Die Saab JAS 39 Gripen (Kurzform Gripen, für: der Greif) ist ein einstrahliges Mehrzweckkampfflugzeug des schwedischen Herstellers Saab und der Nachfolger der Saab JA 37 Viggen. Die Bezeichnung JAS steht für Jakt, Attack och Spaning (schwedisch für: Jagd, Angriff und Aufklärung).

Der Erstflug der Saab 39 fand 1988 statt; die Version JAS 39C/D ist seit 2005 bei der schwedischen Luftwaffe (Flygvapnet) im Einsatz. Außerdem fliegen die Luftstreitkräfte von Südafrika, Ungarn, der Tschechischen Republik, Brasilien und Thailand die Gripen. Die Testpilotenschule des Vereinigten Königreichs (Empire Test Pilots School) betreibt zu Ausbildungszwecken ebenfalls eine Gripen.

Entwicklung

mini|Eine schwedische JAS 39 Gripen nach einer Luftbetankung

Gebaut wird das Flugzeug von einer Tochtergesellschaft der SAAB AB, der Gripen International (Kooperation zwischen Saab Technologies und BAE Systems) im schwedischen Linköping. Der Großteil des Flugzeuges wird in Schweden gefertigt und endmontiert. Weitere Komponenten stammen hauptsächlich von europäischen Firmen, einige Teile jedoch aus den Vereinigten Staaten und Südafrika. Zur Entwicklung der Maschine schlossen sich Saab, Volvo, Ericsson und FFV Aerotech zur Industriegruppe JAS zusammen. Diese legte 1981 einen ersten Entwurf vor. Die ersten Systemerprobungen begannen 1984, und im Februar 1986 war das erste Mock-up fertig. Der Rollout erfolgte am 26. Februar 1987. Am 9. Dezember 1988 startete Stig Holmström mit dem ersten Prototyp zum Erstflug. Nach dessen Absturz flog der zweite Prototyp am 4. Mai 1990. Fünf Prototypen (der letzte flog erstmals im Oktober 1991), eine Zelle für statische Versuche und zwei Kabinen für Versuche mit dem Schleudersitz wurden gebaut. Die Erprobung dauerte wegen zweier Abstürze und Problemen mit der US-amerikanischen Fly-by-wire-Software länger als geplant. Die Saab 39 wurde 1993 von den schwedischen Luftstreitkräften auf dem Flugplatz von Linköping in Dienst gestellt. Die erste Doppelsitzermaschine flog am 29. April 1996.

In den 2010er Jahren begann die Entwicklung einer nächsten Gripen-Generation, der Gripen NG. Die schwedische Regierung plant die Beschaffung von 60 Gripen E; unklar ist, ob bereits ausgelieferte Gripen C umgerüstet werden oder ob die Flygvapnet mit neu gebauten Luftfahrzeugen ausgerüstet wird.Gareth Jennings: In: Janes.com, 12. Juni 2014, abgerufen am 22. Juni 2014 (englisch): „The Swedish government is set to amend the Gripen E production contract so that the aircraft will be new-build rather than re-manufactured airframes, a Saab spokesperson confirmed to IHS Jane’s on 12 June“ (englisch).

Beschreibung

Die Saab Gripen ist ein schwedisches Mehrzweckkampfflugzeug, das als Ein- und Doppelsitzer verfügbar ist. Es ist für den harten Wintereinsatz auch auf Behelfspisten, Autobahnen und unbefestigten Straßen ausgelegt. Zudem erfüllt es die Forderungen nach hoher Zuverlässigkeit, einfacher Wartung (zum Teil durch Wehrpflichtige) und universellem Einsatz. Bei besonders kalter Witterung lässt sich die Maschine – nach vergleichsweise kurzer Anheizphase mit dem Hilfstriebwerk – rasch in die Luft bringen. Auch bei schwierigen Bodenverhältnissen stellen Start und Landung für erfahrene Piloten kein größeres Problem dar. Die Kosten einer Flugstunde wurden von der südafrikanischen Luftwaffe (SAAF) 2012 mit 10.000 US-Dollar angegeben.

