Bad Bramstedt (bis 1910 Bramstedt) ist eine Kleinstadt im Kreis Segeberg. Bad Bramstedt ist als Moorheilbad staatlich anerkanntBäderkalender online und liegt in der Mitte des Holsteiner Auenlandes im südlichen Schleswig-Holstein.
Geographie Lage Das Gemeindegebiet der Stadt Bad Bramstedt erstreckt sich am Zusammenfluss von Osterau und Hudau zur Bramau. Das Gebiet ist Teil des Naturraums Holsteinsche Vorgeest (Haupteinheit Nr. 698), eines der schleswig-holsteinischen Geestgebieten.Zur Einordnung vgl. Artikel Haupteinheit.
Ortsteile Die Stadt Bad Bramstedt umfasst siedlungsgeographisch eine Mehrzahl von Ortsteilen. Neben dem für die Gemeinde namenstiftenden Heilbad liegen auch Bissenmoor (Häusergruppe und Siedlung) sowie Clashorn (Häusersiedlung), die Hofsiedlungen Am Brunnen, Eichenhof und Holm und die Gutssiedlung Gayen im Gemeindegebiet.
Nachbargemeinden Umliegende Gemeinden von Bad Bramstedt sind:
Geschichte mini|hochkant|Steinerner Roland in Bad Bramstedt (seit 1693) Der Ort soll im 3. bis 6. Jahrhundert entstanden sein. Seine Benennung deutet auf einen „Ort des Ginsters“. Doch erst 1274 fand das kleine Dorf erstmals urkundlich Erwähnung. Im Jahr 1533 wurde erstmals ein hölzerner Roland für Bramstedt erwähnt. 1681 wurde der Gesundbrunnen des Ortes entdeckt. Der heutige steinerne Roland von Bramstedt wurde 1693 aufgestellt, 1813/14 stürzte er vom Sockel. Es folgte eine Renovierung und Wiederaufstellung der Statue im Jahr 1827. Die Solequelle des Ortes wurde seit 1879 vom Bäderbetrieb Heesch vermarktet.Die Zeitleiste von Bad Bramstedt, abgerufen am: 8. Juli 2017
1910 erhielt Bramstedt das Stadtrecht sowie den Namenszusatz „Bad“. Die Umbenennung soll auch zustande gekommen sein, um eine Verwechslung mit dem sechzehn Kilometer südwestlich gelegenen Barmstedt, insbesondere hinsichtlich des Postversands, zu vermeiden.Die Zeitleiste von Bad Bramstedt, abgerufen am: 8. Juli 2017Kieler Nachrichten: , vom: 27. Juli 2009; abgerufen am: 8. Juli 2017 Ein Jahr später wurde ein zweites Solbad angelegt.Die Zeitleiste von Bad Bramstedt, abgerufen am: 8. Juli 2017 1919 pachtete der jüdische Kaufmann Oskar Alexander den Kurbetrieb. 1929/30 wurde das Neue Kurhaus errichtet, dessen Pächter und Direktor ebenfalls Oskar Alexander war.Die Zeitleiste von Bad Bramstedt, abgerufen am: 8. Juli 2017
1942 kam Oskar Alexander im Konzentrationslager Sachsenhausen ums Leben.Die Zeitleiste von Bad Bramstedt, abgerufen am: 8. Juli 2017über Oskar Alexander, Holocaust-Opfer
Zum Kriegsende wurden KZ-Häftlinge des KZ Fuhlsbüttel auf Todesmärsche zum Arbeitserziehungslager Nordmark bei Kiel geschickt. Kiel lag weiter von der Frontlinie entfernt und eine Anzahl Hamburger KZ-Häftlinge wurde auf diese Weise durch die Nazis vor den herannahenden Alliierten verborgen. Die tagelangen Märsche, die viele der KZ-Häftlinge nicht überlebten, führten über die Bundesstraße 4, die damals als Reichstraße 4 noch durchgehend bis Kiel verlief. Am 13. April 1945 wurde der KZ-Häftling Hamid Chamido aus der Sowjetunion von einem SS-Mann bei den Mergelkuhlen an der Reichsstraße 4 beim Bissenmoor erschossen. Der Tote wurde noch am selben Tag auf dem Bad Bramstedter Friedhof beerdigt. In der Sterbeurkunde wurde „auf der Flucht erschossen“ notiert. An den ehemaligen Mergelkuhlen, die heute als Angelteiche dienen, wurde 2017 eine Tafel zur Erinnerung an die KZ-Häftlinge enthüllt.Kieler Nachrichten: , vom: 12. August 2016; abgerufen am: 9. Juli 2017Kieler Nachrichten: , vom: 15. Juni 2017; abgerufen am: 9. Juli 2017
Während der letzten Tage des Zweiten Weltkriegs fand in einem Waldstück nahe Bad Bramstedt ein Treffen von Karl Dönitz und Heinrich Himmler statt. Beide firmierten seinerzeit als letzte Regierung des Dritten Reiches.Hamburger Abendblatt: Das Kriegsende im Kreis Segeberg, vom: 7. Mai 2005; abgerufen am: 8. Juli 2017
1965 wurde die Rolandsstatue in Itzehoe restauriert. Das Bramstedter Schloss wurde 1964–1969 von der Stadt übernommen. 1998 wurden die Stadtwerke des Ortes gegründet.Die Zeitleiste von Bad Bramstedt, abgerufen am: 8. Juli 2017
Konfessionsstatistik Gemäß Zensus 2022 waren 33,0 % der Einwohner evangelisch, 5,3 % römisch-katholisch und 61,7 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Religion, Zensus 2022.
