Burkhard Maria Heimfried Garweg (* 1. September 1968 in BonnGarweg, Burkhard. Fahndungshinweis. In: BKA.de. 18. Mai 2016. Dieselben Angaben bei Butz Peters: Tödlicher Irrtum. Die Geschichte der RAF. Argon, Berlin 2004, S. 709.) gilt als ehemaliges Mitglied der linksextremistischen Terrororganisation Rote Armee Fraktion (RAF). Nach ihm wird international gefahndet.

Leben Als er sechs Jahre alt war, zogen seine Eltern mit ihm von Bonn nach Hamburg, wo er seine Jugend verbrachte. Sein Vater Gerhard Garweg war bis 1982 Professor der Anatomie an der Universität Hamburg und dann niedergelassener Arzt in Hamburg.Anne Kunze, Der Therapeut, DIE ZEIT vom 10. Oktober 2024, S. 16. Burkhard Garweg hat fünf Geschwister. 1987 brach er die Schule ab und begann, sich in der linken Hausbesetzer-Szene der Hamburger Hafenstraße zu bewegen,Butz Peters: Tödlicher Irrtum. Die Geschichte der RAF. Argon, Berlin 2004, S. 709. in der er sich laut dem Journalisten Michael Sontheimer radikalisierte.Michael Sontheimer: Spur zur RAF: Überfall aus dem revolutionären Ruhestand. In: Spiegel Online, 19. Januar 2016. Um die Jahreswende 1989/90 ging er in den Untergrund und schloss sich vermutlich der dritten Generation der RAF an.Sie werden noch immer gesucht. In: Die Welt, 4. Februar 2007. Die Bundesanwaltschaft wirft Garweg die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vor.Philipp Wittrock: Weiterstadt-Anschlag: Ermittler suchen RAF-Trio. In: Spiegel Online, 24. Oktober 2007.

Verdacht auf Überfälle und Anschläge Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass Garweg 1993 am Sprengstoffanschlag gegen die JVA Weiterstadt beteiligt war, zusammen mit Daniela Klette, Ernst-Volker Staub und anderen. Das gab sie im Oktober 2007 bekannt. An einer am Tatort in Weiterstadt gefundenen Strickleiter wurden DNA-Spuren von Klette, Staub und einer bisher nicht identifizierten Person gefunden. Bei ihr könnte es sich nach Ansicht der Bundesanwaltschaft um Garweg handeln.

Bei einem missglückten Überfall auf einen Geldtransport im Juni 2015 in Groß Mackenstedt bei Bremen wurden neben DNA-Spuren Garwegs auch solche von Staub und Klette gefunden.Spuren nach Raubüberfall führen zu RAF-Mitgliedern. In: Zeit Online, 18. Januar 2016. Das Amtsgericht Verden (Aller) erließ deshalb gegen die drei Personen Haftbefehl wegen des Verdachts des versuchten Mordes und versuchten schweren Raubes. Auch bei einem weiteren gescheiterten Überfall auf einen Geldtransport in Wolfsburg im Dezember 2015 wurde DNA der drei Genannten gefunden. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft Verden und des Juristen und Publizisten Butz Peters hatten die Taten keinen terroristischen Hintergrund, sondern sollten der Finanzierung des Lebens im Untergrund dienen. Pressemitteilung. In: Staatsanwaltschaften.Niedersachsen.de, 19. Januar 2016; In: Hannoversche Allgemeine Zeitung, 18. Januar 2016 (aktualisiert am 19. Januar 2016; DPA-Meldung).DPA: Ex-RAF offenbar weiter aktiv, in: Süddeutsche Zeitung, 28. Mai 2016, S. 7.

Fahndung Garweg ist neben Staub die zweite nach der Festnahme von Daniela Klette im Februar 2024 verbliebene Person, nach der im Zusammenhang mit der RAF bis heute steckbrieflich gefahndet wird. Seit 2015 wurde die öffentliche Fahndung nach ihnen deutlich intensiviert, von Mai bis August 2020 EU-weit mittels eumostwanted.eu. Für entscheidende Hinweise, die zu einer rechtskräftigen Verurteilung von Garweg und Staub führen, ist eine Belohnung von bis zu 150.000 € ausgesetzt.Fahndung LKA Niedersachsen

Im Jahr 2023 durchsuchte die Polizei Immobilien in Garwegs familiärem Umfeld und stellte dabei Datenträger, Mobiltelefone und Briefe sicher, die Garweg zugeordnet werden. Anfang Februar 2024 startete die Polizei erneut eine Öffentlichkeitsfahndung. So wurde in der ZDF-Sendung Aktenzeichen XY … ungelöst am 14. Februar 2024 der Fahndungsaufruf gezeigt. Bis zum 23. Februar gingen rund 250 Hinweise bei der Staatsanwaltschaft Verden ein, von denen fünf die höchste Priorität beigemessen wurde. Die Fahndung wurde international ausgeweitet. Als die Polizei am 26. Februar 2024 in Berlin Daniela Klette festnahm, gelang es ihr nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch, Garweg per Handynachricht über ihre Festnahme zu informieren. Wenige Tage nach der Festnahme von Klette veröffentlichte die Polizei neue Fahndungsbilder von Garweg, die aus der Wohnung von Klette stammten. Sie durchsuchte ein Industriegelände am Markgrafendamm im Berliner Stadtteil Friedrichshain, auf dem Garweg in einem alten Bauwagen eine Zeit lang unter den Decknamen Martin Bäcker, Martin Becker, Martin Martens, Martin von Staden und Jens gelebt haben soll. Nach Erkenntnissen des Landeskriminalamtes Niedersachsen betrieb Garweg in dem Bauwagen eine Werkstatt zum Fälschen von Dokumenten. Entsprechende Geräte und Werkzeuge wurden beschlagnahmt.RAF-Fahndung: Fälscherwerkstatt in Garwegs Bauwagen entdeckt bei ndr.de vom 13. März 2024 Zudem wurde eine Wohnung in Friedrichshain durchsucht, zu der er mutmaßlich Zugang hatte, weil er dort eine Seniorin im Alltag unterstützt haben soll.

Am 11. September 2024 thematisierte die ZDF-Sendung Aktenzeichen XY erneut die Fahndung nach Garweg. Dabei wurde ein kurzes, mit einem Mobiltelefon aufgenommenes Video, abgespielt. Darin wünscht ein Mann, bei dem es sich um Garweg handeln soll, einer unbekannten Frau namens Karin Erfolg für eine Prüfung.

Ende Dezember 2024 verschickte Garweg einen achtseitigen Brief aus dem Untergrund, in dem er auch über die RAF, die Festnahme seiner mutmaßlichen Komplizin Klette und anderes schreibt. Mit dem Schreiben wandte er sich laut taz an seine Familie, an frühere Bekannte, an den Wagenplatz, an „Genoss*innen“. Er sehe sich als politischen Aktivisten und als Teil einer „revolutionären Linken“. RAF-Terroristen wie Ulrike Meinhof und Sigurd Debus stellte er in eine Reihe mit Personen wie Thomas Müntzer, Georg Elser, Che Guevara und Nelson Mandela. Im März 2025 meldete sich Garweg mit einem weiteren Brief aus dem Untergrund, in dem er die Geschichte der RAF auch als eine Geschichte strategischer und taktischer Fehler bezeichnete.

Literatur

Weblinks Fahndung des LKA Niedersachsen

Einzelnachweise

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