Das Kloster Sorø ist eine ehemalige Zisterzienserabtei in Dänemark. Es liegt auf der Insel Seeland (Sjælland) bei der Stadt Sorø zwischen Slagelse und Ringsted. Die romanische Kirche ist neben der St.-Bendts-Kirche von Ringsted die älteste Backsteinkirche in Dänemark. Die Kirche ist heute die Pfarrkirche der Kirchengemeinde Sorø in der evangelisch-lutherischen dänischen Volkskirche.
Die nach der Reformation auf dem Gelände des Klosters eingerichtete Schule ist eine der ältesten Schule Dänemarks.
Geschichte mini Gründung Das Kloster wurde um die Mitte des 12. Jahrhunderts von den Brüdern Toke, Ebbe und Asser Rig, den Söhnen von Skjalm Hvide, als Benediktinerkloster gestiftet. Es sollte als Grablege des Hvide-Geschlechts dienen. Die ersten Klostergebäude einschließlich einer Kirche lagen vermutlich südwestlich der heutigen Kirche, wie aus Funden bei der Erweiterung des Schulgeländes 1918/19 geschlossen wird.
Das mit der (ersten) Klosterstiftung 1140 begonnene Gaben- oder Memorialbuch verzeichnet die Namen der Stifter, die zumeist auch in der Kirche beigesetzt wurden und für deren Seelenheil die Mönche beten sollten. Einer der ersten, die in der neuen Klosterkirche beigesetzt wurden, war Asser Rig, der drei Tage nach der Weihe der Klosterkirche starb, wie das Memorialbuch verzeichnet. Da in solchen Büchern meist nur der Tag des Todes und damit des jährlichen Gedenkens festgehalten wurde, nicht aber das Jahr, ist nicht genau bekannt, wann die Kirche des Benediktinerklosters fertiggestellt wurde.Erik Lund Jensen: Asser Rig, in: Dansk Biografisk Leksikon.
Auf Einladung des Bischofs Absalon von Roskilde, eines Sohnes des Stifters Asser Rig, wurde das Kloster 1161 von Zisterziensern aus Kloster Esrom, dem ersten dänischen Zisterzienserkloster und Tochterkloster der Primarabtei Clairvaux, übernommen. Im folgenden Jahr begann der Neubau von Klostergebäuden und Kirche. Als Zisterzienserkirche erhielt sie das Patrozinium der Jungfrau Maria. Wie die nahegelegene Kirche von Ringsted, deren Bau König Waldemar I. ebenfalls 1161 in Auftrag gab, und die etwa gleichzeitig erbaute, aber nicht erhaltene Kirche von Esrom wurde die Kirche aus Feldbrandziegeln errichtet, deren Gebrauch in Dänemark erst ab etwa 1160 nachgewiesen ist und maßgeblich durch Zisterzienser verbreitet wurde. Die Hvide-Familie stellte sich mit dem Bau einer eigenen, modernen Grablegekirche auf dieselbe Stufe mit dem König.
Absalon selbst, sein Bruder Esbern und dessen Nachkommen sowie dessen Schwiegersohn Peder Strange († 1241), die alle zu den wichtigsten Berater von Waldemar I. gehörten, statteten Sorø derart reichlich mit Landbesitz aus, dass das Kloster reicher wurde als der König. Sorø wurde zum wichtigsten Zisterzienserkloster Dänemarks. Von Sorø aus wurden 1194 das Kloster Ås (heute in Schweden) und 1326 das Kloster Knardrup auf dem ehemaligen Familiengut Knardrupgaard der Hvide gegründet. mini|Bleiplatte aus Skjalm Hvides Grab Der Bau der Klosterkirche ging verhältnismäßig schnell und ohne längere Unterbrechungen vonstatten. Bereits 1179 waren der Chor und die Querschiffe so weit fertiggestellt, dass die ersten Beisetzungen stattfinden konnten, darunter der Schleswiger Bischof Friedrich in einer Kapelle im nördlichen Querschiff. Als Absalon 1201 in Sorø starb und dort vor dem Hochaltar beigesetzt wurde, war der Kirchbau größtenteils abgeschlossen. Wohl noch zu Absalons Lebzeiten wurden die Überreste von Skjalm Hvide, dem Stammvater der Familie, von seiner Eigenkirche in Fjenneslev in die neue Klosterkirche überführt und in einen Pfeiler eingemauert. Seine neue Grabstätte kennzeichnete ein Bleiplatte mit der Aufschrift HIC IACET SCELMO AV[us] DO[mi]NI ABSALONI ARCHIEPI[scopi] = „Hier liegt Skjalm, der Großvater des Herrn Absalon, des Erzbischofs“.
