Vaals ( oder []; im örtlichen Dialekt Vols [], in den meisten südniederfränkischen Dialekten eher Vaols []) ist eine Gemeinde und ein Ort in dieser Gemeinde. Sie liegt im äußersten Südosten der niederländischen Provinz Limburg, etwa 23 km östlich der Provinzhauptstadt Maastricht und 5,5 km westlich des Stadtzentrums von Aachen. Mundartlich wird Vaals „Vols“ genannt. Die Einwohner nennen sich „Völser“.

Mundart mini|links|hochkant=0.5|Die Benrather Linie (maken/machen-Linie) im SO der ndl. Provinz Limburg In Vaals, Holset und Lemiers werden ripuarische Mundarten gesprochen. Vor allem die Vaalser Mundart weist große Ähnlichkeiten zum benachbarten Aachener Platt auf. Der Vijlener Dialekt wird aufgrund seines Lautstandes zum Südniederfränkischen gerechnet.

Geografie und Geologie Vaals liegt direkt an der deutschen Grenze und geht in den Aachener Ortsteil Vaalserquartier über. Im Süden grenzt Vaals an den belgischen Grenzort Plombières.

Die Grenzgemeinde besteht aus den drei Hauptorten Vaals, Lemiers und Vijlen. Zu Vaals gehören die Siedlungen Raren und Wolfhaag, zu Lemiers Holset und Mamelis, zu Vijlen Camerig, Cottessen, Harles, Melleschet und Rott.

Auf dem Gemeindegebiet liegt der Vaalserberg, die höchste Erhebung der kontinentalen Niederlande. Seitdem die Karibikinsel Saba im Jahr 2010 offiziell eine Besondere Gemeinde der Niederlande wurde, gilt der dortige Vulkan Mount Scenery als der höchstgelegene Punkt der Niederlande mit 877 m über dem Meeresniveau. Auf dem 322,50 m über NAP liegenden Vaalserberg befindet sich das Dreiländereck Belgien-Deutschland-Niederlande, welches zwischen 1839 und 1919 ein Vierländereck war. Ferner findet sich auf dem Gebiet der Gemeinde Vaals, an der Straße nach Gemmenich, einem Ortsteil der belgischen Gemeinde Plombières, der mit 275 m höchstgelegene Grenzübergang der Niederlande.

Naturräumlich liegt Vaals in der zur Eifel gehörenden Haupteinheitengruppe Vennvorland (Nr. 56) und in der Haupteinheit Vaalser Hügelland (561.3).Einteilung lt. Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands Die heutige geologische Formation von Vaals wurde maßgeblich in der letzten Kreidezeit bestimmt, wie sie im Süden der Niederlande und im belgischen Limburg vorkommt und besteht wegen seines hohen Glaukonitanteils mehrheitlich aus Grünsandstein. Zudem handelt es sich um eine semipermeable aquitarde Gesteinsschicht, die bewirkt, dass das Grundwasser nur schlecht in den Boden versickern kann. An den Stellen, an denen diese Bodenschichtung unterbrochen ist, entstanden Quellen, aus denen sich die Vaalser Bäche bildeten, die mehrheitlich über den Senserbach in die Göhl und diese wiederum in die Maas münden.

Vor mehr als zwei Millionen Jahren war das Gebiet um Vaals relativ flach, weshalb die Maas um einige Kilometer weiter östlicher als heute entlang einer ungefähren Linie Eijsden, Epen und Vijlen bei Vaals verlief. Erst als sich ab dem Pliozän die Ardennen und deren Ausläufer allmählich anhoben, erhielt Vaals seine heutige charakteristische Hügellandschaft und die Maas wurde mit ihrem Flussbett westwärts zurückgedrängt.

