Das MG 08, zunächst auch als „Gerät 08“Merkatz (Hrsg.): Unterrichtsbuch für die Maschinengewehr-Kompagnien. Gerät 08. R. Eisenschmidt, Berlin 1917, Titel des Buches bezeichnet, war ein Maschinengewehr aus deutscher Produktion, das insbesondere im Ersten Weltkrieg verwendet wurde. Die Entwicklung geht auf das 1884 von dem US-amerikanisch-britischen Erfinder Hiram S. Maxim (1840–1916) entwickelte Maxim-Maschinengewehr zurück. Das MG 08 gab es in vielen Varianten. Die bekannteste Variante war das leichte MG 08/15, auf das sich die Redewendung „nullachtfünfzehn“ zurückführen lässt.
Als schweres Maschinengewehr wurde das MG 08 in seiner Grundform verwendet.
Maschinengewehre aus der Familie 08 kamen im Zweiten Weltkrieg noch vereinzelt zum Einsatz.
Aufgrund des Ortes ihrer Produktion wurde die Waffe bei den deutschen Streitkräften, insbesondere den Luftstreitkräften, auch „Spandau-MG“ genannt. Spandau stand auf den meisten dieser MGs, jedoch nur, da einer der größten Hersteller, die Preußische Gewehrmanufaktur, sie in Spandau produzierte.
Modelle Das Maschinengewehr wurde nach seinem Einführungsjahr 1908 benannt. Die Zusätze /15 und /18 geben die Modellvariante in Form ihres Erscheinungsjahres an. Zusätzlich stand „l“ für Luftkampf.
Vorläufer Die Entwicklung baute auf Hiram Maxims Konzept für eine Maschinenwaffe auf, welches ab 1884 von Maxim entwickelt worden war. In Deutschland wurde dieses Konzept vor allem durch die Deutsche Waffen- und Munitionsfabriken aufgegriffen. Das erste Modell erhielt die Bezeichnung MG 01 und wurde zum MG 03 und schließlich hin zum MG 08 im Jahre 1908 weiterentwickelt, das in Spandau hergestellt wurde.
MG 08 mini|Deutsche Maschinengewehrkompanie mit auf Gewehrschlitten transportiertem MG 08 (ca. 1918) Das MG 08 war wassergekühlt und auf einer höhenverstellbaren Lafette (sog. Schlitten) montiert. Mit einem Richtaufsatz für indirektes Feuer konnte das MG 08 auch aus der Deckung heraus benutzt werden. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges besaß Deutschland 4.919 Stück MG 08. Die Waffe war zu schwer, um der eigenen Infanterie zu Fuß zu folgen. Strukturell befanden sich die meisten MG bei den eigens gebildeten MG-Kompanien der Infanterieverbände. Weiterentwicklungen erschienen notwendig.
Für das MG 08 gab es zwei verschiedene Lafetten: der Gewehrschlitten und der Dreifuß 16, der insbesondere zum Transport auf Tragtieren geeignet war.Hube: Der Infanterist. Handbuch für Selbstunterricht und Ausbildung des jungen Frontsoldaten der Infanterie. Offene Worte, Berlin 1925, S. 795 Beide Lafetten konnten mit einem Aufsatzstück und einem Kreiskorn auch zum Fliegerbeschuss genutzt werden.Hube: Der Infanterist. Handbuch für Selbstunterricht und Ausbildung des jungen Frontsoldaten der Infanterie. Offene Worte, Berlin 1925, S. 814–815
Zur Vereinfachung des Füllens der Munitionsgurte wurde der Gurtfüller 16 verwendet, der an einem Tisch oder im Gefecht „am besten“ am Hinterrad des Maschinengewehrwagens angeschraubt werden konnte.Hube: Der Infanterist. Handbuch für Selbstunterricht und Ausbildung des jungen Frontsoldaten der Infanterie. Offene Worte, Berlin 1925, S. 797–798
Der Militärhistoriker George Soldan beschrieb 1930 rückblickend die auf dem Schlitten von zwei Soldaten getragene Waffe so:„Die erstrebte Steigerung der Feuergeschwindigkeit hatte man durch Einführung einer Maschinenwaffe erreicht. [...] Neben dem sehr soliden, aber schweren Maschinengewehr 08 gelangte später ein leicht bewegliches Modell zur Einführung.“George Soldan: Der Weltkrieg im Bild. Originalaufnahmen des Kriegs-, Bild- und Filmamtes aus der modernen Materialschlacht (Band 1). Berlin 1926, S. 161
MG 08/15
mini|hochkant|Gravur auf der Waffe Ab 1915 wurde das MG 08/15 auf Basis des MG 08 entwickelt und ab Sommer 1917 als leichtes MG 08/15 an die Truppe ausgegeben.Matuschka: Organisationsgeschichte des Heeres 1890-1918. In: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte (Band 56). Franz Steiner Verlag 1968, S. 232
Die maßgeblichen Neuerungen gegenüber dem MG 08 waren: Ersatz der schweren Lafette durch ein Zweibein. Pistolengriff mit Schulterstütze anstelle der Spatengriffe. Gurt in Gurttrommel (Patronenkasten 16). Dadurch konnte das MG geladen getragen werden. Verringerte Kühlwassermenge (von 4 auf 2,8 Liter).
