mini|hochkant=1.4|BVG – U-Bahn-Brücke Landwehrkanal
Die Berliner Verkehrsbetriebe (ehemals Berliner Verkehrs-Aktiengesellschaft), kurz: BVG,Amtsgericht Charlottenburg, HRA 31152. sind ein Verkehrsunternehmen für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Berlin in der Rechtsform einer Anstalt des öffentlichen Rechts. In Berlin sowie im Umland (Agglomeration Berlin) betreibt die BVG die U-Bahn Berlin, die Straßenbahn Berlin, den Busverkehr in Berlin und den Fährverkehr in Berlin, nicht jedoch die S-Bahn. Die BVG ist Mitglied im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) und im Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV).
Geschichte
Bis 1990 Vor der Bildung von Groß-Berlin als Einheitsgemeinde 1920 gab es verschiedene, voneinander unabhängige Unternehmen, die öffentlichen Personennahverkehr durchführten. So gab es die 1868 privat gegründete Allgemeine Berliner Omnibus-Actien-Gesellschaft (ABOAG), die 1897, ebenfalls privat, entstandene Gesellschaft für elektrische Hoch- und Untergrundbahnen in Berlin (Hochbahngesellschaft) und zahlreiche Straßenbahnunternehmen. Die meisten Straßenbahnbetriebe wurden nach dem Ersten Weltkrieg zusammengeführt und gingen in dem am 13. Dezember 1920 gegründeten Kommunalbetrieb Berliner Straßenbahn auf. Aufgrund massiver finanzieller Probleme wurde dieser städtische Straßenbahnbetrieb am 8. September 1923 aufgelöst und die privatrechtliche Berliner Straßenbahn-Betriebs-GmbH gegründet, die den Betrieb am 10. September zunächst nur mit einem deutlich reduzierten Liniennetz und Fahrplanangebot aufnehmen konnte.7. September 1923: Verkehrs-Drosselung statt Straßenbahn-Sanierung und Die Straßenbahn im Stadtparlament. In: Vossische Zeitung, 7. September 1923, Morgenausgabe, Beilage S. 1, abgerufen am 10. Dezember 2019.
Es gab jedoch weder aufeinander abgestimmte Fahrpläne noch Fahrpreise. Dies wurde als ein untragbarer Zustand empfunden, besonders wegen des mit fast 900 km² riesigen Stadtgebiets. Ernst Reuter, der 1926 das Dezernat für Verkehr und Versorgungsbetriebe im Magistrat übernahm, setzte sich für die Beendigung dieses Missstandes ein. Am 9. März 1927 schlossen die Berliner Straßenbahn-Betriebs-Gesellschaft, die Hochbahngesellschaft und die Allgemeine Berliner Omnibus AG den sogenannten Interessengemeinschafts-Vertrag, mit dem am 15. März 1927 das Tarifsystem des 20-Pfennig-Einheitstarifs zwischen den drei Verkehrsmitteln in Kraft trat. Der Tarif erlaubte das einmalige Umsteigen innerhalb eines Verkehrsmittels beziehungsweise zur Straßenbahn oder U-Bahn, ab dem 1. Januar 1928 auch zum Autobus.15. März 1927: Erster Tag Einheitstarif. – Glatte Verkehrsabwicklung. – Die Flut fortgeworfener Hochbahnscheine. In: Vorwärts, 15. März 1927, Abendausgabe Nr. 125, S. 6, abgerufen am 18. Dezember 2019.
Bereits zum Jahresanfang 1928 skizzierte Ernst Reuter seine Gedanken zum weiteren Ausbau des Berliner Verkehrs in der Zeitung Vorwärts und ging vor allem auf geplante Fahrzeugbeschaffungen und Finanzierungsfragen ein.
