Die Schlacht bei Borodino (auch: Schlacht bei Moschaisk, , ) war eine Schlacht des napoleonischen Russlandfeldzuges. Am lieferten sich bei Borodino die von Napoleon geführte französische Grande Armée und die russische Armee unter General Kutusow eine der blutigsten Schlachten des 19. Jahrhunderts.
Vorgeschichte Der russische Oberbefehlshaber, Kriegsminister Michael Barclay de Tolly, hatte seine Armeen nach der französischen Invasion immer rechtzeitig größeren Schlachten entzogen und setzte auf planmäßigen Rückzug als Verteidigungsstrategie, die die Weite des Landes ins Spiel brachte. Nach der Niederlage bei Smolensk zog sich General Barclay de Tolly weiter zurück und erreichte mit seinen Truppen am 29. August Zarjowo Saimischtsche, wo er mit dem Ausbau von Stellungen für eine Schlacht begann. Am selben Tag stieß Kutusow zur Armee und befahl, den Ausbau der Stellungen zu beschleunigen. Am Nachmittag des nächsten Tages gab er den Befehl zum Rückzug. Zar Alexander hatte Fürst Michail Kutusow am 20. August zum Oberbefehlshaber ernannt, nachdem man am russischen Hofe vom Zaren immer öfter verlangt hatte, den Rückzug zu beenden und alles daran zu setzen, die ehemalige Hauptstadt Moskau vor den Franzosen zu retten.
Am 31. August erreichte die russische Armee Gschatsk und begann mit dem Ausbau von Verschanzungen. Am nächsten Tag gab Kutusow erneut den Befehl zum Rückzug und stellte sich mit seinen Truppen bei Borodino der Grande Armée Napoleon Bonapartes und dessen Verbündeten. Borodino liegt an der alten Straße von Smolensk nach Moskau, etwa 115 Kilometer westlich der russischen Hauptstadt in der hügeligen Landschaft der Mittelrussischen Platte.
General Kutusow verfügte über etwa 120.000 Mann Infanterie und Kavallerie sowie 640 Kanonen. Das unübersichtliche, stark bewaldete und mit Gestrüpp bewachsene Gelände, das dazu noch von Schluchten und Höhenrücken durchzogen war, ausnutzend, hatte Kutusow seine Truppen südlich und nordöstlich von Borodino aufgestellt. Am rechten Flügel, im Norden, hielt Barclay mit 75.000 Mann eine Anhöhe, die, durch Schanzen verstärkt, von den Franzosen die Große Schanze genannt wurde. Dahinter kam eine Senke, daran anschließend waren Fleschen aufgeworfen. Diese waren besetzt von einer Division der 2. Westarmee unter Fürst Bagration, der insgesamt 30.000 Mann zur Verfügung hatte. Nach Süden schloss sich das stark bewaldete Gelände oberhalb des Dorfes Utiza an, wo das russische 3. Infanteriekorps den linken Flügel der Armee Kutusows deckte.
Die Armee Napoleons hatte eine Stärke von rund 128.000 Mann, davon etwa 28.000 Mann Kavallerie und 16.000 Kanoniere mit 587 Kanonen. Die Armee bestand zu einem großen Teil aus Polen, Württembergern, Westfalen, Sachsen, Kroaten und Bayern.
Bereits am 5. September war es zu Kämpfen um die vorgelagerte Schanze von Schewardino gekommen, die von den Franzosen erobert wurde. Die russischen Verluste betrugen 6000 Mann, der russische General Krasnow wurde tödlich verwundet. Die Verluste auf französischer Seite betrugen 4000 Mann. Am Morgen des 7. September lasen die Offiziere ihren Truppen die Proklamation vor, die Napoleon am Abend zuvor verfasst hatte: „Soldaten, das ist die Schlacht, die ihr so sehr gewünscht habt! Von euch hängt nun der Sieg ab. Wir brauchen ihn. Er wird uns reichlich Nahrung und gute Winterquartiere verschaffen und eine rasche Heimkehr ins Vaterland ermöglichen. Kämpft wie bei Austerlitz, Friedland, Witebsk und Smolensk. Möge die fernste Zukunft euer Verhalten an diesem Tag rühmen. Möge man von jedem von euch sagen: Er war bei der großen Schlacht vor den Toren Moskaus dabei!“Nigel Nicolson, S. 107. Da Napoléon seine Garde mit etwa 19.000 Mann nicht einsetzte, war die russische Armee auf dem Schlachtfeld zahlenmäßig überlegen.
