mini|Georgische Ikone des Heiligen Georg Die Geschichte Georgiens umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet der Republik Georgien und historischer georgischer Reiche von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Sie kann sich seit dem Mittelalter auf Schriftquellen stützen, frühere Perioden sind vor allem durch archäologische Funde bekannt. mini|Wappen Georgiens

Urgeschichte Steinzeit mini|Schädel 3 der Homininen Fossilien von Dmanissi Älteste menschliche Reste der Gattung Homo erectus stammen aus dem georgischen Ort Dmanissi. Die Homininen Fossilien von Dmanissi spielen eine wichtige Rolle bei der Rekonstruktion der Stammesgeschichte des Menschen.

Die ältesten Siedlungen in Georgien werden in die mittlere Altsteinzeit, das Acheuléen, datiert. Die Fundstellen liegen meist nahe der Küste und an den Flüssen. Eine der größten Fundstellen befindet sich in Jaschtchwa nördlich von Sochumi. Dieser Ort war bis in die Jungsteinzeit besiedelt. Zum Ende des Acheuléen begann die Besiedlung der Gebirgsregionen, so zum Beispiel in den Höhlen von Kudaro nahe dem Dorf Tschasawali in einer Höhe von 1600 m. Einige dieser Siedlungsplätze wurden bis in die frühe Bronzezeit genutzt. Die Menschen lebten als Jäger und Sammler und verfügten über einfache Werkzeuge, meist aus Andesit, Jaspis, Chalzedon, Feuerstein und Basalt angefertigt.Heinz Fähnrich: Geschichte Georgiens von den Anfängen bis zur Mongolenherrschaft. Shaker, Aachen 1993, ISBN 3-86111-683-9, S. 14 ff.

Auf das Acheuléen folgte mit dem Neandertaler das Moustérien bis etwa 40.000 v. Chr. Die Besiedlung war dichter und erstreckte sich über fast alle Teile des Landes. Schwerpunkte lagen an der Schwarzmeerküste, im Rioni-Qwirila-Becken und in den Tälern von Ksani, Liachwi und Prone. Die Neandertaler lebten weiterhin als Jäger und Sammler, doch waren die Werkzeuge durch die Levalloistechnik feiner bearbeitet, Obsidian kam als Material hinzu und die erste Nutzung von Feuer ist für diese Zeit belegt. Nach dem Moustérien nahm wegen des kühleren Klimas die Bevölkerungsdichte ab und nur die Schwarzmeerküste und das Rioni-Qwirila-Becken blieben dicht besiedelt. In dieser Zeit entwickelten sich weitere Werkzeuge, darunter auch Pfeil und Bogen, wie Funde in der Sakaschia-Höhle bei Kutaissi belegen. Auch die Zahl der Schmuckfunde steigt an.

Ab 40.000 v. Chr., im Jungpaläolithikum, tritt der Cro-Magnon-Mensch in der Region das erste Mal auf. Ein wichtiger Fundort dieser Epoche ist die Dsudsuana-Höhle, in der unter anderem die ältesten bekannten gefärbten Flachsfasern sowie verschiedene jungpaläolithische Kunstgegenstände gefunden wurden.Ofer Bar-Yosef, Anna Belfer-Cohen, Tengiz Mesheviliani, Nino Jakeli, Guy Bar-Oz, Elisabetta Boaretto, Paul Goldberg, Eliso Kvavadze, Zinovi Matskevich: Dzudzuana: an Upper Palaeolithic cave site in the Caucasus foothills (Georgia). In: Antiquity. Band 85, Nummer 328, S. 331–349, DOI:10.1017/S0003598X0006779X; Eliso Kvavadze, Ofer Bar-Yosef, Anna Belfer-Cohen, Elisabetta Boaretto, Nino Jakeli, Zinovi Matskevich, Tengiz Meshveliani: 30,000-Year-Old Wild Flax Fibers. In: Science. Band 325, 2009, Artikel 1359, DOI:10.1126/science.1175404.

Ab 12.000 v. Chr., in der Mittelsteinzeit, wurden auch die höher gelegenen Teile Georgiens wieder besiedelt. Die Menschen werden sesshafter und der Fischfang verbreitet sich. Aufgrund der Nähe zum Fruchtbaren Halbmond erreichte die Neolithische Revolution Georgien recht früh, sodass sich dort die Sesshaftigkeit etablierte und die Jungsteinzeit (Neolithikum) begann. In dieser Epoche (8. bis 5. Jahrtausend v. Chr.) entwickelte sich in Georgien wie in den südlich angrenzenden Gebieten Ackerbau und Viehzucht sowie die Keramikherstellung. Neben neuen Fertigungsmethoden fanden sich mit Dolomit, Diorit, Nephrit und Jadeit auch neue Materialien. Die ersten Siedlungen bestanden vermutlich aus Holzhäusern, die Fundorte liegen vor allem in Westgeorgien. Aruchlo stellt eine der bisher ältesten bekannten neolithischen Siedlungen dar. open-berlin.de Ebenfalls in der Jungsteinzeit beginnt die Geschichte des Weinbaus in Georgien, dessen früheste Funde aus der Zeit um 6000 v. Chr. stammen und die ältesten bekannten Nachweise von Weinbau weltweit darstellen.Patrick McGovern u. a.: Early Neolithic wine of Georgia in the South Caucasus. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America. Band 114, Nummer 48, DOI:10.1073/pnas.17147281.