Durch die Modifikationen sollte das Mitführen von Maschinengewehren bei Sturmangriffen erleichtert oder überhaupt erst ermöglicht werden.
MG 08/18 Gegen Kriegsende wurde das MG 08/15 zum luftgekühlten MG 08/18 weiterentwickelt. Dieses Modell war leicht genug für Sturmangriffe, aber wegen seiner späten Einführung diente es hauptsächlich nur noch zur Absicherung des deutschen Rückzugs.
lMG 08 und 08/15 Speziell für Militärflugzeuge wurden zum starren Gebrauch die luftgekühlten lMG 08 und lMG 08/15 entwickelt. Zum beweglichen Gebrauch wurde das auf das MG 08 basierende luftgekühlte Parabellum MG 14 entwickelt.
Bilder zur Entwicklung
Technische Daten ModellKonstruktionsjahrMunitionszuführungKühlungKühlwasserZieloptikGesamtlängeGewichtZusatz081888–1908250 Patronenim LeinengurtWasser4 LiterZielfernrohr ZF12400 m–2000 m1190 mm23 kgmit KühlwasserSchlitten, 37 kg / Dreifuß 31 kg08/151915100 Patronenim Leinengurt2,8 LiterKeine1390 mm19,5 kginkl. Kühlwasser & ZweibeinGabelstütze (Zweibein): 1,2 kg08/181918Luft –16 kginkl. Zweibein
Geschichte Kaiserliches Heer Vorläufer Zwar hatte das preußische Kriegsministerium schon im Jahr 1889 die Einführung von Maschinengewehren genehmigt, jedoch wurden erst im Jahr 1901 die ersten fünf Maschinengewehr-Abteilungen (mit dem MG 01) bei der Infanterie aufgestellt. Aber schon drei Jahre später, 1904, gab es 16 Abteilungen (mit MG 01 und MG 03), darunter auch je eine sächsische und eine bayerische.Matuschka: Organisationsgeschichte des Heeres 1890-1918. In: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte (Band 56). Franz Steiner Verlag 1968, S. 165f
Maschinengewehr-Kompanien/-Abteilungen bestanden aus je drei Zügen, die wiederum jeweils zwei Maschinengewehre besaßen.Merkatz (Hrsg.): Unterrichtsbuch für die Maschinengewehr-Kompagnien. Gerät 08. R. Eisenschmidt, Berlin 1917, S. 164 ff.
Zum Transport der jeweils sechs Maschinengewehre waren sechs vierspännige Maschinengewehrwagen und drei Munitionswagen zugestanden worden, auf denen die Bedienungen der Maschinengewehre aufgesessen transportiert wurden. Durch die hohe Beweglichkeit war auch ein Zusammenwirken mit der Kavallerie möglich.
Im Jahr 1906 wurden Truppenversuche mit einer Bespannung aus nur noch zwei Pferden durchgeführt. Dabei marschierten die Bedienungen zu Fuß – wie der Rest der Infanterie.Matuschka: Organisationsgeschichte des Heeres 1890-1918. In: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte (Band 56). Franz Steiner Verlag 1968, S. 166
MG 08 Im Jahr 1908 wurde dann das verbesserte MG 08 eingeführt, das um die Hälfte leichter war als sein Vorgänger. In diesem Jahr wurde an der Infanterie-Schießschule auch eine „Lehr-Maschinengewehr-Kompanie“ aufgestellt.
Wieder drei Jahre später, 1911, hatte bereits jede Infanterie-Brigade (zu zwei Regimentern) eine zweispännig gefahrene Maschinengewehr-Kompanie.
Im Jahr vor Kriegsbeginn, 1913, hatte jedes Infanterieregiment und jedes selbstständige Jägerbataillon (mit Ausnahme der beiden bayerischen)Matuschka: Organisationsgeschichte des Heeres 1890-1918. In: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte (Band 56). Franz Steiner Verlag 1968, S. 236 eine Maschinengewehr-Kompanie (MG.-Komp.) mit sechs schweren Maschinengewehren, die zweispännig gefahren wurden. Insgesamt gab es damit 233 Maschinengewehr-Kompanien.