Da sich die Entwicklung für Saab nur bei einer Produktion von deutlich über 200 Stück finanziell lohnt, wurden bislang 68 Exemplare an andere, zu jenem Zeitpunkt blockfreie Staaten wie Südafrika, Ungarn, Tschechien und Thailand veräußert beziehungsweise verleast.

Technik Konstruktion

Bei dem Flugzeug handelt es sich um einen Mitteldecker mit an der Vorderkante um 45° gepfeilten Deltaflügeln mit Sägezahn und beweglichen Canards an den seitlichen Lufteinläufen. Die Canards dienen nicht nur der Manövrierfähigkeit, sondern können auch zur Verkürzung der Landestrecke benutzt werden. Im hinteren Teil des Rumpfes sind zusätzlich zwei Bremsklappen angebracht. Zur Erweiterung der Reichweite verfügt die Maschine über eine einziehbare Tanksonde auf dem linken Lufteinlass zur Luftbetankung. Das Fahrwerk besteht aus einem doppelt bereiften Bug- und zwei einfach bereiften Hauptfahrwerken. Die Avionik besteht aus einem Puls-Doppler-Radar PS-05/A von Ericsson/GEC-Marconi mit mehreren Betriebsarten (look-down, shoot-down) und einer Erfassungsreichweite von etwa 120 km, einem Ericsson-SDS-80-Zentralcomputer mit etwa 40 Prozessoren und einem MIL-1553B-Standardbus. Gesteuert wird die Maschine über ein Fly-by-wire-System. Im Cockpit stehen verschiedene Multifunktionsbildschirme und ein Weitwinkel-Head-up-Display von Kaiser Electronics zur Verfügung. Das Flugzeug besteht zu etwa dreißig Prozent aus Verbundwerkstoffen. So bestehen die Canards und einige Verkleidungen des Rumpfes sowie Teile der Tragflächen, der Seitenflosse, der Ruder und die Landeklappen aus kohlenstofffaserverstärkten Kunststoffen. Das Radom wird aus glasfaserverstärkten Kunststoffen gefertigt, während für den Rumpf eine Aluminiumlegierung und für die Tragflächenanschlüsse eine Titanlegierung verwendet wird.

Triebwerk

Bei den JAS 39A und B wird ein Volvo Aero RM12 – ein verbessertes F404-Triebwerk von General Electric mit Nachbrenner – eingesetzt. Für die JAS 39C/D wurde das verbesserte Volvo RM12UP verwendet. 2007 wurde die Möglichkeit der Nachrüstung mit einem GE-F414G-Triebwerk geprüft. Der erste Testflug mit diesem Triebwerk fand 2008 statt und wird bei der JAS 39E/F (Gripen NG) eingesetzt. Die Lufteinläufe der Triebwerke sind nicht verstellbar.

Volvo Aero RM12 Volvo Aero RM12UP General Electric F414G

Sicherheits- und Rettungssysteme

Sprengschnur Im oberen Teil der Cockpithaube ist eine Sprengschnur eingearbeitet, um im Falle eines Ausstieges mit dem Schleudersitz durch eine kontrollierte Zerlegung der Haube Verletzungen des Piloten vorzubeugen.

Schleudersitz Für den Notausstieg bei Unterschallgeschwindigkeit sind für die Piloten vollautomatische Martin-Baker-Mk.10LS-Schleudersitze eingebaut. Der gasbetriebene Schleudersitz verfügt neben dem Piloten-Fallschirm auch über einen Anschluss für die Anti-g-Hose, einen Sauerstoffanschluss sowie ein Überlebenspaket. 2007 gab es Probleme mit einem ungewollten Ausschuss, als offenbar der Anti-g-Anzug den Auslösegriff bei hoher g-Beschleunigung betätigte.

