Das M40 ist ein Rückstoßfreies Geschütz mit Kaliber 105 mm. Es wurde in den 1950er-Jahren in den Vereinigten Staaten für die Panzerabwehr entwickelt.

Entwicklung Das M40 wurde als Weiterentwicklung des rückstoßfreien Geschützes M27 entwickelt, das Anfang der 1950er-Jahre während des Koreakriegs eingeführt wurde. Das M27 wies jedoch Mängel hinsichtlich Zuverlässigkeit, Gewicht und wirksamer Reichweite auf, weshalb die US-Armee 1955 das verbesserte M40 einführte. Die Entwicklung des M40 startete im Herbst 1951 unter der Bezeichnung T170. Im Jahr 1955 war das M40 fertig entwickelt und wurde bei den Streitkräften der Vereinigten Staaten eingeführt. Dort wurde es M40 Battalion Anti-Tank Weapon (BAT) bezeichnet. Das Geschütz wurde in den Ausführungen M40A1, M40A2, M40A3 und M40A4 hergestellt. Das M40 wurde weltweit exportiert und in verschiedenen Staaten im Lizenzbau hergestellt.Ian Hogg: Jane's Infantry Weapons 1987–1988. 1987, S. 755–756.Dtic.mil: Engineering Design Handbook: Recoilless Rifle Weapon Systems (PDF; 29 MB)

Technik mini|links|Griechische Infanteristen bei der Bedienung eines M40 Die M40 ist ein Rückstoßfreies Geschütz mit Kaliber 105 mm, zur Bekämpfung von Kampfpanzern und anderen Panzerfahrzeugen auf Distanzen bis etwa 1.000 m. Das Waffensystem wiegt Schussbereit knapp 210 kg. Es kann über kurze Distanzen von der Infanterie getragen werden. Daneben wird es auch auf verschiedenen Landfahrzeugen und Panzerfahrzeugen verbaut. Im Normalfall erfolgt der Einsatz durch 2–4 Personen: Geschützführer, Richtschütze, Ladeschütze plus evtl. ein Hilfsladeschütze. Für das Geschütz wird teilweise das Kaliber 106 mm angegeben, obwohl es 105 mm beträgt. Dies tat man, um eine Verwechslung mit der inkompatiblen Munition des Vorläufers M27 zu vermeiden.Wikimedia.org: Worldwide Equipment Guide 2001, S. 1–20 (PDF; 7,0 MB)Weaponsystems.net: 106mm M40Scribd.com: Field manual FM23-82 M40A1 106mm Recoilless Rifle

Lafetten & Fahrzeuge Das M40 für die Infanterie ist auf der Dreibein-Lafette M92 montiert. Das vordere Dreibein ruht auf einem Rad aus Hartgummi während die beiden anderen als Erdsporne verwendet werden. Für die Montage auf Fahrzeugen wird die M79-Lafette verwendet. Mit dieser kann die M40 auf eine Vielzahl von Fahrzeugen aufgesetzt werden, wie z. B. der Ford MUTT M151, Hotchkiss M201, Willys MB, Willys M38, Land Rover Defender, HMMWV, Toyota Landcruiser, Toyota Hilux oder M274 Mechanical Mule. Das Kettenfahrzeug M50 Ontos des US Marine Corps war mit sechs M40 ausgestattet. Der japanische Panzer Typ 60 trug zwei M40 als Bewaffnung, ebenso wie pakistanische M113. Daneben kann das M40 auch von leichten Hubschraubern auf das Gefechtsfeld transportiert werden.John Norris: Brassey’s Anti-Tank Weapons. 1996, S. 122.

Geschütz Das Geschütz wird M206 bezeichnet und hat eine Länge von 3,4 m (inkl. Verschluss). Das Geschützrohr ist aus hochfestem Chrom-Nickel-Molybdän-Stahl gefertigt. Es hat 30 Züge mit Dralllängen von 25 Kalibern (2.625 mm). Hinten am Geschützrohr ist der Schraubenverschluss mit einer Lavaldüse angebracht. Bei der Rohrwiege ist ein Zielfernrohr mit Strichplatte montiert. Für Nachtgefechte kann auf das Zielfernrohr ein Nachtsichtgerät oder Restlichtverstärker aufgesetzt werden. Oben auf dem Geschützrohr ist koaxial die halbautomatische 12,7-mm-Einschießwaffe M8C verbaut. In dieses wird ein Magazin mit 10 oder 20 Schuss Leuchtspurmunition im Kaliber 12,7 × 76 mm eingesetzt.Ian Hogg: Infanterie-Unterstützungswaffen (Serie Waffen und Gerät)., 1997, S. 142–143.

