mini|Tafel an der Hohen Warte Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) war der staatliche meteorologische und geophysikalische Dienst Österreichs, der nach seiner Adresse auch Hohe Warte genannt wurde.

Bis zu ihrer Auflösung waren sowohl die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik als auch die Geologische Bundesanstalt (GBA) als teilrechtsfähige Anstalten des Bundes nachgeordnete Dienststellen des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung. Mit 1. Jänner 2023 wurden die ZAMG und die GBA zur neuen Bundesanstalt GeoSphere Austria (GSA) fusioniert,Zentralanstalt für Meteorologie und Geologische Bundesanstalt fusionieren 2023. Ab Jahresbeginn gehören die beiden Anstalten zusammen und nennen sich Geosphere Austria. Die neue Bundesanstalt vereint rund 500 Mitarbeitende. In: Der Standard, 21. Dezember 2022, abgerufen am 6. Februar 2023. die mit dem GeoSphere Austria-Gesetz, , eingerichtet wurde.

Die Zentrale der ZAMG befand sich in Wien-Döbling, Hohe Warte 38. In Salzburg, Innsbruck, Graz und Klagenfurt war die ZAMG durch Kundenservice-Stellen vertreten. Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik hatte umfangreiche gesetzliche Aufgaben zu erfüllen und konnte im Rahmen der Teilrechtsfähigkeit auch privatrechtlich agieren.

Die ZAMG wurde 1851 gegründet und ist damit, nunmehr in der GSA aufgegangen, der älteste staatliche Wetterdienst der Welt. Ihre Aufgabe war es nicht nur, in den verschiedenen Fachgebieten Messnetze zu betreiben und zu forschen, sondern auch ihre Ergebnisse der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

Organisationsstruktur Sitz und Einrichtungen mini|Historisches Hann-Haus mit „Wetterhütten-Design“, ZAMG Wien Hohe Warte mini|ZAMG-Hauptsitz und Radarturm mini|Ein Wetterballon kurz vor dem Aufstieg

Die Hohe Warte in Wien-Döbling war der Hauptsitz der Zentralanstalt für Meteorologie und zugleich die Kundenservicestelle für Wien, Niederösterreich und das Burgenland. Neben dem historischen Hann-Gebäude, das 1872 errichtet wurde, und dem Hauptgebäude verfügte die Zentrale in Wien über ein Ballonfüllhaus, einen Radarturm sowie einen eigenen Windkanal.

Weitere Einrichtungen der ZAMG waren: Kundenservicestelle für Salzburg und Oberösterreich (Stadt Salzburg) Kundenservicestelle für Vorarlberg und Tirol (Innsbruck) Kundenservicestelle für Kärnten (Klagenfurt) Kundenservicestelle für die Steiermark (Graz) Observatorium Sonnblick Observatorium Conrad

Abteilungen Die Zentralanstalt, als teilrechtsfähige Einrichtung des Bundes, war ein moderner Dienstleistungsbetrieb. Die Aufgabenbereiche der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik gliederten sich unter anderem in folgende Abteilungen:

Die synoptische Abteilung war, unter Zuhilfenahme moderner Technik, für den täglichen Prognosedienst zuständig. Auch amtliche Wetterwarnungen sowie zahlreiche weitere synoptische Dienstleistungen zählten zu ihren Aufgabenbereichen. Die geophysikalische Abteilung führte den Erdbeben- und Geomagnetischen Dienst durch. Die Klimaabteilung erstellte, mittels der aus dem österreichischen Messnetz gewonnenen Daten, Klimastatistiken und -karten. Weiters forscht sie in Bereichen des heimischen Klimas und dessen Veränderung, unter anderem auch in Bereichen der Glaziologie. Die Abteilung für Umweltmeteorologie untersuchte die Ausbreitung von Schadstoffen und deren Verhalten in der Atmosphäre. Unter anderem gab sie in Krisenfällen (z. B. Radioaktivität in der Atmosphäre) direkte Information an die Bundeswarnzentrale ab. Die technische Abteilung betreute das staatliche meteorologische Messnetz, das aus teilautomatischen Wettererfassungssystemen (TAWES-Stationen) und teilautomatischen Klimastationen (TAKLIS-Stationen) bestand. Auch die Betreuung der täglichen Radiosondenaufstiege zählte zu ihren Aufgaben. Die Abteilung für elektronische Datenverarbeitung war mit modernen Geräten zur Bewältigung der umfangreichen computergesteuerten Abläufe ausgestattet und kümmerte sich unter anderem um die hauseigenen Wettermodelle.

