cm. Das Gewicht des erwachsenen Grevyzebras beträgt 350 bis 430 kg. Männliche Tiere sind dabei etwas größer als weibliche. Der Kopf ist relativ groß und langgestreckt, der Hals eher kurz. Daneben besitzt das Grevyzebra im Vergleich zu den Eseln und den Wildpferden kürzere und gerundete Ohren. Die Beine sind lang und schlank geformt und enden in relativ kleinen, ovalen, aber pferdeartig breiten Hufen. Dabei sind Griffelbeine deutlich weniger reduziert als bei den anderen modernen Pferdearten. Chestnuts, schwielenartige Erhebungen von bräunlicher Färbung sind nur an den Vorderbeinen oberhalb des Karpal-Gelenks ausgebildet und klein. Wie bei allen Zebras hat auch die Mähne des Grevyzebras eine dunkle Mittelhaarflur, die sich als Aalstrich über den Rücken bis auf die Schwanzwurzel fortsetzt. Die Mähne überragt im aufgerichteten Zustand die Ohren. Bei den Fohlen des Grevyzebras erstreckt sich die Mähne bis zur Schwanzbasis. Sie verschwindet beim Vermausern des Jugendhaares.
Charakteristisch ist das Streifenmuster, welches bei jedem Tier individuell geformt ist und das schmalste und dichteste aller Zebras ist. Die Streifen sind lackschwarz bis schwarzbraun gefärbt und weisen eine durchschnittliche Breite von 25 bis 38 mm auf, während sie einen Abstand von ca. 20 mm am unteren Anfang haben. Zwischen Schulter und Hinterteil sind in der Regel 18 bis 26 Streifen, inklusive Halbstreifen, angeordnet, am Hals 9 bis 16. Sie reichen schwanzwärts bis zum höchsten Punkt der Kruppe. Ihr hinterer Teil zwischen Rumpf- und Keulenstreifung ist ausgefüllt mit einem die Schwanzwurzel umgebenden System ganz schmaler, diagonal verlaufender Streifen, dem sogenannten Rost. Die Grundfarbe des Grevyzebras ist weiß bis weißgelb oder aschgrau. Der Bauch weist keine Streifen auf. Beim Grevyzebra fehlen die „Schattenstreifen“, dafür zieht sich ein breiter dunkler Streifen am Rückgrat entlang. Das Streifenmuster bildet sich ontogenetisch bereits im Embryonalstadium, wobei bei einem fünf Wochen alter Embryo schon insgesamt 80 Streifen auftreten.
Schädel- und Gebissmerkmale mini|Equus grevyi. Schädel, Skelett, linker Vorderfuß frontal und lateral Der Schädel wird 49 cm lang und ist eher schmal gebaut mit nicht sehr weit herausragenden Jochbeinen. Er besitzt eine charakteristisch langgezogene Schnauze, die das Grevyzebra deutlich vom Afrikanischen Esel (Equus asinus) oder Asiatischen Esel (Equus hemionus) unterscheidet. Das Hinterhauptsbein ist breit und deutlich ausgezogen, so dass es über die Gelenkflächen (Kondylen) als Ansatz der Halswirbel hinausragt. Das schwach ausgebildete Nasenbein besitzt eine leichte Krümmung. Die zwischen den beiden Schädelknochen befindliche Stirnlinie verläuft deutlich gerade.
Der 38 cm lange Unterkiefer weist eine robuste Gestalt auf mit hochragenden Gelenkästen. Das Gebiss des Grevyzebras ist nicht reduziert und besitzt dementsprechend folgende Zahnformel: . Die Schneidezähne sind langgestreckt und meißelförmig gestaltet. Der Eckzahn, der durch ein Diastema von den Schneidezähnen getrennt ist, ist eher klein. Zum hinteren Gebiss besteht ebenfalls ein diesmal größeres Diastema. Dessen Zähne, die Prämolaren und Molaren weisen jeweils hohe Zahnkronen (hypsodont) mit stark gefaltetem Zahnschmelz und einem hohen Zahnzementanteil auf. Dabei sind die Prämolaren deutlich molarisiert und ähneln den hinteren Backenzähnen. Bei den Molaren des Unterkiefers ist der Verlauf des Zahnschmelzes am hinteren Rand zwischen beiden Vorsprüngen Metaconid und Metastylid eher V-förmig oder gewinkelt ausgeprägt, womit die Pferdeart zu der non-caballinen oder stenoninen Gruppe der Gattung Equus gehört.
