Die Eurobahn GmbH & Co. KG (Eigenschreibweise eurobahn) betreibt Schienenpersonennahverkehr in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen mit grenzüberschreitenden Zügen nach Venlo und Hengelo.

Das Unternehmen mit Sitz in Düsseldorf hat ca. 900 Mitarbeiter (Stand Oktober 2021). Zu diesen werden mehr als 600 Triebfahrzeugführer und Kundenbetreuer gezählt. Die gesamte Verkehrsleistung umfasst 16,3 Millionen Zug-Kilometer (Stand 2018). In Westfalen übernimmt die Eurobahn rund ein Drittel aller Fahrten im Regionalverkehr.

Seit Mai 2025 ist die Eurobahn vorübergehend ein Tochterunternehmen des SPNV-Aufgabenträgers Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL), der den Großteil der Leistungen der Eurobahn bestellt. Frühere Eigentümer waren in verschiedenen Konstellationen Rhenus (ein Unternehmen des Rethmann-Konzerns), Keolis (ein Unternehmen der französischen Eisenbahnen und der Rentenkasse von Quebec) sowie die Anwaltskanzlei Noerr.

Unternehmensgeschichte

Im Jahr 1998 wurde die Eurobahn Verkehrsgesellschaft mit Sitz in Wachenheim gegründet. Die Gesellschafter waren anfangs Via Générale de Transport et d'Industrie (Via GTI), ab 1999 ein Tochterunternehmen der SNCF, mit 60 % und Rhenus, die zum Rethmann-Konzern gehört, mit 40 %.

Die erste von der Eurobahn bediente Bahnstrecke war die im Jahr 1999 reaktivierte Donnersbergbahn von Alzey nach Kirchheimbolanden, in Rheinland-Pfalz, wo der Betrieb am 30. Mai 1999 aufgenommen wurde. Im Jahr 2000 wurde mit dem Betrieb zwischen Bielefeld und Rahden bzw. Lemgo (Ravensberger Bahn und der Lipperländer) erstmals eine Strecke in Nordrhein-Westfalen betrieben.

Im November 2000 übernahm das Tochterunternehmen Freiberger Eisenbahngesellschaft mbH den Verkehr auf der Bahnstrecke Freiberg–Holzhau in Sachsen.

Aus der Eurobahn Verkehrsgesellschaft wurde im September 2001 die Rhenus Keolis mit Sitz in Mainz. Die Gesellschafter waren Rhenus mit 51 % und Keolis mit 49 %. In diesem Unternehmen wurden die Eisenbahnbetriebe Alzey, Bielefeld und Freiberg und die Busbetriebe in Bad Kreuznach und Zweibrücken zusammengeführt. Zum Start der Rhenus Keolis hatte das Unternehmen ca. 180 Mitarbeiter.

Die Gesellschafter Keolis und die Rhenus teilten das Unternehmen Anfang Dezember 2007 in die Keolis Deutschland GmbH & Co. KG, die den Betrieb um Bielefeld mit der Marke „eurobahn“ übernahm, und Rhenus Veniro, das die anderen beiden Eisenbahnverkehrsunternehmen in Alzey und Freiberg sowie die Busbetriebe übernahm. Keolis Deutschland übernahm nach 2007 bis 2017 weitere Bahnnetze in Nordrhein-Westfalen und angrenzenden Gebieten.

Im Oktober 2021 kündigte der Keolis-Mutterkonzern an, er wolle sich aus dem deutschen SPNV-Markt zurückziehen; als Grund wurden anhaltende Verluste genannt. Das Unternehmen handelte mit den Aufgabenträgern neue Verkehrsverträge aus, wodurch der Betrieb verlustfrei weitergeführt werden kann. Zum 1. Januar 2022 wurde die Keolis Deutschland GmbH & Co. KG in eurobahn GmbH & Co. KG umbenannt, von Keolis mit zusätzlichem Kapital ausgestattet und an die Anwaltskanzlei Noerr übertragen.Pressemitteilung eurobahn, 7. Januar 2022, abgerufen am 19. Januar 2022. Diese hält die Anteile an der Eurobahn über ihre Tochtergesellschaft Team Treuhand, die in „Übergangsphasen“ die Gesellschafterstellung bei Unternehmen übernimmt.

