mini|hochkant=1.5|Lage des Olympiaturms im Olympiapark und in München
Der Olympiaturm ist ein Fernsehturm in München und eines der Wahrzeichen der Landeshauptstadt und des namensgebenden Olympiaparks, in dessen östlichen Teil er steht. Mit 291 Metern ist er nach dem Nürnberger Fernsehturm Bayerns zweithöchstes Bauwerk. Er wurde Ende der 1960er Jahre erbaut und dient Besuchern als Aussichtsturm. Darüber hinaus beherbergt der Olympiaturm ein Turmrestaurant. Bis Mai 2024 hatte der Turm seit der Eröffnung 1968 rund 45 Millionen Besucher.
Seit dem 1. Juni 2024 ist der Olympiaturm wegen Sanierungsarbeiten bis voraussichtlich 2027 für Besucher geschlossen. Neben der Brandschutzanlage werden auch beide Personenaufzüge ersetzt.
Geschichte Vorgeschichte und Planung Für die sendetechnische Versorgung Münchens wurde 1957 von der Deutschen Post an der Blutenburgstraße ein 50 Meter hoher Antennenträger, der Fernmeldeturm der Oberpostdirektion München, errichtet, der später um 50 Meter erhöht wurde. Der fortschreitende Ausbau des Fernmeldenetzes in München sowie die verbesserungswürdige Sendeleistung der Rundfunk- und Fernsehprogramme machten den Bau eines Fernmeldeturmes notwendig. Daher entschied man, einen Turm zu errichten, der den gestiegenen Anforderungen gerecht werden sollte. Zu Beginn der Überlegungen stand schon fest, den Fernsehturm auch für die Öffentlichkeit über eine Besucherplattform zugänglich zu machen.München. Olympiaturm 290 m, S. 11
Der Olympiaturm ist neben dem Olympia-Eissportzentrum das zweite vorolympische Gebäude im Olympiapark. Als Standort wurde das Oberwiesenfeld ausgewählt, da die Nähe zum Zentrum gut war. Am 29. Januar 1964 beschloss der Stadtrat von München mit der Deutschen Bundespost, den Fernmeldeturm zu errichten. Zu diesem Zweck wurde die Münchner Sportpark GmbH als Bauträgergesellschaft gegründet.Verband Deutscher Elektrotechniker (Hrsg.): ETZ: Elektrotechnische Zeitschrift, Band 20, VDE-Verlag, 1968, S. 192 Zu diesem Zeitpunkt stand noch nicht fest, dass die XX. Olympischen Sommerspiele in München stattfinden werden, die Entscheidung wurde erst am 26. April 1966 getroffen.
Die Deutsche Bundespost als Bauträgerin und die Landeshauptstadt München konnten sich nicht auf ein Konzept der Turmgestaltung einigen; daher wurden zwei Turmkörbe vorgesehen: Die untere Kanzel trägt Fernmeldeeinrichtungen, die obere beherbergt die Aussichtsplattform und das Drehrestaurant mit 230 Plätzen in 181 Metern Höhe.Höhenangabe auf der Restaurant-Website, abgerufen am 21. Februar 2012
Bau Nach den Grundierungsarbeiten ab dem 1. Juni 1965 erfolgte am 10. August im Beisein des damaligen Bundespostministers Richard Stücklen, des Oberbürgermeisters Hans-Jochen Vogel und des zweiten Bürgermeisters Georg Brauchle die Grundsteinlegung. In den Grundstein wurde eine Zeitkapsel mit Münzen, Zeitungen und einer Urkunde eingemauert. Sie schließt mit den Worten:München. Olympiaturm 290 m, S. 13
Nach den Arbeiten am Fundament wuchs der Turmschaft mit einer Geschwindigkeit von täglich zwei Metern und erreichte im Dezember 1965 bereits die Höhe von 151 Metern, so dass die Träger der Postkanzel eingebracht werden konnten. Die gesamte Bauzeit von 533 Tagen verlief unfallfrei.München. Olympiaturm 290 m, S. 12 Die Bauausführung oblag der 1882 gegründeten und seit 1996 insolventen Baufirma Alfred Kunz GmbH & Co, die auch den Tunnel der Zugspitzbahn erbaut hatte.
