mini|Doris Dörrie auf dem von ihr kuratierten forum:autoren des Literaturfests München 2017 mini|Dörrie 2010 auf dem Talent Campus des Internationalen Filmfestivals von Guadalajara

Doris Dörrie (; 26. Mai 1955 in Hannover) ist eine deutsche Filmregisseurin, Drehbuchautorin und Schriftstellerin.

Herkunft und Werdegang Doris Dörrie entstammt der ursprünglich in Gronau an der Leine beheimateten Gelehrtenfamilie Dörrie. Sie wurde als älteste von vier Töchtern des Arztes Hans Lüdeke Dörrie (1920–2019) und dessen Frau Christiane („Kristin“), geb. Blumenbach (1931–2022), in Hannover geboren.Vgl. Ahnentafel (Tafel II) zu: Heinrich Dörrie: Aus der Geschichte der Familie Dörrie in Gronau (Leine), Münster 1975. Ihr Großvater war der Hannoveraner Frauenarzt und Klinikleiter Heinrich („Heino“) Dörrie (1875–1947), ihr Onkel der Altphilologe Heinrich Dörrie (1911–1983). Ihre Cousine war die Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Piirainen (1943–2017).

Dörrie absolvierte ihr Abitur an der Sophienschule Hannover, danach folgte ab 1973 ein zweijähriger Aufenthalt in den USA, wo sie Schauspiel und Film am Drama Department der University of the Pacific in Stockton, Kalifornien studierte. Außerdem absolvierte sie ein Studium an der New School for Social Research in New York. Zur Finanzierung ihres Zweitstudiums nahm sie verschiedene Nebenjobs in Cafés und als Filmvorführerin im Goethe House New York an. Zurück in Deutschland begann sie 1975 ein Studium an der Hochschule für Fernsehen und FilmIn einem Interview () sagt Sie, dass es an der Hochschule keinen Unterricht im Drehbuchschreiben gegeben habe. in München und schrieb nebenbei Filmkritiken für die Süddeutsche Zeitung, wo sie auch Redaktionsassistentin war. Anschließend arbeitete Dörrie als freie Mitarbeiterin für verschiedene Fernsehsender und drehte kleinere Dokumentarfilme.

Es folgten diverse Filme und einige Bücher. Letztere wurden von der Literaturkritik unterschiedlich aufgenommen.Negativ äußerten sich etwa Wolfgang Steuhl in der FAZ (13. April 1991), Günter Jurczyk in der Stuttgarter Zeitung (11. Oktober 1989) oder Franz Josef Görtz in der FAZ (14. März 1989).Richard Utz („Reflecting Love at Quite Its Natural Size: Doris Dörrie as a Writer“, in: Straight Through the Heart: Doris Dörrie, German Filmmaker and Author, hrsg. von Franz Birgel, Klaus Phillips und Christian-Albrecht Gollub. Lanham: Scarecrow Press, 2004. S. 177–187) meint allerdings: „Doris Dörrie may not be a second Anton Chekhov, as her publishers have us believe in an obvious effort to reconcile critics by linking her with a canonized author from the modernist literary tradition. Her well-balanced treatment of love, however, has defined the Zeitgeist of love in the 1990s as no other author has.“ Ihr Film Mitten ins Herz mit Beate Jensen und Josef Bierbichler in den Hauptrollen, der ursprünglich als Fernsehspiel für den WDR produziert worden war, wurde 1983 auf den Filmfestspielen Venedig gezeigt und erhielt beim Filmfestival Max Ophüls Preis 1984 den Publikumspreis sowie einen Förderpreis.

Ihre beiden Filmkomödien Männer (1985) und Ich und Er (1988) machten sie in Deutschland sehr bekannt. Das Magazin Der Spiegel erschien in der Ausgabe 45/1986 mit der Titelblattschlagzeile „Die ‚Männer-‘ Frau, Deutschlands erfolgreichste Regisseurin Doris Dörrie“, einem Artikel über ihren Erfolg als Filmemacherin sowie einem Interview zu ihren bisherigen Filmen und ihren beruflichen Zukunftsplänen.

