miniatur|Das Titelbild des Feldbuches, der Ausgabe Bey Hans Schotten zům Thyergarten, Straßburg , im Bestand der U.S. National Library of Medicine, Inv. 2246021R Hans von Gersdorff, genannt Schielhans oder Schylhans, auch Johannes von Gersdorff (* um 1455, wahrscheinlich in Straßburg; † 1529 in Straßburg), war ein deutscher Wundarzt.

Leben Hans’ Vater war vermutlich ebenfalls Wundarzt und stammte aus dem unterelsässischen Görsdorf. Hans von Gersdorff wurde während der Burgunderkriege unter anderem von dem seinerzeit bekannten Tiroler Wund- und Frauenarzt Klaus von Matrei (* um 1440; † um 1490)Gundolf Keil: Klaus von Matrei. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 702. ausgebildet und wurde als Schylhans bekannt.Gundolf Keil: Johannes von Gersdorff (Schielhans). In: Enzyklopädie Medizingeschichte. 2005, S. 702. Von Gersdorff nahm im Rahmen der Burgunderkriege 1476/1477 an der Seite seines Lehrmeisters an der Schlacht bei Grandson, der Schlacht bei Murten und der Schlacht bei Nancy teil.Ralf Vollmuth: Die sanitätsdienstliche Versorgung in den Landsknechtheeren des ausgehenden Mittelalters und der frühen Neuzeit: Probleme und Lösungsansätze. Königshausen & Neumann, Würzburg 1991 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 51), ISBN 3-88479-800-6; zugleich Medizinische Dissertation Würzburg 1990, S. (243–)244. Er war Bürger von Straßburg und unter anderem als bestallter Wundarzt am Straßburger Antoniterhof tätig.

mini| Innentitelbild zum Feldbuch von 1517: Kosmas und Damian

Wirken Im Jahr 1517 veröffentlichte der Drucker Johann Schott (1477–1548) in Straßburg ein von Hans von Gersdorff („Mayster Hans von Gersdorff genant Schilhans, burger und wundartzet zuo Straßburg“) verfasstes, mit Holzschnitten illustriertes chirurgisches Handbuch unter dem werbewirksamenGundolf Keil: Die deutsche Isaak-Judäus-Rezeption vom 13. bis zum 15. Jahrhundert. Shaker, Aachen 2015 (= Europäische Wissenschaftsbeziehungen, Supplement 2), S. 64 f. Titel Feldbuch der Wundarzney.

Im „Feldbuch“ enthalten ist, neben anderen Anlehnungen an das Werk des mittelalterlichen Arztes Guy de Chauliac, auch eine deutsche Übersetzung von dessen Anatomie aus der Chirurgia magna.Vgl. auch Karl-Wilhelm Grabert: Die Nomina anatomica bei den deutschen Wundärzten Hieronymus Brunschwig und Hans von Gersdorff, ihre Beziehungen zu Guy de Chauliac und ihr Verhältnis zu den Jenenser Nomina anatomica des Jahres 1935. Ein Beitrag zur Geschichte der anatomischen Nomenklatur, mit einer Skizze über das Leben, das Werk und die Stellung der drei Autoren in der deutschen Anatomie und Chirurgie des Mittelalters. Medizinische Dissertation Leipzig 1943. Der Abschnitt über den Aderlass (Kapitel 13–16) ist eine deutsche Übersetzung der entsprechenden lateinischen Ausführungen in dem 1491 in Venedig gedruckten Fasciculus Medicinae, welche ihrerseits auf einem lateinischen Text fußen, der erstmals zwischen 1450 und 1470 in einem in Süddeutschland verfassten Manuskript (Cpg 644) greifbar ist.Cpg 644. Medizinische Traktate und Rezepte. Süddeutschland 1450 – 1470, Blatt 63v-76r Aderlassregeln und Zodiakdiagnostik. Latein (Digitalisat)Fasciculus Medicinae. Gregoriis, Venedig 26. Juli 1491 (Digitalisat) Hans von Gersdorff. Feldbuch der Wundarznei. Schott, Straßburg 1517, Blatt 14v-18r (Digitalisat)Friedrich Lenhardt: „Wann ain mensch geswillet von lassen“. Anweisungen zur Therapie von Komplikationen beim Aderlaß. In: Gundolf Keil (Hrsg.): „gelêrter der arzeniê, ouch apotêker“. Beiträge zur Wissenschaftsgeschichte. Festschrift zum 70. Geburtstag von Willem F. Daems. Horst Wellm Verlag, Pattensen/Hannover 1982 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 24), ISBN 3-921456-35-5, S. 269–300, hier: S. 280–281. mini|Amputation Gersdorffs Buch fand weite Verbreitung und war für viele Jahre die wichtigste Grundlage der Chirurgie in Europa. Speziell wegen seiner Ausführungen zur Amputation von Extremitäten hat es einen hohen Bekanntheitsgrad. Gersdorff hat dabei mindestens 200 solcher Amputationen selbst durchgeführt.

