mini|Nord- und Ostsee mit Ländern und Seegebieten

Diese Liste von Sturmfluten an der Nordsee umfasst eine Aufzählung von Sturmfluten und darauf folgenden Überschwemmungen an der Küste der Nordsee. mini|Elbe Hamburg, Sturmflut 1916

Zuverlässigkeit der Angaben mini|Darstellung eines Deichbruchs von 1718, wahrscheinlich bezogen auf die Weihnachtsflut von 1717

Die erste Monographie mit einer Liste von niederländischen Sturmfluten wurden im späten 17. Jahrhundert durch den Westfriesen Simon Abbes Gabbema (1628–1688) verfasst. Der Emder Prediger Gerardus Outhof (1673–1733) publizierte kurz nach der Weihnachtsflut von 1717 ein stattliches Buch über alle Wasserfluten in Europa seit der Sintflut. Im 19. Jahrhundert schrieb der Ostfriese Fridrich Arends (1782–1861) eine Physische Geschichte der Nordsee-Küste und deren Veränderungen durch Sturmfluthen seit der Cymbrischen Fluth bis jetzt (1833).

Die neueren Listen entstammen den Sammelarbeiten des Berliner Wissenschaftlers Curt Weikinn (1888–1966), der niederländischen historischen Geographin Elisabeth Gottschalk (1912–1989) und ihres Kollegen Jan Buisman (1925–2024), der 1995 bis 2025 eine achtbändige Wettergeschichte Europas publizierte. Für Norddeutschland ist auch eine Quellenstudie des dänischen Historikers Ib Gram-Jensen hilfreich. Die Arbeiten von Gottschalk, Gram-Jensen und vor allem Buisman kennzeichnen sich durch große Skepsis über die Zuverlässigkeit nicht-zeitgenössischer Quellen.

Da viele Chroniken sich auf frühere Naturkatastrophen beziehen, wurden einige Sturmfluten mehrfach in die Literatur aufgenommen, so dass sich die Anzahl der vermeintlichen Sturmfluten vervielfacht hat. Selbst ein beträchtlicher Teil der neueren Chronistik stützt sich auf frühneuzeitliche Quellen, die teils fiktiver Art sind.

Die Opferzahlen vor dem 16. Jahrhundert beruhen weitestgehend auf groben Schätzungen oder sogar Phantasie. Daher sind diese Angaben mit Skepsis zu betrachten. Die Auswirkungen unterschiedlicher Sturmfluten sind bis ins 14. oder 15. Jahrhundert nur schwer festzustellen und oft kaum an bestimmten Ereignissen festzumachen.

Die ältesten noch vorhandenen Sturmflutmarken datieren aus dem 16. Jahrhundert. Erst seit dem 18. Jahrhundert liegen zuverlässige Aufzeichnungen über die Wasserstände vor. Der Baudirektor Hans Rohde (1925–2003) publizierte 1977 eine erste Übersicht zu den historischen Sturmfluthöhen bzw. höchsten Tidehochwasserständen (HThw) an der deutschen Nordseeküste.

Die Wasserstände werden z. B. vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) und von der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) dokumentiert. Der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) in Hamburg hat die Sturmfluten seit dem Jahre 1900 ausgewertet und bietet dazu umfangreiches Material an. Vor allem durch die Elbvertiefung seit dem 19. Jahrhundert sind die Höchstwasserstände im Hamburger Hafen bedeutend höher als im Küstenbereich.

Liste von Sturmfluten Antike bis 10. Jahrhundert Datum Name Gebiet Auswirkungen Scheitelwasserstände der Sturmflutwelle Zwischen 120 v. Chr. und 115 v. Chr. Cimbrische Flut Jütland, auf: die-ganze-nordsee.de; abgerufen am 11. August 2015. Marschgürtel vor der schleswig-holsteinischen Westküste viele Menschen und Tiere umgekommen. Es bestehen aber große Zweifel, dass Kimbern, Ambronen und Teutonen deshalb ihre Heimat in Richtung Süden verließenW. J. Beckers: Teutonen und Kimbern in der neueren Forschung. (PDF; 5,1 MB) uni-koeln.de, 1939; abgerufen am 16. August 2015. 26. Dezember 838 niederländische Küste erste dokumentierte Sturmflut an der Nordsee; angeblich 2500 Tote im Gebiet der heutigen Niederlande