Der Richtschütze befindet sich links der Waffe. Er richtet mit Hilfe eines Drehrads (ebenfalls auf der linken Seite der Waffe) das Geschütz in der Höhe und mit einer Kurbel (unter der Waffe auf der Lafette) in der Horizontalen auf das Ziel aus. Das Ziel wird mit dem Zielfernrohr anvisiert. Dann schießt der Richtschütze zuerst die 12,7-mm-Einschießwaffe ab, trift das Leuchtspurgeschoss das Ziel, feuert er das Geschütz ab. Dabei entsteht für 20 ms ein Abschussknall mit rund 188 dB. Kurzzeitig ist eine Schussfolge von 6 Schuss pro Minute möglich. Danach muss die Schussfolge, infolge der thermischen Beanspruchung des Geschützrohres, auf 1–2 Schuss pro Minute reduziert werden. Aufgrund der nach hinten austretenden Treibladungsgasen besteht hinter der Waffe ein Gefahrenbereich von 70 m Länge und 137 m Breite, der beim Abschuss nicht betreten werden darf. Auch können aufgewirbelter Staub und der große Feuerstrahl die Stellung des M40 verraten.

Munition Das M40 verschießt patronierte Munition im Kaliber 105 × 607 mm R. Diese besteht aus einer Granate mit einer aufgesteckten Patronenhülse. Die Munition funktioniert nach dem Kromuskit-Prinzip. Dabei sind die Patronenhülsen mit den Treibladungen seitlich perforiert (gelocht). Bei der Zündung treibt ein Teil der Treibladungsgase das Geschoss aus dem Geschützrohr. Rund 80 % der Treibladungsgase entweicht über die perforierte Patronenhülse sowie über Öffnungen in der Ladungskammer in eine ringförmige Druckausgleichskammer. Von dort strömen die Treibladungsgase mit Überschallgeschwindigkeit durch die Lavaldüse rückwärts aus dem Geschützrohr, was den Rückstoß kompensiert. Die Streitkräfte der Vereinigten Staaten verwenden die folgende Munition:Bulletpicker.com: TM 9-1300-204 Ammunition for Recoilless Riffles (PDF; 12 MB)Bulletpicker.com: US Cartridge, 106mm APERS-T, M581, XM581 (PDF) Geschoss M344 M346 M545 M581 Geschosstyp Hohlladung Quetschkopf Splitter Kartätsche Gewicht (kompletter Schuss) 16,9 kg 17,25 kg 16,4 kg 18,6 kg Gewicht (Granate) 7,96 kg 7,96 kg unbek. 9,89 kg Füllung (Granate) 1,27 kg Composition B 3,5 kg Composition A unbek. ~6.000 Flechettes zu 0,8 g V0 503 m/s 498 m/s 560 m/s 437 m/s Eff. Schussdistanz 1.350 m 1.000 m 1.500 m 300–400 m Max. Schussdistanz 6.870 m 1.350 m 6.870 m unbek. Durchschlagskraft 400–420 mm Panzerstahl 300–350 mm Panzerstahl unbek. unbek. Neben der oben aufgeführten U.S.-Munition sind für die M40 eine breite Munitionspalette auf dem internationalen Markt erhältlich.

