Rock am Ring ist ein von Marek Lieberberg gegründetes Musikfestival, das von 1985 bis 2014 und seit 2017 wieder auf dem Nürburgring in Nürburg in der Eifel stattfindet. Es gilt als das traditionsreichste Rockfestival Deutschlands, wobei mittlerweile allerdings verschiedene Genres vertreten sind: Neben Künstlern im Bereich der Rockmusik treten oftmals auch Rapper und Produzenten der elektronischen Tanzmusik auf. In den Jahren 2015 und 2016 fand das Festival auf dem ehemaligen Bundeswehr-Flugplatz in Mendig statt. Es läuft parallel zum Schwesterfestival Rock im Park und hat in der Regel eine identische Bandbesetzung.

Geschichte Vor Rock am Ring (1969–1984) Inspiriert vom Woodstock-Festival 1969, das als Angelpunkt in der Geschichte von Open-Air-Festivals gilt, verfolgte der Konzertveranstalter Marek Lieberberg gemeinsam mit Marcel Avram die Vision, diese Kultur nach Deutschland zu holen. 1971 veranstalteten sie das British Rock Meeting in Speyer, bei dem unter anderem Deep Purple und Black Sabbath auftraten. Bereits 1980 war ein Festival an der Nürburgring-Rennstrecke geplant. Dieses sollte am Streckenabschnitt „Schwalbenschwanz“ an der Nordschleife bei Herresbach stattfinden. Obwohl bereits Bands gebucht, Flyer gedruckt und Eintrittskarten verkauft worden waren, scheiterte das Festivalprojekt an den fehlenden Parkmöglichkeiten. Hinzu kamen Proteste von Anwohnern, die ihre Grundstücke nicht als Parkmöglichkeiten für die Festivalbesucher zur Verfügung stellen wollten.

Die frühen Jahre (1985–1990) Rock am Ring wurde erstmals am 25. und 26. Mai 1985 veranstaltet und war ursprünglich als ein einmaliges Ereignis geplant. Bei der ersten Ausgabe traten 17 Bands auf einer Bühne auf, darunter U2, Foreigner und Joe Cocker. Aufgrund des großen Erfolgs mit 75.000 Zuschauern entschloss man sich jedoch, diese Veranstaltung jedes Jahr stattfinden zu lassen. Als hauptverantwortlicher Organisator fungierte von Beginn an Marek Lieberberg. Für den Auftritt von David Bowie 1987 wurde erstmals eine zweite Bühne für seine Glass Spider aufgebaut, da er nicht auf derselben Bühne wie alle anderen spielen wollte. Mit nur 30.000 Besuchern im Jahr 1988 hatte Rock am Ring jedoch mit einem Einbruch der Zuschauerzahlen zu kämpfen, was eine zweijährige Pause zur Folge hatte. mini|David Bowies Glass Spider bei Rock am Ring 1987

Etablierung als größtes Rockfestival Deutschlands (1991–1999) 1991 startete das größte deutsche Rockfestival mit einem überarbeiteten Konzept erneut. Erstmals fand die Veranstaltung über drei Tage statt. Ein neues Hauptaugenmerk wurde darauf gelegt, dem Publikum mehr Newcomer vorzustellen. So traten unter anderem die zu diesem Zeitpunkt eher unbekannten INXS oder Alanis Morissette bei Rock am Ring vor großem Publikum auf. Anfang der 1990er-Jahre etablierte sich die zweite Bühne dauerhaft auf dem Festival, 1996 konnte mit mehr als 75.000 Fans ein neuer Besucherrekord aufgestellt werden. Ein Jahr später wurde durch einen Blitzeinschlag während eines Unwetters die Stromversorgung beim Auftritt des britischen Rockmusikers Chris Rea lahmgelegt. Eine dritte Bühne gab es erstmals 1998, auf der zunächst nur ein musikfernes Rahmenprogramm mit deutschen Comedy-Künstlern stattfand. Sie trug zu Beginn den Namen House of Comedy Stage. Hier traten unter anderem Mundstuhl und Michael Mittermeier auf. Zwischenzeitlich gab es auch eine vierte Bühne, die jedoch später wieder abgeschafft wurde.

Im Jahr 1999 trat erstmals die weltbekannte Metalband Metallica auf dem Festival auf.

