mini|Kirche St. Martin in Gablingen mini|St. Martin mit Verbindung zum Fuggerschloss von Westen St. Martin ist die römisch-katholische Pfarrkirche von Gablingen, einer Gemeinde im schwäbischen Landkreis Augsburg in Bayern. Als Baudenkmal ist sie in die Bayerische Denkmalliste eingetragen. Kirchenpatron ist der heilige Martin von Tours.
Geschichte Bei dem kleinen Pfostenbau auf dem Flurstück Kirchsteige nahe Gablingen handelte es sich vermutlich um die Überreste einer auf das 7. bis 8. Jahrhundert datierten, dreischiffigen Holzkirche.Walter Pötzl: Kirchengeschichte und Volksfrömmigkeit. Band 5. Landratsamt Augsburg, 1994, S. 30. Die archäologischen Ausgrabungen auf dem historischen Friedhofsgelände erbrachten außerdem bis 1979 den Befund von 79 Gräbern, einschließlich einem Reitergrab mit Pferdebestattung. Für das spätere Mittelalter lässt sich an diesem Ort kein Sakralbau mehr nachweisen. Als der Friedhof zu Beginn des 8. Jahrhunderts von der Kirchsteige nach Gablingen verlegt wurde, kam es dort zur Gründung der Kirche St. Martin.Walter Pötzl: Kirchengeschichte und Volksfrömmigkeit. Band 5. Landratsamt Augsburg, 1994, S. 30. Diese These deckt sich mit der Annahme, dass das Patrozinium des fränkischen Reichsheiligen Martin von Tours im 8. bis 9. Jahrhundert einsetzte. 1142 erfolgte erstmals die Erwähnung von Gablingen als Pfarrhof an der Schmutter. Der Kirchensatz gehörte bis 1330 der Burggrafenschaft NürnbergWalter Pötzl: Kirchengeschichte und Volksfrömmigkeit. Band 5. Landratsamt Augsburg, 1994, S. 16. und im 14. bis 15. Jahrhundert den Marschallen von Biberbach. Durch Verkauf der Herrschaft Gablingen durch Sebastian von Knöringen 1527 an Raymund Fugger fiel die Lehenschaft an die Fugger. Sie hatten weiter das Recht den Kirchenpfleger und Pfarrer selbst zu bestimmen. Anfang des 18. Jahrhunderts begannen Bestrebungen, das gotische Kirchengebäude zu erneuern und zu vergrößern.
Die heutige Kirche wurde in den Jahren 1734 bis 1738 von dem Wessobrunner Baumeister Joseph Schmuzer im Stil des Barock an Stelle des gotischen Vorgängerbaus errichtet. Anlass für den Neubau war der Tod des Grafen Maximilian Fugger im Jahr 1717. Auf seinem Sterbebett stiftete er die Mittel für den Bau einer neuen Kirche in Gablingen, um so im Jenseits sein Seelenheil finden zu können. Schmuzer, der zuvor beim Wiederaufbau der Klosterkirche von Ettal sein Talent unter Beweis gestellt hatte, integrierte beim Neubau der Kirche wesentliche Teile des Vorgängerbaus. Im Chorraum treten deutlich die gotische Elemente der ersten Pfarrkirche hervor. Auch der alte Turm mit seinem markanten Satteldach blieb stehen. Der Dachstuhl fertigte von dem Zimmermeister Georg Höck aus Deubach. 1907/08 wurde die Kirche gründlich erneuert und eine Vorhalle angebaut.
Ausstattung mini|Orgelempore Mit der Ausgestaltung des Innenraums wurde der Augsburger Maler Johann Georg Lederer beauftragt. Dessen Deckengemälde wurde jedoch 1864 im Zuge von Renovierungsarbeiten durch ein Werk von Liberat Hundertpfund aus Augsburg ersetzt. Bei der Erneuerung von 1907/08 wurde zudem des Kuppelbild übermalt und neu stuckiert. Der Hochaltar zeigt eine Kreuzigungsgruppe und die Seitenaltäre die Figuren der Muttergottes mit Kind und des Hl. Martin. Die Kanzel fertigte 1740 der Kistler Johann Konrad Rist aus Hainhofen. Die beiden Altäre in den Querrahmen stammen aus der Erbauerzeit und zeigen die Darstellung des Hl. Antonius und des Hl. Sebastian. Die Orgel verfügt über 22 Register und wurde 1973 von der Firma Maximilian Offner aus Augsburg erbaut.
Umgebung Unmittelbar neben der Kirche befindet sich verbunden durch einen gemauerten Übergang das Fuggerschloss, dem ehemaligen Sitz der Fuggerschen Herrschaft Gablingen. Nordwestlich der Kirche steht eine kleine Kerkerkapelle mit rechteckigen Grundriss und Flachkuppel aus der Zeit um 1740. Unterhalb des Kirchplatzes liegt der Pfarrhof. Das Gebäude ist ein zweigeschossiger Massivbau mit Satteldach und umlaufenden Sockel und wurde laut einem Dokument von 1681 von Grund auf erneuert. Die Baukosten beliefen sich damals auf 673 Gulden. Ein Stadel wurde um 1730 angebaut.
Literatur
Robert Deininger: Gablinger Chronik, Gemeinde Gablingen, 1994, S. 62–80
Weblinks
Einzelnachweise
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