M40 in Deutschland Die deutsche Bundeswehr verwendete das M40 bis ca. 1972 u. a. auf dem SPz HS 30 (PzGren Btl,pro Zug 1 LGS). Danach wurde das Geschütz im Territorialheer in den schweren Jägerkompanien eingesetzt. Verbaut auf dem DKW Munga wurde es von 1966 bis 1973 bei den Panzerabwehrkräften der Luftlandebrigaden verwendet.Das Fallschirmjägermuseum in Altenstadt, abgerufen am 8. März 2023www.Panzerbaer.de, HS 30, abgerufen am 8. März 2023

M40 in Österreich Im österreichischen Bundesheer war die Waffe in den Jägerbataillonen mit der Bezeichnung „10,6-cm-rPAK“ (rPAK = „rückstoßfreie Panzerabwehrkanone“) im Einsatz, bevor sie durch die Panzerabwehrlenkwaffe BILL abgelöst wurde.Waffengattungen des Österreichischen Bundesheeres, Webseite www.bundesheer.at, abgerufen am 16. August 2016

M40 in der Schweiz Das M40 wurde 1958 in der Schweizer Armee eingeführt. Dort wurde es Rückstossfreie Panzerabwehrkanone 1958 (10,6 cm rsf Pak 58) bezeichnet. Unter den Soldaten war auch die Bezeichnung BAT, wie in den USA gebräuchlich. Dort war das Geschütz auf dem Willys M38 installiert. Diese „Jeeps“ wurden in den Panzerabwehrkompanien innerhalb der Infanterieregimenter zur Panzerabwehr eingesetzt. Nach Unfällen in einer Rekrutenschule 1978 wurden verschärfte Sicherheitsbestimmungen eingeführt: Der Ladeschütze der Geschützmannschaft durfte das Geschütz nur dann entsichern, wenn der Bereich hinter der Waffe frei war. Für den Nachteinsatz konnte eine Nachtsichtoptik auf einer Schwalbenschwanzführung montiert werden. Diese Optik ermöglichte das Erkennen und Bekämpfen von Zielen, wenn sie durch Infrarot-Scheinwerfer (Bezeichnung „B 200“) beleuchtet wurden. Ab 1965 wurden die Panzerabwehrkompanien mit Steyr-Puch Haflinger mit BANTAM-Panzerabwehrlenkwaffen (Panzerabwehr-Lenkwaffen System BANTAM Boden-Boden 65 (PAL BB 65)) verstärkt. Die M40 wurde ab 1977 sukzessive ausgesondert durch die M47 Dragon ersetzt.

Status & Verbreitung Das M40 wurde in großen Stückzahlen in den Vereinigten Staaten sowie in Österreich, Indien, Iran, Japan, Pakistan, Spanien, Südkorea und der Volksrepublik China im Lizenzbau hergestellt und exportiert. Ab den 1970er-Jahren wurde der M40 zusehends durch Rückstoßfreie Panzerabwehrhandwaffen und Panzerabwehrlenkwaffen verdrängt. Diese sind leichter, haben eine höhere Treffererwartung sowie eine deutlich größere Durchschlagskraft, wodurch das M40 obsolet wurde. Aufgrund der Einfachheit und des geringen Preises verbleibt das M40, insbesondere bei weniger kaufkräftigen Staaten, bis heute im Dienst.Smallarmsreview.com: OPERATION “POWERPACK”: The Revival of the M40 Recoilless Rifle in Latin America

Daten aus:The International Institute for Strategic Studies (IISS): The Military Balance 1993–1994. Routlegde. ISBN 978-1857530384.The International Institute for Strategic Studies (IISS): The Military Balance 2016. Routlegde. ISBN 978-1857438352.

Galerie

Literatur Ian Hogg: Infanterie-Unterstützungswaffen (Serie Waffen und Gerät). Motorbuch-Verlag, Deutschland, 1997, ISBN 978-3-613-01843-3. Ian Hogg: Jane's Infantry Weapons 1987–1988. Jane’s Information Group, Vereinigtes Königreich, 1987, ISBN 0-7106-0843-8. John Norris: Brassey’s Anti-Tank Weapons. Brassey’s, Vereinigtes Königreich, 1996, ISBN 1-85753-177-9.

Weblinks

106mm Recoilless Anti-Tank Rifle bei paradata.org.uk (englisch) Fact file: M40A1 recoilless rifle bei defenceweb.co.za (englisch) M40 bei waffen-der-welt.alices-world.de (deutsch) 106mm M40 Recoilless Rifle, History and Firing Film über das M40 bei youtube.com

Einzelnachweise

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