Die Schlacht von Adua (, Adowa, auch Adwa) vom 1. März 1896 war eine militärische Auseinandersetzung zwischen der äthiopischen Armee unter Negus Negest und Kaiser Menelik II. gegen Invasionstruppen des Königreichs Italien unter General Baratieri. Sie war die wichtigste Schlacht des Italienisch-Äthiopischen Krieges und sicherte die äthiopische Souveränität.

Vorgeschichte Nach dem Sieg bei Amba Alagi und der erfolgreichen Belagerung von Mek’elē war Kaiser Menelik II. entschlossen, den Krieg zu beenden. Trotz seiner jüngsten Erfolge war er sich durchaus bewusst, dass die Italiener in Wirklichkeit stärker waren als seine Truppen. Seine Lebensmittelvorräte gingen zur Neige, und er wusste, dass er nicht allen seinen Ras vertrauen konnte. Außerdem wagte er es nicht, Baratieri mit seinen inzwischen über 16.000 Mann in seiner befestigten Stellung bei Adagamus anzugreifen.Berkeley: The campaign of Adowa and the Rise of Menelik. Negro Universities Press, New York 1969, S. 219.

Am 7. Januar schrieb der italienische Ministerpräsident Francesco Crispi in einem Brief an Baratieri:

Obwohl Menelik II. einen Brief an den italienischen König geschickt hatte, in dem er um Frieden bat, wurden die Niederlagen in Italien als schwerer Schlag für die koloniale Expansion des Landes angesehen. Daher wollten sowohl die Öffentlichkeit als auch die Regierung Rache nehmen.Berkeley: 1969, S. 217, 227. Baratieri war jedoch recht pessimistisch, was die Frage betraf, ob und wie der Sieg errungen werden konnte. Ein Angriff wäre äußerst gefährlich, da die äthiopischen Streitkräfte ihm zahlenmäßig fünf oder sechs zu eins überlegen waren. Ende Januar verfügte Baratieri über eine Streitmacht von etwa 20.000 Mann und sechsundfünfzig Geschützen. Trotz seiner kurzen Nachschublinie von nur 180 Kilometern fehlte es ihm jedoch an Kamelen, Maultieren und Eseln. Ende Februar 1896 gingen die Vorräte auf beiden Seiten zur Neige. General Baratieri wusste, dass die äthiopischen Streitkräfte, die von den Vorräten der örtlichen Bauern abhängig waren, bald keine effiziente Streitmacht mehr sein würden, sobald ihre Quellen versiegten. Die italienische Regierung bestand jedoch darauf, dass General Baratieri handelte.Pakenham: The Scramble for Africa, 1876-1912. Jonathan Ball, Johannesburg 1990, S. 477f.