Geschichte mini|Alte Römerstraße Maastricht–Vaals–Aachen mini|Lehnshof St. Tolbert, die Keimzelle des Ortes Vaals Die Gegend um Vaals war schon früh besiedelt. Grabhügel aus der Bandkeramischen Kultur (5300 bis 4900 v. Chr.) wurden bei Vijlen und auf dem Vaalser Berg gefunden sowie Reste einer römischen Villa bei Lemiers. In der Römerzeit lag Vaals an einem Kreuzungspunkt zweier Römerstraßen: zum einen dem Alten Aachener Weg von Maastricht nach Aachen und dem Weg von der Abtei Rolduc nach Alt-Moresnet. Darüber hinaus wurden im Jahr 2016 im Rahmen von Tiefbaumaßnahmen Töpferscherben aus karolingischer Zeit geborgen.Martina Stöhr: Archäologen machen bei Bauarbeiten am Königin Julianaplein in Vaals interessante Entdeckungen. In: Aachener Nachrichten vom 23. Juni 2016

Urkundlich erwähnt wurde Vaals erstmals 1041 als Vaels (von lat. vallis = ‚Tal‘). Kaiser Heinrich III. schenkte laut dieser Urkunde Ländereien in Holset, Lemiers, Vijlen und Mamelis dem St.-Adalbert-Stift in Aachen, hier dialektisch St. Tolbert genannt. Der Lehnhof St. Tolbert in Vaals, die „Keimzelle“ der Ortsentwicklung, existiert heute noch und ist Sitz des Heemkundekring Sankt-Tolbert Vaals. Darüber hinaus wurde ebenso die Reichsabtei Burtscheid mit Ländereien in Vijlen und der dortigen mittelalterlichen Kirche belehnt.

Vom späten Mittelalter bis zur Napoleonischen Eroberung war Vaals ein Bereich der Herrlichkeit Land van Rode, das wiederum zum Herzogtum Limburg gehörte. Die meisten Ländereien und Gutshöfe von Vaals waren an verschiedene zinsabhängige Grundherren, die sogenannten Laten, übertragen, die sich als Hofgenossenschaft zusammengeschlossen haben und von gewählten Schöffen in der Latbank vertreten ließen, wo das Latrecht gesprochen wurde. Während dieser Periode war die Grenze zum damaligen Aachener Reich durch den Aachener Landgraben befestigt, der vom Vaalserberg kommend hinunter ziehend zum Senserbach, dann weiter über Lemiers bis Mamelis und schließlich hinauf nach Orsbach verlief und an verschiedenen Punkten mit Adlersteinen markiert war. An der Einmündung der Akenerstraat–Alte Vaalser Straße erinnert ein winziges Museum, die Kleine Wache genannt (etwa 1 m²), an die Zeit, als die Grenzen im Gegensatz zu heute noch nicht offen waren. Dieser Grenzverlauf wurde im Bereich des alten Grenzüberganges bis rund um die alte katholische St. Paulus-Kirche von Vaals immer wieder manipuliert, um so die Kirche unrechtmäßigerweise auf Grund und Boden des Aachener Reiches zu integrieren.

In der Frühen Neuzeit kam das Herzogtum Limburg und damit auch der Ort Vaals zur Republik der Sieben Vereinigten Niederlande, auch Generalstaaten genannt, die im Rahmen des Westfälischen Friedens von 1648, der sowohl den Achtzigjährigen Krieg als auch den Dreißigjährigen Krieg beendet hatte, aus dem Heiligen Römischen Reich (HRR) ausgeschieden waren. Diese Neuordnung der Länder wurde im sogenannten Partagevertrag von 1661 endgültig bekräftigt und erst anschließend verlief die Grenze von Vaals zum Aachener Reich so, wie sie heute noch Bestand hat.

Ebenso seit dieser Zeit wurde Vaals ein Industriestandort, besonders für die Tuch- und Nadelfabrikation. Dabei profitierte der Ort vor allem von dem rigiden Zunftrecht in der benachbarten und nun „ausländischen“ Freien Reichsstadt Aachen mit ihren Einschränkungen bei der Niederlassungsfreiheit, der Technik, der Preisgestaltung und dem Personal. Diese Einschränkungen hatten dazu geführt, dass vor allem Kupferschläger, Nadler und Tuchfabrikanten aus Aachen zu jenen Orten wechselten, wo sie ihr Gewerbe ohne diese Zunftauflagen betreiben konnten. Zugleich war es die Zeit der ersten großen Aachener Religionsunruhen, die eine massive Auswanderung und Vertreibung von Aachener Bürgern mit evangelischem Glauben zur Folge hatte. Aus dieser Zeit stammen die Funde von Goldmünzen aus den Jahren 1454 bis 1466 und Silbermünzen aus den Jahren 1566 bis 1612, die im Jahr 2016 im Rahmen von Grabungen am Von Clermontplein gefunden wurden. Der Fund ist deshalb so wertvoll, da bisher in ganz Zuid-Limburg noch keine derartigen Goldmünzen gefunden wurden.Martina Stöhr: Archäologen machen bei Bauarbeiten am Königin Julianaplein in Vaals interessante Entdeckungen. In: Aachener Nachrichten vom 23. Juni 2016

