Amenophis I., auch Amenhotep I., war ein altägyptischer König (Pharao) der 18. Dynastie (Neues Reich) und regierte von 1525 bis etwa 1504 v. Chr. (Jürgen von Beckerath). Er war der Sohn und direkte Nachfolger von Ahmose I.
Weitere Namen Amenhotep (korrekte altägyptische Schreibweise) und Amenophis (griech. Schreibweise für Amenemope, für Amenophis lautet sie Amenothes [vgl. Imhotep und ImuthesThomas Schneider: Lexikon der Pharaonen. Düsseldorf 2002, S. 58. ]).
Herkunft und Familie Amenophis I. war der Sohn von Ahmose I. und Ahmose Nefertari und gehört als letzter männliche Nachfahre aus dem Haus der Ahmosiden verwandtschaftlich noch in die 17. Dynastie. Neben den drei Brüdern Ahmose(-anch), Sa-Amun und Ahmose Sapair hatte er noch sechs Schwestern, von denen Ahmose Meritamun II. seine „Große königliche Gemahlin“ wurde.Thomas Schneider: Lexikon der Pharaonen. Düsseldorf 2002, S. 58–59. Die Ehe der beiden blieb kinderlos und nach dem frühen Tod der Ahmose Meritamun übernahm Ahmose Nefertari erneut die Rolle der Königsgemahlin. Eine ihm ebenfalls zugewiesene Gemahlin Ahhotep II. ist nach neuesten Erkenntnissen zu streichen.
Herrschaft Einigen Hinweisen zufolge stand Amenophis I. für maximal sechs Jahre in kurzer Mitregentschaft mit seinem Vater. Nach dem Tod von Ahmose übernahm für kurze Zeit Ahmose-Nefertari die Regierungsgeschäfte im Land. Das Erwachsenenalter erreichte er spätestens im 7. Regierungsjahr. Im Jahr 8 heiratete er seine Schwester Meritamun, was ihm nach der Erbprinzessinnen-Theorie eine zusätzliche Legitimierung als Thronnachfolger verschaffte.Darrell D. Baker: Encyclopedia of the Egyptian Pharaohs. Band 1, London 2008, S. 37.
Feldzüge In seinem 7. und 8. Regierungsjahr ließ Amenophis militärische Kampagnen in Nubien durchführen, die bloß als reine Machtdemonstration dienen sollten, um die einheimische Bevölkerung unter Kontrolle zu halten. Biographien mehrerer Soldaten deuten darauf hin, dass es häufiger zu schwereren Kämpfen gekommen sein muss. Es wird von Gefangennahmen, Sklaven und abgeschlagenen Händen toter Krieger berichtet, die man dem König als Beweis für die Anzahl der besiegten Feinde überreichte.
Amenophis war an den Geschehnissen wahrscheinlich nicht direkt beteiligt, sondern beteiligte sich höchstens beim rituellen Erschlagen eines Nomadenhäuptlings. Eine aus dem 8. Regierungsjahr datierte Stele aus Aniba bezeugt die Tributzahlung von Gold und anderen exotischen Gegenständen an den König. An der südlichen Grenze, die sein Vater bis zur Insel Sai verlegt hatte, ließ Amenophis die ägyptischen Festungen aus dem Mittleren Reich sichern. Eine auf Sai gefundene Statue und beschriftete Blöcke mit dem Namen des Königs und seiner Mutter bezeugen ein Bauprojekt, möglicherweise einen kleinen Tempel.
Den einzigen bekannten Hinweis auf einen Feldzug in Libyen für seine Regierungszeit liefert die Biographie des Offiziers Ahmose Pennechbet, der drei abgeschlagene Hände während einer libyschen Kampagne erbeutete. Einiges deutet darauf hin, dass Amenophis in Vorderasien bis zum Euphrat vorgestoßen sein könnte, obwohl die Beweislage dafür recht dünn ist.Darrell D. Baker: Encyclopedia of the Egyptian Pharaohs. Band 1, London 2008, S. 37–38.
Baupolitik Abgesehen von den wenigen militärischen Aktionen verlief die Regierungszeit von Amenophis I. recht friedlich, was die Umsetzung einer Vielzahl größerer Bauprojekte ermöglichte. Er versuchte die Kunst, die Kultur sowie die ideellen Werte aus der Gründungszeit des Mittleren Reiches wiederzubeleben und orientierte sich dabei insbesondere an Mentuhotep II. sowie Sesostris I. und III.Gabriele Höber-Kamel (Hrsg.): Der lange Weg zum Großreich. Von der Zweiten Zwischenzeit zum frühen Neuen Reich. In: Kemet. Heft 2, Kemet-Verlag, Berlin 2003, , S. 11.Thomas Schneider: Lexikon der Pharaonen. Düsseldorf 2002, S. 59.