Airbag Für den Piloten im zweiten Cockpit (bei den Doppelsitzvarianten) ist ein Airbag im Frontpanel eingebaut, um ihn beim Ausstieg des vorne sitzenden Piloten mit dem Schleudersitz vor Splittern der berstenden Cockpithaube zu schützen.

ABS Das Fahrwerk der Saab 39 verfügt über Bremsen mit ABS, um auf den schwedischen Behelfsstartbahnen bei schlechten Pistenverhältnissen und auf kurzen Strecken starten und landen zu können.

Bewaffnung

mini|320px|Die Aufhängepunkte der Bewaffnung

Festinstallierte Bordkanone 1 × 27-mm-Revolver-Maschinenkanone AKAN Mauser BK-27 mit 120 Schuss Munition (nur in einsitzigen Maschinen)

Bewaffnung an Außenlaststationen Zudem kann an vier Unterflügelstationen, zwei Flügelendschienen und zwei Unterrumpfstationen eine Vielzahl verschiedener Waffen mit einer maximalen Gesamtmasse von 4200 kg mitgeführt werden. Bei der Version Gripen E mit dem stärkeren Triebwerk stehen zwei zusätzliche Unterrumpfstationen zur Verfügung und die Gesamtmasse steigt auf 5200 kg.

Luft-Luft-Lenkflugkörper 6 × LAU-7-Startschiene für je eine RB 74 (Robotsystem 74, schwedische Lizenzproduktion der Raytheon AIM-9L Sidewinder) – infrarotgesteuert für Kurzstrecken 6 × MML-Startschiene für je eine Raytheon AIM-9L/I Sidewinder – infrarotgesteuert für Kurzstrecken 6 × MML-Startschiene für je eine RB 98 (Robotsystem 98, Diehl BGT Defence IRIS-T) – infrarotgesteuert für Kurzstrecken 4 × MML-Startschiene für je eine RB 99 (Robotsystem 99, schwedische Lizenzproduktion der Raytheon AIM-120B AMRAAM) – radargesteuert für Mittelstrecken 4 × MML-Startschiene für je eine Raytheon AIM-120C-5 AMRAAM – für Exportversion, radargesteuert für Mittelstrecken 4 × MML-Startschiene für je eine MBDA Meteor – radargesteuert für Mittelstrecken 6 × Startschiene für je eine Kentron V3E A-Darter (für südafrikanische Maschinen) – infrarotgesteuert für Kurzstrecken 4 × Startschiene für je eine Kentron V4 R-Darter (für südafrikanische Maschinen) – radargesteuert für Kurzstrecken

Luft-Boden-Lenkflugkörper 4 × LAU-117A-Startschiene für je eine Saab RB 75TV (Robotsystem 75, schwedische Lizenzproduktion der AGM-65B Maverick) – elektro-optisch gesteuert zur Panzerbekämpfung 4 × LAU-117A-Startschiene für je eine Raytheon AGM-65D/G/H Maverick – wärmebildgesteuert zur Panzerbekämpfung 2 × Saab Bofors/Diehl BGT RBS-15F Mk.3 (Robotsystem 15) – radargesteuert zur Schiffsbekämpfung

Gelenkte Bomben 4 × Lockheed-Martin GBU-12C/B Paveway II (lasergelenkte 227-kg-Gleitbombe) 4 × GBU-16B/B Paveway II (lasergelenkte 454-kg-Gleitbombe) 2 × GBU-10E/B Paveway II (lasergelenkte 907-kg-Gleitbombe)

Ungelenkte Luft-Boden-Raketen 4 × Bofors-ARAK-70-Raketen-Rohrstartbehälter für je sechs ungelenkte Luft-Boden-Raketen; Kaliber 135 mm

