Die Stadt Kalkar liegt am unteren Niederrhein im Nordwesten von Nordrhein-Westfalen und ist eine kreisangehörige Stadt des Kreises Kleve im Regierungsbezirk Düsseldorf. Sie ist Mitglied der Euregio Rhein-Waal. Eine frühere Schreibweise, gültig bis zum 9. Juni 1936, war Calcar.Statistik des Deutschen Reichs. Band 450: Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich. Teil I, Berlin 1939; S. 267; zunächst wurde nach dieser Quelle die neue Schreibweise Kalcar eingeführt, am 8. Juli 1936 dann jedoch erneut in die heutige geändert; die Schreibweise Calcar ist noch heute vereinzelt als Eigenname von Institutionen anzutreffen.

Kalkar, das 1230 gegründet wurde und vermutlich 1242 Stadtrechte erhielt, zeichnet sich insbesondere durch ein mittelalterlich geprägtes Stadtbild aus.

Geografie Von Eiszeit und Rhein geprägte Landschaft In der vorletzten Eiszeit (Saaleeiszeit) drangen Gletscher bis an den Niederrhein vor. Hier schoben sie Ablagerungen des Rheins zu Stauchmoränen auf. Zu ihnen gehört der Niederrheinische Höhenzug im Westen des Kalkarer Stadtgebiets. Der Rhein wurde von der Eisfront nach Südwesten abgedrängt.

Während der letzten Eiszeit (Weichseleiszeit) hat das Eis das Niederrheingebiet hingegen nicht mehr erreicht. Es herrschte ein Klima wie in einer Tundra.

Nach dem Rückzug der Gletscher verlagerte sich der Rhein allmählich nach Nordosten. Östlich der Stauchmoränenkette bildete er aufgrund des geringen Gefälles in der heutigen Rheinniederung ein stark verästeltes, seichtes Gewässernetz mit zahlreichen flachen Inseln. Aus aufgewehtem Sand entstanden im Holozän, das vor etwa 11.500 Jahren begann, die Dünen im Gebiet des heutigen Ortsteils Wissel.

Der Lauf des Rheins änderte sich bis in die Neuzeit fortwährend. Die Bildung von Flussschlingen lässt sich besonders deutlich rund um den Kalkarer Ortsteil Grieth verfolgen. So floss der Rhein noch im Mittelalter zeitweilig in weitem Bogen östlich um Grieth herum. Zwischen Grieth und der heute rechtsrheinischen Ortschaft Grietherort bestand eine Landbrücke. Altrheinarme zeugen auch im Kalkarer Stadtgebiet von früheren Rheinschlingen, zum Beispiel das Boetzelaerer Meer in Appeldorn und die Kalflack im Bereich von Bylerward und Emmericher Eyland.

Über die Landschaftsentwicklung im Niederrheingebiet informiert das Naturschutzzentrum im Kreis Kleve.

Stadtgebiet mini|Marktplatz im Zentrum von Kalkar

Das Stadtgebiet von rund 88 Quadratkilometern erstreckt sich weitgehend in der Rheinniederung zwischen dem Niederrheinischen Höhenzug und dem etwa fünf bis acht Kilometer östlich fließenden Rhein. Der Höhenzug erreicht im Südwesten des Stadtgebietes mit dem Monreberg eine Höhe von rund 68 Metern. Auf dem Höhenzug liegen nur der Ortsteil Neulouisendorf (342 Einwohner) und Teile von Altkalkar.

Die Ortskerne von Altkalkar und das mittelalterlich geprägte Kalkar, deren Bebauungsflächen ineinander übergehen, sind dem Monreberg in der Rheinniederung nördlich vorgelagert. Von den insgesamt 14.069 Einwohnern der Stadt Kalkar lebte Ende 2018 knapp die Hälfte in Altkalkar (4449 Einwohner) und Kalkar (1990 Einwohner) sowie dem wenig östlich liegenden Hanselaer (121 Einwohner).

Abgesehen von Kehrum (482 Einwohner) und Appeldorn (1546 Einwohner) im Süden und Südosten des Stadtgebietes liegen die übrigen Ortsteile am Rhein, der das Stadtgebiet nach Nordosten begrenzt.

Stromabwärts gehören zu Kalkar: gegenüber von Rees: Niedermörmter (1147 Einwohner), Hönnepel (903 Einwohner), Wisselward (42 Einwohner), etwas landeinwärts: Wissel (2061 Einwohner), direkt am Rhein die früher selbständige Stadt Grieth am Rhein (823 Einwohner), Bylerward (50 Einwohner) und im äußersten Norden Emmericher Eyland (113 Einwohner) gegenüber von Emmerich.

