Kapfenberg ist mit Einwohnern (Stand ) die drittgrößte Stadt im österreichischen Bundesland Steiermark sowie größte Stadt im Gerichtsbezirk Bruck an der Mur und im politischen Bezirk Bruck-Mürzzuschlag. Die Stadt liegt zwischen Kindberg und Bruck an der Mur am Fluss Mürz im Mürztal. Im Rahmen der Gemeindestrukturreform in der Steiermark wurde Kapfenberg am 1. Jänner 2015 mit der vormals eigenständigen Gemeinde Parschlug vereinigt.Steiermärkische Gemeindestrukturreform. Das Gebiet der Stadtgemeinde ist wesentlich vom Wald geprägt, der rund 66 % der Gemeindefläche ausmacht.
Bekannt wurde die im Jahr 1145 zum ersten Mal urkundlich erwähnte Stadt vor allem durch die ansässige Stahlindustrie. Die Nähe zum steirischen Erzberg und Wasserkraft in ausreichendem Maß haben hier schon ab dem 15. Jahrhundert mehrere Hammerwerke entstehen lassen. Insbesondere seit der Übernahme der Werke durch die Gebrüder Böhler – heute allesamt im Eigentum der voestalpine AG – im Jahr 1894 wurde der Ruf als Stahlstadt begründet.Helga Papst: Kapfenberg. Stadtgemeinde Kapfenberg – Referat für Kultur, Kapfenberg 1999, ISBN 3-9501065-1-0. Heute liegt der Schwerpunkt auf der Erzeugung von speziellen Stahllegierungen für Werkzeuge, Medizintechnik, Luftfahrt sowie Legierungspulver für additive Fertigung (Metall 3D-Druck). Kapfenbergs Bedeutung als Industriestadt hat durch neue High-Tech Betriebe, unter anderem Pankl Racing, weiter zugenommen. Die örtlichen Betriebe gehören zu den wichtigsten Arbeitgebern der Region. (PDF).
Oberhalb der Stadt befindet sich die 1173 erstmals urkundlich erwähnte Burg Oberkapfenberg, auf der jährlich eines der größten Ritterfeste Österreichs stattfindet. Die in den Jahren nach 1992 restaurierte Burg und ein großes Angebot von Sportmöglichkeiten bilden den Mittelpunkt der touristischen Aktivitäten der Stadt.
Geografie Geografische Lage Kapfenberg befindet sich Luftlinie in etwa 43 Kilometer nördlich der steirischen Landeshauptstadt Graz und circa 117 Kilometer südwestlich der österreichischen Bundeshauptstadt Wien.
Die Stadt liegt im südlichen Abschnitt des Mürztals zwischen den Mürztaler und den Fischbacher Alpen. Im Gebiet von Kapfenberg münden das Thörltal (von rechts) und das Lamingtal in das Mürztal. Höchster Punkt ist mit der Floning, der tiefste Punkt mit ist die Mürz an der Gemeindegrenze zu Bruck an der Mur, welche circa 1,2 Kilometer flussabwärts in die Mur mündet.
Ausdehnung und Gliederung des Gemeindegebiets mini|Katastralgemeinden von Kapfenberg
Die Fläche des Gemeindegebiets betrug bis zur Zusammenlegung mit Parschlug im Jahr 2015 61,22 km² und nach der Zusammenlegung 82,08 km². Die Gemeindegrenze hatte einen Umfang von 45,1 Kilometern und danach 52 Kilometer. Die Ausdehnung des Gemeindegebiets in Nord-Süd-Richtung betrug bis 2015 etwa 8 Kilometer und danach etwa 10,2 km. Die Ausdehnung in Ost-West-Richtung blieb unverändert etwa 12,4 Kilometer.
