mini|Von links nach rechts: Stalin, Roosevelt und Churchill auf der Terrasse der sowjetischen Botschaft in Teheran
Die Konferenz von Teheran, auch Eureka-Konferenz (Tarnname) genannt, fand vom 28. November bis zum 1. Dezember 1943 als erste Konferenz der Regierungschefs der drei Hauptalliierten der Anti-Hitler-Koalition im Zweiten Weltkrieg in Teheran, der Hauptstadt Irans, statt. Beteiligt waren der Präsident der Vereinigten Staaten Franklin D. Roosevelt, der Premierminister des Vereinigten Königreichs Winston Churchill, der Vorsitzende des sowjetischen Rats der Volkskommissare Josef Stalin sowie ihre militärischen Berater.
Hauptsächlich Probleme des militärischen Vorgehens auf dem europäischen Kriegsschauplatz im Jahr 1944 standen auf der Tagesordnung der Konferenz. Die Invasion in Frankreich wurde beschlossen. Im Oktober hatte eine vorbereitende Außenministerkonferenz in Moskau stattgefunden, auf der die Moskauer Deklaration verabschiedet worden war. Ferner hatten sich zuvor die Combined Chiefs of Staff der Westalliierten im November am Rande der Kairo-Konferenz getroffen, um ihre eigene Strategie zu erörtern und die Kernfragen an die sowjetische Führung auszuarbeiten.
Weiterhin wurde über die politische Neuordnung Europas nach einem Sieg der Anti-Hitler-Koalition über das nationalsozialistische Deutschland beraten und Vorabsprachen getroffen. Roosevelt hatte eine Aufteilung in fünf autonome Staaten vorgeschlagen, wozu Churchill und Stalin nicht vorbehaltlos zustimmten. Eine Europäische Beratende Kommission sollte deswegen gegründet werden und detaillierte Pläne für die Aufteilung Deutschlands ausarbeiten.
Während in militärischen Fragen gute Ergebnisse erzielt wurden, blieben einige politische Fragen noch zu klären: außer der Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen die griechische, die jugoslawische und die tschechische Frage. Ein gemeinsames Vorgehen gegenüber Japan war noch nicht gefunden, die Organisationsform der künftigen Vereinten Nationen noch nicht festgelegt. Dazu wurde eine zweite Gipfelkonferenz verabredet, die schließlich auf der Krim stattfand.
Kriegführung mini|Gruppenbild mit Stabsangehörigen
Am ersten Konferenztag, dem 28. November 1943, sollte die gemeinsame Planung für den weiteren Kriegsverlauf besprochen werden. Roosevelt und Churchill hatten sich die Aussprache mit Stalin sehr schwierig vorgestellt und rechneten nicht damit, dass er viel von der eigenen Strategie gegen Deutschland preisgeben würde. Doch zu ihrer großen Überraschung übernahm Stalin gleich die Initiative und nach einer knappen Begrüßung kam er sofort zum Hauptpunkt. In ein paar Minuten erläuterte er die kompletten sowjetischen Pläne, die für die Westalliierten wichtig waren. Er führte weiter aus, dass nach einem Sieg über Deutschland die Rote Armee sofort für den Einsatz im Pazifikkrieg bereitstehe, um dort die Offensive gegen die Japaner zu übernehmen. Er betonte besonders, dass dies das erste Engagement der Sowjets im Pazifik sei und eine nicht unbedeutende Auswirkung auf die dortige anglo-amerikanische Strategie haben würde. China sollte die Territorien, die Japan von ihm erobert hatte, zurückerhalten, Korea unabhängig werden, der Sowjetunion wurden Südsachalin und die Kurilen zugesagt. Stalin betonte, China müsse aktiv in den Krieg eingreifen, um sich den Wiedergewinn seines Territoriums zu verdienen.Gerhard L. Weinberg: Eine Welt in Waffen. Die globale Geschichte des Zweiten Weltkriegs. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1995, S. 668.
Anschließend wandte er sich der italienischen Front zu. Die alliierten Siege dort, so meinte er, seien sehr wichtig, hätten aber augenblicklich keinen so großen Effekt auf einen möglichen Sieg über Deutschland. Nötig sei eine Operation auf nordwestfranzösischem Gebiet, womit er Roosevelt und Churchill direkt in die Hände spielte, da die Planung für die Operation Overlord, also eine Landung in der Normandie und die Eröffnung einer zweiten Front, nicht zuletzt auf früheres Drängen Stalins auf Hochtouren lief.
