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Die Thurbo AG ist eine Eisenbahngesellschaft in der Ostschweiz und im grenzüberschreitenden Verkehr mit Deutschland und Österreich. Sie betreibt auf einem Streckennetz von 658 km den Regionalverkehr, wodurch sie neben den Schweizerischen Bundesbahnen SBB zu den grössten Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) in der Schweiz zählt. Insgesamt werden 180 Bahnhöfe und Haltestellen angefahren. Jährlich befördert Thurbo rund 35,2 Mio. Reisende und legt dabei 501,7 Mio. Personenkilometer zurück.
Das Unternehmen wurde am 20. September 2001 gegründet und nahm im Dezember 2002 den Betrieb auf. Thurbo gehört zu 90 % den SBB und zu 10 % dem Kanton Thurgau. Es ist jedoch selbständig und eigenverantwortlich für den Betrieb. Der Name Thurbo ist ein Akronym (Kombination aus Thur respektive Thurgau und Bodensee).
Geschichte Bis 2005 existierte das Tochterunternehmen EuroThurbo GmbH, das für die in Deutschland gelegenen Seehas- und Seehäsle-Strecken sowie für den Allgäu-Express verantwortlich war. Diese Strecken wurden auf 2005 von der deutschen SBB-Tochter SBB GmbH übernommen, da der Kanton Thurgau, dem 10 Prozent der Thurbo gehören, keine wirtschaftlichen Risiken beim Betrieb von Auslandsstrecken mittragen möchte.
Liniennetz Das Liniennetz der Regionalbahn Thurbo besteht mit Stand Dezember 2021 aus folgenden Linien:
S-Bahn St. Gallen
(Hält überall an) (Ohne Halt und fährt alle 2 Stunden)
RegioExpress
S-Bahn Zürich
«Nachtwind» (Nachtlinien) je 2 bis 3 Nachtverbindungen pro Richtung (Stundentakt), Anschluss in Winterthur von/nach Zürich je 2 bis 3 Nachtverbindungen pro Richtung (Stundentakt), Anschluss in Winterthur von/nach Zürich 2 Nachtverbindungen (Stundentakt), Anschluss in St. Gallen von/nach Zürich je 2 bis 3 Nachtverbindungen pro Richtung (Stundentakt), Anschluss in Weinfelden von/nach Winterthur je 2 Nachtverbindungen pro Richtung (Stundentakt), Anschluss in Romanshorn von/nach St. Gallen
«ZVV-Nachtnetz» (Nachtlinien) Winterthur – Schaffhausen – Stein am Rheinje 4 Nachtverbindungen pro Richtung, Anschluss in Winterthur von/nach Zürich Winterthur – Bülach1 Nachtverbindung pro Richtung, Anschluss in Winterthur von/nach Zürich Schaffhausen – Bülach3 Nachtverbindungen pro Richtung, Anschluss in Winterthur von/nach Zürich
Rollmaterial
Im Dezember 2001 bestellte Thurbo bei Stadler Bussnang eigenes Rollmaterial, in Form von 80 Gelenktriebwagen, kurz GTW. Aufgrund des Konkurses der Miteigentümerin Mittelthurgaubahn (MThB) erwarben die SBB deren Rollmaterial und übertrugen es auf die Thurbo. Im Dezember 2002 startete daher ein Übergangsbetrieb mit vorhandenem Rollmaterial, darunter den ABDe 536 (EAV), RBDe 566 (NPZ) und RABe 526 680–689 (GTW «Seelinie») der ehemaligen MThB, sowie angemieteten RBe 540 und RBDe 560 (NPZ) der SBB.
Die Ablieferung der bei Stadler in zwei Ausführungen bestellten GTW der dritten Generation startete 2003 mit 51 kurzen GTW 2/6 («AK», 701–751), ab 2005 gefolgt von 29 um einen Mittelwagen längeren GTW 2/8 («AKL», 752–780). Nachdem bereits alle AK ausgeliefert waren, wurde entschieden zehn AK (709–718) ebenfalls um einen Mittelwagen zu AKL (781–790) verlängern zu lassen. Gestiegene Fahrgastzahlen sowie der Ende 2006 dazugekommene Betrieb auf der Tösstalstrecke erforderten diese Verlängerung, die 2008 von Stadler Bussnang vorgenommen wurde.
Schieden mit der Aufgabe des Auslandsbetriebs durch EuroThurbo und deren Fusion mit der SBB GmbH bereits 2005 die MThB-NPZ-Kompositionen aus dem eigenen Fahrzeugbestand, konnten mit der 2007 abgeschlossenen Ablieferung der GTW-III, auch die MThB-EAV-Kompositionen bis Ende 2006 stillgelegt und der Betrieb mit älteren Mietfahrzeugen der SBB beendet werden.