Die Schlacht mini|Napoleon bei Borodino. Gemälde des russischen Malers Wassili Wereschtschagin, 1897 mini|Die Aufstellung der französischen und russischen Truppen am Morgen des 7. Septembers 1812 mini|Französischer Sturm auf die Fleschen südwestlich von Semjonowskoje
Erste Angriffsphase Bereits im Morgengrauen des 7. September leiteten orthodoxe Priester eine religiöse Prozession, die von General Kutusow angeordnet worden war, um die Kampfmoral der russischen Verbände zu stärken. Kutusow hatte die Nacht im Dorf Tatarinowo verbracht und ritt in die Nähe des Dorfes Gorki, von wo er mit seinem Stab die Führung übernahm. Hier war der rechte Flügel der 1. Westarmee mit dem 2. und 4. Infanteriekorps unter General Ostermann-Tolstoi und Baggehufwudt aufmarschiert, der sich zwischen dem Flusswinkel der Kalotscha und der Moskwa konzentrierte und zusätzlich durch die Kavalleriekorps unter Baron Korff und General Uwarow gedeckt war.
Napoleons Schlachtplan sah vor, mit dem IV. Armeekorps unter dem Vizekönig von Italien, Eugène de Beauharnais, das als linker Flügel nördlich der Straße nach Moskau stand, zunächst einen Ablenkungsangriff gegen das Dorf Borodino zu führen. Napoleon wollte Kutusow glauben machen, dies sei der Hauptstoß, mit dem Ziel der Umfassung des russischen rechten Flügels. Der Hauptangriff sollte aber später in der Mitte mit dem I. Armeekorps unter Marschall Davout gegen die Front des Fürsten Bagration vorgetragen werden, während die Kavallerie des V. Armeekorps unter Poniatowski den linken Flügel der Russen bei Utiza umgehen sollte, um diesen in den Rücken zu fallen. Um 5:30 Uhr befahl Napoleon, das Feuer zu eröffnen.
Prinz Eugène ging mit dem französischen IV. Korps gegen Borodino vor, während das I. und III. Armeekorps der Marschälle Davout und Ney mit der Infanterie die Flèches angriffen, deren Lünetten südwestlich des Dorfes Semjonowskoje aufgerichtet worden waren. Hier gegenüber verteidigten die Truppen des russischen 7. und 8. Infanteriekorps unter den Generalen Rajewski und Borosdin. Die Flèches wurden zunächst von General Woronzows 2. Grenadier-Division, von Neverowskis 27. Infanterie-Division und durch die 2. Kürassier-Division unter General Duka verteidigt. Die französischen Divisionen von Dessaix und Compans, unterstützt von 102 Kanonen, griffen die Flèches direkt an und wurden von russischen Kartätschen eingedeckt. Die Franzosen setzten ihren Angriff fort, obwohl Compans bereits verwundet war. Marschall Davout sah die Verwirrung und führte persönlich das 57. Linienregiment als Verstärkung nach vorn. Wie verlustreich die Kämpfe jetzt verliefen, wurde Napoleon schnell bewusst, nachdem Davouts Pferd unter diesem erschossen worden war. Der Kaiser ersetzte seinen zunächst unauffindbaren Marschall durch General Rapp. Dieser wurde zum zweiundzwanzigsten Mal in seiner Laufbahn verwundet und durch General Dessaix ersetzt, der ebenfalls nach kurzer Zeit verwundet wurde.
Truppen des V. Armeekorps, vorwiegend Polen unter General Poniatowski, hatten am rechten Flügel das Dorf Utiza beim ersten Angriff gestürmt. Generalleutnant Tutschkow, Kommandeur des russischen 3. Infanteriekorps konnte es um 8.00 Uhr zurückerobern. Verstärkungen des VII. Armeekorps mit Westfalen wurden herangeführt; sie konnten Utiza erneut stürmen, das von den Russen darauf in Brand gesetzt wurde. An diesem Abschnitt konnten bis zum Ende der Schlacht auf beiden Seiten keine weiteren Fortschritte gemacht werden.