Allerdings gab es bei der Infanterie von den ursprünglich 16 vierspännigen Maschinengewehr-Abteilungen nur noch elf, darunter auch je eine sächsische und eine bayerische, die für die bei Mobilmachung aufzustellenden elf Kavallerie-Divisionen vorgesehen waren.
Dazu kamen 1913 bei 15 Infanterie-Regimentern, die in Festungen lagen, zusätzlich noch jeweils eine (unbespannte) Festungs-Maschinengewehr-Kompanie. Diese wurden mit den älteren Maschinengewehren MG 01 und MG 03 ausgerüstet, die so aus der Feldtruppe zurückgezogen wurden.
Erster Weltkrieg MG 08 Bei der Mobilmachung zu Kriegsbeginn 1914 verfügten über eine Maschinengewehr-Kompanie oder -Abteilung zu je sechs Maschinengewehren: alle 218 Infanterie-Regimenter, 88 (92?) der 113 Reserve-Infanterie-Regimenter, keines der 75 Landwehr-Infanterie-Regimenter 16 der 18 selbstständigen Jäger-Bataillone, keines der 18 Reserve-Jäger-Bataillone, alle 11 Kavalleriedivisionen. Außerdem verfügten alle 42 (43?) mobilgemachten Ersatz-Bataillone (es gab insgesamt 334) über einen Maschinengewehr-Zug mit zwei Maschinengewehren. Die noch fehlenden Maschinengewehr-Kompanien wurden erst nach Kriegsbeginn aufgestellt und ins Feld nachgeführt.Matuschka: Organisationsgeschichte des Heeres 1890-1918. In: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte (Band 56). Franz Steiner Verlag 1968, S. 230–231
Vor und während des Ersten Weltkrieges hatte jedes schwere MG 08 eine Bedienung von 5, später 6, Soldaten, deren Aufgaben wie folgt verteilt warenMerkatz (Hrsg.): Unterrichtsbuch für die Maschinengewehr-Kompagnien. Gerät 08. R. Eisenschmidt, Berlin 1917, S. 187–188: Gewehrführer: sorgt für die Befolgung aller Kommandos beim Schießen. Schütze 1: Trägt Munition und gräbt den Dampfschlauch ein. Liegt im Gefecht hinter dem Gewehrführer und dem Richtschützen und hält Verbindung zum Schützen 5 beim Zugführer. Schütze 2: Richtschütze und Gewehrführer. Er trägt das MG Schütze 3: Unterstützt den Richtschützen beim Laden und Laufwechsel, trägt den Schlitten. Schütze 4: Ersatzmann, Beobachter, trägt Munition. Schütze 5: Einer der drei Munitionsschützen vom Munitionswagen und Gehilfe des Zugführers. Ab 1915 als Schütze 5 bezeichnet, trägt er den Panzermantel für Wasserkühlung mit Schutzschild (1915 eingeführt) und führt Munition und Wasser nach. Liegt im Gefecht beim Zugführer und hält Verbindung zum Schützen 1 seines MG.
Zum Transport der MG 08 bei Märschen war je MG ein zweispänniger Maschinengewehrwagen (MG.W.) vorhanden. Für jeden Zug zu zwei MG war zusätzlich noch ein zweispänniger Munitionswagen (M.W.) zuständig.Merkatz (Hrsg.): Unterrichtsbuch für die Maschinengewehr-Kompagnien. Gerät 08. R. Eisenschmidt, Berlin 1917, S. 204 Bei der Kavallerie wurden die Wagen wie oben erwähnt vierspännig gefahren, da hier die Bedienungen aufgesessen gefahren wurden.
Im Ersten Weltkrieg erwies sich das MG 08 wegen seines hohen Gewichts als nur bedingt für den Bewegungskrieg geeignet: Es konnte der Infanterie zu Fuß nicht schnell genug folgen. Seine Stärken spielte es in gut ausgebauten Stellungen aus: Bei der Abwehr gegnerischer Angriffe zeigte sich sehr schnell die enorme Leistungsfähigkeit von Maxims Konstruktion, auch unter widrigen Bedingungen.
Die Maschinengewehre wurden in sogenannten „Nestern“ positioniert. Dabei wurde versucht, das Maschinengewehr, wie auch die Bedienmannschaft vor feindlicher Waffenwirkung zu schützen.
Schon mit seiner gegenüber Gewehren ungleich höheren Feuerkraft allein leitete das Maschinengewehr das Ende der Kavallerie ein. Ein MG konnte mühelos eine ganze Reiter-Schwadron bekämpfen und machte diese alte Waffengattung schon kurz nach Anfang des Krieges praktisch bedeutungslos.