Oliver Bierhoff (* 1. Mai 1968 in Karlsruhe) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler und heutiger -funktionär. Der kopfballstarke Stürmer gewann mit der deutschen Nationalmannschaft die Europameisterschaft 1996 und wurde im Jahr 1998 Torschützenkönig der italienischen Serie A sowie 1999 mit der AC Mailand italienischer Meister. Er war von 2004 bis 2022 Funktionär beim Deutschen Fußball-Bund, zunächst als Manager der deutschen Nationalmannschaft der Männer. Im Zuge von Strukturreformen wurde er 2018 einer von vier DFB-Direktoren (Direktor Nationalmannschaften und Akademie) und 2022 Geschäftsführer der deutschen Nationalmannschaft (Geschäftsführer Nationalmannschaften und Akademie). Nach dem Ausscheiden der Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2022 in der Vorrunde wurde sein Vertrag mit dem DFB im Dezember 2022 vorzeitig aufgelöst. Seit Oktober 2023 arbeitet er als Berater des US-amerikanischen Football-Teams New England Patriots.

Spielerkarriere Verein Bierhoffs erster Jugendverein war die Essener SG 99/06. Später spielte er unter anderem zusammen mit Jens Lehmann, mit dem er weiterhin eine Freundschaft unterhält, bei Schwarz-Weiß Essen in der Jugendabteilung. 1985 wechselte er in die erfolgreiche A-Jugend von Bayer Uerdingen (heute KFC Uerdingen 05), wo er ab 1986 als Profi in der Fußball-Bundesliga spielte. Nach einer sportlich durchwachsenen Zeit beim Hamburger SV wurde er im Dezember 1989 mittels Leihabkommen an Borussia Mönchengladbach abgegeben. Im Sommer 1990 verkaufte der HSV Bierhoff für 275 000 D-Mark nach Österreich zum SV Austria Salzburg, wo er in der Saison 1990/91 23 Tore erzielte.

Nach einer Saison in Salzburg wurde Bierhoff von Inter Mailand gekauft und direkt in die italienische Serie B zu Ascoli Calcio weiterverliehen. Nach vier Jahren, er hatte bis dahin 48 Tore erzielt, wechselte er 1995 in die Serie A zu Udinese Calcio. Hier war er sehr erfolgreich, in 86 Pflichtspielen gelangen ihm 57 Treffer. In der Saison 1997/98 wurde er mit 27 Toren Torschützenkönig der Serie A. 1998 wurde Bierhoff aufgrund dieser Erfolge zum Fußballer des Jahres in Deutschland gewählt. Im selben Jahr wurde er von der AC Mailand verpflichtet, wo er 1999 italienischer Meister wurde. Bierhoff blieb drei Jahre bei Milan und erzielte insgesamt 37 Tore. 2001 wechselte er zur AS Monaco und beendete seine Laufbahn als aktiver Fußballer 2003 bei Chievo Verona. Insgesamt schoss er in der Serie A 104 Tore.

Nationalmannschaft mini|hochkant|Oliver Bierhoff im Trikot der Nationalmannschaft (1999); rechts Oliver Kahn 1987 nahm Bierhoff mit der Bundeswehr-Nationalmannschaft an der Militär-Weltmeisterschaft in Italien teil und belegte mit dieser den zweiten Rang.kicker Sportmagazin Nr. 53/26. Wo., 25. Juni 1987, S. 2. Von 1988 bis 1990 bestritt er zehn Partien für die U-21-Nationalmannschaft.

Bierhoff gab mit 27 Jahren sein Debüt in der Nationalmannschaft, als er am 21. Februar 1996 im Spiel gegen Portugal eingewechselt wurde (2:1).Statistik bei www.dfb.de Vier Monate nach seinem Debüt schaffte er den Sprung in den Kader für die Fußball-Europameisterschaft 1996 in England unter Bundestrainer Berti Vogts. Im Finale gegen Tschechien wurde er beim Stand von 0:1 in der 69. Minute eingewechselt. Knapp vier Minuten später gelang ihm der Ausgleichstreffer per Kopfballtor. In der anschließenden Verlängerung schoss er mit dem ersten Golden Goal der Herren in der Turniergeschichte Deutschland zum Titel.

Bei der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1998 gelang Bierhoff beim Spiel gegen Nordirland der schnellste Hattrick in der Geschichte des DFB, als er beim Stand von 0:1 in der 69. Minute eingewechselt wurde und binnen sechs Minuten drei Tore zum 3:1-Endstand erzielte.Statistik bei www.dfb.de Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich schoss er insgesamt drei Tore, schied aber mit der Mannschaft im Viertelfinale gegen Kroatien durch eine 0:3-Niederlage aus dem Turnier aus.

