Der Herr der Ringe ist ein Brettspiel von Reiner Knizia, das erstmals 2000 im Kosmos-Verlag erschien. In der Spielumsetzung nach dem gleichnamigen Roman von J. R. R. Tolkien nehmen die Spieler die Rolle eines Hobbits ein, um den Weg vom Auenland bis zum Schicksalsberg zu bestreiten und dort den einen Ring zu zerstören. Gespielt werden kann mit zwei bis fünf Spielern ab zehn Jahren, als Spieldauer gibt der Hersteller 60 bis 90 Minuten an. Im Vergleich mit anderen Autorenspielen nimmt Der Herr der Ringe durch sein kooperatives Spielprinzip eine Sonderrolle ein. Während bei Gesellschaftsspielen normalerweise am Spielende ein einzelner Spieler als Sieger feststeht, kann das Spiel in der Umsetzung von Knizia nur von allen Spielern gemeinschaftlich gewonnen oder verloren werden.
Insgesamt konnte das Spiel an Auszeichnungen eine Finalplatzierung des Gamers Choice Award sowie den Sonderpreis „Literatur im Spiel“ der Jury des Spiel des Jahres für sich erringen. Das Spiel wurde in 18 Sprachen veröffentlicht und bis 2006 international mehr als eine Million Mal verkauft. (PDF; 240 kB) von Uni Ulm intern Seit der Erstverlegung sind drei Erweiterungen erschienen, wobei das dritte Erweiterungspaket nicht mehr bei Kosmos, sondern im Heidelberger Spieleverlag erschienen ist.
Zur Nürnberger Spielwarenmesse 2011 veröffentlichte Kosmos eine Neuauflage des Spiels mit neuem Design, überarbeitetem Layout der Spielregel und geringfügigen Regeländerungen. Es handelt sich dabei um die deutsche Version der bereits Ende des Vorjahres beim amerikanischen Spieleverlag Fantasy Flight Games erschienenen Neuausgabe. Dort fällt das Spiel in die Kategorie der Silver Line Games, Spiele mit einfachen Regeln und maximal einer Stunde Spieldauer.
Hintergrundgeschichte Das Spiel versetzt die Spieler in die Rolle von bis zu fünf Hobbits, welche die Abenteuer von Frodo und seinen Gefährten aus dem dreiteiligen Roman von Tolkien nacherleben. Dabei belegen die Spieler neben Frodo selbst die Rollen von Sam, Merry, Pippin und Dick. Insgesamt orientiert sich das Spiel dabei eng an der Romanvorlage. Lediglich die Rolle von Dick wurde ausgebaut, um ein Spiel zu fünft möglich zu machen. Die Hobbits starten mit dem Ring gemeinsam im Auenland in Beutelsend, von wo aus sie über die Stationen Bruchtal, Moria, Lothlórien, Helms Klamm und Kankras Lauer nach Mordor reisen. Dabei werden in Form von Sonderkarten viele Gegenstände und Charaktere des Romans aufgegriffen.
Da das Spiel vor der erfolgreichen Verfilmung aus den Jahren 2001 bis 2003 erschien und somit nicht den vielen im Zuge dessen erschienenen Merchandising-Artikeln zuzurechnen ist, finden Inhalte Verwendung, welche im Film nicht erwähnt wurden.
Spielablauf Das Spiel verläuft in sieben Phasen, welche den Stationen der auf dem Hauptspielplan gezeichneten Route vom Auenland bis Mordor entsprechen. Die ersten beiden Stationen Beutelsend und Bruchtal sowie die vierte Station Lothlórien stellen für die Spieler angenehme Reiseabschnitte dar und geben Möglichkeit, sich auszurüsten. Hierzu ist auf dem Hauptspielplan vermerkt, in welcher Anzahl Hobbitkarten – im späteren Spielverlauf die Grundlage für jeden Spielzug – und weitere Sonderkarten verteilt werden. Die übrigen Stationen Moria, Helms Klamm, Kankras Lauer und Mordor bilden den eigentlichen Spielinhalt.
Für jede dieser Stationen existiert ein eigener Spielplan, welcher im entsprechenden Reiseabschnitt unterhalb des Hauptspielplans angelegt wird. Jeder dieser vier Abenteuerspielpläne verzeichnet drei oder vier einzelne bis zu zehn Felder lange Wege, welche einzelne Handlungsstränge symbolisieren. Jeder Handlungsstrang ist mit einem Symbol gekennzeichnet, welches die Art des Abenteuers angibt: Kampf (Waffen), Versteck (Baum), Reise (Füße) oder Freundschaft (sich reichende Hände). Sobald eine neue Station erreicht wird, also ein neuer Abenteuerspielplan aufgedeckt wird, wird das erste Feld jeden Weges mit einem neutralen weißen Positionsstein markiert. Grundsätzlich kann im Laufe des Spiels jeder Spieler auf jeder Leiste Erfolge erzielen und vorrücken, die einzelnen Leisten sind nicht an einzelne Spieler gebunden.