Im Jahr 2009 wurde der ZAMG das Erneuerungs-Audit für ihr Qualitätsmanagementsystem ausgestellt. Seit 10. Oktober 2003 war die ZAMG nach ISO 9001 zertifiziert.

Forschung und öffentliche Dienstleistungen Die Forschungsbereiche deckten die Bereiche der Meteorologie, Klimatologie und Geophysik ab. Dementsprechend wurden auch Dienstleistungen in diesen Sektoren zur Verfügung gestellt.

Synoptik und Umweltmeteorologie Die ZAMG-Abteilung Synoptik beschäftigte sich in Bereichen der Fernerkundung mit der manuellen und automatischen Auswertung von Satelliten- und Radardaten im Hinblick auf eine Anwendung in der Vorhersage. Im Bereich der numerischen Modelle lagen die Forschungsschwerpunkte in der Weiterentwicklung der in Österreich mitentwickelten Wettermodelle LAM Aladin/ALARO/AROME sowie des Nowcastingmodells INCA. Weiters war die Zentralanstalt als untergeordnete Dienststelle des Bundes dazu verpflichtet, täglich für das österreichische Bundesgebiet Wettervorhersagen, aber auch Wetterwarnungen zu erstellen und diese der Öffentlichkeit frei zugänglich zur Verfügung zu stellen. Seit 2012 bis zu ihrer Schließung bot die ZAMG einen Satz an Daten (Temperatur, Niederschlag, Wind, Böen, Bewölkung, Gewitter) in Auflösung von einer Stunde und bis auf Gemeindeebene frei zugänglich an.ZAMG: Kompetenz für Wetterwarnungen. In: www.zamg.ac.at. Website der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, 24. August 2012, abgerufen am 6. Februar 2023. Außerdem war sie als Wetterwarndienst eng mit den Bundes- und Landeswarnzentralen vernetzt und im Europanetzwerk Meteoalarm engagiert.

Die ZAMG-Abteilung für Umweltmeteorologie befasste sich unter anderem mit der Ausbreitung von Schadstoffen in der Atmosphäre und jenen meteorologischen Prozessen, die Einfluss auf die Schadstoffausbreitung haben. Dementsprechend wurde auch in diese Richtung geforscht, um die Ausbreitung und Wirkung von Schadstoffen besser vorhersagen zu können. Auch Ozonprognosen sowie Krisenmodellsysteme für nukleare Störfälle und deren Ausbreitung gehörten in ihren Forschungs- bzw. Aufgabenbereich.

Wetter- und Klimabeobachtung/-forschung mini|Zittelhaus und Sonnblickobservatorium Eine der zentralen Aufgaben der ZAMG war es unter anderem, das Wetter und Klima in Österreich zu beobachten und zu erforschen. Dazu wurde im Laufe der Jahre zahlreiche Forschungsprojekte angestrebt. Auch wurde ein Netz von über zweihundert teilautomatischen Wetterstationen (TAWES) über Österreich gelegt. Meteorologische Parameter wie Druck, Temperatur, Wind, Niederschlag usw. werden vom Bodensee bis zu Neusiedlersee, aber auch vom Flachland bis hinauf in die Berge (Sonnblick-Observatorium) aufgenommen und kontrolliert. Die höchstgelegene teilautomatische Wetterstation der ZAMG befand sich in auf dem Hinteren Brunnenkogel; die am Sonnblick-Observatorium steht hinsichtlich der Höhenlage an zweiter Stelle, ist aber ständig besetzt. Dieser Datenschatz ist die Grundlage für zahlreiche Klimaforschungen (wie zum Beispiel das Projekt HISTALP) und ist speziell für das Verständnis des laufenden Klimawandels von großer Bedeutung.

Die ZAMG-Wetterdienstelle Innsbruck am dortigen Flughafen erstellte die Bergwetterberichte für den Deutschen und Österreichischen Alpenverein für die Ost- und Westalpen sowie beriet Expeditionen in allen Teilen der Welt über das dort vorherrschende Wetter. in letzterem Punkt erwarb speziell Karl Gabl einen internationalen Ruf.

Klimaexperten der ZAMG beteiligten sich an internationalen Forschungsprojekten zur Untersuchung der Klimaveränderungen und deren Folgen (zum Beispiel auf Tourismus). Auch die Forschung und Untersuchungen im Bereich der heimischen Glaziologie lag zum Teil im Aufgabenbereich der Zentralanstalt. Eisbohrungen und Vermessungen von heimischen Gletschern waren wesentliche Bestandteile der Forschung.