11. Jahrhundert Datum Name Gebiet Auswirkungen Scheitelwasserstände der Sturmflutwelle 28./29. September 1014 belgische und niederländische Küste Sommer 1020 Elbe- und Wesermündung viele Krankheiten (Malaria?) in den nächsten Jahren 1066 Wesermündung ungesicherte Flut, erst im 16. Jahrhundert erwähnt: vermeintlicher Untergang der Burg Mellum

12. Jahrhundert Datum Name Gebiet Auswirkungen Scheitelwasserstände der Sturmflutwelle 4. Oktober 1134 belgische und niederländische Küste die Erweiterung des Zwin bis Brügge vermutet 1158 Norddeutschland viele ertrunkenAlbrecht von Stade 21. Dezember 1163 Thomasflut 1163 niederländische Küste, Ostfriesland 16./17. Februar 1164 Erste Julianenflut niederländische Küste, Elbegebiet angeblich 20.000 Tote; erster Einbruch der Jade vermutet, große Schäden im UnterelbegebietHelmold von Bosau: Slavenchronik. Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1937, 2. Buch; Cap. XCVII. 1./2. November 1170 Allerheiligenflut 1170 niederländische Küste schwere Verwüstungen; die Entstehung der Inseln Texel und Wieringen sowie die Erweiterung der Zuiderzee und den Durchbruch der Hunze in der Richtung der Lauwerszee vermutet Dezember 1196 Nikolausflut niederländische Küste

13. Jahrhundert Datum Name Gebiet Auswirkungen Scheitelwasserstände der Sturmflutwelle 8. September 1214 Niederländische Küste Januar/Februar 1216 Eiderstedt, Dithmarschen, Nordstrand und Marschländer im Elbegebiet etwa 10.000 Tote, Helgoland verlor sieben von neun KirchspielenCristian Kuß: Jahrbuch denkwürdiger Naturereignisse in den Herzogthümern Schleswig und Holstein vom elften bis zum siebzehnten Jahrhundert. Altona 1825, S. 10–11. Entstehung des Haringvliet 16. Januar 1219 Erste Marcellusflut (Grote Mandränke) niederländische Küste, Elbegebiet vermeintlich 36.000 oder 100.000 Tote; versehentlich wohl auf 1218, 1222 oder 1228 gestellt; große Überflutungen auch im Elbegebiet; erster überlieferter Augenzeugenbericht aus dem Groningerland; vermeintlicher Einbruch des Jadebusens laut späterer Überlieferung 20. November 1248 Martiniflut 1248 niederländische Küste versehentlich wohl auf 1250 gestellt 28. Dezember 1248 Allerkindleinsflut niederländische Küste, Elbegebiet hohe Verluste an Menschenleben; Trennung der historischen Elbinsel Gorieswerder in mehrere Teile 4. Februar 1249 Agathenflut 1249 niederländische Küste 28. Januar 1262 Agnesflut niederländische Küste 13./14. Januar und 25./26. Dezember 1277 Sturmflut 1277 Dollart Vermeintlicher Einbruch des Dollart laut späterer Überlieferung; symbolischer Jahreszahl 77, wobei eine Verwechslung mit der Luciaflut 1287 vorliegt 13./14. Dezember 1287 Luciaflut niederländische und deutsche Küste Sehr schwere Sturmflut, die Deiche wurden teilweise vernichtet; angeblich bis zu 50.000 Tote; vermuteter Einbruch des Dollarts sowie Erweiterung der Zuiderzee und der Lauwerszee versehentlich wohl auf 1277, 1280, 1282 oder 1288 gestellt 2. oder 5. Februar 1288 Agathenflut 1288 niederländische Küste 28. Oktober 1288 Simon-und-Judasflut niederländische Küste