Politik Aus Bad Bramstedt kamen seit der Bundestagswahl 2005 die Abgeordneten des Deutschen Bundestages Jürgen Koppelin (FDP) und Rolf Koschorrek (CDU).
Stadtverordnetenversammlung
Die Stadtverordnetenversammlung ist die kommunale Volksvertretung der Stadt Bad Bramstedt. Über die Zusammensetzung entscheiden die Bürger alle fünf Jahre. Die letzte Kommunalwahl fand am 14. Mai 2023 statt. Diese führte bei einer Wahlbeteiligung von 45,5 % zu nebenstehender Zusammensetzung der Stadtvertretung.
Bürgervorsteherin ist Annegret Mißfeldt (CDU).Kommunalwahl 2023 (bad-bramstedt.de)
Bürgermeister Aktueller Bürgermeister ist seit dem 1. Februar 2025 Felix Carl (parteilos). Er wurde bei der Bürgermeisterwahl am 15. September 2024 mit 59,0 Prozent der Stimmen gewählt, nachdem er zuvor von der CDU nominiert worden war. Sein Kontrahent Nils Böttger erhielt 41 Prozent der Stimmen.Bürgermeisterwahl 2024 auf wahlen-sh.de abgerufen am 4. März 2025 Carl trat somit die Nachfolge von Verena Jeske an, die sich nach sechs Jahren im Amt nicht erneut zur Wahl aufstellte.Felix Carl wird neuer Bürgermeister in Bad Bramstedt abgerufen am 4. März 2025
Wappen Blasonierung: „In Blau ein silberner römischer Krieger mit goldenem Helm, goldenem Panzer und goldener Fußbekleidung und einer roten Schärpe von der linken Schulter zur rechten Hüfte, in der seitlich ausgestreckten rechten Hand ein aufgerichtetes, bloßes silbernes römisches Schwert haltend, während sich die linke auf einen holsteinischen Wappenschild stützt (in Rot ein silbernes Nesselblatt).“[ Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein]
Der Krieger stellt den Bramstedter Roland, das Wahrzeichen der Stadt, dar.
Städtepartnerschaften Es besteht eine Städtepartnerschaft mit Drawsko Pomorskie (deutsch: Dramburg) in Westpommern/Polen. Diese ging aus einer Vertriebenen-Patenschaft hervor.
Kultur und Sehenswürdigkeiten In der Liste der Kulturdenkmale in Bad Bramstedt stehen die in der Denkmalliste des Landes Schleswig-Holstein eingetragenen Kulturdenkmale.
Kirchen
Im Zentrum des Ortes steht die Maria-Magdalenen-Kirche der Ev.-Luth. Kirchengemeinde, eine Hallenkirche aus rotem Backstein. Das Kirchspiel wurde erstmals 1316 urkundlich erwähnt anlässlich einer Landesteilung zwischen den holsteinischen Grafen. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde die Kirche in Kreuzform errichtet. 1635/36 wurde der Turm neu errichtet. 1647/48 wurden Schäden durch Sturm und Blitzschlag repariert. Im 17. bis 19. Jahrhundert fanden diverse Umgestaltungen statt: Schließung der Südportale, Einbau neugotischer Fenster, Anbau des östlichen Vorhauses. Die Kirche ist frei zu besichtigen.
Torhaus Das Torhaus am Markt ist das letzte vorhandene Gebäude des ehemaligen Guts Bramstedt, das gelegentlich auch als Bramstedter Schloss bezeichnet wurde. Das backsteinerne Torhaus stammt aus dem 17. Jahrhundert, im Inneren befinden sich ein barockes Treppenhaus sowie zahlreiche Stuckaturen. Das Gebäude dient heute öffentlichen Zwecken.
Sport Da Bad Bramstedt von zahlreichen Auen durchzogen ist, bietet es ein interessantes Revier für Kanufahrer, für die es zahlreiche Bootsverleihe gibt. Außerdem gibt es in Bad Bramstedt zwei Golfplätze, ein Freibad, einen Tennisplatz und den Sportverein Bramstedter Turnerschaft.
Bad Bramstedt besitzt ein gut ausgebautes Fahrradwandernetz mit über 69 Kilometer Streckenführung.
Wirtschaft und Infrastruktur mini|hochkant|Brücke über die Hudau Es gibt in Bad Bramstedt eine Rheumaklinik (Klinikum Bad Bramstedt) und eine Psychosomatische Klinik (Schön Klinik). Die Klinikareale sind von weitläufigen und frei betretbaren Parkanlagen umgeben.