Das Gemeindegebiet umfasst folgende 16 Ortschaften (Einwohner Stand ): Arndorf () Deuchendorf () Diemlach () Einöd () Göritz () Hafendorf () Kapfenberg () Krottendorf () Parschlug () Pönegg () Pötschach () Pötschen () Sankt Martin () Schörgendorf () Stegg () Winkl ()
Kapfenberg ist seit dem Jahr 2015 in 15 Katastralgemeinden (KG) gegliedert, welche sich im Wesentlichen auf die drei Talschaften der Mürz, der Laming und des Thörlbachs aufteilen: Arndorf ist mit die kleinste KG von Kapfenberg und liegt im Lamingtal. 75 % der Fläche sind bewaldet. Früher Arpindorf (namensgebend war der Pfalzgraf Aribo, der 1020 das Dorf geschenkt bekam) genannt, hat Arndorf seinen dörflichen Charakter weitgehend beibehalten. Deuchendorf, eine ursprünglich dünn besiedelte und hauptsächlich landwirtschaftlich geprägte KG (), besitzt einige größere Wohnsiedlungen und mehrere landwirtschaftliche Betriebe. Seit 1939 entstanden die Ortsteile Schirmitzbühel und Apfelmoar, die sich in den letzten Jahrzehnten zu einer Art Satellitenstadt entwickelt haben. An der Grenze zu Sankt Lorenzen im Mürztal befindet sich das Einkaufszentrum Euromarkt. Die KG Diemlach () besteht größtenteils aus dem ehemaligen Werksgelände der Felten & Guilleaume AG, dem Frachtenbahnhof, einigen Siedlungen und dem Diemlachkogel (). Einöd () ist zu 92 % gebirgig und bewaldet. Hier befinden sich mit dem Floning der höchste Punkt von Kapfenberg und die Rettenwandhöhle. Göritz () gehört seit der steiermärkischen Gemeindestrukturreform 2015 zu Kapfenberg. Das früheste Schriftzeugnis ist aus dem Jahr 1302 und lautet „Goeritz“. Der Name geht auf die slawische Bezeichnung Gorica (kleiner Berg, Hügel) zurück. Die KG Hafendorf () erfuhr im letzten Jahrhundert eine grundlegende Veränderung. Während sie früher äußerst spärlich besiedelt und die Flächen zumeist landwirtschaftlich genutzt waren, ist die KG mittlerweile die dichtest besiedelte von Kapfenberg geworden. Der frühere Name Hafnerdorf ist ein Hinweis auf das Hafnerhandwerk, das hier ansässig war. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wurde 1938 unter den Nationalsozialisten mit dem Bau der Hochschwabsiedlung (namensgebend war, abgesehen von der gleichnamigen Gebirgsgruppe, der Deckname einer nationalsozialistischen Untergrundgruppe aus der Zeit der Illegalität von 1933 bis 1938 gewesen) begonnen. Ab 1965 entstand die Siedlung Walfersam. In der KG Kapfenberg () befinden sich das alte (Altstadt mit Hauptplatz) und das neue Zentrum (Europaplatz) der Stadt, der Schlossberg mit der Burg und das Sportzentrum.
mini|Schloss Krottendorf, Lith. um 1830, J.F.Kaiser, Graz Krottendorf () ist nach dem gleichnamigen Schloss, ursprünglich eine Wasserburg, benannt. Auf dem größten Teil der Bebauungsfläche befindet sich das Werk VI von Böhler. In nicht mehr benötigten Gebäuden des Werkes VI ist derzeit unter anderem die FH Joanneum untergebracht. Parschlug () wurde 1203 das erste Mal urkundlich erwähnt und gehört seit der steiermärkischen Gemeindestrukturreform 2015 zu Kapfenberg. Um 1800 wurde hier mit dem Abbau von Braunkohle begonnen, welcher 1959 dann eingestellt wurde.
Pötschach () enthält einen Teil des Werkes VI, das größtenteils zu Krottendorf (siehe unten) gehört. Außerdem entsteht hier auf einem ehemaligen Gelände der Firma Böhler mit 150.000 m² ein Industriepark. Das Gebiet der KG Pötschen (), der am ursprünglichsten erhaltenen KG, ist zu 62 % bewaldet. In ihr liegen einige große landwirtschaftliche Betriebe. Schörgendorf besteht zu 60 % der Fläche () aus Wald. Der ursprüngliche Name von Schörgendorf war Schergendorf, also das Dorf mit einem Dorfrichter. Das Gebiet der KG St. Martin () ist das älteste Siedlungszentrum der Stadt. Um die Kirche St. Martin liegt der städtische Friedhof. In der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts war hier das Kurhotel Steinerhof und der benachbarte Fürstenhof mit angeschlossener Wasserheilanstalt, die jedoch mit dem Ausbau der Stahlerzeugung und der daraus folgenden Luftverschmutzung aufgegeben wurden. Der westliche Teil der Hochschwabsiedlung und der Ortsteil Redfeld befinden sich ebenfalls in dieser KG. Seit 1896 läuft hier ein Kleinkraftwerk am Thörlbach. Stegg ist mit 767,16 ha Wald bei Gesamtfläche die am stärksten bewaldete KG. Im Süden der KG führt die Tragößerstraße L 111 nach Sankt Katharein an der Laming und Tragöß. In Winkl () liegt der Hauptteil des Böhler-Stammwerks.
Eingemeindungen Die Ortsgemeinde Kapfenberg entstand am 18. März 1850 durch den Zusammenschluss der Gemeinden Markt Kapfenberg, Arndorf, Berndorf, Diemlach, Einöd, Pötschen, Schörgendorf, St. Martin, Stegg und Winkl.