Die um einen Kreuzgang angeordneten Klostergebäude schlossen südlich an die Kirche an. Hier schrieb Saxo Grammaticus zwischen 1185 und 1216 auf Anregung des Bischofs Absalon seine Chronik Gesta Danorum. mini|Das Torhaus, das einzige erhaltene mittelalterliche Klostergebäude Bei einer Feuerbrunst 1247 brannten die Klostergebäude ab. Von den anschließend neugebauten Gebäude blieb das Torhaus erhalten als eines der ältesten heute noch bewohnten Häuser in Dänemark. Die wohl noch nicht gänzlich fertiggestellte neue Kirche wurde zwar erheblich in Mitleidenschaft gezogen, aber das Mauerwerk überstand den Brand. Die verbrannte Holzdecke über dem Mittelschiff wurde durch steinerne Gewölbe ersetzt. Ingeborg Esbernsdatter, die Witwe von Peder Strange, der wie ihr Vater bereits in der Kirche beigesetzt war, schenkte dem Kloster dafür einen Hof und ein Dorf samt Mühle. Der Wiederaufbau zog sich vermutlich noch etliche Jahrzehnte hin, während derer die alte Benediktinerkirche wieder genutzt wurde. Die Übertragung der Gebeine von Skjalms Ehefrau, seinen Söhnen, die 1140 das Benediktinerkloster gestiftet hatten, und ihren Ehefrauen aus der alten Kirche in die neue 1285 kennzeichnet vermutlich die Fertigstellung der Zisterzienserkirche. Erst danach wurde die Benediktinerkirche von 1140 abgetragen.
Königliche Grablege Von 1173 bis 1341 wurden insgesamt zwanzig Mitglieder der von Waldemar I. abstammenden königlichen Familie, darunter sechs dänische Könige und fünf Königinnen, in der St.-Bendts-Kirche in Ringsted bestattet, als letztes Königspaar 1319 Erik VI. Menved und seine Frau Ingeborg Magnusdotter von Schweden. Erik Menveds Bruder und Nachfolger, der machtlose Christoph II. († 1332), und dessen Ehefrau Euphemia von Pommern (1285–1330) wählten Sorø als Grablege und stifteten dem Kloster auch erheblichen Landbesitz, damit die Mönche für ihr Seelenheil Vigilien und Messen abhalten und in ihrem Namen täglich Wachskerzen auf dem Hochaltar stehen sollten. Ihr Sohn Waldemar IV. Atterdag gewann die Macht von den Holsteiner Grafen zurück und ließ seinen Eltern im Chor der Klosterkirche um 1360 ein prachtvolles Grabmal errichten, das Christoph II., Euphemia und eine als Kind verstorbene Tochter als vollplastische Bronzefiguren auf einem steinernen Kenotaph zeigt.
Waldemar IV. selbst starb 1375 und wurde zunächst in der Marienkapelle der Burg Vordingborg beigesetzt, doch ließ seine Tochter Margarethe I., die zu ihrer Zeit mächtigste Frau Europas, seine sterblichen Überreste 1377 in die Klosterkirche von Sorø überführen und ein prächtiges Alabastermonument für ihn errichten. 1387 ließ sie hier auch ihren früh verstorbenen Sohn Olav II. beisetzen. Nach ihrem Tod 1412 in Flensburg wurde ihr Leichnam auf ihren Wunsch neben ihrem Vater im Chor der Klosterkirche in Sorø beigesetzt. Im Sommer 1413 ordnete aber Bischof Peder Jensen Lodehat von Roskilde die Überführung von Margarethes Leichnam von Sorø in den Dom zu Roskilde an. Wahrscheinlich wollte er damit seiner Metropolitankirche eine größere Bedeutung verleihen. Der Roskilder Dom wurde dann auch die Begräbnisstätte für die meisten späteren dänischen Herrscher.
In unmittelbarer Nähe von Waldemar IV. ist auch Henning Podebusk beigesetzt, der als letzten Drost von Dänemark ein wichtiger Unterstützer des Königs und seiner Tochter war. mini|hochkant|Detail von Bischof Absalons Grabplatte (1537) Die meisten mittelalterlichen Gräber wurden für die Anlage von Grabgrüften in den folgenden Jahrhunderten zerstört.
Nicht nur als königliche Grablege, sondern auch innerhalb des Zisterzienserordens gewann Kloster Sorø an Bedeutung. Ab 1410 diente es Bindeglied zwischen dem Generalkapitel von Citeaux und den einzelnen Abteien in Skandinavien. Die Äbte von Sorø waren damit mit der Visitation aller anderen Zisterzen in Skandinavien betraut.