Für die S-Bahn St. Gallen wurden 2010 weitere zwölf AKL (791–802) bestellt, die zugunsten einer Einheitsflotte den bisherigen GTW-III entsprechen; für den Betrieb der Klettgauer Linie (Schaffhausen–Erzingen) der S-Bahn Schaffhausen wurde die Bestellung um drei AKL (803–805) auf 15 Stück erhöht die 2012–2013 abgeliefert wurden. Ende 2013 umfasste das Rollmaterial der Thurbo 109 Fahrzeuge der GTW-Familie, aufgeteilt in 95 GTW-III, 10 GTW-I und 4 GTW-I-Steuerwagen.
2013 erwarben die SBB von der BLS AG deren 13 GTW-III, die 2003–2004 von der Regionalverkehr Mittelland (RM) beschafft wurden, als mittelfristigen Ersatz für die zehn GTW-I (680–689) und deren vier Steuerwagen (221–224), die allesamt noch von der MThB beschafft wurden. Per 1. Januar 2018 wurden diese 13 GTW 2/8 («AJU», 260–265, 280–287) an Thurbo verkauft und von den SBB für den Flügelzugbetrieb im Jurabogen zurückgemietet. Revidiert und neu lackiert lösten sie im Laufe des Jahres 2021 die GTW-I ab. Als erste Fahrzeuge wurden GTW 680 und Bt 222 am 22. April 2021 nach Emmenbrücke zum Abbruch überführt. Bis Ende Jahr wurden die weiteren GTW-I abgebrochen, mit Ausnahme von GTW 683, der an den Verein MThB-NPZ verkauft wurde.
Die SBB hatten 2003 für den Betrieb der Seetalbahn 17 GTW 2/8 der zweiten Generation in Schmalprofilausführung mit 350 Millimeter Einstiegshöhe beschafft, statt der mittlerweile üblichen 550 Millimeter Höhe; nachdem die von der S28 der S-Bahn Aargau bediente Strecke auf 550-mm-Perrons modernisiert wurde, suchten die SBB ein neues Einsatzgebiet für zwei Fahrzeuge aus dem Pool. Im Rahmen der 2018 begonnenen Modernisierung, die auch den Umbau eines von zwei Einstiegen im Mittelwagen auf 550 mm umfasst, wurde mit Thurbo die buchhalterische Übernahme von zwei modernisierten RABe 520 (GTW «Seetal») für die S36 der S-Bahn Zürich vereinbart.Fabian Scheeder: Refit für Seetal-GTW und Verkauf zweier Züge an Thurbo. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 7/2018, S. 348. Formal tragen GTW 000 und 016 das Halterkürzel CH-THB der Thurbo, sind aber unverändert Bestandteil des Fahrzeugpools und werden über die Wochenenden jeweils ausgetauscht.
Ende 2021 umfasste das Rollmaterial der Thurbo 108 GTW-III, sowie zwei GTW-II: 41 GTW 2/6 (RABe 526 701–708, 719-751) 54 GTW 2/8 (RABe 526 752–805)Medienmitteilung der Thurbo vom 20. November 2010 13 GTW 2/8 (RABe 526 260–265, 280–286) 2 GTW 2/8 (RABe 520 000, 016) Es ist vorgesehen, 93 Triebzüge an die MÁV zu verkaufen, wobei Stadler Rail als Zwischenhändler dienen und für die Durchführung der dafür notwendigen Modernisierungsarbeiten (z. B. Umrüstung auf 25 kV 50 Hz), welche zwischen 2027 und 2032 erfolgen soll zuständig sein soll.
Neue Thurbo Fahrzeuge: Flirt Evo
mini|links|Thurbo RABe 533 501 im Planeinsatz auf der S26 in Rüti ZH Zusammen mit der SBB und dem Walliser Transportunternehmen RegionAlps beschafft Thurbo neue Züge für den Regionalverkehr. Am 25. Mai 2022 wurde der Liefervertrag für 329 Züge vom Typ Flirt Evo unterschrieben. Produziert werden diese vom Fahrzeughersteller Stadler in Bussnang. Thurbo erhält 107 neue Züge, welche die bestehende Flotte, welche das Ende ihrer Nutzungsdauer erreicht hat, schrittweise ablösen. Thurbo bestellte 88 dreiteilige und 19 vierteilige Züge. Die ersten Züge des Typ Flirt Evo sollen voraussichtlich im Jahr 2026 in den Regionen Toggenburg und Tösstal zum Einsatz kommen. Die gesamte Flotte soll bis Mitte der 2030er Jahre ersetzt werden.
Neue Fahrzeuge seit 2025
Foto Baureihe Nummern Stück Hersteller Zulassungen Art Baujahre Anmerkungen RABe 531 401–430 30 Stadler CH/DE/AT 3-teilig in Ablieferung ab 2024 RABe 533 301–358 58 Stadler CH 3-teilig in Ablieferung ab 2026 RABe 533 501–519 19 Stadler CH 4-teilig in Ablieferung ab 2025
Werbung Thurbo-Rollmaterial wird auch als Werbefläche genutzt. Radio und Tele TOP werben am RABe 526 707 mit einer Ganzreklame an der Aussenhaut. Die eine Seite zeigt Radio TOP, die andere Tele TOP. Von 2006 bis 2014 stellte der RABe 526 725 das Theater St. Gallen heraus, wobei die Werbung jeweils aufgrund der Programmwechsel angepasst wurde. Als weiteres Fahrzeug ist seit 2013 der RABe 526 779 für Sympany unterwegs und seit Februar 2017 wirbt der RABe 526 801 für das Jobportal Jobs.ch.
