Ronnenberg ist eine Stadt in der Region Hannover in Niedersachsen.
Geografie Lage/Erhebungen Die Stadt Ronnenberg befindet sich im Calenberger Land. Die höchste Erhebung ist der Benther Berg im Westen der Ortschaft Benthe.
Stadtgliederung Die Stadt Ronnenberg besteht aus folgenden Stadtteilen im Uhrzeigersinn (in Klammern die Einwohnerzahl per 30. September 2021)Statistische Kurzinformationen 12/2021, Region Hannover, 25. November 2021:
Ronnenberg (Kernstadt) (6.921 Einwohner) Empelde (Verwaltungssitz) (11.863 Einwohner) Ihme-Roloven (945 Einwohner) Linderte (560 Einwohner) Vörie (245 Einwohner) Weetzen (2.288 Einwohner) Benthe (1.820 Einwohner)
Flächenaufteilung mini|Die sieben Ortsteile der Stadt RonnenbergQuelle: Bodenflächen in Niedersachsen nach Art der tatsächlichen Nutzung 2016, Stand: 31. Dezember 2015
Nachbargemeinden
Geschichte mini|Die Michaeliskirche in Ronnenberg Der Namenforscher Jürgen Udolph vertritt die These, dass der Ortsname Ronnenberg vorchristlichen Ursprungs ist. Bedingt bestätigt wird sie vom Archäologen Tobias Gärtner mit der Datierung einer Siedlung vor Ort aus der Spät-Latènezeit. Da es im Bereich der Ronnenberger Beeken Funde mit einer breiten zeitlichen Fundstreuung von der Zeit um Christi Geburt bis ins Mittelalter gab, könnte es eine 2000-jährige Siedlungskontinuität gegeben haben.
Frühe schriftliche Zeugnisse finden sich im 9. Jahrhundert zu Empelde. Im Westfälischen Urkundenbuch wird Ronnenberg 1073 erstmals als Runiberc erwähnt. 1121 wird es als Runeberchen bezeichnet. Der namengebende Stadtteil Ronnenberg erlangte in dieser Zeit auch Bedeutung als Kirchenzentrum und Gerichtsstätte. Die Michaeliskirche wurde im 12. Jahrhundert errichtet, an ihrer Außenwand wurde das Portal der ehemaligen Bonifatiuskapelle mit merowingischen und langobardischen Stilelementen eingebaut, die 1078 belegt ist. 1466 wurde Ronnenberg Sitz des höchsten Landgerichts im Calenberger Land.
Mit der Reformation wurde im Calenberger Land der protestantische Glauben etabliert. Der Reformator Antonius Corvinus und weitere Männer ordneten das Kirchen-, Schul- und Gerichtswesen im evangelisch-lutherischen Sinn. Corvin wurde zum Superintendenten mit Sitz in Pattensen beauftragt. 1543 fand in Ronnenberg eine umfassende Kirchenvisitation statt. 1589 wurde der Evangelisch-Lutherische Kirchenkreis Ronnenberg eingerichtet. Seitdem ist Ronnenberg der Sitz der noch bestehenden Superintendentur Ronnenberg.
In der Napoleonischen Zeit kam Ronnenberg unter französische Militärverwaltung und 1810 zum neu geschaffenen Königreich Westphalen. 1814 kam es zum neuen Königreich Hannover und ab 1866 zu Preußen. In dieser Zeit wurde durch Agrarreformen und ein neues Gewerberecht die Grundlage für einen rasanten wirtschaftlichen Aufschwung geschaffen. Fast zeitgleich mit dem Anschluss an die Bahnstrecke Hannover–Altenbeken von 1872 begann die Industrialisierung mit Zuckerproduktion und Kalibergbau.Peter Simon: Das harte Leben in den Bauerndörfern und das Morgenrot einer neuen Zeit, in: Peter Hertel u.a. (Hrsg.): Ronnenberg. Sieben Traditionen – Eine Stadt, Ronnenberg 2010. ISBN 978-3-00-030253-4, S. 88–93.
Im Gegensatz zu weiten Teilen des Deutschen Reiches war das Calenberger Land nach dem Zusammenbruch des Kaiserreiches 1918 kaum von politischen und sozialen Unruhen betroffen. Erst nach der Währungsreform in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre besserte sich die Situation für die Bevölkerung allmählich wieder. Der Anteil der in der Landwirtschaft beschäftigten Bevölkerung verringerte sich stetig, dafür ließen sich mehr Handwerks- und Gewerbebetriebe nieder.
1929 wurde das Familienwappen der Ministerialenfamilie zu Ronnenberg zum offiziellen Wappen der Gemeinde Ronnenberg bestimmt.