Auftakt Am 28. Februar hielt Baratieri einen Kriegsrat ab, in dem er seine Offiziere vor die Wahl zwischen Rückzug oder Angriff stellte. Auf Grund des massiven Drucks aus RomBaratieri war am gleichen Tag, ohne jedoch davon zu wissen, von General Baldissera ersetzt worden. war sich Baratieri mit seinen Untergebenen einig, am nächsten Tag auf Adua vorzurücken. Am 29. Februar konnte auch Menelik nicht länger warten. Seine Vorräte waren fast erschöpft und er beschloss, dass ein kleiner Sieg besser wäre als gar keiner. Er kündigte an, dass er am nächsten Tag seine Armee um die Italiener herum und nach Norden in die Provinz Hamacen führen würde. Offenbar beabsichtigte er, das Land zu verwüsten und vielleicht Asmara anzugreifen, bevor er sich zurückzog. Etwa 11 km östlich von Adua und weniger als 6,5 km vom äthiopischen Feldlager im Tal von Mariam Shavitu entfernt erstreckt sich eine Reihe hoher Berge, die durch enge Täler voneinander getrennt sind: Im Norden der Berg Eshasho, der Rebbi Arienni und der Berg Raio, im Südwesten der Berg Belah und im Süden der Berg Kaulos und der Berg Semaiata. Einige Kilometer weiter westlich befindet sich eine weitere Reihe von Erhebungen: Der Nasraui, der Gusoso und der Enda Kidane. Diese blicken sowohl nach Norden als auch nach Westen in das hakenförmige Tal von Mariam Shavitu und nach Südwesten in Richtung der Stadt Adua hinunter. Baratieri beschloss, nach Westen zu diesen beiden Gebirgsketten vorzustoßen und Adua zu bedrohen, in der Hoffnung, Menelik würde darauf reagieren. Die italienische Stellung würde zwar nicht so stark sein wie bei Sauria, aber die Berge sollten den Italienern dennoch Schutz vor Flankenbewegungen bieten. Für Baratieri war es allerdings mit Schwierigkeiten verbunden, seine Truppen zu den vorgesehenen Zielen zu bringen. Seine Männer mussten in drei getrennten Kolonnen durch die Nacht marschieren und vor Sonnenaufgang in Stellung gehen, um eine Überraschung zu erzielen. Baratieris Karten waren lückenhaft und ungenau, und seine einheimischen Späher waren mit dem Gelände nicht so vertraut, wie sie behaupteten, während einige von ihnen in Wirklichkeit Spione für Menelik waren. Menelik kannte zwar die Zahl der Italiener genau, aber seine Informanten hatten keine Zeit, den italienischen Vorstoß zu melden. Die italienischen Truppen setzten sich am Abend des 29. Februar um 21:00 Uhr in Marsch. Die Generäle Albertone, Arimondi und Dabormida führten drei getrennte Kolonnen an, während General Ellena Arimondi als Nachhut und Reserve folgte. Ihr erstes Ziel war Rebbi Arienni, ein Teil der östlichen Gebirgskette, die etwas mehr als 11 km vor Adua liegt. Baratieri beabsichtigte, in dieser ersten Höhenlinie zu kämpfen und, wenn alles gut verlief, zu den westlichen Hügeln in Sichtweite der Stadt vorzustoßen. Das Wetter war zwar gut, aber der Nachtmarsch war schwierig.

Das Gelände in dieser Region war und ist äußerst unwegsam, überall erheben sich steile, zum Teil schroffe Berge und Hügel, die von engen Tälern und Bächen durchzogen sind. Zu dieser Zeit gab es noch keine Straßen, und die Soldaten mussten schmale, gewundene Fußpfade nehmen. Die italienischen Kolonnen gerieten zwangsläufig durcheinander und Arimondi musste mehr als eine Stunde lang anhalten, da Albertones Truppen denselben Weg genommen hatten und nun an ihm vorbeizogen. Erschwerend kam hinzu, dass sich General Albertone an einer vollkommen anderen Position befand als von Baratieri beabsichtigt. Baratieri wollte, dass Albertone einen flachen Hügel, von dem er annahm, es handle sich um Kidane Meret, südlich der linken Flanke des Berges Belah besetzte, der die vorderste Stellung der Armee bilden sollte. Tatsächlich jedoch befand sich Kidane Meret sechs Kilometer weiter. Nachdem Albertone etwa eine Stunde gewartet hatte und Arimondi nicht wie erwartet zu seiner Rechten auftauchte, begann er seine Führer zu konsultieren. Diese beharrten darauf, dass sie Kidane Meret noch nicht erreicht hatten. Albertone folgte ihrem Rat und ließ seine Männer weiter marschieren. Als er anhielt, befand er sich weit südwestlich isoliert vom Rest der Armee.Berkeley: 1969, S. 273–277.McLachlan: Armies of the Adowa Campaign 1896. Osprey, Oxford 2011, S. 13ff.