Ungelenkte Bomben 8 × Mark 82 (227-kg-Freifallbombe) 8 × M51 (120-kg-Freifallbombe) 2 × Bombkapsel BK 90 Mjolner (DASA DWS 39, trägheitsnavigationsgelenkte 600-kg-Gleit-/Schüttbombe mit 72 × MJ-1-Splittergranaten gegen Panzerverbände)

Elektronik-Zusatzbehälter 1 × Rafael/Northrop-Grumman AN/AAQ-28(V) Litening G.III-Zielbeleuchtungsbehälter (Forward Looking Infrared-Pod mit Wärmebildgerät, TV-Kamera, Laserpeiler sowie Lasersuch- und Folgesystem) 1 × Vinten Vicon 18/72C Aufklärungs- und Überwachungsbehälter (mittlerweile durch SPK39 ersetzt) 1 × Rafael RECCELITE-Aufklärungsbehälter 1 × Saab SPK39 (SLAR-Aufklärungsbehälter) 1 × Saab-Ericsson BOQ-X300 (EKF-Störbehälter; nur JAS 39A/B) 1 × Ericsson Eriejammer A110 (EKF-Störbehälter; nur JAS 39A/B) 1 × Ericsson Eriejammer 200 (EKF-Störbehälter; nur JAS 39A/B)

Treibstofftanks 3 × abwerfbare Zusatz-Treibstofftanks mit 1700 Litern Kerosin (nur JAS 39E Gripen NG) 3 × abwerfbare Zusatz-Treibstofftanks mit 1400 Litern Kerosin (nur JAS 39EBS) 3 × abwerfbare Zusatz-Treibstofftanks mit 1100 Litern Kerosin 3 × abwerfbare Zusatz-Treibstofftanks der Saab 35 Draken mit 530 Litern Kerosin (nur Prototypen)

Geplante Erweiterungen des Waffenarsenals 2 × TAURUS KEPD-350 (Marschflugkörper) 2 × Kentron MUPSOW 2 × Kentron RAPTOR 2 × BRU-61/A Bombenracks für je 4 × GBU-39 (Small Diameter Bomb) 4 × Lockheed-Martin GBU-49 Paveway II (lasergelenkte 227-kg-Gleitbombe)

Selbstverteidigungssysteme

Die Saab 39 ist mit dem integrierten IDAS-3-Selbstverteidigungssystem ausgestattet, das bei Bedarf automatisch Gegenmaßnahmen ergreifen kann.

Radarwarner: Die Enden der Startschienen an den Tragflächenspitzen tragen insgesamt vier SAAB-Electronics-BOW-21- oder RWS-300-Radarwarnsensoren. Zusätzlich ist ein Radarwarnempfänger in der Heckflosse untergebracht.

Laserwarner: Im Rumpf sind mittig vier Saab-LWS-310-Laser-Warngeräte verbaut.

Raketenanflugwarner: Vor und hinter der Flügelwurzel sind in der Gripen NG insgesamt vier Raketenanflugwarnsensoren (MAW) des Typs Saab MAW-300 eingebaut.

Täuschkörper: An den Startschienen unter den Tragflächen können insgesamt vier Täuschkörperwerfereinheiten Saab BOP-C mit 8, 20 oder 40 Täuschkörpern befestigt werden. Die Täuschkörper sind plättchenartig gefertigt und haben eine neuere chemische Wirkungsweise. Im Rumpf sind zwei Täuschkörperwerfereinheiten Saab BOP-L mit 23, 29, 31 oder 39 1"×1"-Täuschkörpern montiert. CelsiusTech-Bo2D-Radarschleppköder mit 100-m-Schleppseil an Waffenpylonen 2L oder 2R.

Elektronische Kriegsführungssysteme: Das von Ericsson Saab Avionics eingebaute EWS39 (Electronic Warfare System 39), ab Baulos 3, ist im Rumpf integriert. Es analysiert, identifiziert sowie priorisiert die Daten aller Sensoren (RWR, IFF und Radar) und bekämpft auf Wunsch die Bedrohungen automatisch.

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