Es stellte sich heraus, dass der Tarif des sogenannten Interessengemeinschafts-Vertrags nicht ausreichend war, um einen fairen Interessenausgleich zwischen den drei Unternehmen herbeizuführen. Jedes wirtschaftete weiterhin für sich allein. Die privaten Bus- und U-Bahn-Gesellschaften waren jedoch gegenüber der im Besitz der Stadt Berlin befindlichen Straßenbahn-Gesellschaft steuerlich benachteiligt. Da keine Privataktionäre Anteile an der Straßenbahn-Gesellschaft hielten, war nur für diese die Befreiung von der Körperschafts- und Vermögensteuer möglich.Ernst Reuter: Die Gründung der Berliner Verkehrs-A.-G. In: Verkehrstechnik, 8. Jg., 50. Heft (14. Dezember 1928), S. 917–919. Auf die Hochbahn entfiel zudem das höchste Investitionsvolumen. Sie zahlte hohe Steuern auf ihr Kapital, auf sie entfiel jedoch nur ein relativ geringer Umsatz.
Um diese Probleme unter einem gemeinsamen Dach zu beheben, wurde am 10. Dezember 1928 die Berliner Verkehrs-Aktiengesellschaft (BVG) mit einem Kapital von 400 Millionen Reichsmark gegründet.
mini|links|BVG-Streik 1932; Barrikaden in Schöneberg
Am 1. Januar 1929 nahm die Gesellschaft den Betrieb auf. Wenige Wochen nach der Gründung der BVG wurden umfangreiche Pläne zum Ausbau des Schnellbahnnetzes vorgestellt, von denen aber nur ein Teil umgesetzt werden konnte.29. Januar 1929: Es geht vorwärts im Schnellbahnbau! – Ein Bauprogramm für die nächsten fünf Jahre. In: Vorwärts, 29. Januar 1929, Morgenausgabe Nr. 47, S. 6, abgerufen am 18. Dezember 2019.
Der Streik bei der Berliner Verkehrs-AG vom November 1932 gehörte zu den spektakulärsten Arbeitskämpfen in der Endphase der Weimarer Republik.
In der Zeit des Nationalsozialismus ernannte der Staatskommissar für Berlin, Julius Lippert, den NSDAP-Politiker Johannes Engel zum Aufsichtsratschef der BVG. Der Vorstand und die meisten leitenden Angestellten wurden gekündigt oder entmachtet. 1934 wurde Wilhelm Benninghoff zum Betriebsführer ernannt. Im Zweiten Weltkrieg setzte die BVG rund 4000 Zwangsarbeiter ein, für die das Unternehmen ein eigenes Barackenlager baute.
mini|BVG-Hauptverwaltung von 1945 bis 2008 in Schöneberg
Am 1. Januar 1938 wurde das Unternehmen unter der Bezeichnung Berliner Verkehrs-Betriebe (BVG) ein Eigenbetrieb der Stadt Berlin. Aufgrund der Teilung Berlins bildete sich am 1. August 1949 eine eigene BVG-Verwaltung in Ost-Berlin, die ab 1. Januar 1969 unter der Bezeichnung VEB Kombinat Berliner Verkehrsbetriebe (BVB) firmierte. mini|Historisches Emblem der BVG von 1935 bis 1951
Im Jahr 1972 wurde die BVG durch das Lied Mensch Meier (Album Keine Macht für Niemand) der Band Ton Steine Scherben über die Berliner Grenzen hinaus berühmt. Es prangerte die damaligen Fahrpreiserhöhungen an und forderte zum Schwarzfahren auf („Ne, ne, ne, eher brennt die BVG“).
Zwischen 1984 und 1994 betrieb die BVG in West-Berlin die S-Bahn Berlin und zwischen 1989 und 1991 die M-Bahn.
Seit 1990 Als Folge der deutschen Wiedervereinigung fusionierten BVG (West) und BVB (Ost) am 1. Januar 1992 unter dem Namen Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). 1994 wurde die BVG in eine Anstalt des öffentlichen Rechts umgewandelt.