Noerr sollte einen neuen strategischen Investor finden, blieb dabei jedoch erfolglos.

Wegen Personalmangels kam es bei der Eurobahn seit 2024 vermehrt zu Zugausfällen, weshalb seit April 2024 auf Teilen des Liniennetzes nach einem Notfahrplan gefahren wird.

Um die angeschlagene Eurobahn zu retten, prüfte einer der zuständigen Aufgabenträger, der Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL), im Lauf des Jahres 2024 die Übernahme des Unternehmens und teilte im Dezember 2024 mit, dass die temporäre Übernahme der Eurobahn-Anteile durch den NWL für einen symbolischen Euro könne. Die Umsetzung dieser Lösung sollte, nachdem die beteiligten Gebietskörperschaften und Zweckverbände zugestimmt haben, bis auf weiteres zum 1. April 2025 erfolgen. Letztlich wurde der Kaufvertrag am 6. Mai 2025 unterzeichnet. Mit der Übernahme wurden die bestehenden Verkehrsverträge per Direktvergabe als interner Betreiber vergeben. Dabei wurde die Vertragslaufzeit des Hellweg-Netzes um zwei Jahre bis Dezember 2032 und des Dieselnetz Ostwestfalen-Lippe um ein Jahr bis Dezember 2029 verlängert.https://www.lok-report.de/news/deutschland/aus-den-laendern/item/56707-nrw-niedersachsen-overijssel-eurobahn-erhaelt-direktvergaben-als-interner-betreiber-fuer-vier-netze.html

Liniennetz

Übersicht mini|hochkant=1.5|Streckennetz seit 10. Dezember 2017

Die Eurobahn betreibt 15 Linien in vier verschiedenen Netzen: Teutoburger-Wald-Netz: RB 61, RB 65, RB 66, RB 72, RE 78 Ostwestfalen-Lippe-Netz: RB 67, RB 71, RB 73, RE 82 Hellweg-Netz: RB 50, RB 59, RB 69, RB 89 Maas-Rhein-Lippe-Netz: RE 3, RE 13

Linie Name KBS Zuglauf Vertragslaufzeit Rhein-Emscher-Express 415, 416 Hamm – Dortmund – Gelsenkirchen – Duisburg – Düsseldorf Dez. 2009 bis Dez. 2026 Maas-Wupper-Express 485, 455 Hamm – Hagen – Wuppertal – Düsseldorf – Neuss – Mönchengladbach – Viersen – Venlo Dez. 2009 bis Dez. 2026 Der Lüner 411 Münster – Lünen – Dortmund Dez. 2008 bis Dez. 2018Dez. 2018 bis Dez. 2032 Hellweg-Bahn 431 Dortmund – Holzwickede – Unna – Werl – Soest Dez. 2008 bis Dez. 2018Dez. 2018 bis Dez. 2032 Wiehengebirgsbahn 370, 375, 386 Bielefeld – Osnabrück – Rheine – Hengelo Dez. 2017 bis Dez. 2032 Ems-Bahn 410 Münster – Rheine Dez. 2017 bis Dez. 2032 Teuto-Bahn 385 Münster – Osnabrück Dez. 2017 bis Dez. 2032 Der Warendorfer 406 Münster – Warendorf – Bielefeld Dez. 2013 bis Dez. 2029 Ems-Börde-Bahn 400 Hamm – Gütersloh – Bielefeld Dez. 2008 bis Dez. 2018Dez. 2018 bis Dez. 2032 Ravensberger Bahn 386 Rahden – Bünde – Bielefeld Dez. 2000 bis Dez. 2013,Dez. 2013 bis Dez. 2029 Ostwestfalen-Bahn 405 Herford – Detmold – Altenbeken – Paderborn Dez. 2017 bis Dez. 2032 Der Lipperländer 404 Bielefeld – Oerlinghausen – Lage – Lemgo-Lüttfeld Dez. 2000 bis Dez. 2013,Dez. 2013 bis Dez. 2029 Porta-Express 124, 400 Nienburg – Minden – Bielefeld (– Rheda-Wiedenbrück) Dez. 2017 bis Dez. 2032 Der Leineweber 404, 405 Bielefeld – Lage – Detmold – Altenbeken Dez. 2013 bis Dez. 2029 Ems-Börde-Bahn 410, 430 Münster – Drensteinfurt – Hamm  – Soest – Lippstadt – Paderborn ( – Warburg) Dez. 2008 bis Dez. 2018Dez. 2018 bis Dez. 2032