Rock am Ring nach der Jahrtausendwende (2000–2013) Für 2001 war unter anderem der erste Auftritt der US-amerikanischen Hard-Rock-Band Guns N’ Roses bei Rock am Ring geplant, die sich zum damaligen Zeitpunkt gerade um den Sänger Axl Rose neu formiert hatten. Die Band sagte jedoch ihre gesamte Europatournee und damit auch den Auftritt auf dem Nürburgring ab. 2003 traten 76 Bands auf; darunter Iron Maiden und erstmals Depeche-Mode-Frontmann Dave Gahan als Solo-Künstler. Die Veranstaltung wurde in diesem Jahr von 75.000 Fans besucht. Zu den Headlinern 2004 zählten die Red Hot Chili Peppers, Die Toten Hosen und Linkin Park. Mit der Ausgabe im Folgejahr feierte das Festival seinen 20. Geburtstag. Hierbei sorgte ein Überraschungsauftritt der Toten Hosen für Kuriositäten: Die Zugangspässe der Bandmitglieder waren mit dem Namen "Mike Lee & The Sound Of The Echoes" beschriftet. So hieß die Band von Festival-Gründer Marek Lieberberg. Aufgrund dieser Tatsache wusste selbst von den Crew-Mitgliedern kaum jemand von diesem Überraschungsgig. 2006, und somit fünf Jahre nach ihrer ersten Ankündigung, kamen Guns N’ Roses schließlich doch zu Rock am Ring. mini|Lenny Kravitz auf der Centerstage 2002 Bei der Ausgabe 2009 gab es eine Besonderheit im Merchandise-Sortiment vor Ort. So konnten USB-Sticks erworben werden, auf denen man sich sonntags zehn Livekonzertaufzeichnungen verschiedener Bands aufspielen lassen konnte. Zusätzlich erhielt man ein Kärtchen mit einem Code, der zum Download von zehn weiteren Songs berechtigte. Der Erwerb kostete 20 Euro. mini|The Prodigy bei Rock am Ring 2009 mini|Logo von Rock am Ring bis 2009 Im Juni 2012 wurde in der Rhein-Zeitung bekanntgegeben, dass es Probleme mit dem Land Rheinland-Pfalz hinsichtlich der Austragung des Festivals im Jahr 2013 gebe. Grund sei, dass das Infrastrukturministerium den angesetzten Termin nicht bestätigt habe und die ersten Gespräche mit den Musikern für das nächste Festival bereits in den folgenden Wochen beginnen sollten. Rock am Ring fand 2013 jedoch wie geplant statt und stellte einen neuen Besucherrekord mit 87.000 Besuchern auf. mini|Cro auf der Centerstage 2013

Weggang vom Nürburgring (2014–2015) Zum 30. Mai 2014 gab der Veranstalter bekannt, dass das Festival im Jahr 2014 zum letzten Mal am Nürburgring stattfinden werde, da der Betreiber der Rennstrecke den Vertrag gekündigt habe. Laut einem Beitrag der Rhein-Zeitung habe der Betreiber der Rennstrecke eine Erhöhung des Anteils um 25 Prozent gefordert, gleichzeitig koste Rock am Ring laut Veranstalter zwei bis drei Millionen Euro mehr als das Schwesterfestival Rock im Park. Für eine Fortführung des Musikfestivals stünden zum damaligen Zeitpunkt zudem sechs neue Standorte zur Verfügung, einer davon in Rheinland-Pfalz. Am Ende kamen das JHQ Rheindahlen nahe Mönchengladbach und der ehemalige Militärflugplatz Mendig in die engere Auswahl. Nach langen Verhandlungen mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) und der Stadt Mendig fiel die Entscheidung auf Mendig, obwohl die Gemeinde kleiner und die Region strukturschwächer ist. In der Begründung lobte Lieberberg das große Entgegenkommen der Stadt Mönchengladbach, doch die Verhandlungen mit der Bima liefen äußerst zäh. Der Standort sei zwar perfekt, der Juni-Termin aufgrund der „langwierigen Verhandlungen“ mit der Bima jedoch nicht zu halten, was eine Absage an den Standort zur Folge hätte. mini|Tom Araya von Slayer bei Rock am Ring 2014

Rock am Ring in Mendig (2015–2016) Die Nürburgring-Gesellschaft Capricorn plante nach dem Wegfall des „Rock am Ring“ mit dem Veranstalter DEAG Deutsche Entertainment für 2015 ein neues Festival namens „Grüne Hölle Rock“ für den Nürburgring. Im Frühjahr 2015 wurde jedoch das Scheitern dieses Vorhabens bekannt, nachdem die beiden Unternehmen sich im Kostenstreit um „Grüne Hölle Rock“ entzweit hatten. Stattdessen veranstaltete die DEAG ihr neues Festival in der Veltins-Arena Gelsenkirchen.

Das erste Rock-am-Ring-Festival in Mendig wurde 2015 von einem schweren Gewitter überschattet. Ein Blitzeinschlag im Backstage-Bereich verletzte zunächst acht Festivalmitarbeiter, weitere Einschläge auf dem Zeltplatz verletzten 25 Besucher.