14. Jahrhundert Datum Name Gebiet Auswirkungen Scheitelwasserstände der Sturmflutwelle März 1318 belgische und niederländische Küste 23. November 1334 Clemensflut belgische und niederländische Küste Vermutete Erweiterung des Jadebusens 1. November 1341 Allerheiligenflut 1341 belgische und niederländische Küste, möglicherweise auch Nordfriesland 15. bis 17. Januar 1362 Zweite Marcellusflut, Erste Grote Mandränke Schleswig-Holstein und Ostfriesland Untergang der nordfriesischen Uthlande Entstehung der Insel Strand und der Halligen Rungholt versinkt, 30 bis 40 Dörfer werden aufgegeben; angeblich 100.000 Tote. Westermarsch bei Norden überschwemmt; am Jadebusen lediglich entwurzelte Bäume. 9. Oktober 1374 Erste Dionysiusflut belgische, niederländische und deutsche Küste Erweiterung der Leybucht bis zur Stadt Norden, Untergang des Dorfes Westeel bei Norden; vermutete Erweiterung der Harlebucht 8. bis 10. Oktober 1375 Zweite Dionysiusflut deutsche Küste Deichbrüche bei Lütetsburg und Bargebur, die Wellen reichen bis an die Mauern des Dominikanerklosters in Norden 9. Oktober, 15. und 16. November 1377 Dionysius- oder Martiniflut 1377 Flandern, Dollart Vermeintliche Sturmflut mit der symbolischen Jahreszahl 77, doch Verwechslung mit 1374 und 1375 21./22. Januar 1393 Vinzenzflut belgische und niederländische Küste, möglicherweise auch Nordfriesland 17. Januar 1396 Antoniflut 1396 belgische, niederländische und norddeutsche Küste in Hamburg viele Leute ertrunken

15. Jahrhundert Datum Name Gebiet Auswirkungen Scheitelwasserstände der Sturmflutwelle 25. Oktober 1403 Catharinaflut 1403 Ostfriesland Drewert aufgegeben 19./20. November 1404 Erste Elisabethenflut belgische und niederländische Küste IJzendijke und Hugevliet versinken 21. November 1412 Cäcilienflut Deutsche Bucht Krempermarsch überschwemmt, das Dorf Zesterfleth an der Estemündung wird vernichtet, die Elbinsel Hahnöfersand vom Festland abgetrennt; angeblich 30.000 Tote 1413 oder 1414 Dollart Einbruch des Dollart aufgrund zeitgenössischer Quellen 18./19. November 1421 Zweite Elisabethenflut belgische und niederländische Küste 28 Dörfer im Bereich des Grooten Waard werden aufgegeben; die Überlieferung spricht von 70 Dörfern und 10.000 Toten; Dordrecht wird vom Festland abgetrennt 18./19. November 1424 Dritte Elisabethenflut niederländische Küste 21. Dezember 1429 Thomasflut 1429 West- und vielleicht auch Ostfriesland 1. November 1436 Allerheiligenflut 1436 Deutsche Bucht angeblich 500 Tote; Überflutungen an der gesamten Nordseeküste, insbesondere in Eiderstedt, Nordstrand, Dithmarschen und Hadeln, keine Landverluste, aber Eidum versinkt 10. April 1446 Palmarumflut oder Quade Palmflut niederländische und deutsche Küste Erweiterung des Dollart, Kloster Palmar aufgegeben 21./21. Oktober 1468 Ursulaflut niederländische Küste Erweiterung des Dollart nach dem Westen 6. Januar 1471 Dreikönigsflut norddeutsche Küste Überflutungen in Eiderstedt, Nordstrand, Dithmarschen und Elbmarschen. Gelegentlich auf 1470 datiert 1. November 1473 Vincula Petriflut oder Böse Vinkelflut Ostfriesland und Oldenburg Vor allem Sachschäden, zusätzlich zu den quaden Palmweken im April 1446 27. September 1477 Erste Cosmas- und Damianflut belgische, niederländische und deutsche Küste In Nordfriesland vermutlich als Gallusflut 1476 verzeichnetIn der Chronicon Eiderostadense und in späteren Quellen kommt der Gallusflut verdoppelt in 1476 und 1477 vor. 16. Oktober 1483 Zweite Gallusflut Deutsche Bucht Vor allem Eiderstedt

16. Jahrhundert