Nach der Reformation Henrik Christiernsen Tornekrans, seit 1508 der 47. Abt von Sorø, ließ 1515 die Kirche renovieren. Er war Mitglied des Reichsrats. Seine Wende von König Christian II. zu Friedrich I. erhielt dem Kloster seine Privilegien, während andere Klöster unter Friedrich I. bereits erheblich belastet wurden. Als Christian III. in Dänemark 1536 die Reformation eingeführte, bestätigte er Henrik, obwohl dieser dem Luthertum kritisch gegenüberstand, seine Rolle als Visitator der skandinavischen Zisterzienerklöster. 1537 ließ Christian III. Absalons Grab öffnen. In diesem Zusammenhang gab Abt Henrik eine neue Grabplatte bei Martin Bussart in Auftrag, die den Abt mit den bischöflichen Insignien zeigt.
Nach Henriks Tod 1538 wurde das Kloster Sorø als lutherischen Konvent fortgeführt, in dem die Mönchen bis an ihr Lebensende bleiben durften. Die Klostergüter gingen an die Krone über. 1559 ließ König Friedrich II. die verbliebenen elf Mönche vom Kloster Esrom nach Sorø umsiedeln. Der 50. und letzte Abt, Morten Pedersen (1537–1595), legte 1572 sein Amt nieder.
Seit 1586 bestand eine Schule, die der Gelehrte Holger Rosenkrantz 1623 zu einer Ritterakademie ausbaute. Die Sorø Akademi, die den Rang einer Universität hatte, wurde von seinem Sohn Jørgen Rosenkrantz geleitet, musste aber schon 1665 wieder geschlossen werden, da sie sich finanziell nicht trug. Eine zweite Akademie bestand von 1747 bis 1793. Die Schule blieb die ganze Zeit über bestehen und besteht heute noch als öffentliche Schule mit Internat. Die Kirche gehört zur Schule.
1813 fielen einem Brand fast die gesamten Klostergebäude zum Opfer, der Kreuzgang, der zwar unbeschädigt geblieben war, wurde abgerissen, um moderneren Schulgebäuden Platz zu machen. Nur die Kirche, die an das südliche Querschiff anschließende Sakristei und die Treppe, die dort zum Dormitorium führte, sowie das Klostertor blieben erhalten. Bei dem Brand ging auch die reichhaltige Bibliothek verloren, zu der neben Beständen der Schule auch Urkunden aus der Klosterzeit gehörten.
1827 wurde Absalons Grab erneut geöffnet, wobei sein Bischofsstab, sein mit einem Saphir verzierter Bischofsring, ein Abendmahlskelch und eine längere Inschrift auf einer Bleitafel, eine sogenannte Grabauthentik, gefunden wurden, auf der Absalon bezeichnet wird als QVI:HOC: CLAVSTRVM FVNDAVIT = „der dieses Kloster gründete“. Jens Jacob Asmussen Worsaae, der zwischen 1857 und 1873 einige Gräber untersuchte, in denen laut eine Grabplanes König Olav II., Henning Podebusk und der 1300 verstorbene Bischof Jens Krag liegen sollten, fand dagegen nichts, das die Verstorbenen hätte identifizieren können.
Bei der Kirchenrenovierung 1860–1910 wurde versucht, den ursprünglichen, romanischen Zustand wiederherzustellen. Zuletzt wurde die Kirche 2019–2022 renoviert, wobei das Aussehen des ursprünglichen Westgiebels vor dem Brand von 1247 rekonstruiert wurde.
Klosterkirche miniatur|Inneres der Klosterkirche nach Osten Die 70 m lange Kirche ist eine dreischiffige Basilika in Kreuzform mit fünf Langhausjochen im gebundenen System, Querschiff mit je drei quadratischen Jochen, an die jeweils zwei gerade geschlossenen Kapellen an der Ostseite anschließen, und einjochigem Rechteckchor ohne Apsis, wie es den Architekturregeln des Ordens entspricht. Die ursprünglich flach gedeckten Mittel- und Seitenschiffe wurden nach dem Brand von 1247 mit spitzbögigen Rippengewölben überwölbt; die Gewölbebögen ruhen auf kurzen Säulchen. Nur in vier Jochen des nördlichen Seitenschiffs befinden sich ältere Gewölbe.
Anstelle des bei den Zisterzienserkirchen unüblichen Turmes hat sie einen Dachreiter über der Vierung, der mehrfach erneuert wurde.
Ausstattung Durch Stiftungen, teilweise auch durch Zeichnungen sind zahlreichen Nebenaltären in den Querschiffkapellen und an den Langhauspfeilern dokumentiert. Von dieser mittelalterlichen Kirchenausstattung ist nur ein frühgotisches Triumphkreuz aus dem 13. Jahrhundert erhalten, das im nördlichen Querschiff hängt. Das lange, schmale Kreuz trägt an den Enden die Evangelistensymbole. Am Fußende steht eine kleine Madonna mit Jesuskind.