Bei der Europameisterschaft 2000 in den Niederlanden und Belgien führte er die Nationalmannschaft zunächst als Kapitän an. Bei einem (auf Wunsch des damaligen DFB-Präsidenten Egidius Braun auf dem Platz von dessen Heimatverein SV Breinig ausgetragenen) öffentlichen Training nach dem ersten Gruppenspiel zog er sich jedoch beim Aufwärmen einen Muskelfaserriss zu und fiel für den Rest des Turniers aus.„Er verletzte sich beim "Kirmes-Training"“, spiegel-online vom 14. Juni 2000

2002 nahm er mit der Nationalmannschaft an der Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea teil, wo die Mannschaft Vize-Weltmeister wurde. Das Finalspiel gegen Brasilien am 30. Juni 2002, das mit 0:2 verloren wurde, war zugleich sein letztes Spiel in der Nationalmannschaft.

Bierhoff trug in 70 A-Länderspielen das Trikot der deutschen Nationalmannschaft und erzielte dabei 37 Treffer.

Funktionär bei der deutschen Nationalmannschaft Nachdem Bierhoff gemeinsam mit Oliver Welke einige Spiele der UEFA Champions League für den TV-Sender Sat.1 kommentiert hatte, trat er zwei Jahre nach seinem letzten Länderspiel mit dem Dienstantritt von Jürgen Klinsmann als Cheftrainer der deutschen Nationalmannschaft am 29. Juli 2004 die Stelle des Teammanagers der Nationalmannschaft an. Diese Stelle wurde eigens für Bierhoff geschaffen und gab es in dieser Art und Weise zuvor nicht. Auch unter Trainer Joachim Löw behielt er den Posten des Managers. Von Oktober 2007 bis zu einer Satzungsänderung im März 2022 war Bierhoff damit gleichzeitig kooptiertes Mitglied im Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes. Seither durfte er nur noch als Gast an Sitzungen des DFB-Führungsgremiums teilnehmen.

Bierhoffs Auftreten als Teammanager der Nationalmannschaft war von Anfang an nicht unumstritten. Bis heute werden ihm von Fans und den Medien teilweise Arroganz und Besserwisserei zugeschrieben.„Besserwisser Bierhoff überschreitet Kompetenzen“, welt-online vom 21. November 2007„Eitel, aber zielsicher“, spiegel-online vom 19. November 2007 Vorgeworfen wurde ihm auch, dass er parallel zu seinem Vertrag mit dem DFB einige private Werbeverträge und damit auch Nebentätigkeiten nicht sofort gekündigt habe.„Bierhoff bleibt die Reizfigur im deutschen Fußball“, welt-online vom 18. November 2008 2007 wurde ein Disput zwischen Bierhoff und Rudi Völler über die Medien ausgetragen. Völler wehrte sich mit teils derben Ausdrücken gegen Bierhoffs Aussagen, der die Arbeit der Bundesligavereine kritisierte und empfahl, diese sollten sich an der Trainingsphilosophie der Nationalelf orientieren.„Völler geht auf Bierhoff los“,spiegel-online vom 19. November 2007

Nach dem verlorenen EM-Finale gegen Spanien 2008 (0:1) ging Michael Ballack noch auf dem Spielfeld auf Bierhoff zu und beschimpfte ihn mit offenbar obszönen Worten, weil Bierhoff ihn aufgefordert hatte, mit einem Danke-Transparent zu den Fans in die Kurve zu gehen. Beobachter werteten dies als Ausdruck von Kritik an der Arbeit Bierhoffs, der unter den Spielern auch als effekthaschender Eventmanager betitelt wurde.„Ballack contra Bierhoff“, kicker-online vom 3. Juli 2008 mini|Oliver Bierhoff (2006) Als im Februar 2010 die Verträge von Bierhoff und Joachim Löw mit dem DFB verlängert werden sollten, wurden die Gespräche mit Theo Zwanziger nach einer gescheiterten Verhandlung abgebrochen und bis auf weiteres verschoben. Grund waren die Forderungen von Löw und Bierhoff, auf die Zwanziger nicht eingehen wollte. So habe Bierhoff u. a. ein Vetorecht für eine etwaige Neubesetzung des Bundestrainerpostens gefordert.Löw sauer und loyal zu Bierhoff, kicker-online vom 7. Februar 2010 Am 20. Juli 2010 gab Bierhoff gemeinsam mit Joachim Löw seine Vertragsverlängerung bis 2012 bekannt. Am 15. März 2011 gab der DFB die Vertragsverlängerung mit dem Trainerstab um Joachim Löw sowie mit Bierhoff bekannt. Die Verträge wurden um weitere zwei Jahre bis zum 31. Juli 2014 ausgeweitet. In: dfb.de, 27. Juni 2012. 2014 gewann Bierhoff mit der deutschen Nationalmannschaft den Weltmeistertitel. Er sagte einige Monate auf die WM-Elf zurückblickend, in der Außenwirkung im Ausland sei der sportliche Aspekt nach hinten gerutscht und das Auftreten der deutschen Mannschaft habe im Vordergrund gestanden.