Neys vordere Divisionen (Division Razout und Ledru) hatten unterdessen die südliche Geschützstellung der Flèches gestürmt und hielten sie gegen die Gegenangriffe der russischen Truppen. Die Abwehr der Russen an der Flèche wurde massiv durch Artillerie aus dem Dorf Semjonowskoje unterstützt, deren Höhenstellung das ganze Ufer der Kalotscha beherrschte. Die Masse der 2. Grenadier-Division wurde hinter dem Dorf Semjonowskoje nach vorne gezogen. General Woronzow führte mehrere Gegenangriffe, er wurde dabei schwer verwundet und seine gesamte Division stark dezimiert. Newerowskis Truppen unterstützten die Grenadiere so gut wie möglich. Napoleon war von der Hartnäckigkeit der Russen überrascht, die auch auf verlorenem Posten noch weiterkämpften, während sich in den vergangenen Jahren Österreicher und Preußen unter solchen Umständen ergeben oder zurückgezogen hatten. Napoleon sagte über die russischen Infanteristen: „Sie sind Festungen, die man mit Kanonen zerstören muss.“
Napoleon entlastete Ney durch Gegenattacken der Reservekavallerie unter persönlicher Führung von Marschall Joachim Murat. Murats Reiterei versuchte, die Flèches zu umgehen, um Bagrations Infanterie von der Flanke anzugreifen, war aber sofort mit russischen Kürassieren und den Abwehr-Karrees der 27. Division unter General Newerowski konfrontiert. Die Franzosen führten nacheinander sieben Angriffe gegen die Flèches und wurden jedes Mal im Nahkampf wieder zurückgeworfen. Die Kürassiere unter General Duka warfen die deutsche und polnische leichte Kavallerie zurück, auch die württembergische Infanterie der vorgezogenen Division Marchand wurde zurückgeworfen. Napoleon schickte Davout zusätzlich die 2. Division unter General Friant zur Hilfe, die kurzfristig in die Flèches eindrang, aber durch russische Gegenangriffe wieder hinausgedrängt wurde. Auch Bagrations Truppen wurden rechtzeitig durch die 3. Infanteriedivision unter General Konownitzin verstärkt. Fürst Bagration führte persönlich mehrere Gegenangriffe an, dabei wurde er gegen 11:00 Uhr durch einen Schuss am Bein schwer verwundet. Kutusow übertrug daraufhin General Dochturow, dem Kommandeur des 6. Infanteriekorps, die Führung am linken Flügel.
Zweite Angriffsphase mini|325px|Der Angriff auf die Rajewski-Schanze. Gemälde von Franz Roubaud, 1913
Eugenes Truppen (Division Delzons) hatten derweil Borodino gestürmt und nahmen von dort aus die Große Redoute unter Feuer. Anstelle von Dochturow hatte General Kapzewitsch das Kommando über das 6. Infanteriekorps übernommen. Gegen 11.00 Uhr startete der Vizekönig mit den französischen Divisionen Broussier, Morand und Gérard einen massiven Frontalangriff gegen die von Rajewskis Truppen gehaltene Große Redoute. Der französische General Bonamy wurde beim Kampf um die Schanze schwer verwundet und geriet in Gefangenschaft. Unterdessen war Baggehufwudts 2. Infanteriekorps vom rechten Flügel abgezogen und nach links zur Verstärkung der Südflanke umgruppiert worden. Die 4. Division des Prinzen Eugen von Württemberg verstärkte das schwer bedrängte 7. Infanteriekorps, während die 17. Division unter General Olsufjew südwärts nach Utiza zur Verstärkung des 3. Infanteriekorps marschierte. General Nikolaj TutschkowIn der russischen Armee gab es mehrere Generale mit dem Namen Tutschkow, die Brüder waren. war schwer verwundet, General Stroganow, Kommandeur der 1. Grenadier-Division, übernahm vorerst das Kommando. Fürst Poniatowski hatte unterdessen zwar den russischen linken Flügel zurückgedrängt, kam aber im dichten Buschwerk auf der Anhöhe dahinter unter schweres Feuer der Russen, so dass es unmöglich war, die geplante Umfassung durchzuführen. Somit war die Schlacht nur noch durch Artillerieduelle und Frontalangriffe weiterzuführen, im Kampf Mann gegen Mann, was auch geschah. General Baggehufwudt übernahm dann die Führung im Raum Utiza.
mini|Gemeiner des Kürassierregiments Astrachan