Am 12. Dezember 2004 führte die BVG ein sogenanntes Metronetz ein. Die Metrolinien, zu denen sowohl MetroTram- als auch MetroBus-Linien gehören, verbinden nachfragestarke Bereiche auf dem möglichst kürzesten Weg. Diese Linien verkehren 24 Stunden am Tag, in der Regel werktags zwischen 6 und 21 Uhr mit einem Mindesttakt von 10 Minuten.
Im August 2008 verlegte die BVG ihren Hauptsitz in die neue BVG-Zentrale im Trias-Gebäude in der Nähe des Bahnhofs Jannowitzbrücke. Die neuen Räumlichkeiten sind angemietet.; Pressemeldung der BVG zum Umzug. Die bisherigen Standorte an der Potsdamer Straße sowie an der Rosa-Luxemburg-Straße (heutiges Grenander-Haus) wurden weitgehend aufgegeben und für 36 Millionen Euro veräußert. Der Umzug in den Trias kostete zehn Millionen Euro, die Monatsmiete im Trias betrug 246.000 Euro, ab 2014 waren es 256.500 Euro und ab 2019 knapp 266.000 Euro. Hinzu kommen Nebenkosten in Höhe von 95.000 Euro.BVG-Zentrale zieht um für zehn Millionen Euro. In: Der Tagesspiegel, 6. August 2008. Die Gebäude an den bisherigen Standorten wurden von der BVG 2008 verkauft, die Bus- und U-Bahn-Leitstellen waren dort noch zur Miete bis 2015 untergebracht. Seit August 2015 befindet sich die U-Bahn-Betriebsleitstelle in einem Neubau auf dem Gelände der Betriebswerkstatt Friedrichsfelde.
Seit 1. September 2024 kann in Berliner Bussen nicht mehr mit Bargeld bezahlt werden.
Tarifkonflikt zwischen Verdi und BVG 2025
Ende 2024 kam es wieder zu einem Tarifkonflikt zwischen der BVG und der Gewerkschaft Verdi. Die Gewerkschaft forderte für die Mitarbeiter eine Erhöhung beim Basisgehalt von 750 Euro/Monat sowie eine Laufzeit von zwölf Monaten. Es kam zu zahlreichen Warnstreiks. Die BVG bot 375 Euro/Monat bei einer Laufzeit von 24 Monaten. Damit war die Gewerkschaft nicht einverstanden. Deshalb hatte sie sich mit ihren Mitgliedern auf einen unbefristeten Streik geeinigt.
Dessen ungeachtet hatten sich sowohl BVG als auch Verdi für eine externe Schlichtung entschieden. Die Schlichtung übernahmen Bodo Ramelow (für Verdi) und Matthias Platzeck (für die BVG). Währenddessen herrschte bis zum 10. April 2025 ein Streikverbot.
Verdi und BVG einigten sich am 10. April 2025 auf einen Schlichtungsvorschlag, der in einer bis zum 28. April laufenden Urabstimmung angenommen wurde. Es wurde eine 24-monatige Laufzeit rückwirkend ab dem 1. Januar 2025, eine Einmalzahlung von 1500 Euro und eine Gehaltserhöhung von 380 Euro (ab Juni 2025) und 50 Euro (ab Juni 2026) vereinbart.
Unternehmen Die BVG ist zur Anwendung des Deutschen Corporate Governance Kodex und des Landesgleichstellungsgesetzes verpflichtet. Sie wurde im Jahr 2012 für ihr Betriebliches Gesundheitsmanagement mit dem Exzellenz-Siegel des Corporate Health Award in der Kategorie Verkehr/Handel/Logistik ausgezeichnet.