Die Katastralgemeinde Berndorf wurde jedoch im Jahr 1922 in die Stadt Bruck an der Mur eingemeindet. Maßgebend daran mitgewirkt hatte der Sozialdemokrat Koloman Wallisch und der Grund dafür war politischer Natur: Durch die Eingemeindung von Berndorf, wo viele sozialdemokratische Eisenbahnbedienstete lebten, konnten die Sozialdemokraten die Mehrheit im bis dahin bürgerlichen Bruck erlangen.
Im Jahr 1939 wurde die Ortsgemeinde Hafendorf mit den Katastralgemeinden Deuchendorf, Hafendorf, Krottendorf und Pötschach in die Stadt Kapfenberg eingemeindet. Damit war die Gliederung bis Ende 2014 erreicht.
Per 1. Jänner 2015 wurde die Gemeinde Parschlug per Verordnung eingemeindet. Grundlage dafür war das Steiermärkische Gemeindestrukturreformgesetz – StGsrG.§ 3 Abs. 1 Z 2 des Gesetzes vom 17. Dezember 2013 über die Neugliederung der Gemeinden des Landes Steiermark (Steiermärkisches Gemeindestrukturreformgesetz – StGsrG). Landesgesetzblatt für die Steiermark vom 2. April 2014. Nr. 31, Jahrgang 2014. , S. 2.
Nachbargemeinden
Geologie Das Mürztal, im Norden durch die Mürztaler Alpen und im Süden durch die Fischbacher Alpen begrenzt, ist zwischen Mürzhofen und Kapfenberg beckenartig erweitert und ein Teil der Norischen Senke. Im Norden und Süden des Tales lagern jungtertiäre Sedimente des inneralpinen Tertiärs, die an die sogenannte Mur-Mürzfurche, eine tektonische Schwächezone (Lineament), gebunden sind. Die Terrassen im Talbereich aus Sanden und Schottern haben geringe Mächtigkeiten von bis zu zehn Metern; der Streifen der Talaue ist unterschiedlich breit. Innerhalb der quartären Sedimente verläuft ein geschlossener Grundwasserkörper, der an vielen Stellen mit der Mürz in Verbindung steht und von den Bergzügen gespeist wird.
Klima mini|Klimadiagramm von Kapfenberg.Kapfenberg Klimadaten, Landesstatistik Steiermark Kapfenberg liegt in der gemäßigten kontinentalen Klimazone und gehört zur steirischen Klimaregion Mürztal, welche sich bis Mürzzuschlag erstreckt. Die Temperatur schwankt im langjährigen Monatsmittel zwischen −2,3 °C im Jänner und 18,9 °C im Juli. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 8,8 °C und die mittlere Sonnenscheindauer 1676 Stunden pro Jahr. Das Gebiet ist besonders im Winter windarm und deshalb nebelanfällig (häufig auftretender Hochnebel). Dadurch wird die Sonnenscheindauer in den Monaten von Oktober bis Februar deutlich beeinträchtigt und kann in Tallagen unter 30 Prozent liegen.Klimaregion Mürztal bis Mürzzuschlag, Umweltinformation Steiermark.
Im Sommer gibt es ein deutliches Niederschlagsmaximum bezogen auf den Jahresverlauf. Der meiste Niederschlag fällt im August mit durchschnittlich 128 mm und der geringste im Februar mit durchschnittlich 23 mm. Der durchschnittliche Jahresniederschlag liegt bei 799 mm. Die Niederschlagsfelder erreichen das Gebiet häufig über den Hochschwab im Alpenhauptkamm.
Geschichte Ur- und Frühgeschichte sowie Antike Für die Jungsteinzeit sind erste Dauerbesiedlungen im Gebiet der Rettenwandhöhle (5000–3000 v. Chr.) und der Ofenberger Höhle im Stollingergraben nachweisbar. Diese Besiedlungen dehnten sich aus und umfassten in der Bronzezeit bereits das Mürztal entlang der Gemeinden Kapfenberg, Wartberg und Kindberg. Ab dem zweiten Jahrhundert vor Christus gehörte dieser Raum zum Königreich Noricum, welches um 45 nach Christus unter dem Kaiser Claudius als Provinz Noricum in das römische Reich einging. Dabei entstand eine erste römische Poststation mit dem Namen Poedicum (Bruck an der Mur). Nach dem Zusammenbruch des römischen Reiches wurden die Siedlungen größtenteils wieder aufgegeben.
Während der Völkerwanderung besiedelten Slawen das beinahe verlassene Land und gründeten kleinere Siedlungen und Höfe. Viele Namen von Stadtteilen und Gebieten (z. B. Schinitz, Pötschen, Diemlach u. a.) gehen darauf zurück.
Mittelalter Besiedlung aus dem bairischen Raum mini|hochkant|Wappen der Herren von Stubenberg