mini|Johann Arnold von Clermont, der „Tuchbaron“ von Vaals Prägend für die Region war der Aachener Textilfabrikant Johann Arnold von Clermont (1728–1795), der 1761 unter Druck der Gegenreformation seine Heimat verlassen musste. Er erwarb flächendeckend Grundbesitz in und um Vaals und baute und gründete dort mehrere Textil-Betriebe. Seine Produkte fanden europaweit Abnehmer bis hin zum russischen Zarenhaus. Darüber hinaus war Clermont der Erste, der sich maßgeblich mit der Kanalisation der verschiedenen im Ort vorhandenen Bäche beschäftigte, wovon nicht nur die Industrie, sondern auch die gesamte Bevölkerung profitierte und ein Großteil der vormals sumpfigen Wiesenflächen bebaubar wurden. Aber auch andere, mehrheitlich deutsche Unternehmerfamilien, wie beispielsweise Binterim, Peltzer, Troistorff und Tyrell, sorgten in Vaals für einen wirtschaftlichen Aufschwung.

In den Jahren 1798 bis 1814 gehörte Vaals zum Kanton Burtscheid und wurde schließlich 1815 durch den Wiener Kongress offiziell niederländisch. Der Regierungsbezirk Aachen wurde Preußen zuteilte und Vaals dem Königreich der Niederlande. Als Belgien sich 1830 für unabhängig erklärte, wurde Vaals von 1830 bis 1839 vorübergehend belgisch und durch den Friedensvertrag von London erneut niederländisch.

Seit 1890 führt Vaals in seinem Wappen neben dem Limburgischen Löwen eine Abbildung des heiligen Lambert von Lüttich, der zuvor bereits als der Schutzpatron der Siedlung Holset verehrt wurde.

Am 10. Mai 1940 marschierte die deutsche Wehrmacht in Vaals ein. In das Eckhaus Prins-Bernhardstraat/Maastrichterlaan 58, in dem sich heute eine Apotheke und Ärztezentrum befindet, zog die NSDAP-Ortskommandatur ein. Vorher war dort bereits die Ortsgruppe Vaals der niederländischen nationalsozialistischen Bewegung (NSB) beheimatet.Gemeente Vaals eigenaar van ’t Vereinshoes, Abschnitt Invloed Tweede Wereldoorlog auf vaals.nl/actueel vom 9. Januar 2015

Religion Römisch-katholische Gemeinde Als Vorläufer der heutigen St. Paulus-Kerk werden bereits zum Ende des 11. Jh. in einer Auflistung der Reichsgüter des Aachener Marienstiftes Kirchen in Gemmenich und Vaals genannt. Eine andere Quelle (vor 1200) nennt im Zusammenhang mit den Reichsgütern von Gemmenich unter anderen zwei Kapellen, die in Montzen und Vaals gelegen sein sollen. Erst um 1266 und erneut um 1280 wird eine Kirche erwähnt, die an einen alten Gemeindeturm angebaut worden war.

Dieser Turm im romanischen Stil an der Ecke Kerkstraat/Bergstraat ist das älteste, noch erhaltene Gebäude in der Gemeinde Vaals. Außer seiner neuen Eigenschaft als Kirch- und Glockenturm diente er lange Zeit als Wacht- und Verteidigungsturm sowie in mehreren Perioden als Gefängnis. Außerdem hatten dort zwischen 1580 und 1660 sowohl katholische Pfarrer und Schulmeister als auch evangelische Prediger ihre Wohnung gehabt. Bis 1967 gehörte der Kirchturm sowohl zur katholischen Kirche als auch zu der 1672 an der Nordseite angebauten Hervormde Kerk und wird auch nach dem Abriss der katholischen Kirche im Jahr 1967 weiterhin von der evangelischen Kirche betrieben, obwohl er Eigentum der römisch-katholischen Kirchengemeinde ist.