Die Spielerfiguren der Hobbits werden auf dem Hauptspielplan platziert. Auf einer gesonderten Leiste, welche unterhalb des Weges von Beutelsend nach Mordor verläuft, stehen sie dort Sauron gegenüber. Zu Spielbeginn wird Sauron auf die Seite Mordors gestellt, die Hobbits stehen 15 Felder entfernt im Auenland. Durch verschiedene Ereignisse im Spiel kann es entweder einem Spieler passieren, näher an Sauron rücken zu müssen und somit seine Hobbitfigur ein Feld Sauron entgegenzubewegen. Umgekehrt kann es vorkommen, dass Sauron sich mit seiner Figur den Hobbits um ein Feld nähert. Sobald ein Hobbit das Feld Saurons erreicht oder umgekehrt, scheidet der Spieler aus. Hat Sauron den Spieler, der aktuell Ringträger ist, erreicht, ist das Spiel verloren.
Ein Spielzug Ein Spielzug eines Spielers besteht aus zwei Phasen. Zunächst muss der Spieler von einem Stapel Ereigniskärtchen das oberste aufdecken. Dieses zeigt entweder eines der vier positiven Symbole für Freundschaft, Reise, Versteck und Kampf oder eine bestimmte Handlung von Sauron. Letztere können beispielsweise das Vorrücken Saurons in Richtung der Hobbits bedeuten oder den Wurf mit einem für die Spieler weitere negative Folgen zeigenden Würfel erzwingen. Auch können die Ereigniskärtchen eine Sonnenuhr zeigen, welche das nächste Ereignis einläutet. Dazu sind auf jedem Abenteuerspielplan der Reihe nach verschiedene Ereignisse aufgezeichnet, welche nach und nach auftreten und zumeist für die Spieler negative Folgen haben. Der aktive Spieler deckt so lange Ereigniskärtchen auf und führt die entsprechenden Ereignisse aus, bis eines der vier positiven Symbole auftritt. Anschließend zieht er auf der zum entsprechenden Symbol gehörigen Handlungsstrangleiste auf dem Abenteuerspielplan um ein Feld nach vorne. Anschließend darf der Spieler bis zu zwei Hobbitkarten ausspielen. Diese zeigen ebenso eines der vier positiven Symbole. Entsprechend der gespielten Symbole darf der Spieler auf den entsprechenden Leisten vorrücken. Auf den einzelnen Feldern der Handlungsstrangleisten sind verschiedene Symbole aufgezeichnet: Schilde, Sonnen, Herzen und Ringe. Beim Zug auf oder über ein Feld nimmt sich der ziehende Spieler Plättchen mit entsprechenden Symbolen aus einem allgemeinen Vorrat. Anschließend ist der nächste Spieler an der Reihe.
Auswertung eines Abenteuerspielplans Ein Spielabschnitt ist abgeschlossen, wenn auf einem Abenteuerspielplan entweder das letzte Ereignis ausgeführt werden musste oder die Spieler auf einem bestimmten als Haupthandlungsstrang hervorgehobenen Handlungsstrang das letzte Feld erreicht haben. Zum Ende eines Spielabschnittes muss jeder Spieler eine bestimmte Menge an Symbolen (Herz, Sonne, Ring) gesammelt haben. Falls Spielern Symbole fehlen, müssen diese den Differenzbetrag in Saurons Richtung ziehen. Anschließend werden von allen Spielern die Symbole abgegeben. Weiterhin kann es passieren, dass der Ringträger wechselt. Zu Spielbeginn bekommt Frodo den Ring ausgehändigt. Wer am Ende eines Spielabschnitts die meisten Ringsymbole gesammelt hat, wird neuer Ringträger. Durch den Besitz des Rings erhält der Spieler pro Reiseabschnitt einmal die Möglichkeit, einen speziellen Sonderspielzug zu tätigen.
Spielende Das Spiel ist gewonnen, wenn die Spieler auf dem letzten Abenteuerspielplan im Haupthandlungsstrang bis zum Schicksalsberg nach Mordor vorgedrungen sind und dort somit den Ring zerstören konnten. Sollten bis dorthin alle Spieler oder zumindest der Ringträger Sauron erlegen sein oder tritt im letzten Abenteuer das letzte Ereignis ein, ist das Spiel für alle Spieler verloren.