In der Zeit des Nationalsozialismus ab 1933 war Ronnenberg von der nationalsozialistischen Diktatur geprägt. Zwischen 1937 und 1939 wurden 25 Menschen und damit die gesamte Synagogengemeinde Ronnenberg vertrieben. Drei der Vertriebenen kamen im Holocaust ums Leben. Die übrigen konnten in die Schweiz, nach Frankreich, in die USA sowie nach Brasilien und Uruguay flüchten. 2005 und 2019 wurden für sie insgesamt 25 Stolpersteine in Ronnenberg verlegt (s. Abschnitt „Erinnerungsarbeit“). Der Jüdische Friedhof in Ronnenberg wurde zwischen 1846 und 1933 belegt. 2001 und 2019 wurden dort drei symbolische Grabstätten errichtet.Der jüdische Friedhof - The Jewish cemetry, in: Stolpersteine in Ronnenberg, Hrsg.: Förderverein Erinnerungsarbeit Ronnenberg, Ronnenberg 2019, S. 42 f. Im Zweiten Weltkrieg war ab 1942 Empelde wegen der Nähe zu Hannover und der Munitionsfabrik Dynamit Nobel AG stärker von Luftangriffen betroffen als die übrigen zum heutigen Ronnenberg gehörenden Ortschaften. In der Nacht vom 8. auf den 9. April 1945 kam Weetzen bei seiner Befreiung durch die US-Amerikaner zwei Stunden lang unter schweren Beschuss deutscher Granaten.Peter Hertel: Verwehende Spuren – Die Befreiung Weetzens und seiner Zwangsarbeiter. Hrsg.: Förderverein Erinnerungsarbeit Ronnenberg, Ronnenberg 2019.
Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Bevölkerung durch Heimatvertriebene zu. Die Volkszählung von 1950 im Landkreis Hannover weist aus, dass ca. 40 % der Bevölkerung aller sieben Ortsteile, die heute zur Stadt Ronnenberg gehören, aus Vertriebenen und Zugewanderten bestand. In Empelde entstand das größte Flüchtlingslager für Ostvertriebene im Landkreis Hannover. Der Zuzug von Evakuierten, Flüchtlingen und Vertriebenen bestimmte auch die Entwicklung in Ronnenberg maßgeblich. Die Einwohnerzahlen verdoppelten sich nach dem Krieg fast überall. Die Vertriebenen, die vor allem in den Ortsteilen Ronnenberg, Empelde und Weetzen geblieben sind, prägten in den Folgejahren das Leben der Orte.
Durch den Zusammenschluss von Ronnenberg und den umliegenden Gemeinden Benthe, Empelde, Linderte, Vörie und Weetzen entstand am 1. Juli 1969 die neue Gemeinde Ronnenberg.Peter Hertel u. a. (Hrsg.): Ronnenberg. Sieben Traditionen – Eine Stadt, Ronnenberg 2010. ISBN 978-3-00-030253-4, S. 206–215. Am 1. März 1974 wurde ihr Ihme-Roloven eingegliedert. Am 12. Dezember 1975 erhielt die neue Gemeinde Ronnenberg die Stadtrechte.
Bis zum 31. Dezember 2004 gehörte Ronnenberg zum damaligen Regierungsbezirk Hannover. Seitdem ist Ronnenberg Bestandteil der Region Hannover.
Beginn der Industrialisierung Bis ins 19. Jahrhundert hinein waren Ronnenberg und seine heutigen Ortsteile in erster Linie landwirtschaftlich geprägt. Erste Schritte in die Industrialisierung machte der Unternehmer Johann Egestorff, als er 1831 in Empelde eine Ziegelei baute. Die von seinem Sohn Georg Egestorff in Linden errichtete Egestorffsche Zündhütchenfabrik wurde vor dem Ersten Weltkrieg nach Empelde auf ein freies Feld neben der Bahnstrecke Hannover–Altenbeken verlegt, das heutige Areal des „Wohnparks am See“. Die 1928 eingestellte Produktion wurde 1938 im Rahmen der Aufrüstung der Wehrmacht vom neuen Eigentümer Dynamit AG, vormals Alfred Nobel & Co (kurz DAG) wieder aufgenommen. Nach Kriegsende 1945 nutzten diverse Firmen, darunter auch Telefunken, die Gebäude und Baracken auf dem Gelände. In den 1980er Jahren erfolgte schließlich die heutige Bebauung mit Wohnhäusern.
Bergbau Schon vor 1100 Jahren wurde im Bereich des heutigen Empelde Salz gewonnen. Die Geschichte des Salzbergbaues in Ronnenberg begann Ende des 19. Jahrhunderts, nachdem durch wissenschaftliche Arbeiten Justus von Liebigs erkannt wurde, welche Bedeutung Kalisalz als mineralischer Kunstdünger für die Landwirtschaft hat.