Nachdem am 26. April 1966 das Internationale Olympische Komitee die Olympischen Sommerspiele 1972 nach München vergeben hatte, wurde der bereits in Bau befindliche Turm nachträglich in das Konzept der „Olympischen Spiele im Grünen“ integriert und zum Wahrzeichen des Olympiaparks gewählt. Technikoptimismus und Pressefreiheit sollen durch den Turm symbolisiert werden,Bilderserie zum Artikel Olympiaturm. Münchens Gigant wird 40, Süddeutsche Zeitung, abgerufen am 22. August 2014 was das Konzept der an den Idealen der Demokratie orientierten Spiele unterstreichen soll. Mit der Inbetriebnahme wurde der Fernmeldeturm der Oberpostdirektion München als Grundnetzsender abgelöst. Einige seiner Richtfunkeinrichtungen wurden zu den Olympischen Spielen am Olympiaturm installiert, um Fernseh- und Fernsprechverbindungen in Richtung Frankfurt, Nürnberg, Salzburg und für Italien zur Zugspitze herzustellen.Architektur Wettbewerbe, Ausgaben 6–-68, Karl Krämer Verlag, 1971, S. 97
Am 12. Mai 1967 war in 248 Metern Höhe die maximale Turmhöhe des Stahlbetonteils erreicht, und es wurde das Richtfest begangen.Kai Eckart: Den Wolken entgegen – Die höchsten Türme Deutschlands, Herbert Utz Verlag München 1997, ISBN 3-89675-902-7, S. 40. (; PDF; 2,1 MB)
Seit Eröffnung miniatur|Olympiaturm aus dem Olympiastadion
Am 22. Februar 1968 wurde der Olympiaturm mit der Inbetriebnahme des Drehrestaurants feierlich eröffnet. Seine gesamten Baukosten betrugen 22 Millionen Deutsche Mark, an denen sich die Deutsche Bundespost anteilig beteiligte. Ihr wurde ein Dauernutzungsrecht eingeräumt und sie war für die Aufwendungen am Unterhalt und des Betriebs zuständig. Er war zum Zeitpunkt seiner Fertigstellung der höchste Fernsehturm der Bundesrepublik sowie Deutschlands und nach dem Moskauer Fernsehturm Ostankino und dem im Folgejahr fertiggestellten Berliner Fernsehturm der dritthöchste aus Stahlbeton weltweit.
Der Turm diente vor allem für die sendetechnische Erschließung des Großraums München mit dem zweiten und dritten Fernsehprogramm. Die Sender dafür wurden von der Bundespost im April und Mai 1968 in Betrieb genommen. Damit kam dem Münchner Fernsehturm die besondere Bedeutung zuteil, ein Sternpunkt im Fernsehleitungsnetz zu werden. Mit einem speziellen Acht-Tuben-Kabel war die Postkanzel des Turms überdies mit dem Fernsehstudio Freimann des Bayerischen Rundfunks verbunden. Seine volle Funktion als Knotenpunkt des Richtfunknetzes im süddeutschen Raum übernahm er Anfang 1970.Hoyer, Teutschbein: Fernmeldeturm München in: Jahrbuch des elektrischen Fernwesens, S. 400. Während der Olympischen Sommerspiele 1972 wurden vom Olympiaturm alle sportlichen Ereignisse weltweit übertragen.München. Olympiaturm 290 m, S. 15
Anfang 1969 eröffnete im Erdgeschoss in der Fußumbauung ein Wienerwald-Restaurant mit Blick auf den Olympiasee. Im sogenannten Atrium-Gebäude konnten bis zu 240 Gäste bewirtet werden und mit der angrenzenden Terrasse standen weitere 300 Plätze zur Verfügung. Ebenfalls zur Wienerwald-Kette gehörten die Cafeteria im Aussichtskorb und das Turmrestaurant auf 181 Metern Höhe, das vom Gastronom Friedrich Jahn geführt wurde.München. Olympiaturm 290 m, S. 17 Jahns Idee, am Turm ein Wienerwald-Logo anzubringen, scheiterte allerdings an der notwendigen Genehmigung.Kellner, Sänger, Selbstvermarkter, Die Welt, 16. Mai 2007, abgerufen am 21. August 2014.
1999 wurde der Turm für umfangreiche Sanierungen drei Monate geschlossen. Unter anderem wurde das Drehrestaurant neu gestaltet, die Aufzüge modernisiert, neue Sprinkleranlagen eingebaut und das Gitter der offenen Plattform erneuert.
Von 2004 bis 2021 beherbergte der Olympiaturm das Rockmuseum Munich und ein Fotostudio.
Am 5. April 2005 wurde die Spitze ausgetauscht, um mit einer neuen Antenne den Großraum München mit DVB-T zu versorgen. Dabei wuchs der Turm um 1,75 Meter. Die neue Antenne ist 19,2 Meter hoch und 6,2 Tonnen schwer. Die GFK-Zylinder wurden von einem Transporthubschrauber des Typs Kamow Ka-32-T in mehreren Etappen bis zur Spitze befördert., kathrein.de, 5. April 2005, abgerufen am 21. August 2014. Im selben Jahr wurde auch der Antennenträger des Fernmeldeturms Nürnberg ersetzt und etwas erhöht, so dass seither der Olympiaturm gemessen an seiner Gesamthöhe knapp hinter dem Nürnberger Fernmeldeturm rangiert.
