Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband e. V. (kurz DSGV) ist der Dachverband und die Lobbyorganisation von 12 regionalen Sparkassenverbänden auf Landesebene und gleichzeitig zuständig für die Organisation des Verbundsystems der Sparkassen-Finanzgruppe.

Laut Lobbyregister beim Deutschen Bundestag gab der Verband rund drei Millionen Euro im Jahr 2024 für Lobbyismus im Umfeld der Bundesregierung aus.

Geschichte

1880–1945 Als erster deutscher Sparkassen- und Giroverband entstand im September 1881 der „Verband der Sparkassen in Rheinland und Westfalen“ in Essen, der sich im Dezember 1884 in den „Deutschen Sparkassenverband“ umwandelte.Hans Peters, Kommunale Finanzen und Kommunale Wirtschaft, 1959, S. 784 Im Dezember 1892 gehörten diesem sieben Mitgliedsverbände an. mini|hochkant|Schuldverschreibung des Deutschen Sparkassen- und Giroverband, 1926 Der „Deutsche Sparkassenverband“ fusionierte mit dem 1916 gegründeten „Deutschen Zentral-Giroverband“ und dem 1921 errichteten „Deutschen Verband der kommunalen Banken e. V.“. Die drei bisherigen Verbände wurden im März 1924 zur „Arbeitsgemeinschaft Deutscher Sparkassen- und Giroverbände und Girozentralen“ in der Rechtsform einer Körperschaft des öffentlichen Rechts verschmolzen und ihnen als Dachverband der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) übergeordnet.Henner Schierenbeck (Hrsg.): Bank- und Versicherungslexikon, 1994, S. 75 Den bis dahin nur lokal und regional tätigen Sparkasseninstituten eröffnete sich dadurch die Möglichkeit, geschlossen aufzutreten und ihren politischen Einfluss deutlich zu erhöhen.

Nachdem die regionalen Sparkassenverbände und der Dachverband ihre Tätigkeit 1945 einstellen mussten, wurde bereits im Oktober 1947 eine neue „Arbeitsgemeinschaft deutscher Sparkassen- und Giroverbände und Girozentralen“ gegründet, die im November 1950 in das Vereinsregister in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins (e. V.) eingetragen wurde und Rechtsvorgängerin des künftigen Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes war,Karl Friedrich Hagenmüller, Bankbetrieb und Bankpolitik, 1959, S. 54 der bis Oktober 1953 noch den Titel „Arbeitsgemeinschaft deutscher Sparkassen- und Giroverbände und Girozentralen“ beibehielt und erst dann seinen heutigen Namen erhielt.

Mit der Einführung einer gemeinsamen Sparkassenwerbung im Jahre 1924 entstand zunächst ein aus den Buchstaben „DSGV“ stilisierter Hermes-Kopf als einheitliches Erkennungszeichen der Sparkassen. Im Auftrag des Verbandes entstand 1938 das „Sparkassen-S“ mit einem Münzeinwurf-Schlitz und einem Punkt als Münze am oberen Rand.Christian Thiemann, Rechtsprobleme der Marke Sparkasse, 2008, S. 52 Der Grafikdesigner Otl Aicher überarbeitete 1972 das einheitliche Erscheinungsbild für die Sparkassen, wofür er das „Sparkassen-S“ modifizierte und Rot als Hausfarbe der Sparkassen einführte.

In den 1920er Jahren trug der DSGV ö. K. dazu bei, dass sich bei den Sparkassen einheitliche Geschäftsgrundlagen, beispielsweise im Giroverkehr, durchsetzten. Der Verband unterstützte die Sparkassen beim weiteren Ausbau ihrer Geschäftsfelder, vor allem im Wertpapier-, Depositen- und Kreditgeschäft. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der DSGV organisatorisch und personell „gleichgeschaltet“ und als „Wirtschaftsgruppe Sparkassen“ innerhalb der „Reichsgruppe Banken“ dem Reichswirtschaftsministerium unterstellt.Hans Pohl/Bernd Rudolph/Günther Schulz, Wirtschafts- und Sozialgeschichte der deutschen Sparkassen im 20. Jahrhundert, 2005, S. 160 ff. DSGV-Präsident Ernst Kleiner, der die „Gleichschaltung“ mitgetragen hatte, musste gleichwohl 1935 aus dem Amt scheiden. Seine Nachfolge trat Johannes Heintze an, ein hoher Beamter aus dem Reichswirtschaftsministerium.

1945–1990 Ab Februar 1951 hatte der Verein seinen Geschäftssitz in Bonn.Peter Linder, Verbände der privaten Banken und der Sparkassen Deutschlands, 1968, S. 46 Seit Oktober 1953 heißt er Deutscher Sparkassen- und Giroverband e. V. Als Verbandsmitglieder sind diesem Dachverband 12 regionale Sparkassenverbände angeschlossen.Jürgen Mura, Entwicklungslinien der deutschen Sparkassengeschichten, 1987, S. 58 ff.