Das Feldbuch enthält vier anatomische Holzschnitte, einschließlich einer Darstellung eines Aderlasses, bei dem die inneren Organe gezeigt werden. Die weiteren Abbildungen zeigen einen, mit vielerlei damals üblichen Waffen verwundeten Mann, ein Skelett und eine weitere Darstellung der inneren Organe. Weitere Holzschnitte des Buches zeigen die Diagnostik (Lepraschau, Harnschau) bei Aussatz, chirurgische Eingriffe wie beispielsweise das Entfernen von Pfeilen durch den Feldscher,Ralf Vollmuth: Die sanitätsdienstliche Versorgung in den Landsknechtheeren des ausgehenden Mittelalters und der frühen Neuzeit: Probleme und Lösungsansätze. Königshausen & Neumann, Würzburg 1991 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 51), ISBN 3-88479-800-6; zugleich Medizinische Dissertation Würzburg 1990, S. 243. Amputationen und das Richten von Knochen bei Knochenbrüchen, Fehlstellungen und Luxationen, wozu er auch spezielle StreckapparaturenHermann Ecke, Uwe Stöhr, Klaus Krämer: Unfallchirurgie. In: Franz Xaver Sailer, Friedrich Wilhelm Gierhake (Hrsg.): Chirurgie historisch gesehen. Anfang – Entwicklung – Differenzierung. Mit einem Geleitwort von Rudolf Nissen. Dustri-Verlag Dr. Karl Feistle, Deisenhofen bei München 1973, ISBN 3-87185-021-7, S. 204–216, hier: S. 208. entwickelte.

Die Bildtafel der Eingeweide mit der Darstellung des eröffneten Körpers nennt im gereimten Beitext den Illustrator Hans Waechtlin. Dem Meister werden noch zwei weitere der anatomischen Holzschnitte des Buches zugeschrieben, nämlich der eröffnete Körper des Aderlassmannes und – mit unsicherer Zuschreibung – das Skelett.Johann David Passavant, Adam Bartsch: Le Peintre-Graveur. Band 3. Leipzig 1862, S. 327 und 332 ff. (Digitalisat)

„Feldbücher“, die sich an das Veltbuch des Hans von Gersdorff anschlossen, waren das Veltbock im sogenannten „Kinderbock“, einem um 1600 entstandenen niederdeutschen Arzneibuch,Gundolf Keil: ‚Kinderbock‘ (Kopenhagen, Kgl. Bibl., Ms. GKS. 4° 1663, 87r–146v). In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 740. und das 1551 veröffentlichte Stat und Feldtbuch bewerter Wundtarznei des Walther Hermann Ryff.

Bildtafeln aus dem „Feldbuch der Wundarzney“

Schriften Feldtbůch der wundtartzney. Johann Schott, Straßburg 1517 Digitalisat BSB München Feldtbůch der wundtartzney, newlich getruckt, und gebessert. Johann Schott, Straßburg 1528 Digitalisat BSB München Feldtbůch der wundtartzney. [Augsburg] [ca. 1532] Digitalisat BSB München Feldtbůch der wundtartzney, newlich getruckt, und gebessert. [Straßburg] 1535 Digitalisat BSB München Feldtbůch der Wundartzney, sampt vilen Instrumenten der Chirurgey. Uß dem Albucasi contrafayt. … Johann Schott, Straßburg 1540 Digitalisat BSB München

Literatur Biografisches Anette von Gersdorff: Medizin und erwachende Neuzeit. Der Wundarzt Hans von Gersdorff (ca. 1450 bis 1529). Medizinische Dissertation München 1976. Melanie Panse: Hans von Gersdorffs „Feldbuch der Wundarznei“. Dr. Ludwig Reichert Verlag, Wiesbaden 2012, ISBN 978-3-89500-907-5. Fabian Ulrich Nohe-Griesler: Was wir über „Schielhans“ wissen. Quellenstudien zu Hans von Gersdorff. Medizinische Dissertation. Universität zu Köln 2019.

Johann Ludwig Choulant: History and bibliography of anatomic illustration. Translated and annotated by Mortimer Frank. Hafner, New York 1962, S. 162–166. Jan Frederiksen: Johannes (Hans) von Gersdorff (Schielhans). In: Kurth Ruh, Gundolf Keil und andere (Hrsg.): Verfasserlexikon. 2., völlig neu bearbeitete Auflage. Band 4, Berlin / New York 1983, Sp. 626–630. Jeremy Norman (Hrsg.): Morton’s Medical Bibliography. 5. Auflage (Aldershot, Hants., England : Scolar Press ; Brookfield, Vt., USA : Gower Pub. Co., 1991). No. 5560; ; Nachdrucke. Feldbuch der Wundarznei. Nachdruck der Straßburger Edition von 1517 mit einem Vorwort zum Neudruck von Johannes Steudel. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1967; weitere Ausgaben: Antiqua Verlag, Lindau im Bodensee 1976 und 1978; Osnabrück 1981.

Belege

Weblinks

Gerdorff, Hans von: Feldbuch der wundtartzney - hochauflösendes Digitalisat im Kulturportal bavarikon

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