Geophysikalische Dienste Die erste geomagnetische Landesaufnahme der österreich-ungarischen Kronländer wurde von Karl Kreil in den Jahren 1846–1851 durchgeführt. Anlässlich des Erdbebens in Laibach in Slowenien (1895) wurde der Österreichische Erdbebendienst, der später vom ÖGD betrieben wird, gegründet. Das Aufgabenspektrum reichte von der Aufarbeitung historischer Erdbeben bis hin zur aktuellen Messungen. Die Aktivitäten umfassten in der Geodynamik auch umweltrelevante geophysikalische Fragen und archäologische Messungen sowie die geomagnetische Erfassung des gesamten Bundesgebietes und deren Veränderung.

Internationale Zusammenarbeit Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik war als staatlicher Wetterdienst bemüht, an internationalen Kooperationen und gemeinsamen Forschungsprojekten in ihrem Aufgabenbereich mitzuwirken. Unter anderem war die Zentralanstalt Mitglied der WMO mit dem Behördenleiter der ZAMG als ständigen Vertreter, der ECOMET sowie der European Meteorological Society. Seit 1993 war die ZAMG vollwertiges Mitglied bei EUMETSAT.

In den Fach-Bereichen bestanden ebenfalls zahlreiche Kooperationen, an denen die ZAMG beteiligt war, wie CERAD, MAP, GEO, COST und ECMWF, um nur einige zu nennen.

Weiters betrieb die ZAMG die europaweite Unwetter-Warnplattform Meteoalarm der EUMETNET, an der inzwischen alle Wetterdienste der EU und einiger Assoziierter beteiligt sind.

Der Erdbebendienst der ZAMG beteiligte sich am internationalen Netzwerk CTBTO zur weltweiten Erkennung von Kernwaffentests. Die CTBTO = Comprehensive Test Ban Treaty Organisation (Provisorisches Technisches Sekretariat der Atomteststopp-Organisation) hat seinen Sitz seit 1997 in Wien.

Geschichte Mit Allerhöchster Entschließung vom 23. Juli 1851 bewilligte Kaiser Franz Joseph I. die Errichtung , der Zentralanstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus, die auf eine Initiative der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zurückgeht. Diese richtete bereits 1848 das Ersuchen an Karl Kreil, Direktor der Sternwarte zu Prag und wirkliches Mitglied der Akademie, ein meteorologisches Beobachtungssystem für die österreichische Monarchie zu entwerfen.

Karl Kreil (1798–1862) wurde erster Direktor der neu gegründeten Zentralanstalt, die sich vorerst in der Wieden, dem 4. Bezirk Wiens befand, und zugleich Professor für Physik an der Universität Wien. Diese Personalunion, zwischen Direktor einerseits und Universitätslehrer andererseits, blieb bis heute erhalten und beeinflusste nachhaltig die wissenschaftliche Forschung an der Zentralanstalt. Kreil richtete ein meteorologisches Beobachtungssystem für das Gebiet der gesamten österreichischen Monarchie ein und führte für dieses die erste geomagnetische Landesaufnahme durch. 1865 begann man an der Zentralanstalt mit der Herausgabe einer täglichen Wetterkarte. Nach 1867, als der bisherige Gesamtstaat in zwei in Realunion verbundene Monarchien Österreich-Ungarns geteilt wurde, war die Zentralanstalt nur mehr für Cisleithanien zuständig.

mini|Wetterbeobachtungsturm des Hann-Hauses (ZAMG Wien), errichtet 1872

1872 übersiedelte die Zentralanstalt in ihr von Heinrich Ferstel erbautes neues und endgültiges Quartier an der Hohen Warte (die Gegend wurde 1892 als 19. Bezirk, Döbling, eingemeindet). 1873 organisierte die Zentralanstalt den ersten internationalen Meteorologenkongress in Wien, bei dem die Internationale Meteorologische Organisation (IMO) als Vorläuferin der Weltmeteorologischen Organisation (WMO) gegründet wurde. Ab 1877 erfolgte die Ausgabe des täglichen telegraphischen Wetterberichtes, mit einer synoptischen Karte (diese zeigt die erhobenen Wetterdaten eines Zeitpunkts) und der Prognose für den folgenden Tag. Der neue Wetterbericht enthielt die Morgenbeobachtung von 60 Stationen aus allen Teilen Europas, darunter 24 inländische.