Sinnesleistungen und Lautäußerungen Zahlreiche Lautäußerungen sind beim Grevyzebra bekannt. Alarmierte Tiere geben ein lautes Brummen von sich, das weit widerhallt und an Löwen erinnert. In ähnlichen Situationen oder bei Schmerz und Furcht wird ein Pfeifen oder Quietschen ausgestoßen. Dies geben auch Jungtiere von sich, die vom Muttertier getrennt wurden. Warnungen werden durch Schnauben angezeigt, was häufig mit stampfenden Vorderbeinen verbunden ist, während die Hengste bei Territorialkämpfen brüllen. Ein dem Bellen ähnlicher Laut wird beim Geschlechtsakt verwendet.
Verbreitung mini|hochkant|Verbreitung von Equus grevyi, blau: natürliche Verbreitung, rot: eingeführt. Das Verbreitungsgebiet des Grevyzebras befindet sich in Ostafrika und am Horn von Afrika, beschränkt sich heute aber weitgehend auf Äthiopien und Kenia, Angaben für den Sudan lassen sich bisher nicht bestätigen. Allerdings sind die Habitate stark zersplittert. Eine kleine Population lebt in der Alledeghi-Ebene nordöstlich des Awash-Nationalparks in Äthiopien. Weitere Bestände sind im südlichen Äthiopien vom See Chew Bahir bis zum Mount Kenya und entlang des Tana zu finden. Häufiger kommt es noch im nördlichen Kenia östlich des Großen Afrikanischen Grabenbruchs bis hin zum Tana-Fluss vor. Hier lebt das Grevyzebra in mehreren Wildschutzgebieten. Ursprünglich war das Verbreitungsgebiet wesentlich größer und reichte vom Grabenbruchsystem in Kenia bis nach Somalia und ins nördliche Äthiopien.
Der Lebensraum umfasst halbtrockene offene Landschaften bis in eine Höhe von 1.700 m. Hier bewohnen die Tiere Regionen mit niedriger bis halbhoher Vegetation (1 bis 4 m Höhe), hauptsächlich von Akazien bestandene Busch- und Grasländer, in denen aber Wasser zugänglich sein muss. Dabei bevorzugen sie ebenes oder hügeliges Gelände mit steinigem Untergrund. Allerdings gibt es durchaus individuelle Unterschiede bei der Bevorzugung bestimmter Landschaften. Stuten mit säugenden Fohlen beanspruchen Gebiete mit grünem und frischem Bewuchs, ebenso wie Hengste ohne eigenes Territorium. Dagegen tolerieren Stuten ohne Fohlen und territoriale Tiere auch Regionen mit trockener Vegetation. Aufgrund dessen und der in manchen Regionen regelmäßig vorkommenden Dürren unternimmt das Grevyzebra jahreszeitliche Wanderungen. Die Populationsdichte liegt in Gebieten mit einer höheren Bestandsdichte bei maximal 0,1 bis 0,2 Individuen je km².
Lebensweise Territorialverhalten mini|Grevyzebras Anders als das Bergzebra (Equus zebra) und das Steppenzebra (Equus quagga) bildet das Grevyzebra keine wirklichen Herden. Wenn die Umweltbedingungen günstig sind, können in einem Gebiet zwar sehr viele Individuen zusammenkommen, was meist während der Nahrungsaufnahme passiert. Diese Gruppen bestehen aus Vertretern beiderlei Geschlechts, es gibt aber keine Führungstiere, und die Verbände lösen sich schnell wieder auf. Enge soziale Bindungen existieren nur zwischen Stuten und ihrem Nachwuchs. Weibchen mit Fohlen und Junggesellen schließen sich jeweils manchmal zu losen Verbänden zusammen. Ältere Hengste leben oft einzelgängerisch und unterhalten Territorien, die sie gegen gleich alte Geschlechtsgenossen verteidigen. Diese Reviere können 2,5 bis 10 km² groß sein und werden in Gebieten mit trockener Vegetation angelegt. Die Grenzen der Reviere folgen dabei häufig natürlichen Barrieren wie Wasserläufen. Viel begangene Wege oder Treffpunkte mit Artgenossen werden durch Urin und Kot markiert. Ein dominanter Hengst hält das Revier maximal ein Jahr und toleriert andere männliche Tiere dort, solange keine brünftigen Stuten anwesend sind. Dann verteidigt er sein Revier mit Bissen in Nacken, Rücken oder an den Flanken. Gelegentlich gehen Stuten mit Fohlen auch temporäre Verbindungen mit Hengsten ein, um den Nachstellungen mehrerer anderer männlicher Tiere in der Aufzuchtsphase zu entgehen.
