mini|hochkant|Ein Smartphone zeigt die Hauptseite der deutschsprachigen Wikipedia in der mobilen Version
Smartphone ([]; [] AE, [] BE; englisch, etwa „schlaues Telefon“) nennt man ein Mobiltelefon (umgangssprachlich Handy) mit umfangreichen Computer-Funktionen. Smartphones zeichnen sich vor allem durch die Bedienung über einen kapazitiven Touchscreen aus sowie die Möglichkeit der einfachen Installation vieler verschiedener Apps. Damit unterscheiden sie sich von Feature-Phones, die teilweise auch einen Internetzugang haben, aber über eine Tastatur bedient werden (oder allenfalls einen resistiven Touchscreen) und eine nur begrenzte Anzahl an Apps ausführen können.
Der Begriff „Smartphone“ wurde erstmals 1999 von dem schwedischen Unternehmen Ericsson geprägt. Seit 2013 sind die jährlich weltweit neu verkauften Mobiltelefone mehrheitlich Smartphones. Als das meistverbreitete Smartphone-Betriebssystem setzte sich in den 2010er Jahren das inzwischen von fast allen Herstellern verwendete Android durch, mit einigem Abstand gefolgt von dem nur auf Apple-Geräten eingesetzten iOS.
Durch die Verbreitung des Smartphones veränderte sich der Alltag vieler Menschen. Erstmals trägt die Mehrzahl der Menschen dauerhaft ein Gerät mit Internetzugang mit sich (per mobiler Breitbandverbindung oder WLAN). Dies sorgte für einen starken Anstieg der Nutzung v. a. von sozialen Netzwerken und Instant Messaging im Alltag, aber auch von allen möglichen anderen Onlinediensten. Das Smartphone wurde so zum Inbegriff des Digital Lifestyle. Es verursacht aber auch viele psychische Gesundheitsschäden und ermöglicht Big Tech und manchen staatlichen Akteuren eine umfangreichere weltweite automatisierte Massenüberwachung als jemals zuvor.
Grundlagen mini|Eingelegte SIM- und Speicherkarten mini|Video: Bestandteile eines Smartphones
Smartphones können durch folgende Merkmale von klassischen Mobiltelefonen, PDAs und Electronic Organizern unterschieden werden: Smartphones sind bezüglich Konstruktion und Bedienung nicht nur für das Telefonieren optimiert, sondern sollen auf kleinem Raum die Bedienung einer breiten Palette von Anwendungen ermöglichen. Typische Merkmale sind daher im Vergleich zu älteren Mobiltelefonen relativ große und hochauflösende Bildschirme, alphanumerische Tastaturen und/oder Touchscreens. Smartphones verfügen meist über ein Betriebssystem mit offengelegter API (siehe Abschnitt Betriebssystem). Es ermöglicht dem Benutzer, Programme von Drittherstellern zu installieren. Mobiltelefone haben im Gegensatz dazu meist eine vordefinierte Programmoberfläche, die nur begrenzt, z. B. durch Java-Anwendungen, erweitert werden kann. Smartphones verfügen oft über unterschiedliche Sensoren, die in klassischen Mobiltelefonen seltener zu finden sind. Hierzu zählen insbesondere Bewegungs-, Lage-, Magnetfeld-, Licht-, Foto- (RGB und schwarz-weiß), Barometer- und Näherungssensoren sowie GPS-Empfänger. Einzelne Modelle wie die 2013 erschienenen Samsung Galaxy S4 und Note 3 verfügen über Umgebungstemperatur- und Luftfeuchtigkeitssensoren. Bisher verfügt nur das 2014 erschienene Samsung Galaxy Note 4 über einen Sensor zur Messung von Ultraviolettstrahlung. Smartphones unterstützen diverse drahtlose Kommunikationsprotokolle, z. B. LTE, 5G, WLAN, Bluetooth und Satellitennavigation. Mitte der 2020er Jahre haben Smartphone-Hersteller damit begonnen, Satellitennachrichtenkonnektivität und Satellitennotdienste in Geräte zu integrieren, die in abgelegenen Regionen eingesetzt werden können, in denen es kein zuverlässiges Mobilfunknetz gibt. Der Speicherplatz mancher Mobiltelefone lässt sich mithilfe einer MicroSD-Speicherkarte erweitern. Vorteile gegenüber Cloud-Speichern sind Ortsunabhängigkeit von Mobilfunkstationen, Latenzfreiheit, Privatsphäre, höhere Übertragungsgeschwindigkeiten und keine durch den Mobilfunkvertrag benutzungsbedingte Herabsetzung dessen, sowie mögliche Datenrettung bei Defekt des Gerätes und Verschonung der Schreibzyklen der nichtwechselbaren internen Speicherplatine. Außerdem wird der USB-Anschluss nicht wie bei über USB On-the-go-Zubehör angeschlossenen Speichermedien belegt.