Ostwestfalen-Lippe-Netz Nach einer Ausschreibung des Zweckverband Verkehrsverbund OWL (VVOWL) im Jahr 1998 betreibt die Eurobahn seit Dezember 2000 in der Region Ostwestfalen-Lippe die zwei Linien RB 71 (Bielefeld–Rahden) und RB 73 (Bielefeld–Lemgo).

Nach der Neuausschreibung 2011 durch den Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) gewann die Eurobahn wieder den Zuschlag für das Ostwestfalen-Lippe-Netz, dessen Vertragslaufzeit im Dezember 2013 begann. Im Zuge der Neuausschreibung ist das Netz um zwei weitere Linien, RB 67 (Bielefeld–Münster über Warendorf) und RE 82 (Bielefeld–Altenbeken) erweitert worden. Im Einsatz sind weiterhin Talent-Dieseltriebwagen.

Im Juli 2024 gab der NWL bekannt, dass er beabsichtigt den Betrieb der RE 82 zwischen Bielefeld und Horn-Bad Meinberg für vier Monate an DB Regio zu vergeben.Vorübergehende Stabilisierungsmaßnahme für Linie RE 82 NWL, 16. Juli 2024, abgerufen am 10. Dezember 2024. Das Unternehmen soll die Linie anstelle der eurobahn im Zweistundentakt betreiben, da die eurobahn die Leistungserbringung aufgrund von Personalmangel stark einschränken musste. Der NWL entschied Ende November 2024, dass DB Regio auch weiterhin bis ins Jahr 2025 Leistungen des RE82 erbringen wird.

Hellweg-Netz mini|hochkant=1.5|Countdown bis zur Betriebsaufnahme im Hellweg-Netz, 2008

Die Eurobahn gewann im März 2006 die Ausschreibungen für das Hellweg-Netz in Nordrhein-Westfalen, welches die Linien RB 50 (Dortmund–Münster), RB 59 (Dortmund–Soest), RB 69 (Bielefeld–Hamm) und RB 89 (Münster–Paderborn–Warburg) umfasst. Die Betriebsaufnahme erfolgte zum Fahrplanwechsel am 14. Dezember 2008. Auch die Folgeausschreibung, für den Zeitraum ab Dezember 2018, gewann die Eurobahn. Bis Dezember 2025 verkehrte die RB 69, gekuppelt mit einem Zug der RB 89, über Hamm hinaus bis Münster. Seitdem verkehren die Linien unabhängig voneinander und die RB 69 entfällt zwischen Hamm und Münster.

Aufgabenträger des Hellweg-Netzes waren zur ersten Ausschreibung der Nahverkehrsverbund Paderborn-Höxter (nph), Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR), Zweckverband Verkehrsverbund OWL (VVOWL), Zweckverband SPNV Ruhr-Lippe (ZRL) und Zweckverband SPNV Münsterland (ZVM). Zur zweiten Ausschreibung waren dies der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) und Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR).