In Emmericher Eyland mündet die Kalflack in den Rhein. Ihr Verlauf bildet nördlich von Kalkar weitgehend die westliche Grenze des Kalkarer Stadtgebietes. Noch im 19. Jahrhundert wurde die Kalflack bei ausreichend hohem Wasserstand als Schifffahrtsweg zum rund 10 Kilometer südlich gelegenen Kalkar genutzt („Kalkarsche Fahrt“).

Nachbargemeinden Die Stadt Kalkar grenzt im Norden an die Stadt Emmerich am Rhein, im Osten an die Stadt Rees, im Süden an die Stadt Xanten (Kreis Wesel) und die Gemeinde Uedem sowie im Westen an die Stadt Kleve und die Gemeinde Bedburg-Hau.

Geschichte Überblick Die Geschichte Kalkars ist seit dem frühen Mittelalter eng mit der Geschichte Kleves verbunden. Kalkar wurde nicht nur von Graf Dietrich VI. von Kleve 1230 gegründet. Es gehörte bis zum Aussterben der Herzöge von Kleve als eine der sieben „Hauptstädte“ des Herzogtums Kleve immer zu Kleve. Nach dem Tod des letzten Herzogs von Kleve im Jahr 1609 fiel Kalkar mit Kleve an Brandenburg. Unter preußischer Herrschaft blieb es mit Kleve bis zur Auflösung des Staates Preußen und der Gründung des Landes Nordrhein-Westfalen nach dem Zweiten Weltkrieg. Unterbrochen wurde diese Zeit nur von 1794 bis 1814, als französische Truppen das Rheinland besetzt hielten.

Römisches Reiterkastell am Monreberg

Die Geschichte der Römer am Niederrhein zeigt sich höchst anschaulich im Archäologischen Park Xanten – rund 15 Kilometer südlich von Kalkar. Aber auch in Kalkar wurden Spuren römischer Besiedlung gefunden. Unmittelbar südlich des Monreberges, wo heute die Bundesstraße 57 von Xanten her kommend auf den Höhenzug trifft, war um 40 nach Christus eine Reitereinheit von rund 480 Mann im römischen Hilfstruppenkastell Burginatium stationiert. Es war Teil des römischen Grenzsicherungssystems entlang des linken Rheinufers zwischen den großen Legionslagern in Xanten und Nijmegen (Niedergermanischer Limes). Das Kastell mit einer umliegenden Siedlung wurde für die ersten vier Jahrhunderte nachgewiesen.

Burg auf dem Monreberg

Auf dem Monreberg wurde um die Mitte des 10. Jahrhunderts die Burg Munna errichtet, aber schon bald nach der Jahrtausendwende wieder zerstört. Graf Dietrich VI. von Kleve ließ eine neue Burg errichten, die erstmals in einer Urkunde aus dem Jahr 1265 erwähnt wird. Zwischenzeitlich wiederholt zerstört diente die Burg im 14. und 15. Jahrhundert als Witwensitz für die Gräfinnen und Herzoginnen von Kleve. Nach mehrmaliger Eroberung im Dreißigjährigen Krieg wurde sie um 1650 abgebrochen. Eine Abbildung der Burg findet sich im Städtebuch von Braun und Hogenberg.

Gründung Kalkars 1230 Kalkar wurde von Graf Dietrich VI. von Kleve am 20. Oktober 1230 auf einer Ward, einer am nördlichen Fuß des Monreberges vom Rhein angeschwemmten Sandbank, gegründet. Es ist keine in vielen Jahrhunderten gewachsene Siedlung, sondern eine von Anfang an planmäßig angelegte Stadt.

Die von sumpfigem Gelände umgebene ovale Sandbank – rund 1 Kilometer lang und in der Mitte rund 400 Meter breit – ließ sich leicht mit Wassergräben umziehen und so gut verteidigen. Das war wohl ausschlaggebend, an dieser Stelle eine neue Stadt zu gründen. Die bereits vorhandene Siedlung im nur wenige hundert Meter westlich liegenden heutigen Altkalkar bot nicht so günstige Verteidigungsmöglichkeiten.

Planmäßige Stadtentwicklung Der Vogelschauplan aus Braun und Hogenbergs Städtebuch von 1575 zeigt, wie die Sandbank Kalkarward im Mittelalter mit einem Gitter sich fast rechtwinklig kreuzender Straßen erschlossen wurde. Seither hatte sich die Einwohnerzahl von rund 5000 auf gut 2000 verringert. Die Straßenführung veränderte sich bis heute aber kaum.

Zunächst wurde nur die westliche, etwas höher gelegene und so weniger durch Hochwasser gefährdete Hälfte der Kalkarward besiedelt (auf dem Vogelschauplan ist sie oben gezeichnet.)

Man konnte – wie heute noch – nur an vier Stellen in die Stadt gelangen. Von den Toren im Norden und Süden wurden zwei lange Hauptstraßen mitten durch die westliche Hälfte der Kalkarward zum zentral gelegenen großen Marktplatz geführt – die Kessel- und die Monrestraße. Sie wurden durch jeweils zwei schmale Stegen mit den rings um die Stadt führenden Wallstraßen verbunden. Von Westen mündete die kürzere Altkalkarer Straße in den Markt.