Durch diese Merkmale bieten Smartphones die Grundlagen zur mobilen Büro- und Datenkommunikation in einem einzigen Gerät. Der Benutzer kann Daten (etwa Adressen, Texte und Termine) über die Tastatur oder einen Stift erfassen und zusätzliche Software selbst installieren. Die meisten Geräte verfügen über eine oder mehrere Digitalkameras zur Aufnahme unbewegter und bewegter Bilder sowie für die Bildtelefonie.
Die bei PDAs z. B. zur Synchronisierung verwendeten Verbindungsarten, wie WLAN, Bluetooth, Infrarot oder die USB-Kabelverbindung, werden durch bislang in der Mobiltelefonie übliche Verbindungsprotokolle, wie GSM, UMTS (und HSDPA), GPRS und HSCSD, ergänzt.
So ist es beispielsweise möglich, unterwegs neben der Mobiltelefonie auch SMS, MMS, E-Mails sowie, bei modernen Geräten, Videokonferenzen per UMTS oder Internet-Telefonie (VoIP) mit WLAN über Internet-Zugriffspunkte zu nutzen. Theoretisch – und zum Teil auch in der praktischen Nutzung – können damit neben Audio- und Videostreamings aus dem Internet (zum Beispiel über WLAN) auch Fernsehprogramme über DVB-H und mit entsprechender Hardware auch DVB-T empfangen werden.
Ein weiteres Beispiel ist die eingebaute oder optionale Java-Unterstützung (auf CLDC- oder MIDP-Basis) – Mobiltelefone gelten als eine der populärsten Anwendungen von Embedded Java.
Smartphones werden zunehmend auch für die Fernsteuerung von digitalen Geräten eingesetzt, wie zum Beispiel Kameras, Action-Camcordern, AV-Receivern, Fernsehgeräten oder Quadcoptern.
Geschichte Frühe Smartphone-Vorläufer vereinigten etwa Ende der 1990er Jahre die Funktionen eines Personal Digital Assistant (PDA) bzw. Organizers, mit dem man z. B. Kontakte und seinen Kalender verwalten konnte, mit der Funktionalität eines reinen Mobiltelefons. Später wurden dem kompakten Gerät die Funktionen eines transportablen Medienabspielgerätes, einer Digital- und Videokamera und eines GPS-Navigationsgeräts hinzugefügt; noch später ein Internetzugang und ein (zunächst noch resistiver und nicht kapazitiver) Touchscreen.
mini|hochkant|Der Simon Personal Communicator von IBM aus dem Jahr 1994 Als „das erste Smartphone“ wird rückblickend manchmal das 1992 von BellSouth und IBM vorgestellte und ab Mitte 1994 in einem Teil der USA als „Personal Communicator“ vertriebene Simon referenziert. Vorreiter der Smartphone-Systeme war das PEN/GEOS 3.0 des Herstellers GeoWorks, das in der 1996 eingeführten Nokia-Communicator-Serie eingesetzt wurde. Als Nokia für die Communicator-Reihe 92x0, 9300, 9300i und 9500 auf einen anderen Prozessor wechselte, bildete das Unternehmen mit Psion und dessen EPOC-System eine Allianz, um die Symbian-Plattform zu entwickeln. Symbian war lange Zeit das meistgenutzte Smartphone-Betriebssystem und hatte im Jahr 2006 einen Marktanteil von etwa 73 %. ABI Research, 19. März 2007, abgerufen am 18. Dezember 2011. Die wichtigsten Konkurrenten waren Windows Mobile, Blackberry OS und Palm OS. Der Begriff Smartphone wurde erstmals im Jahr 1999 von dem schwedischen Unternehmen Ericsson geprägt. Ericsson betitelte das Modell R380 mit Touchscreen, Internetbrowser und Kalender bei der Vorstellung auf der Messe Cebit als Smartphone. Ebenfalls 1999 wurde das erste Smartphone mit Kamera, das Toshiba Camesse, vorgestellt.Geschichte der Fotografie – Teil 8: Smartphone-Kameras, bei ifolor.at, abgerufen am 20. Februar 2022.
mini|Startbildschirm des LG Prada, 2006 Im Jahr 2006 erschien das LG Prada, Modellbezeichnung „KE850“ (siehe dazu LG Electronics#LG Mobile (Mobiltelefone, 2004–2021)). Es war das erste Mobiltelefon mit kapazitivem Touchscreen und war mit einer 2-Megapixel-Kamera, 144p-Filmauflösung, LED-Beleuchtung und Miniaturspiegel für Eigenporträts ausgestattet. Der Speicherplatz ließ sich mittels einer MicroSD-Speicherkarte erweitern. Ihm fehlten aber unter anderem noch WLAN-Empfang, Bildschirmtastatur (es erschien lediglich ein T9-Feld auf dem Bildschirm) und ein extra für den kapazitiven Touchscreen entwickeltes Betriebssystem., abgerufen am 5. September 2023.
