Eschentzwiller (, elsässisch Aschedswiller) ist eine französische Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Département Haut-Rhin in der Region Grand Est (bis 2015 Elsass).
Die Gemeinde ist landwirtschaftlich geprägt (Obst und Gemüse, Getreide und Mais). Daneben findet aber ein großer Teil der Bewohner auch Arbeit in Mülhausen oder in den Nachbarländern Schweiz und Deutschland.
Geografie Die Gemeinde liegt ungefähr sieben Kilometer südöstlich von Mülhausen und etwa 25 Kilometer nördlich von BaselEshentzwiller liegt am Ostrand des lössbedeckten Sundgauer Tertiärhügellandes am Austritt des Mühlbachs in die hier von Schwemmlöss bedeckte Schotterebene des Rheins.
Geschichte Auf der Gemarkung wurden Spuren jungsteinzeitlicher Besiedlung und Gräber aus alemannischer, merowingischer und karolingischer Zeit entdeckt.
Älteste Namensnennung 1144 als Ascholteswilre =Weiler, Siedlung des Ascholt. Die -weiler-Ortsnamenendung deutet auf eine Gründung in siedlungsgünstiger Lage in der sogenannten Ausbauzeit im 7. oder 8. Jahrhundert hin. Bis 1648 war Eschenzweiler ein vorderösterreichisches Dorf, das im Westfälischen Frieden 1648 mit dem ganzen elsässischen Besitz der Habsburger an die französische Krone ging. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 gehörte der Ort bis 1918 zum Reichland Elsass-Lothringen. Im Ersten Weltkrieg lag der Ort abseits der Frontlinie und blieb bis Kriegsende in deutscher Hand. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden die Einwohner in den Südwesten Frankreichs evakuiert (ins Département Lot-et-Garonne). Nach dem Waffenstillstand im Juni 1940 war eine Rückkehr in das von den Deutschen besetzte Elsass möglich. Von der Naziherrschaft wurde Eschentzwiller am 20./21. November 1944 durch Truppen der französischen 1. Armee unter General de Lattre de Tassigy befreit.
Seit dem Spätmittelalter stand Eschentzweiler unter der Herrschaft der Herren von Andlau, die auch das jetzige Rathaus als Amtshaus errichteten.
1525 führte ein Mathis Nithard aus Eschenzweiler eine erste Revolte im Bauernkrieg an. Im 18. Jahrhundert war der Ort ein wichtiges lokales Verwaltungszentrum. Schon im Spätmittelalter ist Weinbau bezeugt.
Bevölkerungsentwicklung Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2007 2017Einwohner 593 617 805 1026 1116 1244 1394 1473
Bauwerke mini|hochkant 0.8|Kirche St. Peter und PaulSankt Peter-und-Paul-Kirche (Église Saint-Pierre et Saint-Paul): Bau einer Wehrkirche im 15. Jahrhundert. Der Westturm mit Eingangshalle noch mittelalterlich mit Schießscharten. 1766 erhöht beim Neubau der Kirche (1758). Eine der ältesten Glocken des Sundgaus von 1495. Barocke Seitenaltäre und Kanzel. Skulpturen des 16. und 17. Jahrhunderts. Ein Gemälde von Melchior Paul von Deschwanden (1850). Johann Andreas Silbermann-Orgel.mini|hochkant 1.1|Bürgermeisteramt (Mairie)Mairie: Erdgeschoss im Kern von 1569, Starke Bauveränderung 1845 (Obergeschoss neu). Auf der Südgiebelseite noch eine vermauerte spätgotische Türe mit Stabwerk und Eselsrückenbogen.
Brunnen mit oktogonalem Trog von 1777 mit dem Ortswappen, den Schlüsseln von Sankt Peter.
Das Dorf besitzt vorwiegend gemauerte Wohnbauten (eine ganze Anzahl im Kern noch vor dem Dreißigjährigen Krieg entstanden). Fachwerkhäuser, meist mit steinernem Erdgeschoss, sind in der Minderzahl. Das steinerne Haus Nr. 11 an der Rue de la Bonbonnière trägt das Baudatum 1620. Die Fenster der Nordseite, der Hauseingang und das Fenster daneben noch unverändert bauzeitlich. Das Haus Nr. 1 an der Vieille Rue ist am Eingang mit 1589 datiert. Die Fenster der Ostseite mit den gotisch gekehlten Rahmungen stammen noch aus der Bauzeit. Das eiserne Wirtshausschild stammt aus einer einstigen Brauerei „Zur goldenen Sonne“. Das Haus Nr. 31 an der Vieille Rue gehörte dem Besitzer eines Kalkofens und einer Ziegelei. Dieser setzte 1869 dem Kellergeschoss von 1671 ein neues Obergeschoss auf, dabei entstanden die neubarocken Fenster.
Persönlichkeiten Auf dem Friedhof Gräber der Familie Moll: Pierre Moll (Vogt und Chirurgus im 18. Jahrhundert), André Venant (gründete 1801 ein Collège in Eschenzweiler), Pierre Alexandre (gest. 1841, Deputierter von Altkirch, hoher Beamter zur Zeit des Directoire und des Empire).
Literatur Le Patrimoine des Communes du Haut-Rhin. Flohic Editions, Band 1, Paris 1998, ISBN 2-84234-036-1, S. 535–537.
Siehe auch Liste der Monuments historiques in Eschentzwiller
Weblinks
Kategorie:Ort in Grand Est