Josip Broz Tito sollte als selbständiger alliierter Befehlshaber in Jugoslawien betrachtet werden.
Invasionspläne – „Overlord“ und „Anvil“ Auf der Kairo-Konferenz war zwischen Briten und Amerikanern umstritten gewesen, ob man zunächst im östlichen Mittelmeer eventuell den Druck von der sowjetischen Seite nehmen solle, was zur Folge hätte, dass dann die Operation Overlord erst ein oder zwei Monate später folgen könne, oder ob die Landung in der Normandie, wie Roosevelt es wollte, so früh wie möglich erfolgen solle. Dieser Dissens, der Stalin zur Entscheidung vorgelegt wurde, führte dazu, dass an drei der vier Tage der Konferenz von Teheran über strategische Fragen des Kriegs in Europa beraten wurde. Für andere Fragen blieb dadurch kaum Zeit.Gerhard L. Weinberg: Eine Welt in Waffen. Die globale Geschichte des Zweiten Weltkriegs. S. 665 ff. Der sowjetische Diktator reagierte erfreut, als die Westalliierten ihm den Plan zur Operation Anvil, der Invasion in Südfrankreich, offenbarten. Sie betrachteten Anvil als eine zusätzliche Operation zu Overlord, Stalin wollte beide aber als eine Einheit ansehen, da die sowjetische Strategie der Zangenangriffe zu vielen Siegen geführt hatte.
Stalins Drängen auf eine Invasion in Südfrankreich standen die Westalliierten aber unvorbereitet gegenüber. Roosevelt und Churchill erklärten ihm, dass noch keinerlei detaillierte Pläne dazu vorlägen, aber die Generalstäbe sich damit befassen würden. Die Landung war nur als reiner Vorschlag gedacht, obwohl sich die beiden Staatsmänner schon auf früheren Treffen damit beschäftigt hatten. Auf Grund britischer Bedenken, die auf eine reine Nordfrankreichinvasion hinausliefen, war es bisher nie zu weiteren Ausarbeitungen gekommen. So mussten die Stabschefs, die viele Planungsmitglieder in Kairo zurückgelassen hatten, sich mit der Kopie einer Studie von Anfang August an die Sowjets wenden. Auf dieser alten Grundlage wurde gemeinsam ein Memorandum ausgearbeitet, das am Konferenzende den Staatschefs präsentiert wurde.
Kurz vor dem Abflug versprachen Churchill und Roosevelt Stalin die Operation Overlord im Mai 1944 auszuführen. Für Stalin war damit klar, dass beide Operationen eine Gesamtoffensive gegen Deutschland darstellten.
Erörterung der Nachkriegsordnung Über die Nachkriegsordnung trafen die Alliierten eine Reihe informeller Vorabsprachen.
Deutschland mini|Roosevelt-Plan
Die Konferenzteilnehmer waren besorgt, dass Deutschland wie nach dem Ersten Weltkrieg in fünfzehn bis zwanzig Jahren wieder erstarken und erneut einen Eroberungskrieg beginnen könnte. Deshalb war es ihnen wichtig, Deutschland über einen längeren Zeitraum geschwächt zu halten und jederzeit wichtige strategische Positionen besetzen zu können. Deutschland sollte demilitarisiert, wirtschaftlich eingeschränkt und territorial verkleinert werden, so dass ein Frieden für mindestens fünfzig Jahre gesichert wäre.Geoffrey Roberts: Stalin’s Wars – From World War to Cold War, 1939–1953. Yale University Press, 2007, ISBN 978-0-300-13622-7, S. 183 f.
Churchill spielte mit dem Gedanken einer Zwei- oder gar Dreiteilung Deutschlands mit dem Ziel einer Separierung Preußens, dessen militaristischer Geist als eine Ursache für den Krieg gedeutet wurde. Neben einem preußischen Staat (laut Konferenzprotokoll verkleinert um die Gebiete östlich der Oder, die nicht mehr zu Deutschland gehören sollten) sahen die Pläne einen süddeutschen Staat vor, bei dem Bayern, Baden, Württemberg und die Pfalz mit Österreich und Ungarn zu einer „Donauföderation“ zusammengeschlossen werden sollten. Weitere Ausführungen zu Umfang und Grenzen dieser Staaten machte Churchill nicht, so dass auch die Größe Preußens und der Verbleib der übrigen Regionen im Westen und Norden unklar bleibt.