1894 wurde die erste Tiefbohrung für das Kaliwerk „Hansa-Silberberg“ in Empelde vorgenommen. Vier Jahre später begann der Bau des „Schachtes Albert“ in Ronnenberg, der am 6. Dezember 1905 in Betrieb ging. Seit Ende der 1960er Jahre drang immer mehr Wasser in das Bergwerk ein, 1975 durchbrach schließlich Grundwasser die Schachtwand. Die Schäden waren so groß, dass das Bergwerk aufgegeben werden musste. Bedingt durch die Grundwasserabsenkung kam es zu unterirdischen Hohlräumen, die in einem Gebiet von 25 Quadratkilometern um Ronnenberg zu Erdsenkungen und Einbrüchen führten.Uwe Kranz: Vor 50 Jahren in Ronnenberg: Der Tag, als der Kalischacht Albert absoff in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 28. Mai 2025
Teile des Salzstocks werden heute als Kavernen zur Speicherung von Erdgas verwendet. Die Rückstandshalde in Empelde wurde durch eine Ummantelung mit Bauschutt und Humus renaturiert. Die Halde des Kaliwerkes Ronnenberg wurde bis 2005 größtenteils abgetragen und in der Schachtanlage Asse bei Wolfenbüttel verfüllt. Die restliche Halde soll abgedeckt werden.
Zuckerindustrie Landwirte aus der Region trafen sich am 30. Juli 1882 zur Gründung einer bäuerlichen Aktiengesellschaft, die Geburtsstunde der Zuckerfabrik Weetzen. Zwar gab es im Calenberger Land bereits Fabriken in Gehrden und Bennigsen, aber in Weetzen war der seit 1872 vorhandene Bahnanschluss ein logistischer Vorteil.
1883 begann die Produktion in der neuen Fabrik in Weetzen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Fabrik modernisiert und zwei 40 Meter hohe Hochsilos errichtet. Die Zuckerwirtschaft expandierte, sogar kubanische Rohware wurde zeitweilig in Weetzen zu Weißzucker verarbeitet. Die Fabrik konnte, ebenso wie andere Werke im Norden, mit den neuen Fabriken in Süddeutschland nicht mithalten. Die letzte Rübenkampagne in Weetzen begann im Herbst 1986, die Fabrik wurde geschlossen.
Politik
Rat
Der Rat der Stadt Ronnenberg besteht aus 34 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Stadt mit der Einwohnerzahl zwischen 20.001 und 25.000 Einwohnern. Die Ratsmitglieder werden in der Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die Wahlperiode begann am 1. November 2021. Stimmberechtigt im Rat der Stadt ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister.
Von den 34 Mitgliedern des Rates sind sieben Frauen.https://risii.ronnenberg.de/bi/pa021.asp?SORT=1kppartei Zusammensetzung des Rates abgerufen am 9. März 2023
Bürgermeister Zum Bürgermeister der Stadt Ronnenberg wurde am 26. September 2021 Marlo Kratzke (SPD) gewählt. In der Stichwahl gegen Stephanie Harms (CDU) erhielt er 56,68 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 61,2 Prozent.
Ortsräte mini|Rathaus Die Stadtteile der Stadt Ronnenberg werden durch insgesamt 24 Ortsratsmitglieder in vier Ortsräten vertreten. Seit 2021 verteilen diese sich wie folgt: +SPDCDUGrüneFDPBGL*∑Benthe 1 2 3 1 -7Ihme-Roloven 1 3 1 - -5Linderte 1 - 1 - 35Weetzen 4 2 1 - -7 ∑ 7 7 6 1 324 (*Wählergruppe: Bürger-Gemeinschaft Linderte e. V.)
Liste der Bürgermeister und Stadtdirektoren (seit 1969) (bis 1975 Gemeinde Ronneberg, dann Stadt Ronneberg)
Bis 2001 waren die Bürgermeister der Großgemeinde und der Stadt Ronnenberg ehrenamtlich tätig, unterstützt von einem hauptamtlichen Gemeinde- bzw. Stadtdirektor. 2001 wurden beide Posten zu dem des hauptamtlichen Bürgermeisters zusammengefasst. Die Bürgermeister 1969: Willi Rahlves (SPD) 1969–1971: Ernst-Georg Hüper (SPD) 1971–1981: Artur Sommer (SPD) 1981–1986: Hermann Haller (CDU) 1986–1995: Karl Kruse (SPD) 1995–1996: Horst Rudolph (SPD) 1996–2001: Paul Wenig (SPD) 2001–2013: Wolfgang Walther (SPD) 2014–2021: Stephanie Harms (CDU) seit 2021: Marlo Kratzke (SPD)
Als Gemeinde- bzw. Stadtdirektor waren in dieser Zeit tätig: 1969–1981: Horst Günther Humbeck 1981–2001: Bernhard Lippold
mini|Die Wappen der 7 Ronnenberger Ortsteile mit den Stadtwappen der Partnerstädte
Städtepartnerschaften Es bestehen kommunale Partnerschaften zu folgenden Städten und Gemeinden: , Polen (seit 1991) , Frankreich (seit 1968) , Deutschland (seit 1991)
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Besondere geschützte Denkmale sind:
Michaeliskirche in Ronnenberg als im 12. Jahrhundert erbaute romanische Basilika mit wertvoller Kirchenausstattung Jüdischer Friedhof Ronnenberg von 1846 Heimatmuseum Ronnenberg Ehemalige Kunstdüngerfabrik Ronnenberg Herrenhaus Benthe Siebentrappenmühle von 1855 in Benthe