Kupfer-, Bronze- und Eisenzeit mini|Kleine goldene Löwenskulptur aus einem Grabhügel (Kurgan) der frühbronzezeitlichen Kura-Araxes-Kultur bei Znori Ab dem 5. Jahrtausend v. Chr. verbreitete sich in Georgien die Metallverarbeitung, zunächst in Westgeorgien. Im 4. Jahrtausend entwickelte sich mit Ausnahme Westgeorgiens die Kura-Araxes-Kultur. Die Landwirtschaft setzte sich gegenüber der Jagd endgültig durch. In Niederkartlien begann die künstliche Bewässerung, angebaut wurden vor allem Hirse, Gerste und Weizen. Es wurden vor allem Rinder, seltener auch Schafe, gehalten. Reste von Siedlungen wurden unter anderem in Sagwardschile, Samele Klde, Samerzchle Klde und Tetramiza gefunden. Die Häuser bestanden aus Stampflehm. Die ostgeorgischen Siedlungen, darunter Imiris-Gora, Chisaantgora, Didube, Nazargora, Imiri und Schulaweri, liegen teilweise über 1000 m hoch. Sie waren auf Hügeln errichtet, die Häuser hatten einen ovalen Grundriss. Keramikfunde weisen auf einen Handel mit den südlicheren Regionen bis zum Vansee hin.

mini|Silberbecher der mittelbronzezeitlichen Trialeti-Kultur mit Darstellung einer religiösen Prozession im oberen Register und von Hirschkühen im unteren Register, gefunden in Trialeti Zu Beginn des 2. Jahrtausends, in der mittleren Bronzezeit, entwickelte sich in Ostgeorgien die Trialeti-Kultur. Die Siedlungen verlagerten sich in das Bergland, viele Siedlungen der Kura-Araxes-Kultur wurden aufgegeben. Der Ackerbau wurde durch Viehzucht ersetzt, möglicherweise durch nomadische Einwanderer. Das Handwerk erreichte in dieser Zeit eine erste Blüte. Es wurden vor allem Kurgane, die Grabhügel gefunden, Siedlungen jedoch nicht. In Westgeorgien blieb die Kultur der frühen Bronzezeit mit Ackerbau und Siedlungen in den Niederungen erhalten, jedoch nahm auch hier die Viehzucht zu. Hier wurde das Bergland stärker besiedelt, Kontakte zur Trialeti-Kultur gab es jedoch kaum. Seit Mitte des 2. Jahrtausends war das Pferd in Georgien bekannt, zu Ende des Jahrtausends war es bereits weit verbreitet und wurde wirtschaftlich wie militärisch genutzt.

Ab Ende des 2. Jahrtausends nahm die Bevölkerung zu und Metallurgie und Ackerbau entwickelten sich weiter. Zinn wurde aus benachbarten Regionen im Iran oder Kleinasien importiert. Etwa ab dem 12. Jahrhundert v. Chr. begann in Innerkartlien die Eisenverarbeitung. Bis 800 v. Chr. setzte sich das Eisen gegen die Bronze durch. Zugleich entwickelte sich die Verwendung von Schwertern. Mit der wirtschaftlichen Entwicklung entstanden größerer Wohlstand und größere besitzmäßige Unterschiede. Auch für Ostgeorgien gibt es für diese Zeit Funde von Dörfern und befestigten Siedlungen. In ihnen fanden sich häufig Kultstätten. Im Westen Georgiens entwickelte sich die Kolchis-Kultur, die sich bis nach Ostanatolien, in Teile Nordkaukasiens und nach Innerkartlien verbreitete. In ihr waren die Gebäude meist aus Holz, nur in den Bergen auch aus Stein, und der Ackerbau die ökonomische Grundlage. Im Handwerk entwickelten sich vor allem Textilherstellung und Töpferei. Metallurgische Zentren lagen bei Ghebi und im Tschorochi-Becken. Die Wirkung dieser Kultur auf die Griechen ist in die Argonautensage eingeflossen. Schließlich entwickelte sich in Ostgeorgien eine eigene Kultur und drängte die kolchische zurück.