mini|Rekonstruierter Alabasterkiosk in Karnak In Karnak ließ er ausgehend vom Kernbau des Mittleren Reiches mehrere Tempelbauten und Kapellen errichten. Hervorzuheben sind ein Alabasterkiosk Amun mit bleibenden Denkmälern und eine Replik der „Weißen Kapelle“ von Sesostris I. Viele dieser Bauten wurden später abgetragen und von Amenophis III. als Füllmaterial für den dritten Pylon im Karnak-Tempel verwendet. Der Bau des Kiosks blieb zur Zeit von Amenophis I. unvollendet, erst sein Nachfolger Thutmosis I. schloss ihn ab. Der Kiosk gibt für die Forscher einen Hinweis darauf, dass zwischen Amenophis und Thutmosis eine Mitregentschaft existiert haben könnte.Darrell D. Baker: Encyclopedia of the Egyptian Pharaohs. Band 1, London 2008, S. 38.
Auf dem thebanischen Westufer in Deir el-Bahari ließ Amenophis I. den Tempel des Mentuhotep II. aus der 11. Dynastie ausbessern. Schräg gegenüber entstand ein Barkenheiligtum für das Schöne Fest vom Wüstentale. Zusätzlich entstand bei Qurna ein nicht mehr zu lokalisierender Lehmziegel-Tempel, der dem König und seiner Mutter Ahmose-Nefertari geweiht war. Der Zugang zu diesem Tempel war mit einer Reihe von Statuen gesäumt, die den König als Osiris verkleidet gezeigt haben. Diese Sitte, ein Millionenjahrhaus am Prozessionsweg Karnak/Luxor/Deir el-Bahari/Medinet Habu zu errichten, behielten vielen Könige im Neuen Reich bei. Ein weiterer Totentempel wurde auf der Ebene nahe dem königlichen Friedhof in Dra Abu el-Naga errichtet.
In Abydos ließ Amenophis I. die Bautätigkeit am Tempel für Ahmose fortführen und für diesen eine Kalksteinkapelle erbauen. Am Osiris-Tempel wurden einige Rekonstruktionen durchgeführt. Eine Kapelle zu Ehren der Nechbet entstand in el-Kab. Weiter südlich in Uronarti am 2. Nilkatarakt gab der König den Auftrag für einen kleinen Tempel in der Festung des Sesostris III.
Im Norden des Landes lässt sich die Bautätigkeit von Amenophis nur in Serabit el-Chadim auf der Sinai-Halbinsel nachweisen, wo er die Portikus in der „Hathor-Höhle“ im Tempel der Hathor errichten, oder wenigsten wiederherstellen ließ. Archäologen entdeckten dort die beschriebene Steinplatte eines Türsturzes und ein Fragment, das eventuell einen Sims darstellt.
Verwaltung Aus der Zeit Amenophis I. sind mehrere hohe Beamte belegt. Kares hatte die Oberaufsicht über die Güter der Königin Ahhotep und besaß in Abydos ein Scheingrab in der Nähe zum Heiligtum des Osiris. Der Schatzmeister Jamu leitete eine Expedition in den Sinai und beaufsichtigte die Arbeiten am Hathor-Heiligtum in Serabit el-Chadim.Hermann A. Schlögl: Das alte Ägypten. Beck, München 2006, ISBN 978-3-406-54988-5, S. 191–192. Als Architekten sind Panjati, Oberbaumeister des Amuntempels in Karnak, und Ineni bekannt, der das Tal der Könige als Begräbnisplatz für die Herrscher des Neuen Reiches eröffnete.Hermann A. Schlögl: Das alte Ägypten. München 2006, S. 191–194.
Als Hohepriester des Amun kommen Minmonth und Parenefer in Frage, obwohl beide zeitlich nicht genau eingeordnet werden können. Ebenso unsicher ist das Amt des Wesirats, das von Tetinefer, Imhotep oder Ahmose-Amas bekleidet wurde. Seniu diente in Deir el-Bahari als Güterverwalter des früh verstorbenen Prinzen Amenemhet. Gouverneur der Stadt Theben war Seni. Als Vizekönig von Kusch setzte Amenophis Turi ein, wie aus einer Darstellung im Tempel in Uronarti deutlich wird. Ein gewisser Wah war königlicher Haushofmeister, seine Mumie fand man im Grab TT22 in Korna.
Tod und Nachfolge Amenophis I. verstarb am 19. oder 20. Tag des 3. Peret-Monats – wahrscheinlich in seinem 20. Regierungsjahr. Die Inthronisation von Thutmosis I. erfolgte wenig später am 21. Tag. Einiges spricht dafür, dass Thutmosis bereits in den letzten Regierungsjahren seines Vorgängers als Mitregent eingesetzt wurde. Auf einem Schrein für den Reichsgott Amun aus Karnak erscheint Thutmosis neben dem amtierenden Amenophis beim Götterkult in vollem königlichen Ornat. Eine Mitregentschaft lässt sich hier nur ablesen, falls die Dekoration des Götterschreines bereits unter Amenophis fertiggestellt wurde.Thomas Kühn: Thutmosis I. – Begründer einer Großmacht. In: Gabriele Höber-Kamel (Hrsg.): Kemet. Heft 2, Kemet-Verlag, Berlin 2003, , S. 26.