Es ist das größte elektrisch betriebene Bahnnetz, das bis dahin an ein privates Eisenbahnunternehmen vergeben worden war. Die Eurobahn fährt auf diesem Netz mit Triebwagen vom Typ Stadler Flirt. Von Dezember 2010 bis Dezember 2016 fuhren einzelne Züge der Eurobahn über Warburg hinaus nach Kassel-Wilhelmshöhe. Die zuständigen Verkehrsverbünde glichen durch diese Fahrten den ausgedünnten Fernverkehr auf der Mitte-Deutschland-Verbindung aus.

Maas-Rhein-Lippe-Netz Im März 2007 gewann die Eurobahn die Ausschreibung des Maas-Rhein-Lippe-Netzes, welches vom Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR), dem Zweckverband SPNV Ruhr-Lippe (ZRL) und der Provinz Limburg ausgeschrieben wurde. Damit hat sie seit Dezember 2009 für 16 Jahre die Linien RE 3 (Düsseldorf–Hamm über Duisburg, Gelsenkirchen, Dortmund) und RE 13 (Hamm–Venlo über Hagen, Düsseldorf) übernommen.

Allerdings konnte die Übernahme der beiden Linien nicht wie geplant stattfinden, da das zuständige Eisenbahnbundesamt die Zulassung der für den Einsatz im Maas-Rhein-Lippe-Netz vorgesehenen 14 fünfteiligen FLIRT-Triebwagen vorerst verweigert hat. Grund hierfür waren fehlende Nachweise von Seiten des Herstellers Stadler Rail. Deshalb hat die Eurobahn den Betrieb nur mit einem Notfahrplan aufgenommen, der Ersatzzüge der DB auf der Linie RE 13 vorsah. Am 19. Februar 2010 hat das Eisenbahnbundesamt die Zulassung für die fünfteiligen FLIRT-Triebwagen erteilt. Seit dem 23. Juli 2010 liegt die Zulassung der vierteiligen Fahrzeuge für den kurzen niederländischen Abschnitt zwischen Kaldenkirchen Grenze und Venlo vor, so dass seit dem 25. Juli 2010 diese Fahrzeuge bis nach Venlo fahren dürfen. Aus Kapazitätsgründen war bis zur Zulassung der fünfteiligen Fahrzeuge ein Umstieg in Mönchengladbach notwendig.

Für die Zeit nach Ende des laufenden Verkehrsvertrages wurden die beiden Linien des Netzes getrennt voneinander ausgeschrieben. Den Zuschlag für den Betrieb Linie RE 13 ab 2026 erhielt im Dezember 2021 zunächst ein Tochterunternehmen der DB Regio, welches jedoch bereits vor Betriebsaufnahme in den Mutterkonzern verschmolzen wurde. Der RE 3 wird zusammen mit der Linie RE 41 (Bochum Hbf–Haltern am See) das neue Expressnetz Emscher bilden, welches im Dezember 2024 an VIAS Rail vergeben wurde.

Teutoburger Wald-Netz Am 6. November 2014 teilten der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL), die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) und die Regio Twente mit, dass die Eurobahn ab Dezember 2017 den SPNV auf dem sogenannten Teutoburger Wald-Netz von der Westfalenbahn und DB Regio für 15 Jahre übernimmt. Das Netz umfasst die Linien RB 61 (Bielefeld–Hengelo über Osnabrück), RB 65 (Münster–Rheine), RB 66 (Münster–Osnabrück), RB 72 (Herford–Paderborn) und RE 78 (Bielefeld–Nienburg).

Am 25. Februar 2015 wurde einem durch den Mitbewerber Westfalenbahn eingereichten Widerspruch durch das Verwaltungsgericht Münster stattgegeben. sodass das Vergabeverfahren neu aufgerollt werden musste. Am 30. Juni 2015 gab die Westfalenbahn bekannt, dass sie ihren Nachprüfungsantrag zurückziehen wird. Der Betrieb wurde am 10. Dezember 2017 aufgenommen.

Weser-/Lammetalbahn