Finanzen Die BVG bestreitet ihre Ausgaben neben den Fahrgeld- und sonstigen Einnahmen durch öffentliche Zuwendung. Der Kostendeckungsgrad ohne Berücksichtigung der Zuschüsse lag 2007 bei 67 %. Im Jahr 2013 konnte er auf 99 % gesteigert werden. 2014 erzielte die BVG mit einem handelsrechtlichen Ergebnis von 7,4 Millionen Euro erstmals in der Unternehmensgeschichte ein positives Geschäftsergebnis (schwarze Null), das nicht auf Sondereffekten beruhte.
mini|Trias-Gebäude, Sitz der BVG seit 2008
Jahr Umsatzerlöse Öffentliche Zuwendung Ergebnis 2005 644 Mio. € 412 Mio. € 235 Mio. € 2006 636 Mio. € 307 Mio. € −23 Mio. € 2007 624 Mio. € 308 Mio. € −59 Mio. € 2008 601 Mio. € 272 Mio. € −246 Mio. € 2009 662 Mio. € 283 Mio. € −66 Mio. € 2010 666 Mio. € 281 Mio. € −78 Mio. € 2011 678 Mio. € 289 Mio. € −71 Mio. € 2012 700 Mio. € 264 Mio. € −58 Mio. € 2013 741 Mio. € 268 Mio. € −17 Mio. € 2014 800 Mio. € 283 Mio. € 7,4 Mio. € 2015 821 Mio. € 286 Mio. € 18,3 Mio. € 2016 1186 Mio. € 305 Mio. € 11,7 Mio. € 2017 1201 Mio. € 303 Mio. € 12,9 Mio. € 2018 1237 Mio. € 307 Mio. € 31,2 Mio. € 2019 1295 Mio. € 305 Mio. € −58,2 Mio. € 2020 1212 Mio. € 389 Mio. € 0,4 Mio. € 2021 1298 Mio. € 469 Mio. € 3,5 Mio. € 2022 1337 Mio. € 496 Mio. € 3,4 Mio. €
Die Daten entstammen den Geschäftsberichten der BVG der Jahre 2005–2022 und beziehen sich jeweils auf den Konzern.
Beteiligungen + Liste der Beteiligungen (Stand: 31. Dezember 2022)Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). BVG Beteiligungsholding Verwaltungsgesellschaft mbH (BBV), Berlin 100 % BVG-Fahrzeugfinanzierungsgesellschaft mbH, Berlin 100 % BVG-AusBildungs-Campus (ABC) gGmbH, Berlin 100 % BVB Bus-Verkehr-Berlin KG Omnibus-Betriebs- und Verwaltungsgesellschaft mbH & Co., Berlin 25,1 % VerkehrsConsult Dresden-Berlin GmbH (VCDB), Dresden 25,1 % VDV eTicket Service GmbH & Co. KG, Köln 2,3 % IFB Institut für Bahntechnik GmbH, Berlin 6,7 % Partner für Berlin Holding Gesellschaft für Hauptstadt-Marketing mbH, Berlin 4,1 % BVG Beteiligungsholding GmbH & Co. KG (BBH), Berlinbeteiligt an: 100 % • URBANIS GmbH (URBANIS), Berlin 100 % • BT Berlin Transport GmbH (BT), Berlin 100 % • IOB Internationale Omnibusbahnhof-Betreibergesellschaft mbH (IOB), Berlin 100 % • BVG Projekt GmbH (PRG), Berlin, früher Projektrealisierungs GmbH U5, Berlin (PRG U5), früher NESKom 100 %
Über ihr Tochterunternehmen URBANIS GmbH vermietet sie Objekte für Gewerbe- und Wohnungsmieter in ihren Verkehrsanlagen, auf ihren Liegenschaften und auf öffentlichem Straßenland.
Direktoren und Vorstandsvorsitzende Die BVG wurde seit ihrer Gründung im Jahr 1929 jeweils von bis zu fünf Direktoren geleitet. Die Liste gibt einen unvollständigen Überblick über die Direktoren der BVG (West) und der Vorstandsvorsitzenden ab 1994.