Ernährung mini|Grevyzebra bei der Nahrungsaufnahme Das Grevyzebra ernährt sich von harter kieselsäurereicher Grasnahrung, an die es mit seinen hochkronigen Backenzähnen mit hohem Zahnzementanteil und dem kräftigen Unterkiefer angepasst ist. Zur Hauptnahrung gehören Süßgräser verschiedener Gattungen wie Eleusine und Cenchrus, aber auch Chrysopogon und andere harte, an trockene Klimate angepasste Formen. Einige der Gräser sind relativ nährstoffreich, werden aber seltener von grasenden Hornträgern genutzt. Des Weiteren sind Hülsenfrüchte als Nahrungspflanzen bekannt. Allerdings nimmt diese Zebra-Art gelegentlich auch weichere Pflanzennahrung wie Blätter, Zweige oder Blüten zu sich, was aber weniger als 30 % der Gesamtnahrung ausmacht. Die pflanzliche Nahrung enthält die meisten der für den Stoffwechsel notwendigen mineralischen Stoffe, die Nutzung von Salz- und Minerallecken ist deshalb nicht bekannt. Im Gegensatz zum Steppenzebra braucht das Grevyzebra weitaus weniger Wasser und kann bis zu fünf Tage ohne Flüssigkeit auskommen. Ausgenommen sind dabei stillende Muttertiere, die alle zwei Tage Wasser benötigen.
Fortpflanzung mini|Stute mit Fohlen, welches noch teilweise die jugendliche Fellfarbe trägt Ein junges männliches Grevyzebra ist mit drei Jahren geschlechtsreif, ein weibliches mit drei bis sechs Jahren. Die Brunft setzt alle 19 bis 33 Tage ein und dauert anfangs 2 bis 9 Tage, nach der ersten Geburt verlängert sie sich auf 9 bis 14 Tage. Während der Brunftzeit urinieren Stuten häufig. Ein paarungswilliger Hengst nähert sich einem Weibchen zunächst mit abmessenden Schritten, indem er die Fäkalien beriecht und ein flehmenartiges Rossigkeitsgesicht zeigt. Dann macht er zwickend, rempelnd oder kämpfend auf sich aufmerksam. Eine widerwillige Stute stößt häufig mit den Hinterbeinen aus und läuft davon. Das Vorspiel dauert dabei bis zu 30 Minuten. Der Geschlechtsakt nimmt nur 3 bis 10 Minuten in Anspruch, wird aber häufig bis zu 3 Stunden unterbrochen. Während der Begattung liegt der Hengst mit den Vorderfüßen auf den Schultern der Stute auf. Die Paarung findet meist in der Regenzeit statt.
Nach einer Tragzeit von etwa 390 Tagen kommt überwiegend ein einziges Fohlen zur Welt. Die Geburt findet in der Regel nach der Regenzeit im August oder September statt, kann aber auch ganzjährig erfolgen. Das Junge hat lange Ohren und schlanke Beine und besitzt ein langhaariges, ockerfarbenes Fell mit braunen Streifen. Es hat eine Schulterhöhe von etwa 90 cm und wiegt rund 40 kg. Innerhalb von im Mittelwert 14 Minuten steht es erstmals und beginnt wenig später bereits Milch zu saugen. Teilweise schließen sich Mutter- und Jungtier anderen Stuten mit Fohlen an. Grasnahrung nimmt das Fohlen sehr früh zu sich, nach 2 Monaten umfasst sie bereits rund 40 % der aufgenommenen Nahrung. Dies ist ein wesentlich höherer Anteil als bei anderen Pferdearten, deren Fohlen die gleiche Menge an Gras erst im Alter von 5 Monaten aufnehmen. Wasser trinkt ein junges Grevyzebra erstmals mit 3 Monaten. Im Alter von etwa vier Monaten entwickelt sich das kurzhaarige Fell mit der schwarz-weißen Streifenfärbung der Alttiere. Nach etwa anderthalb Jahren ist das Jungtier unabhängig. Die etwas schneller verlaufende jugendliche Entwicklungsphase, vor allem die abweichende Entwicklung der Nahrungsaufnahme und des Saug- und Trinkverhaltens, wird mit der Anpassung des Grevyzebras an sehr trockene Gebiete erklärt. Das Höchstalter in Gefangenschaft betrug 22 Jahre.