Gemeinsam mit Gerd Huber, Renate Seefeld, dem Kameramann Helge Weindler und Thomas Müller gründete Dörrie 1989 die Cobra Filmproduktions GmbH, die ihre nächsten Filme herstellte. Ab 1999 wurden viele ihrer Filme von der Münchner Firma Megaherz produziert.

1997 wurde Doris Dörrie als Professorin für Angewandte Dramaturgie und Stoffentwicklung an die Hochschule für Fernsehen und Film München berufen. An der Staatsoper Berlin inszenierte Dörrie die Opern Così fan tutte (2001 mit Daniel Barenboim) und Turandot (2003 mit Kent Nagano). 2005 inszenierte sie an der Bayerischen Staatsoper in München Giuseppe Verdis Oper Rigoletto (musikalische Leitung Zubin Mehta) und am Gärtnerplatztheater Giacomo Puccinis Madame Butterfly. Die Rigoletto-Inszenierung, in der Dörrie die Handlung auf den Planet der Affen (nach den gleichnamigen Filmen) verlegte, wurde 2005 in einer Kritikerumfrage von der Zeitschrift Opernwelt zum „Ärgernis der Saison“ gewählt. Bei den Salzburger Festspielen 2006 inszenierte sie Mozarts La finta giardiniera.

2008 kam Dörries Film Kirschblüten – Hanami mit u. a. Elmar Wepper, Hannelore Elsner und Nadja Uhl in die Kinos, der seine Weltpremiere auf den Internationalen Filmfestspielen Berlin 2008 feierte. 2011 erschien ihr Roman Alles inklusive, der sofort auf Platz 13 in die Bestsellerliste einstieg. Am 15. Februar 2012 hatte ihr Film Glück Weltpremiere im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele Berlin 2012.

Unter dem Motto „Alles Echt. Alles Fiktion“ kuratierte Doris Dörrie 2017 das forum:autoren auf dem Literaturfest München.

Ihre Spielfilmkomödie Freibad feierte 2022 Premiere beim Filmfest München. Filmjournalist Dieter Oßwald befand: „Eines der besten Stücke jener erfolgreichsten Regisseurin der Republik.“

Doris Dörrie ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland. 2003 gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern der Deutschen Filmakademie. 2019 erhielt sie eine Einladung zur Mitgliedschaft in der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, die den Oscar verleiht.

Privatleben 1988 heirateten Doris Dörrie und Helge Weindler. Der Ehe entstammt eine Tochter (* 1989). Während der Dreharbeiten zum Film Bin ich schön?, die in Spanien stattfanden, starb Weindler am 22. März 1996 an einer Hirnhautentzündung, nachdem er gerade eine Krebs-Erkrankung überwunden hatte. Diesen Verlust bearbeitet Dörrie filmisch im autobiographischen Essay Augenblick.

Doris Dörrie ist seit 1999 mit Martin Moszkowicz liiert.Wie Doris Dörrie vom Filmemachen zum Geschichtenschreiben kam. Und zum Buddhismus. tagesspiegel.de vom 19. Januar 2000 Sie lebt in München und Bernbeuren.

Filmografie

Veröffentlichungen

Hörbücher 2011: Alles inklusive, Diogenes Verlag Zürich, gelesen von Maria Schrader, Maren Kroymann und Petra Zieser, ungekürzt 5 CDs 377 Min., ISBN 978-3-257-80309-9

Auszeichnungen mini|„Stern“ zu Doris Dörrie auf dem Boulevard der Stars in Berlin