2006 wurde das Drehrestaurant von der Arena One GmbH übernommen, umgestaltet und im August 2007 unter dem Namen Restaurant 181 wiedereröffnet. Von 2009 bis 2014 wurde Otto Koch von der Catering-Gesellschaft als Patron eingesetzt, und das Restaurant wurde mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet.abendzeitung-muenchen.de: Michelin-Führer: München bleibt Stadt der Sterne
Ab Juni 2024 erfolgt eine über zwei Jahre dauernde Generalsanierung, während der der Turm für die Öffentlichkeit geschlossen wird. Neben der gesamten Haustechnik und der Brandschutzeinrichtungen stehen auch die Erneuerung der Gastronomieküche sowie der Aufzüge auf der Aufgabenliste der 50 Millionen Euro teueren Maßnahme. Für die Zeit der Sperrung wurde ein 70 m hoher Interimsaussichtsturm beim Eisstadion errichtet.Patrick Stäbler: Langwierige Sanierung, PNP vom 10. Mai 2024
Beschreibung Lage und Umgebung mini|Luftbild von Turm, Stadion und Olympiapark
Der Olympiaturm befindet sich im östlichen Teil des Münchner Olympiaparks, der 1972 Austragungsort der XX. Olympischen Sommerspiele war und ein Teil des Oberwiesenfeldes ist, welches sich rund fünf Kilometer nördlich des Stadtzentrums befindet.
Westlich vom Turm stehen die Olympiahalle und die Schwimmhalle. In östlicher Nachbarschaft befinden sich die Eissporthalle und das Sea Life München. Nur wenige Meter südlich des Olympiaturms verläuft der künstlich angelegte Olympiasee. An der Nordseite verläuft der verkehrsreiche Georg-Brauchle-Ring, der das Olympiaareal von der BMW Welt trennt und mittels eines Stegs für Radfahrer und Fußgänger überbrückt ist.
Architektur und Bautechnik mini|hochkant|Die beiden Turmkörbe
Das tellerförmige Fundament reicht bis 12 Meter in die Tiefe, ist 40 Meter breit und 12.500 Tonnen schwer. Der Olympiaturm ist in Gleitschalbauweise errichtet. Zur Errichtung hoben hydraulische Hebevorrichtungen die Schalung stündlich um 10 cm bis 20 cm. Der Schwerpunkt des Turms liegt auf Grund der sich verschlankenden Form und der nach oben hin dünner werdenden Wände bei 50 Metern Höhe. Am Turmfuß befindet sich östlich des Turms ein rechteckiger Basisbau in Form eines Atriums mit einem Innenhof. Neben einem Restaurant und einem Souvenirladen ist dort der Zutritt für den Publikumsverkehr. Darüber hinaus sind im Atrium-Bau die Heizzentrale, die Starkstromversorgung, die lüftungstechnischen Einrichtungen, ein Batterie- und Gleichrichterraum, sanitäre Räume, Lagerräume, drei Betriebswohnungen und Büroräume untergebracht.Arwed Hoyer: Fernmeldeturme und abgespannte Masten der Deutschen Bundespost, 1968, S. 29. Nach dem Kassenbereich führt ein überdachter Gang von diesem Basishaus zur Aufzugsanlage im Turm selbst.
Der Turmschaft weist am Fuß einen Durchmesser von 16,50 Meter auf, der sich bis zur Höhe von 145 Metern auf 8,60 Meter verjüngt. Die Wanddicke des Schaftes verjüngt sich von im Fußbereich 1,22 auf 0,30 Meter.Hoyer, Teutschbein: Fernmeldeturm München in: Jahrbuch des elektrischen Fernwesens, S. 398.
mini|Die untere Freiluftplattform (A3) Der Aussichtskorb mit einem Durchmesser von 28,30 MeternHoyer, Teutschbein: Fernmeldeturm München in: Jahrbuch des elektrischen Fernwesens, S. 399. weist fünf Stockwerke auf. Diese gliedern sich von unten beginnend wie folgt: T: (178 m) – Betriebsgeschoss mit Drehkonstruktion für das darüber liegende Restaurant. A1: (182 m) – Drehrestaurant. Das Drehrestaurant vollzieht in 53 Minuten eine 360-Grad-Drehung. Ab einer Windgeschwindigkeit von mehr als 80 km/h wird der Drehmechanismus automatisch abgeschaltet. A2: (185 m) – Aussichtsplattform mit dem Rockmuseum Munich, einer Dauerausstellung mit vielen seltenen Sammlerstücken der Rockgeschichte. Von Herbst bis Frühjahr veranstaltet das Rockmuseum regelmäßig Konzerte im Turm. A3: (189 m) – Offene Aussichtsplattform. Auf dieser Ebene befindet sich auch die Fensterputzgondel, die beim Einsatz hydraulisch über das Gitter gehievt wird. A4: (192 m) – Über zwei Außentreppen gelangt man von A3 auf die oberste Plattform.
mini|Blick ins Innere des Fahrstuhlschachtes