Im März 2015 wurde Bierhoff neben seiner Arbeit für die Nationalmannschaft Projektleiter für die geplante DFB-Akademie.

Im Juni 2015 etablierte Bierhoff den Namen DIE MANNSCHAFT als neuen Marketingslogan für die deutsche Nationalmannschaft. Der Schriftzug prangt seither groß auf dem Teambus der Nationalelf und ist auf den Kragen der Trikots der Nationalspieler aufgedruckt. DIE MANNSCHAFT sollte analog zu Seleção (Spitzname für die Brasilianische Nationalmannschaft), Azzurri (Italien) oder l'équipe (=„Die Mannschaft“ auf Französisch für die Französische Nationalmannschaft) als neuer Markenkern fungieren. Der neue Slogan wurde dabei von manchen als künstlich empfunden, obwohl die deutsche Nationalmannschaft im Ausland schon länger als „La Mannschaft“, „El Mannschaft“ oder „Mannschaft“ bekannt war und nur im Inland noch nicht entsprechend vermarktet wurde. Insbesondere nach dem frühzeitigen Ausscheiden der Nationalmannschaft aus der WM 2018 erfuhr der Slogan heftige Kritik und wurde stellvertretend als Symbol für „Abgehobenheit“ und „Entfremdung von den Fans“ Bierhoffs und des DFB-Präsidiums wahrgenommen. DFB-Präsident Reinhard Grindel äußerte daraufhin, er nehme auch wahr, dass an der Basis der Begriff Die Mannschaft als sehr künstlich empfunden werde und dachte daher sogar über eine Abschaffung des Begriffs nach. Zum Titelgewinn 2014 erschien zudem der Film Die Mannschaft.

Vom 1. Januar 2018 bis März 2022 war Bierhoff nach einer Strukturreform einer von vier (bis 31. Dezember 2017: sieben) DFB-Direktoren. Er war zuständig für den Bereich Nationalmannschaften und Fußballentwicklung (auch als Direktor Nationalmannschaften und Akademie bezeichnet).Profil auf der Website des Deutschen Fußball-Bundes, abgerufen am 15. April 2019 In Bierhoffs Verantwortungsbereich fielen das Management und die sportliche Leitung der Nationalmannschaften (Frauen und Männer) – Oliver Bierhoff war der Vorgesetzte des sportlichen Leiters Joti Chatzialexiou – sowie der DFB-Akademie mit den dazugehörigen Bereichen (Trainer, Ausbildung, Scouting usw.). Der Posten des Sportdirektors, den zuvor Hansi Flick und interimsweise Horst Hrubesch bekleidet hatten, wurde im Rahmen der Strukturreform im Oktober 2017 abgeschafft.

Im Mai 2018 gab der DFB die vorzeitige Verlängerung von Bierhoffs Vertrag bis 2024 bekannt. Bei der WM 2018 schied die deutsche Nationalmannschaft bereits in der Vorrunde aus und belegte den letzten Platz in Gruppe F. Danach gerieten auch Bierhoff und Bundestrainer Joachim Löw in die Kritik, DFB-Präsident Grindel und das restliche Präsidium stärkten jedoch Bierhoff und Löw den Rücken. Im Zuge der Aufarbeitung des Ausscheidens bei der WM kam es auch mit ca. 110 Minuten zur längsten Pressekonferenz der DFB-Geschichte, bei der sich Bierhoff und Löw den Fragen der Journalisten stellten.

Im Zug einer Umstrukturierung des DFB und Ausgliederung in die DFB GmbH & Co. KG wurde Bierhoff 2022 Geschäftsführer der deutschen Nationalmannschaft (Geschäftsführer Nationalmannschaften und Akademie der DFB GmbH & Co. KG).Profil auf der Webpräsenz des Deutschen Fußball-Bundes, abgerufen am 3. Mai 2022 Am 5. Dezember 2022 trennten sich der DFB und Bierhoff durch die vorzeitige Auflösung seines bis 2024 laufenden Vertrages nach dem Ausscheiden der Nationalmannschaft in der Vorrunde der Fußball-Weltmeisterschaft 2022. Sein Nachfolger wurde Andreas Rettig.

Bierhoff ist Kuratoriumsmitglied der Egidius-Braun-Stiftung.

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