So entstanden fast rechteckige Stadtviertel. Entlang der Haupt- und Wallstraßen erhielten die Siedler etwa gleich breite Grundstücke, meist mit genügend Platz für einen Garten an der Rückseite der Häuser.

Die östliche Siedlungsgrenze bildete zunächst der Bach Monne. Er verlief in der Mitte der Kalkarward in einem Graben, der heutigen Grabenstraße, vom Monretor im Süden an der Rückseite des Rathauses vorbei zum Kesseltor im Norden.

Im Jahr 1242 bekam Kalkar Stadtrechte. Das zog neue Siedler an. Sie wussten die Rechte als Bürger einer Stadt zu schätzen und konnten sich Privilegien sichern („Stadtluft macht frei“). Die Bevölkerung wuchs rasch. Ab etwa 1380 wurde begonnen, auch die östliche Hälfte der Kalkarward zu besiedeln. Vom Marktplatz aus wurde in Richtung Hanselaer die Hanselaerstraße vorgetrieben und über die Hohestraße mit dem Monretor im Süden verbunden. mini|Kalkar um 1575 Das mittelalterliche Kalkar war ringsum mit Wassergräben umzogen. Sie sind noch heute vorhanden: im Westen der Stadtgraben, im Osten der Leybach. Im 14. und 15. Jahrhundert wurde die Stadt zusätzlich mit Mauern und Türmen befestigt. An den vier Straßen, die aus der Stadt hinausführen, wurden Tore errichtet. Sie sind auf der Ansicht der Stadt Kalkar in Braun und Hogenbergs Städtebuch von 1575 gut zu erkennen.

mini|Ehemaliges Hanselaertor im Jahr 1758 Das Monretor im Süden der Stadt war ein sogenanntes Doppeltor, ähnlich dem gut erhaltenen Klever Tor in Xanten. Auf der Stadtseite stand ein quadratischer fünfstöckiger Innentorturm. Stadtauswärts war ihm ein Tor mit zwei runden Türmen vorgelagert. Das Hanselaertor im Osten war eine noch imposantere Doppeltoranlage. Hier hatten beide Tore jeweils zwei runde Türme, auf der Stadtseite mit sieben, auf Hanselaer zu mit fünf Stockwerken. Die beiden Türme auf der Stadtseite waren durch einen sechsstöckigen Torbau miteinander verbunden, ähnlich der Eigelsteintorburg in Köln. Weniger aufwändig waren das Kesseltor im Norden, ein sechsstöckiger quadratischer Torturm mit spitzem Zeltdach und Wehrerkern, und das Altkalkarer Tor im Westen, ein Torturm mit fünf Etagen und flachem Zeltdach.

Keines der Tore blieb erhalten. Das Hanselaertor wurde 1770 bis auf einen Bogen abgebrochen, der Rest 1828 abgetragen. Seine Steine wurden für den Bau einer nahen Turmwindmühle genutzt. Sie wurde zunächst als Lohmühle genutzt, in der Eichenrinde für das Gerben von Leder gemahlen wurde. Um 1800 von Gerhard van der Grinden übernommen, diente sie über 100 Jahre lang als Kornmühle. Ein Getreidespeicher und ein Wohnhaus gehörten dazu. 1910 wurde es vom letzten gewerblichen Müller Heinrich Rötten im Stil der Neugotik ausgebaut. Die Mühlenanlage wurde in den 1990er Jahren vollständig restauriert.

In unmittelbarer Umgebung der Stadt gab es viele weitere Mühlen. Rund 200 Meter vor dem Kesseltor steht auf einem aufgeschütteten Hügel noch der Stumpf einer Turmwindmühle, die sogenannte Alte Mühle. In der Nähe gab es auch eine Bockwindmühle, wie die Ansicht der Stadt Kalkar in Braun und Hogenbergs Städtebuch von 1575 zeigt.

Reste der mittelalterlichen Stadtmauer mit dem 1440 errichteten sogenannten Taubenturm gibt es nur noch im Norden der Stadt am Kesseltor. An anderen Stellen wurde sie rekonstruiert. Taubenturm, abgeleitet aus Duveturm, ist allerdings eine irreführende Bezeichnung. Eigentlich müsste er Diebesturm, abgeleitet aus Duiventörm, heißen, diente er doch zeitweilig als Gefängnis. Aus dem Mittelalter stammt allerdings nur noch der untere runde Teil des Turms. Der obere sechseckige Teil mit der geschweiften Schieferhaube dürfte vom Beginn des 18. Jahrhunderts stammen.; Kalkar, nördliche Stadtmauer mit Taubenturm

Rascher wirtschaftlicher Aufschwung