Unter seinem ersten Präsidenten Fritz Butschkau stellte der DSGV e. V. in der Zeit des Wiederaufbaus in der Bundesrepublik Deutschland zwischen 1953 und 1967 die Themen Geldwertstabilität und Inflationsbekämpfung in den Mittelpunkt seiner Arbeit.Thorsten Wehber, Fritz Buschkau, in: Hans Pohl (Hrsg.): Deutsche Bankiers des 20. Jahrhunderts. 2008, S. 35 ff. Unter Butschkaus Nachfolger Ludwig Poullain begann 1967 die Ära der zunehmenden Marktorientierung der Sparkassen. Professionalisierung und Automatisierung des Sparkassenbetriebs machten große Fortschritte.Hans Pohl/Bernd Rudolph/Günther Schulz, Wirtschafts- und Sozialgeschichte der deutschen Sparkassen im 20. Jahrhundert, 2005, S. 336 ff. Im Jahre 1971 bezog der DSGV ein neuerrichtetes Verwaltungsgebäude in Bonn, das 1992 erweitert wurde.

1990-Gegenwart Noch in der Umbruchzeit 1989/90 knüpfte der Verband unter seinem seit 1972 amtierenden Präsidenten Helmut Geiger Kontakte zur Sparkassenorganisation der DDR und unterstützte diese bei der Transformation der ostdeutschen Sparkassen in moderne Geldinstitute. Zeitgleich mit der Wiedervereinigung der beiden deutschen Teilstaaten trat im Herbst 1990 die gesamtdeutsche Sparkassen-Finanzgruppe ins Leben.Hans-Georg Günther/Walter Geiger, Neugestaltung des ostdeutschen Sparkassenwesens 1990–1995, 1998, S. 45 ff., 155 ff. Auf den Sparkassentagen von 1995 („Verantwortung in Gesellschaft und Region“) und 1998 („Zukunft Europa – Standort: hier“) unterstrich Horst Köhler – DSGV-Präsident von 1993 bis 1998 – die Zukunftsfähigkeit der Sparkassen-Finanzgruppe im Wettbewerb und hob die regionale Verantwortung sowie die Positionierung der Sparkassen in Europa hervor.Horst Köhler, Deutsche Sparkassenorganisation: Verantwortung in Gesellschaft und Region, Deutscher Sparkassentag 1995 in Hannover, 1995, S. 205 ff. Bereits im Sommer 1999 hatte der Verband begonnen, seine Geschäftsstelle wieder nach Berlin zu verlagern. In der Amtszeit von Dietrich H. Hoppenstedt kam im Juni 2001 eine Verständigung mit der EU-Kommission über die Änderung der Haftungsgrundlagen für Sparkassen und Landesbanken zustande (Brüsseler Konkordanz). Auf ihrer Basis entfiel im Juli 2005 die Gewährträgerhaftung für neue Verbindlichkeiten der Institute und die Anstaltslast wurde ersetzt.Hans-Peter Burghof, Auslaufen der Gewährträgerhaftung für Sparkassen und Landesbanken, in: Dieter Lindenlaub/Carsten Burhop/Joachim Scholtysek (Hrsg.): Schlüsselereignisse der deutschen Bankengeschichte, 2013, S. 464 ff.

In die Präsidentschaft von Heinrich Haasis, der Hoppenstedt 2006 nachfolgte, fiel die internationale Finanzmarktkrise, deren Kulminationspunkt 2008 der Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers war. Aufgrund ihrer regionalen Verwurzelung, ihrer engen Verflechtung mit der Realwirtschaft und weitgehenden Unabhängigkeit von den internationalen Kapitalmärkten erwiesen sich die deutschen Sparkassen als ein Stabilitätsanker in der Krise. 2007 organisierte der DSGV den Kauf der Landesbank Berlin und ihrer Tochtergesellschaft Berliner Sparkasse durch die Sparkassen. Dadurch gelang es, eine Privatisierung der Sparkasse in der deutschen Hauptstadt zu verhindern.Norbert Schwaldt: Sparkassen übernehmen die Landesbank Berlin. In: Die Welt, 16. Juni 2007Sparkassen kaufen LBB Von 2012 bis Ende November 2017 stand Georg Fahrenschon an der Spitze des DSGV.