1976: Förderpreis des Kuratoriums Junger Deutscher Film (20.000 DM), zusammen mit Wolfgang Berndt, für den Kurzfilm Kinos der Provinz 1984: Max-Ophüls-Preis: Publikumspreis der Stadt Saarbrücken für Mitten ins Herz 1986 Filmband in Silber (Regie) für Männer Filmband in Gold (Drehbuch) für Männer Goldene Leinwand für Männer Gilde-Filmpreis für Männer IFF Vevey (Schweiz): Goldener Spazierstock für Männer Internationale Hofer Filmtage: Filmpreis der Stadt Hof für Männer Bambi 1992: Nominierung für den Deutschen Filmpreis für Happy Birthday, Türke! 1994: Journalistenpreis der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten für Was darf's denn sein? 1995 Filmband in Silber für Keiner liebt mich Ernst-Hoferichter-Preis für das schriftstellerische Werk 1996 Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland Bettina-von-Arnim-Preis der Zeitschrift Brigitte für die Kurzgeschichte Der Vater der Braut 1998 Bayerischer Filmpreis – Drehbuchpreis Niedersachsenpreis für Kultur 1999: DIVA-Award 2000: Bayerischer Verdienstorden 2002: Kultureller Ehrenpreis der Landeshauptstadt München 2003 Deutscher Bücherpreis für Das blaue Kleid Kinderbuchpreis des Landes Nordrhein-Westfalen für Mimi 2005: Preis Pro meritis scientiae et litterarum (zusammen mit Vicco von Bülow (Loriot)) 2008 Bayerischer Filmpreis für Kirschblüten-Hanami – Bester Film des Jahres 2007 Goldene Feder für ihre langjährige und erfolgreiche Regiearbeit 2009: Ehrenpreis des Deutschen Hospiz- und Palliativ-Verbandes für Kirschblüten-Hanami (Kategorie Medien- und Öffentlichkeitsarbeit) 2010: Stern auf dem Boulevard der Stars in Berlin 2011: Grimme-Preis in der Kategorie Unterhaltung für Klimawechsel 2012 Bayerischer Filmpreis – Regiepreis für Glück Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland für ihre Unterstützung der Hospiz- und Palliativarbeit 2013: Carl-Zuckmayer-Medaille 2016 Hans-Vogt-Filmpreis für Verdienste um den Tonfilm Heiner-Carow-Preis der DEFA-Stiftung für Grüße aus Fukushima im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele Berlin 2018: Max-Ophüls-Ehrenpreis für Verdienste um den jungen deutschsprachigen FilmSalzburger Nachrichten: Doris Dörrie erhält Ophüls-Ehrenpreis 2018. Artikel vom 13. Dezember 2017, abgerufen am 14. Dezember 2017. 2020: Brüder-Grimm-Poetikprofessur, deutschlandfunkkultur.de, erschienen und abgerufen am 4. Februar 2020. 2021: Bayerischer Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst 2022: Ehrenbürgerin München

Literatur Rolf Aurich, Susanne Fuhrmann, Pamela Müller (Red.): Lichtspielträume. Kino in Hannover 1896–1991. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Theater am Aegi vom 6. Oktober bis zum 24. November 1991. Gesellschaft für Filmstudien, Hannover 1991, S. 154f. Malte Hagener: Doris Dörrie – Regisseurin, Autorin, Produzentin. In: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, Lieferung 30, 1998. Fabienne Liptay (Hg.): Doris Dörrie (= Film-Konzepte 36), edition text + kritik, München 2014. ISBN 978-3-86916-369-7. Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 2: C – F. John Paddy Carstairs – Peter Fitz. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 434.

Weblinks

Doris-Dörrie-Archiv im Archiv der Akademie der Künste, Berlin (Ulrich Goerdten)

Biografie bei CineGraph Doris Dörrie im Literaturportal Bayern

Rezensionen

Einzelnachweise

Kategorie:Filmregisseur Kategorie:Filmkritiker Kategorie:Drehbuchautor Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (21. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Kinder- und Jugendliteratur Kategorie:Erzählung Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Schriftsteller (München) Kategorie:Hochschullehrer (HFF München) Kategorie:Mitglied der Akademie der Künste (Berlin) Kategorie:Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland Kategorie:Mitglied der Deutschen Filmakademie Kategorie:Grimme-Preisträger Kategorie:Träger des Bayerischen Maximiliansordens für Wissenschaft und Kunst Kategorie:Träger des Bayerischen Verdienstordens Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse Kategorie:Träger des Deutschen Filmpreises Kategorie:Träger des Ernst-Hoferichter-Preises Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1955 Kategorie:Frau