Das Gewerbegebiet im Norden der Stadt umfasst mehrere große und kleine Betriebe. 2018 sollte zudem ein Gewerbegebiet Süd erschlossen werden. Neben dem Gewerbegebiet sind dazu viele Einzelhändler, Handwerksunternehmen und Finanzdienstleister in der Stadt vertreten. Die Stadt ist Unternehmenssitz von Bauxpert.
Das Stadtbild wird durch Hotels und Restaurants geprägt. Zurückzuführen ist dies auf den Schwerpunkt der Tourismusbranche in dem Luftkurort.
Verkehr Bis Bad Bramstedt verläuft die Bundesstraße 4. Im Rahmen einer neugebauten Umgehung der Bundesstraße 206 (Bad Segeberg-Itzehoe) wurden zahlreiche Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung bzw. Verlagerung umgesetzt. Der zentrale Marktplatz „Bleeck“ konnte dadurch verkehrsberuhigt umgestaltet werden. Zudem ist Bad Bramstedt nur etwa fünf Kilometer von der nächsten Auffahrt zur Bundesautobahn 7 entfernt.
Die Stadt besitzt neben dem Bahnhof Bad Bramstedt auch den Haltepunkt Bad Bramstedt „Kurhaus“. Beide Stationen werden stündlich von der Linie A2 der Eisenbahngesellschaft AKN bedient (Bahnstrecke Hamburg-Altona–Neumünster).
Die Metropolregion Hamburg plant aktuell einen Radschnellweg, der von Bad Bramstedt bis in die Hansestadt Hamburg führen soll.
Bildung Schulen mini|hochkant|Die Grundschule am Bahnhof in Bad Bramstedt Die Schullandschaft in Bad Bramstedt umfasst im Regelschulbetrieb drei Grundschulen und im Sekundarbereich das Gymnasium der Jürgen-Fuhlendorf-Schule sowie die Gemeinschaftsschule Auenland.
Ergänzend sind im Ort die Bramauschule (eine Förderschule) und ein Heilpädagogisches Kinderheim mit angegliederter Förderschule ansässig.
Bibliothek und Erwachsenenbildung Die Stadt Bad Bramstedt unterhält eine Stadtbücherei und eine Volkshochschule.
Persönlichkeiten In Bad Bramstedt geboren
Wilhelm Adolph Paulli (1719–1772), Schriftsteller und Librettist, u. a. für Telemann Barthold Jonas Beseler der Ältere (1721–1803), Kleinschmied und Glockengießer Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg (1750–1819), Bruder von „Gustchen“, Dichter, Jurist und Freund Goethes Katharina zu Stolberg-Stolberg (1751–1832), deutsch-dänische Gräfin Augusta Louise zu Stolberg-Stolberg (1753–1835), bekannt als „Gustchen“ durch ihren Briefwechsel mit Goethe Johann Friedrich Butenschoen (1764–1842), Pädagoge und Journalist Heinrich Christian Schumacher (1780–1850), Astronom, Begründer der Sternwarte in Altona Johanna Mestorf (1828–1909), erste Frau mit Professorentitel im Königreich Preußen und erste Museumsdirektorin in Deutschland Adolph Siegfried (1842–1896), Holzbildhauer Charles Looff (1852–1918), „Vater“ der Vergnügungsparks in Amerika, Erbauer vieler Karussells und des Piers von Santa Monica Emil Lindemann (1857–1923), Gemeinde- und Badearzt auf Helgoland von 1884 bis 1892 und Autor von 26 Schriften über die Insel Theodor Blinckmann (1860–1936), Lehrer und Politiker (DDP), Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft Wilhelm Wrage (1861–1942), geboren in Bissenmoor, Maler Kurt Gustav Wilckens (1886–1923), Anarchist und argentinischer Volksheld Peter Bendixen (1933–2014), Ökonom und Kulturwissenschaftler Uwe Piepgras (1933–2017), Neuroradiologe und Hochschullehrer Siegfried Liebschner (1935–2006), baptistischer Theologe Günter Struve (* 1940), ARD-Programmdirektor (1992–2008) Michael Radtke (* 1946), Journalist, Schriftsteller und Drehbuchautor Winfried Zylka (1946–2019), Politiker (CDU) Albrecht Steinecke (* 1948), Geograph, Tourismusforscher und Hochschullehrer Hartmut Dammer (1949–2019), Politiker und Landrat Arved Fuchs (* 1953), Abenteurer und Buchautor Rolf Koschorrek (1956–2020), Politiker (CDU) Hans-Jürgen Kütbach (* 1959), Politiker (FDP) Annabell Krämer (* 1971), Politikerin (FDP) Fabian Boll (* 1979), Fußballspieler und Kriminalbeamter Tim Völzke (* 1989), Handballspieler
Mit Bad Bramstedt verbunden
Joachim Behm (* 1941), Politiker (FDP); langjähriger Stadtverordneter