Antike mini|hochkant=1.5|Kaukasus mit Iberien 250 n. Chr. Im 13. Jahrhundert v. Chr. entstand – Heinz Fähnrich zufolge – das Königreich Diaochi aus einer Vereinigung verschiedener kartwelischer Stämme. Er fasst darin die Überlieferungen zu den Ländern Daiaeni (ca. 12. – 9. Jahrhundert v. Chr.) und Diaueḫe (8. Jahrhundert v. Chr.) zusammen, deren Gleichsetzung wie auch ihre Lokalisierung jedoch sehr umstritten sind. Diaochi sei eines der stärksten Schwarzmeerländer gewesen und habe bis zur Mitte des 8. Jahrhunderts v. Chr. bestanden. Danach wurde es beziehungsweise Diaueḫe von Urartu erobert, Teile gingen laut Fähnrich im Land Qulḫa auf, das sich ab dem 11. Jahrhundert in der Kolchis gebildet haben soll, jedoch ist auch dessen Lage umstritten.Charles Burney: Die Bergvölker Vorderasiens. Essen 1975, 274 Später entstanden neue Staaten, darunter vielleicht das Reich Gamirru der Kimmerer und im 7. und 6. Jahrhundert v. Chr. das Reich Speri im Südwesten.

Im 6. Jahrhundert v. Chr. bildete sich im Westen des heutigen Georgien der Staat Kolchis. Im 4. Jahrhundert v. Chr. entstand im gebirgigen Osten das Land Iberien. Es wurde auch Kartlien genannt, weil sich die Iberier Kartweli nannten. Die Länder waren durch das Lichi-Gebirge getrennt. Beide Staaten pflegten enge wirtschaftliche Verbindungen zu Griechenland, Parthien und dem Achämenidenreich. Im Kaukasusgebirge wurden Gold, Silber, Kupfer und Eisen gewonnen. Georgische Handwerker schmiedeten daraus die Schwerter. Nach der Argonautensage raubten Iason und die Argonauten das Goldene Vlies aus Kolchis.

mini|links|hochkant|Nike-Statue aus Kolchis, gefunden in Vani, Georgien Als Alexander der Große nach 333 v. Chr. Persien eroberte, wurden Kolchis und Iberien unabhängig. In der Zeit der Diadochenkriege wurden sie von dem pontischen Feldherrn Ason erobert, der eine Schreckensherrschaft errichtete. Iberien befreite sich mit Hilfe Parnawas von Ason und errichtete die Dynastie der Parnawasiden. Georgien war bis auf Kolchis, das mit Iberien freundschaftlich verbunden war, vereint und pflegte gute Beziehungen zu dem Diadochen Seleukos.

In den mithridatischen Kriegen standen Kolchis als Provinz und Iberien als Vasall auf Seiten von Pontos und somit gegen Rom. 66 v. Chr. eroberte der römische Feldherr Pompeius nach dem Sieg über Pontos auch Iberien und Kolchis. Sie wurden zu römischen Vasallen. Im 1. Jahrhundert zerfiel Kolchis. Es bildete sich der Nachfolgestaat Lasika. Zwischen 189 und 284 herrschte in Iberien eine Seitenlinie der parthischen Arsakiden namens Aršakiani. Sie wurde dann von den ebenfalls iranischstämmigen Chosroiden abgelöst.

mini|Mirian III. auf einem Wandbild in der Swetizchoweli-Kathedrale 337 konvertierte Georgien als einer der ersten Staaten der Welt zum Christentum. König Mirian III. von Iberien aus dem Geschlecht der Chosroiden führte das Christentum als offizielle Staatsreligion ein. Am 17. Januar 395 wurde die südwestliche Kolchis Teil des Oströmischen Reiches. Ab 591 galt das oströmische Glaubensbekenntnis. Im 4. oder 5. Jahrhundert scheint das georgische Alphabet entstanden zu sein, das erstmalig vollständig in der Dawati-Stele aus der heutigen Munizipalität Duscheti erhalten ist.

Iberien wurde im 3. Jahrhundert erstmals persischer Vasallenstaat. Danach wechselte es häufig die Seiten, um seine Existenz zu erhalten. Im 6. Jahrhundert war es persische Provinz, erlangte jedoch 591 in der Regierungszeit von Fürst Stephan I. (590–607) seine volle politische Autonomie wieder, da der persische Großkönig Chosrau II. Armenien an das oströmische Reich abtreten musste und somit den Zugang zu Iberien verlor (siehe auch Römisch-Persische Kriege). Danach orientierte sich Iberien außenpolitisch an Byzanz.