Erst die Einführung des iPhone 1 (mit Multitouch-Bedienoberfläche) durch Apple im Jahr 2007 markierte einen Wendepunkt im Mobiltelefon-Markt. Auch folgende neue Betriebssysteme wie Android, Palm webOS und Windows Phone 7 konnten hauptsächlich oder ausschließlich über Touchscreens bedient werden. Symbian verlor dadurch schnell an Bedeutung und lag im Herbst 2011 etwa gleichauf mit dem iOS. Zwischen 2008 und 2011 kündigten alle großen Hersteller von Symbian-Geräten an, in Zukunft auf andere Systeme zu setzen.Vlad Savov: Nokia and Microsoft enter strategic alliance on Windows Phone, Bing, Xbox Live and more. In: Engadget, 11. Februar 2011, abgerufen am 18. Dezember 2011.
Das am häufigsten installierte Mobil-Betriebssystem auf Smartphones ist Android von Google. Seit dem Jahr 2011 liegen die Absatzzahlen von Mobilfunkgeräten mit Android deutlich höher als die mit anderen Betriebssystemen, was unter anderem an dem deutlich geringeren Durchschnittsverkaufspreis von Mobiltelefonen mit Android liegt. Gemäß IDC lag der Marktanteil beim Absatz von Android-Geräten im Jahr 2019 bei 86,6 %. Ebenfalls mit einem signifikanten Marktanteil ist danach iOS von Apple zu erwähnen (Marktanteil nach IDC im Jahr 2019: 13,4 %). Der finnische Hersteller Nokia, der für viele Jahre führender Hersteller von Mobiltelefonen war (1998 bis 2011), bot seine Smartphones seit 2012 fast ausschließlich mit dem Betriebssystem Windows Phone von Microsoft an. Im Jahr 2014 verkaufte Nokia seine Mobiltelefon-Sparte an Microsoft.
Seit dem Jahr 2009 kommt es angesichts der zunehmenden Bedeutung von Smartphones zu zahlreichen Rechtsstreitigkeiten um Patente und Designrechte, an denen alle großen Smartphone-Hersteller beteiligt sind.The smartphone patent wars, pt 94: Spansion sues Samsung, Microsoft and Motorola sue each other, The Guardian, 1. November 2010, abgerufen am 18. Dezember 2011.
Das 2013 eingeführte Galaxy S4 ist das erste TCO-zertifizierte Smartphone der Welt.Galaxy S4 is world’s first TCO certified smartphone, sammyhub.com, 16. Mai 2013, abgerufen am 21. November 2014. Ende 2013 kam mit dem Fairphone First Edition der Fairphone B.V. das erste Smartphone auf den Markt, bei dem Fairtrade- und Umweltaspekte eine größere Rolle spielen sollten. 2014 brachte die deutsche Shift GmbH mit dem Shiftphone ebenfalls ein modulares Smartphone auf den Markt, das vom Benutzer leicht selbst repariert werden kann und das unter fairen und nachhaltigen Bedingungen produziert wird. Ein weiterer deutscher Hersteller, „Rephone“, stellt seine Smartphones durch möglichst lokale Herstellung in Deutschland und CO2-Kompensationen CO2-neutral her und setzt ebenfalls auf einfachere Reparierbarkeit aufgrund von Verschraubungen anstatt von Klebungen. Das Smartphone ist allerdings anders als Fairphones und Shiftphones nicht modular aufgebaut.
Aufgrund von Begrenzungen der von Kupferdrähten in USB-Kabeln unterstützten Stromstärken wurden Kommunikationsprotokolle wie „Quick Charge“ und „Pump Express“ entwickelt, die eine Anhebung der Spannung aus dem Netzteil anfordern können, um Leistungsgrenzen in bestehenden Kabeln ohne Kompatibilitätseinbußen zu umgehen. Diese Spannung wird im Smartphone abgewandelt. Das „VOOC“-Verfahren von Oppo, auch als „Dash Charge“ vermarktet, setzt stattdessen auf erhöhte Stromstärken, um auf die wärmeerzeugende Abwandlung innerhalb des Endgerätes zu verzichten, erfordert jedoch ein spezielles USB-Kabel mit entsprechend breiteren Kupferdrähten. Eine weitere Entwicklung ist „USB Power Delivery“, mit dem Ziel eines universellen Kommunikationsstandardes für Geräte mit einer Leistungsaufnahme von bis zu 100 Watt, wird jedoch nur von Kabeln mit USB-C an beiden Enden unterstützt.