Stalin widersetzte sich einer Donauföderation, woraus abgeleitet wurde, dass die Sowjetunion, unabhängig von der deutschen Frage und von ihrem Interesse an Sicherheit vor Deutschland, in Ost-, Mittel- und Südosteuropa keine stärkeren Staaten oder Föderationen schwacher Staaten dulden werde. Über Österreich hatten die Außenminister der Alliierten zuvor schon entschieden, als sie in der Moskauer Deklaration konstatiert hatten, dass der Anschluss Österreichs von 1938 „null und nichtig“, Österreich wieder frei und unabhängig werden solle.Hermann Graml: Die Alliierten und die Teilung Deutschlands. Konflikte und Entscheidungen 1941–1948, Fischer, Frankfurt am Main 1985, ISBN 3-596-24310-6, S. 29 f.
Roosevelt favorisierte die Bildung von fünf autonomen deutschen Einzelstaaten. Diese sollten jeweils folgende Gebiete umfassen: Preußen (Brandenburg einschließlich der Gebiete östlich der Oder, Berlin, Mecklenburg, Pommern, Schlesien, Anhalt, der Norden der Provinz Sachsen, ohne Ostpreußen), Hannover mit Gebieten Nordwestdeutschlands, Sachsen (das heutige Sachsen, ohne den niederschlesischen Teil, mit Thüringen und dem Süden der Provinz Sachsen) Hessen-Darmstadt vereinigt mit Hessen-Kassel und Gebieten südlich des Mains sowie einem südlichen Teil der Rheinprovinz sowie ein südlicher Staat aus Bayern, Baden, Württemberg und Hohenzollern.
Außerdem schlug er vor, den Nord-Ostsee-Kanal, die Städte um Kiel und Hamburg sowie das Ruhrgebiet und das Saargebiet unter internationale Verwaltung stellen zu lassen.
Baltische Staaten Die USA hatten die sowjetische Annexion von Estland, Lettland und Litauen 1940 nicht anerkannt. In der Diskussion um den künftigen Status der baltischen Staaten forderte Stalin die nachträgliche Anerkennung der Annexionen. Roosevelt regte daraufhin an, die Scheinwahlen, mit denen den territorialen Eingliederungen der baltischen Staaten 1940 in die Sowjetunion ein pseudo-legaler Anstrich gegeben worden war, mit korrekten Wahlen zu wiederholen. Stalin lehnte die Wiederholung der Wahlen ab.Josef Becker: Deutsche Frage 1941–1949, in: derselbe, Theo Stammen, Peter Waldmann (Hrsg.): Vorgeschichte der Bundesrepublik Deutschland. Zwischen Kapitulation und Grundgesetz, Uni-Taschenbücher 854, München 1979, ISBN 3-7705-1769-5, S. 28.
Europäische Beratende Kommission
Italien hatte am 8. September 1943 im Waffenstillstand von Cassibile kapituliert. Über die militärischen und politischen Kapitulationsbedingungen war es unter den Alliierten zu Meinungsverschiedenheiten gekommen, die Sowjetunion war zu den Verhandlungen nicht zugezogen worden. Deswegen wurde auf der Moskauer Außenministerkonferenz von 1943 zum Thema, dass die Zusammenarbeit der Alliierten in den Fragen der Regelungen gegenüber ehemaligen Feindstaaten oder von deutscher Besetzung befreiten Ländern zu verbessern sei. Zur Koordination der alliierten Politik sollte eine für Italien zuständige Kommission gebildet werden und außerdem eine Europäische Beratende Kommission in London. Die Arbeitsergebnisse dieser Kommission sollten als Empfehlungen an die Regierungen der Alliierten gerichtet werden. Während der Konferenz von Teheran ernannten die drei Regierungen ihre Delegierten für diese Kommission. Großbritannien bestimmte einen Diplomaten seines Außenministeriums, William Strang, zum Leiter seiner Delegation. Die Sowjetunion ernannte ihren Botschafter in London, Fedor Gusew, die USA auf dessen eigenen Wunsch hin ihren Botschafter in London, John G. Winant. Beide übernahmen dieses Amt zusätzlich zu ihren Aufgaben als Botschafter. Die erste, noch informelle Sitzung der Delegationen fand am 15. Dezember 1943 im Lancaster House statt.Hans-Günter Kowalski: Die „European Advisory Commission“ als Instrument alliierter Deutschlandplanung 1943–1945. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 19 (1971), S. 262 ff. (online).
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