Soweit die Spieler dies wünschen, können sie gemäß der Spielregel nach Spielende eine Punktzahl errechnen, anhand welcher sich ihr Abschneiden beurteilen lässt. Dem Spiel liegt ein Ergebnisblatt bei, in welchem die Ausgänge der einzelnen Partien mit entsprechender Punktzahl vermerkt werden können. Um in kommenden Spielen den Schwierigkeitsgrad anzupassen, schlagen die Regeln vor, bei erfahrenen Spielern die Figur des Sauron von Anfang an schon drei bis fünf Felder näher an die Spieler zu rücken.
Spielmaterial Die Spielfiguren sind schlicht gehalten. Einfache weiß lackierte Holzkegel zeigen als Positionssteine den Fortschritt auf den Aktionsleisten. Die Lebensplättchen, Schilde und Ereignisskärtchen zeigen entsprechende Symbole ohne weitere Ausschmückungen. In der Erstauflage waren die Hobbitfiguren, die Sauronfigur und der Eine Ring noch ausmodelliert, seit der Neuauflage 2011 sind auch sie aus Pappe.
Im Einzelnen im Spiel enthalten sind: Hauptspielplan 2 doppelseitige Spielpläne für die 4 Reiseabschnitte Moria, Helms Klamm, Kankras Lauer und Mordor Der Eine Ring Sauronfigur 5 Hobbitfiguren 6 Positionssteine 5 Charakterkarten 60 Hobbitkarten 5 Gandalfkarten 35 Sonderkarten 23 quadratische Ereigniskärtchen 11 runde Lebensplättchen 32 Schildplättchen 1 Würfel Ergebnisblatt
Illustrationen mini|John Howe, 2003 Durch das Erscheinen vor der erfolgreichen Verfilmung aus den Jahren 2001 bis 2003 unterscheidet sich die Brettspielumsetzung von Knizia optisch erheblich von weiteren Spielumsetzungen des Materials, da nicht auf Fotos der Schauspieler und Drehorte zurückgegriffen wurde. Stattdessen wurde sowohl der Spielplan als auch die Hobbit- und Sonderkarten von Hand illustriert. Die Zeichnungen steuerte der Kanadier John Howe bei, welcher sich schon seit den achtziger Jahren in verschiedenen Veröffentlichungen des Romans von Tolkien annahm.siehe
Die Darstellung der einzelnen Charaktere, Gegenstände und Ortschaften ist liebevoll und versucht möglichst detailgetreu die Beschreibungen von Tolkien aufzugreifen, wobei meist eine düstere Stimmung vorherrscht. Über die Illustrationen von Tolkiens Werken schreibt Howe selbst:Tolkien's World – Paintings of Middle-earth, HarperCollinsPublishers 1994, ISBN 0-261-10307-5, S. 129
Kritik Das Konzept des kooperativen Spielens war zur Zeit der Veröffentlichung bei Brettspielen für Jugendliche und Erwachsene neu. Bislang wurden solche Ideen beinahe ausschließlich bei Kleinkinderspielen wie Obstgarten oder an Rollenspiele angelehnte Brettspiele wie HeroQuest oder Dungeons and Dragons eingebracht. In der Umsetzung von Knizia erhält das Spiel seinen maßgeblichen Reiz durch die vielen Möglichkeiten, welche dem Spieler während seines Zuges offenstehen. Durch die verschiedenen gleichzeitig abzuarbeitenden Handlungsstränge müssen in jedem Spielzug Kompromisse eingegangen werden, woraus ein starkes Diskussionspotential unter den Spielern entsteht.
In unabhängigen Spielrezensionen wird das Spiel von mäßig bis gut bewertet. Schwerwiegendster Kritikpunkt ist ein gewisser Glücksfaktor, welcher durch das Ziehen der Ereigniskärtchen entsteht. Mitunter können mehrere (oft negative) Ereignisse ausgelöst werden, bevor die Spieler zum Zug kommen. Als weiterer Kritikpunkt kann das Fehlen eines einzelnen Spielgewinners gesehen werden – hier kommt es auf die Vorlieben der Spieler an, ob ein gemeinsames Gewinnen oder Verlieren über viele Partien hinweg seinen Reiz behalten kann. Die Regeln werden trotz ihrer Komplexität überwiegend als logisch und konsequent angesehen, weswegen sie kaum in der Kritik stehen. Lediglich der Einstieg für Neulinge wird als schwierig beschrieben. Für regelsichere Runden wird hingegen die Spielbarkeit für Kinder ab 10 Jahren bestätigt.
Erweiterungen Das Grundspiel wurde von Anfang an offen für mögliche Erweiterungen entworfen. Nicht zuletzt durch viele abstrakte Symbole im Spiel lassen sich diese gut nachträglich in den Spielablauf integrieren. So konnten im bisherigen Spiel mehrfach auftretende Symbole wie ein aufrecht stehendes Rechteck als Zeichen, eine Karte abgeben zu müssen oder ein schwarzes Quadrat, als Zeichen würfeln zu müssen, durch neue Funktionen der Erweiterungen ersetzt werden.