Im Sommer 1999 zog der Verband von Bonn nach Berlin um. In Bonn verblieben die zentralen wissenschaftlichen Einrichtungen der Sparkassen-Finanzgruppe: die Management-Akademie der Sparkassen-Finanzgruppe, die Wissenschaftsförderung, die Eberle-Butschkau-Stiftung sowie die eigene, staatlich anerkannte Hochschule. In der Nähe Berlins ist der DSGV seit 1997 Eigentümer von Schloss Neuhardenberg, 2001 übertrug er der Stiftung Schloss Neuhardenberg GmbH die Verantwortung für das Veranstaltungsprogramm, das Tagungsgeschehen und den Hotelbetrieb.Geschichte von Schloss Neuhardenberg

Verband mini|Sitz des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes in der Charlottenstraße in Berlin-Mitte

Lobbyismus In seiner Eigenschaft als Dach- und Lobbyverband übernimmt der DSGV die Interessenvertretung der öffentlich-rechtlichen Sparkassen, der Landesbanken-Konzerne und der DekaBank sowie von Landesbausparkassen, Erstversicherergruppen der Sparkassen und zahlreichen weiteren Finanzdienstleistungsunternehmen. Außerdem vertritt der DSGV als Verbundpartner die Interessen der Sparkassen-Finanzgruppe auf internationaler Ebene.

Der DSGV ist Pendant zum Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands, Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken und Bundesverband deutscher Banken.

2024 publizierte die Organisation Bürgerbewegung Finanzwende einen kritischen Bericht zum Lobbyismus des DSGVs und zog die Gemeinwohlausrichtung in Zweifel.

Sonstige Aufgaben Der DSGV organisiert die Willensbildung innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe und ihre markt- und betriebsstrategische Ausrichtung – von der Produktentwicklung und -abwicklung, über Risikomanagement und Gesamtbanksteuerung bis zum Karten- und Zahlungsverkehr.

Außerdem verwaltet der DSGV die Sicherungsreserve der Landesbanken und Girozentralen sowie den Sicherungsfonds der Landesbausparkassen, die Teil des nach dem Einlagensicherungsgesetz (EinSiG) anerkannten institutsbezogenen Sicherungssystems sind. Der DSGV ist Rechtsträger des nach EinSiG als Einlagensicherungssystem anerkannten institutsbezogenen Sicherungssystems der Sparkassen-Finanzgruppe (Institutssicherung der Sparkassen, Landesbanken und Landesbausparkassen) und übernimmt für die angehörenden Institute die Entschädigung der Gläubiger nach Maßgabe der § bis EinSiG und damit die Aufgabe der Einlagensicherung.

Der Verband legt die strategische Ausrichtung des Verbundsystems fest, so etwa das gemeinsame Corporate Design. Der DSGV ist auch Rechtsinhaber aller nationalen und internationalen Kollektivmarken der Sparkassen-Finanzgruppe in seiner Eigenschaft als Markenverband.vgl. § 5 Markensatzung des DSGV

Der Verband ist Herausgeber der seit 1924 erscheinenden Sparkassenzeitung, die im Deutschen Sparkassenverlag gedruckt wird. Der DSGV ist Mitglied des Weltinstituts der Sparkassen (Genf) und der Europäischen Sparkassenvereinigung (Brüssel).Henner Schierenbeck (Hrsg.): Bank- und Versicherungslexikon, 1994, S. 75

Der DSGV ist Mitglied im Gemeinschaftsausschuss der Deutschen Gewerblichen Wirtschaft.

Rechtlicher Status Organe des Verbandes sind gemäß Satzung der Vorstand und die Mitgliederversammlung. Der Vorstand mit einem hauptamtlichen Präsidenten ist oberstes Entscheidungsorgan des Verbandes in Angelegenheiten, in denen nicht die Mitgliederversammlung zuständig ist. Er bestimmt die Linien der Verbandspolitik auf allen Gebieten des Sparkassen- und Girowesens.Henner Schierenbeck (Hrsg.): Bank- und Versicherungslexikon, 1994, S. 76

Der Österreichische Sparkassenverband und der Verband Schweizerischer Kantonalbanken sind außerordentliche Mitglieder des DSGV, umgekehrt ist der DSGV auch ein außerordentliches Mitglied bei den beiden Verbänden in Österreich und der Schweiz. Der DSGV vertritt darüber hinaus die Sparkassen-Finanzgruppe in den internationalen Sparkassengremien, beispielsweise in der Europäischen Sparkassenvereinigung in Brüssel und beim Weltinstitut der Sparkassen.

Verbandsdaten Der Verband repräsentiert die Sparkassen-Finanzgruppe, die aus rund 540 Unternehmen besteht, darunter 385 Sparkassen mit über 13.000 Geschäftsstellen und 209.588 Mitarbeitern (Stand: 31. Dezember 2018). Insgesamt arbeiten in der Sparkassen-Finanzgruppe 312.800 Personen. Sie hat ein Geschäftsvolumen von 2.840 Mrd. €. Das macht die Sparkassen-Finanzgruppe zur größten kreditwirtschaftlichen Gruppe Europas (Stand: 31. Dezember 2017).PDF-Dokument: "Die Sparkassen-Finanzgruppe in Zahlen 2017"