Mehrfach wird auch nur eine Teilwerbung am Antriebsteil angewendet. Zahlreiche Firmen und Anlässe, aber auch die Kantone Thurgau, Schaffhausen, St. Gallen und Aargau werben auf den Zügen.
Galerie
Ehemaliges Rollmaterial Baureihe Hersteller Baujahr Herkunft Stückzahl Ausrangiert Bemerkungen Serie Nummern total heute Triebwagen ABDe 536 611 SIG/SWSSAAS/BBC/MFO 1965 MThB (2002) (Üb)6 0 2006 an TPF verkauft 612 2006 an VHMThB abgegeben 613 2005 an TPF verkauft 614–615 2006 † 616 1966 2004 ex GFM ABDe 4/4 171; an Travys verkauft RBDe 566 631–634 SWG/SIG/ABB 1994 MThB (2002) (Üb)4 0 2005 > SBB GmbH Bm 596 671–673 STAG 1996–1997 MThB (2002) (Üb)3 0 2005 > SBB GmbH RABe 526 680–689 STAG 1998–1999 MThB (2002) (Üb)10 0 2021 683 an Verein MThB-NPZ verkauft Steuerwagen Bt 201–202 1965 MThB (2002) (Üb)4 0 2006 an BLS verkauft 203 1964 2005 ex GFM Bt 303; an TPF verkauft 204 2004 ex GFM Bt 302; an Travys verkauft Bt 211–216 SWG/SIG/ABB 1994 MThB (2002) (Üb)6 0 2005 > SBB GmbH Bt 221–224 STAG 1999 MThB (2002) (Üb)4 0 2021 Bt 231–232 1962–1963 MThB (2002) (Üb)2 0 2005 > SBB GmbH; ex SZU Bt 997–998 Personenwagen B 121 MThB (2002) (Üb)9 0 2006 an VDM verkauft 122–127 2006 † 128 2006 (?) Verbleib unbekannt 129 2006 (?) an VDM verkauft AB 151III MThB (2002) (Üb)6 0 2004 an Privaten verkauft 152III 2006 † 153–154 2006 † 155–156 2004 † AB 161–164 1995 MThB (2002) (Üb)4 0 2005 > SBB GmbH Rangierlokomotiven Tm 236 642 Stadler 1966 MThB (2002) (Üb)1 0 2003 ex Tm 51; 2007 an Stauffer verkauft
Infrastruktur Die Infrastruktur (Strecke Wil SG–Weinfelden–Kreuzlingen) der 2003 liquidierten Mittelthurgaubahn (MThB) ging ins Eigentum der Thurbo über und wurde durch SBB-Infrastruktur unterhalten. Am 1. Juni 2019 wurde die Infrastruktur Kreuzlingen–Weinfelden–Wil SG rückwirkend per 1. Januar 2019 in die SBB Infrastruktur integriert. Thurbo ist von da an ein reines Eisenbahnverkehrsunternehmen.
Kritik Nachdem Thurbo im Jahre 2013 einen Verlust von 3,1 Millionen Franken eingefahren hatte, verschlechterte sich das Arbeitsklima. Die Gewerkschaft SEV bemängelte die schlechteren Arbeitsbedingungen als beim Mutterhaus SBB, forderte die im Gesamtarbeitsvertrag (GAV) vorgesehenen Lohnanpassungen ein und warf Thurbo vor, das Schlichtungsverfahren zu verzögern. Thurbo führt den Verlust auf geringere Leistungsabgeltungen der Kantone zurück. Der Kanton Thurgau begründet die Kürzung seiner Abgeltungen mit den Gewinnen, die Thurbo in den Vorjahren erzielte.
Literatur Petra Volkert: Neuer Name, neue Aussichten. Thurbo AG etabliert sich im Bodenseeraum. In: Lok Magazin. Nr. 260/Jahrgang 42/2003. GeraNova, München , S. 24.
Weblinks
Website der Thurbo AG
Einzelnachweise
Kategorie:Bahngesellschaft (Schweiz) Kategorie:Schweizerische Bundesbahnen Kategorie:Verkehr (Kanton Thurgau) Kategorie:Verkehr (Kanton St. Gallen) Kategorie:Verkehr (Kanton Schaffhausen) Kategorie:Verkehr (Kanton Aargau) Kategorie:Verkehr (Kanton Zürich) Kategorie:Unternehmensgründung 2001 Kategorie:Verkehr (Alpenrheintal) Kategorie:Unternehmen (Kreuzlingen)