mini|Die Verfassung der französischen Republik vom 22. August 1795 mini|Lazare Nicolas Marguerite Carnot mini|Paul de Barras Das Direktorium (; 26. Oktober 1795 – 24. Dezember 1799) war die letzte Regierungsform der Französischen Revolution. Die Staatsgewalt oblag im Wesentlichen einem fünfköpfigen Kollegialorgan, das als Exekutive ebenfalls als Direktorium bezeichnet wurde.Franz Lehner, Ulrich Widmaier: Vergleichende Regierungslehre. 4., überarbeitete Auflage, VS Verlag, Wiesbaden 2002, ISBN 978-3-8100-3199-0, S. 30. Dieses System wurde zum Vorbild der nachfolgenden Direktorialsysteme in anderen Ländern.

Es ersetzte als Folge des Sturzes Maximilien de Robespierres am 9. Thermidor II (27. Juli 1794 im republikanischen Kalender) die Herrschaft des Nationalkonvents.

Geschichte Die Verfassung des Direktoriums (Verfassung des Jahres III) wurde am 22. August 1795 vom Nationalkonvent verabschiedet. Sie trat nach Volksabstimmung am 23. September in Kraft.

Erstmals wurde ein Parlament mit zwei Kammern eingeführt: Der Rat der Fünfhundert (franz. ) Der Rat der Alten (franz. – 250 Mitglieder).

Die Kontrolle der Exekutive lag in der Hand eines fünfköpfigen „Vollziehungsdirektoriums“.Artikel 132 der Verfassung des 5. Fructidor des Jahres III (22. August 1795). Seine Mitglieder wurden vom Rat der Alten aus einer Liste, die vom Rat der Fünfhundert vorgelegt wurde, gewählt. Als eigentliche Exekutive unterstanden dem Direktorium die (damals sieben) Ministerien.

Am 12. Oktober 1795 begannen die ersten Wahlen; am 26. Oktober fand die letzte Sitzung des Konvents statt. Am 31. Oktober wurde das erste Direktorium gewählt.

Im 1. und 2. Direktorium hatte noch Graf Lazare Carnot die Meinungsführerschaft, nach dem Staatsstreich des 18. Fructidor V (4. September 1797) wurde das Direktorium durch ein Triumvirat kontrolliert (Paul de Barras, La Révellière-Lépeaux, Jean-François Reubell), in dem Barras dominierte.

Das von Barras beherrschte Direktorium wurde rasch zum Synonym für Korruption und Verschlechterung der Staatsfinanzen. Die Assignatenwährung unterlag einer starken Inflation trotz der militärischen Erfolge Napoleon Bonapartes im Italienfeldzug 1796–1797 und der hieraus resultierenden Kriegseinnahmen.

Ab dem 5. Direktorium wurde Emmanuel Joseph Sieyès zur führenden Persönlichkeit und konnte dadurch schon Napoleon den Weg bereiten. Napoleon selbst konnte jedoch nicht Mitglied des Direktoriums werden, da man dafür laut Verfassung mindestens 40 Jahre alt sein musste.

Napoleon Bonaparte stürzte das Direktorium am 18. Brumaire VIII (9. November 1799) und am folgenden Tag wurde er zum Ersten Konsul gewählt, die beiden Direktoriumsmitglieder Ducos und Sieyès wurden zunächst die beiden anderen Mitkonsuln des dreiköpfigen Konsulats.

Am 24. Dezember 1799 trat die Konsulatsverfassung in Kraft. Dieses Datum gilt als das Ende der Französischen Revolution und als Beginn des Konsulats.

Ob die Zeit des Direktoriums ein „Höhepunkt der revolutionären Demokratie“ war, wie der britische Historiker James Livesey meint, oder eine „Republik ohne Demokratie“ (so der Untertitel einer Darstellung der französischen Historiker Marc Belissa und Yannick Bosc), ist in der Forschung umstritten.Christina Schröer: „Wir selbst waren unsere gefährlichsten Feinde“. Die demokratische politische Kultur am Ende der Französischen Revolution (1794–1799). In: Christoph Nonn (Hrsg.): Wie Demokratien enden. Von Athen bis zu Putins Russland. Schöningh, Paderborn 2020, ISBN 978-3-506-70445-0, S. 45–74, hier S. 47.

+Schematische Darstellung Mitte (Thermidorianer)      Rechts (Conservatives-Clichyens)      Links (Radikale Republikaner)      Andere (Marais)Paul Barras – Louis-Mariede la Révellière – Jean-François Reubell – Lazare Carnot – Étienne-François Letourneur – François Barthélemy – Philippe-Antoine Merlin – François de Neufchâteau – Jean-Baptiste Treilhard – Emmanuel Joseph Sieyès – Roger Ducos – Jean-François Moulin – Louis-Jérôme Gohier – Nach dem Staatsstreich von Napoleon Bonaparte traten Barras, Ducos and Sieyès zurück.Moulin und Gohier verweigerten den Rücktritt und wurden von General Moreau verhaftet.

1. Direktorium vom 9. Brumaire IV (amtierte 568 Tage ab dem 31. Oktober 1795)

Lazare Nicolas Marguerite Carnot Étienne-François Le Tourneur Paul de Barras Jean-François Reubell Louis-Marie de La Révellière-Lépeaux

2. Direktorium vom 1. Prairial V (amtierte 106 Tage ab dem 21. Mai 1797)

Lazare Nicolas Marguerite Carnot François Barthélemy Paul de Barras Jean-François Reubell Louis-Marie de La Révellière-Lépeaux

3. Direktorium vom 18. Fructidor V (amtierte 287 Tage ab dem 4. September 1797)

Nicolas-Louis François de Neufchâteau Philippe-Antoine Merlin de Douai Paul de Barras Jean-François Reubell Louis-Marie de La Révellière-Lépeaux

4. Direktorium vom 29. Prairial VI (amtierte 334 Tage ab dem 18. Juni 1798)

Jean-Baptiste Treilhard Philippe-Antoine Merlin de Douai Paul de Barras Jean-François Reubell Louis-Marie de La Révellière-Lépeaux

5. Direktorium vom 27. Floreal VII (amtierte 31 Tage ab dem 17. Mai 1799) mini|Mitglied des Direktoriums Jean-Baptiste Treilhard Philippe-Antoine Merlin de Douai Paul de Barras Emmanuel Joseph Sieyès Louis-Marie de La Révellière-Lépeaux

6. Direktorium vom 29. Prairial VII (amtierte 3 Tage ab dem 17. Juni 1799)

Louis-Jérôme Gohier Philippe-Antoine Merlin de Douai Paul de Barras Emmanuel Joseph Sieyès Louis-Marie de La Révellière-Lépeaux

7. Direktorium vom 2. Messidor (amtierte 142 Tage ab dem 20. Juni 1799)

Louis-Jérôme Gohier Jean-François Moulin Paul de Barras Emmanuel Joseph Sieyès Roger Ducos

Siehe auch Directoire-Stil

Literatur

Marc Belissa, Yannick Bosc: Le Directoire. La République sans démocratie. La fabrique éditions, Paris 2018, ISBN 978-2-35872-164-6.

Weblinks Verfassung vom 23. September 1795, abgedruckt in Karl Heinrich Ludwig Pölitz: Die europäischen Verfassungen seit dem Jahre 1789, 2. Band, Leipzig 1833, S. 30 (Digitalisat)

Einzelnachweise

Kategorie:Organisation (Französische Revolution) Kategorie:Gegründet 1795 Kategorie:Aufgelöst 1799