Da Amenophis ohne männlichen Nachfolger blieb, läutete sein Tod einen tatsächlichen Dynastiewechsel innerhalb der 18. Dynastie ein (entgegen der in der Ägyptologie üblichen Dynastieeinteilung, die auf Manetho zurückgeht). Über die Herkunft seines Nachfolgers Thutmosis ist wenig bekannt. Er legitimierte seine Herrschaft durch Heirat mit der Prinzessin Ahmes, die wahlweise als Tochter von Ahmose I. oder Amenophis I. angesehen wird. Ihre Herkunft ist in der Forschung umstritten, sie trug zwar den Titel einer Königsschwester und Königsmutter, aber nicht den einer Königstochter.
Kulturelle Errungenschaften mini|Beschreibung der Erfindung einer Wasseruhr im Grab des Amenemhet
Ägypten stand im Zeichen neuer kultureller und wirtschaftlicher Blüte. In dieser Zeit entstand die Inschrift eines Amenemhet über die Konstruktion einer Wasseruhr. Die frühere traditionelle zeitgleiche Datierung der Abfassung des Papyrus Ebers bezog sich auf die Ansetzung von Karl Richard Lepsius. Letzter Vertreter dieser These war Kenneth A. Kitchen. Beide Ägyptologen beriefen sich bei ihrer Annahme auf den vermerkten Sirius-Aufgang.
Neuere paläografische Untersuchungen haben ergeben, dass die medizinischen Eintragungen älteren Ursprungs sind und wahrscheinlich in der Regierungszeit von Pharao Ahmose niedergeschrieben wurden und mögliche Abschriften von älteren Vorlagen repräsentieren.Vgl. Georg Möller: Hieratische Paläographie.: Die ägyptische Buchschrift in ihrer Entwicklung von der fünften Dynastie bis zur römischen Kaiserzeit 3 Bände, Leipzig 1909, 2. Auflage 1926, Bd. ?, S. 20.
Zur Zeit von Amenophis lebte vermutlich auch ein bedeutender Theologe und Dichter, der das Amduat, ein religiöses Unterweltsbuch verfasste. Es gilt als das erste vollständig illustrierte Buch in der Geschichte der Menschheit und handelt von der nächtlichen Fahrt des Sonnengottes Re durch die Unterwelt. Es ist in zwölf Abschnitte unterteilt, die die Erlebnisse zu jeder vollen Nachtstunde schildern. Die früheste bekannte Version findet sich als Wandgemälde in KV20, dem Grab von Amenophis Nachfolger Thutmosis I.Hermann A. Schlögl: Das alte Ägypten. München 2006, S. 192–193.
Nach dem Tod Bestattung und Grab Die Bestattung von Amenophis Leiche erfolgte wenige Monate nach seinem Tod am 27. Tag des 1. Monats der Schemu-Jahreszeit. Sein Nachfolger Thutmosis I. ließ alle nötigen Kulthandlungen und Bestattungsfeierlichkeiten durchführen.
Über die genaue Lage des Grabes ist nichts bekannt. Eine Inspektion der Königsgräber zur Zeit von Grabplünderungen in der 20. Dynastie vermerkte, dass das Grab von Amenophis inspiziert und unzerstört vorgefunden wurde:
Bei dem erwähnten ahay handelt es sich um einen markanten geographischen Punkt. Der Begriff bedeutet „etwas Hervorragendes“ und wird als „Stele“ übersetzt. Der ahay und der Tempelgarten konnten bisher nicht eindeutig identifiziert werden.
Bisher werden drei mögliche Kandidaten für das Grab von Amenophis I. in Erwägung gezogen: die in Dra Abu el-Naga befindlichen Gräber K93.11 und AN B, sowie KV39 im Tal der Könige.
KV39 liegt weit südlich am Rande des Königsgräbertales. Es wurde zunächst als normales Korridorgrab begonnen, dann nach der ersten Kammer aufgegeben und später erheblich erweitert. Am Boden der Südkammer befindet sich eine Ausschachtung am Boden zur Aufnahme des Sarges, die architektonisch an Gräber vor der Zeit des Neuen Reiches erinnert. Ungünstig für das Grab ist der Fund von Königskartuschen der Könige Thutmosis I., Thutmosis II. und Amenophis II., die allesamt später in der 18. Dynastie regierten. Zudem gibt es im Umfeld keinen Hinweis auf einen „Tempel des Gartens Amenhoteps“, wie er im Papyrus Abbott erwähnt wird.N. Reeves, R. H. Wilkinson: Das Tal der Könige. Augsburg 2000, S. 89.