Aufstellung In der Zwischenzeit gingen die beiden anderen Kolonnen langsam in die ihnen zugewiesenen Stellungen in der östlichen Gebirgskette. Die Brigade von Dabormida traf am 1. März um 5:15 Uhr in Rebbi Arienni ein. Fünfzehn Minuten später begann Arimondi, den östlichen Abhang dieser Höhe zu besetzen und seine Linie bis zum Berg Raio auszudehnen, um so das italienische Zentrum zu bilden. Die Reservekolonne von Ellena wurde dicht hinter Dabormida in der Senke von Gundapta zusammengezogen. In der Zwischenzeit verließ Meneliks Armee ihre Verteidigungsstellung, um die Italiener einzukesseln. Auf der äußersten rechten Seite, südlich von Adua, standen die Truppen von Gojjam unter König Tecla Aimanot mit ihrer Kavallerie an der Spitze. In Adua befanden sich die Harraresse unter Ras Makonnen. Zu seiner Linken befand sich Ras Mikael mit seinen berittenen Wolo-Galla-Schützen, die sich entlang der südlichen und südwestlichen Hänge des Shelloda (Selado) aufstellten. Nördlich dieses Berges befanden sich die Tigréaner unter Ras Mangasha, und ganz links, bis zum Adi Abuna, standen die Truppen von Ras Alula. Ras Olié, Wagshum Guangul und Menelik standen hinter Adua und bildeten die Reserve.Berkeley: 1969, S. 279ff.

Die Schlacht Die äthiopischen Einheiten, die Albertones vorgeschobener Position an den Hängen des Hügels von Enda Kidane Meret am nächsten waren, begannen etwa um 6:00 Uhr morgens mit dem Angriff. Nach kurzer Zeit war ein großer Teil der äthiopischen Armee gegen Albertones isolierte Brigade konzentriert. Die erste seiner Einheiten, die unter Beschuss geriet, war das 1. Einheimischen-Bataillon, das sich zu weit von Albertones Hauptverband entfernt hatte. Noch immer in Unkenntnis der gefährlichen Lage, in die Albertone seine Brigade gebracht hatte, verbrachte General Baratieri eine ganze Stunde damit, das Gelände, auf dem er zu kämpfen gedachte, zu überprüfen und sich auf einen äthiopischen Vorstoß vorzubereiten. Er hörte in der Ferne Schüsse, ging aber davon aus, dass es sich nur um ein Scharmützel mit einigen Spähern handelte. Um 6:45 Uhr wies Baratieri Dabormida an, von Rebbi Arienni bis zum Sporn von Belah vorzurücken, um Albertone, den er am falschen Kidane Meret oder höchstens ein Stück davor vermutete, zu unterstützen. Nachdem Dabormida jedoch seine 2. Brigade bis zu einem Punkt westlich des Sporns gebracht und festgestellt hatte, dass Albertone viel weiter entfernt war als angenommen, rückte er sehr langsam und über schwieriges Gelände weiter nach Westen vor. Die Beschaffenheit des Geländes führte Dabormida so weit nach rechts, dass er im west-östlichen Arm des Mariam-Shavitu-Tals landete, ungefähr in einer Linie mit Albertone, aber etwa 5 Kilometer nördlich von ihm. Erschwerend kam hinzu, dass Arimondis 1. Bataillon bei der Annäherung an Rebbi Arienni hinter Dabormida stecken geblieben war, so dass er erst mit Verspätung alle seine Männer im Zentrum in Stellung bringen konnte. Die drei vorgeschobenen italienischen Brigaden waren nun vollständig getrennt.

Um 8:15 Uhr lichtete sich der Morgennebel und General Baratieri stieg einen Teil des Eshasho hinauf, um die Lage zu überblicken. Er konnte sehen, dass Albertone eingekesselt war und dass sich keine der anderen Einheiten nahe genug befand, um ihn zu unterstützen. Aus unerklärlichen Gründen meldete Dabormida eine Stunde später, dass er „Albertone die Hand reiche“; diese außerordentlich ungenaue Formulierung ließ Baratieri annehmen, dass Dabormida zumindest im Begriff war, sich mit Albertone zu verbinden – was aber nicht der Fall war. Albertones vorgeschobenes Einheimischen-Bataillon lieferte sich von etwa 7:30 Uhr bis 8:30 Uhr schwere Kämpfe, während der Rest der Brigade auf den Hügeln nordöstlich von Enda Kidane zurückgehalten wurde. Die italienische Artillerie verursachte schwere Verluste, doch als sich das Einheimischen-Bataillon zurückzog, stürmten die Äthiopier vor und trieben die Italiener in panischer Flucht vor sich her. Albertones restliche Einheiten konnte den Angriff der Äthiopier zwar stoppen, aber zu diesem Zeitpunkt hatten etwa 18.000 von ihnen begonnen, die gesamte Brigade in einer Halbmondformation einzukesseln.