2016 startete das Festival mit einem neuen Besucherrekord von 92.500 Besuchern. Wettertechnisch wurde der Auftakt des Festivals erneut von schweren Unwettern begleitet. Starkregen sorgte dafür, dass die Auftritte der Bands zunächst unterbrochen werden mussten. Ein Blitzeinschlag verletzte am Abend des Festival-Freitags 15 Personen schwer, weitere 57 wurden leicht verletzt. Zwei Personen mussten wiederbelebt werden. Da sich am Festival-Samstag eine Verschärfung der Wetterlage abzeichnete, wurde das Festival auf Anweisung der Genehmigungsbehörde zunächst vorläufig unterbrochen und das Festivalgelände geräumt. Nachdem das Programm für einige Stunden erneut aufgenommen worden war, entzog die Verbandsgemeinde Mendig dem Veranstalter die Genehmigung zur Fortführung des Festivals am dritten Festivaltag, sodass das Festival abgebrochen wurde. Lieberberg kritisierte die Entscheidung der Verbandsgemeinde Mendig. Es sei nicht gerade eine „Sternstunde der verantwortlichen Behörden“ gewesen. mini|Das Festivalgelände in Mendig bei Rock am Ring 2016

Rückkehr zum Nürburgring (2016–2019) Im Dezember 2016 gab der Veranstalter bekannt, dass Rock am Ring 2017 aus wirtschaftlichen Gründen wieder am Nürburgring stattfinden werde. Er hatte sich mit dem Nürburgring-Betreiber wieder vereinigt.

Am Abend des 2. Juni 2017, dem ersten Tag des Festivals, wurde die mit etwa 85.000 Besuchern ausverkaufte Veranstaltung gegen 21 Uhr während eines Auftritts der Düsseldorfer Band Broilers unterbrochen und das Festivalgelände geräumt. Als Grund wurde eine terroristische Gefährdungslage genannt. Weitere für den Freitagabend geplante Auftritte entfielen, unter anderem der des Headliners Rammstein und der des Rappers Marteria.Musikfestival „Rock am Ring“ vorläufig unterbrochen. In: sueddeutsche.de. 2. Juni 2017, abgerufen am 3. Juni 2017. Noch am selben Abend wurden in Hessen drei Männer festgenommen und überprüft. Zwei der Männer, die der salafistischen Szene in Hessen zugerechnet werden, hatten Zugangsberechtigungen in Form von Armbändern, die ihnen direkten Zugang zu vielen Festivalbereichen ermöglichten. Einer der Männer habe zudem im Verdacht gestanden, Bezug zur terroristischen Szene zu haben. Am Vormittag des 3. Juni gab die Polizei nach einer Durchsuchung des Veranstaltungsgeländes und einer Überprüfung der Wohnungen der Verdächtigen jedoch Entwarnung, der Verdacht eines drohenden Anschlags hatte sich nicht erhärtet, sodass das Festival am Samstagmittag fortgesetzt werden konnte. Die Zugangsberechtigungen zum Festivalgelände hatten die zwei Hauptverdächtigen aufgrund einer kurzfristigen Personalanforderung eines externen Sicherheitsdienstleisters erhalten.Verkehrskontrolle führte zu „Rock am Ring“-Abbruch. In: faz.net, 6. Juni 2017. Das Festival in Zeiten der Corona-Pandemie (2020–2021) Am 16. April 2020 gab der Veranstalter bekannt, dass das Rock-am-Ring-Festival und das Rock-im-Park-Festival 2020 aufgrund des wegen der Corona-Pandemie erlassenen und bis zum 31. August 2020 geltenden Verbotes aller Großveranstaltungen abgesagt werden. Bereits erworbene Tickets konnten für das jeweilige Festival des Folgejahres kostenfrei umgetauscht werden. Alternativ wurde ab dem 15. Juli 2020 auch eine vollständige Rückerstattung des Kaufpreises angeboten. Es sollte keine Änderungen bei den geplanten Headlinern geben. Von Seiten des Veranstalters hieß es am 25. September 2020, dass der Großteil der Ticketbesitzer die Umtauschmöglichkeit wahrgenommen habe und so für den Vorverkauf nur noch ein Restkontingent an Eintrittskarten zur Verfügung stehe.

Am 10. März 2021 wurde „vor dem Hintergrund der weiterhin unsicheren Infektionslage“ die Absage der beiden Schwesterfestivals Rock am Ring und Rock im Park für das Jahr 2021 bekanntgegeben. Aufgrund des erneuten Ausfalls wurde das Festival im April 2021 vom Deutschen Kulturrat in die Vorwarnstufe der Roten Liste 2.0 aufgenommen.

Rock am Ring ohne Marek Lieberberg (seit 2021) Aufgrund diverser Umstrukturierungen bei den Veranstalterfirmen wurde 2021 bekannt, dass der Gründer und langjährige Hauptverantwortliche Marek Lieberberg nicht mehr länger mit dem Festival verbunden sein werde. Im Zuge der Veränderung wurde fortan auch das Logo von Rock am Ring und die Namen der Bühnen geändert.