mini|thumbtime=01:52|Aufnahmen von Panzern zwischen 1918 und 1927 Die hier beschriebenen Panzer (auch Char oder Tank genannt) wurden in der Zeit des Ersten Weltkriegs von den Streitkräften der Entente als neues Waffensystem eingeführt und unterschieden sich von den bereits zuvor bekannten Panzerwagen durch ein Gleiskettenfahrwerk. Die Einführung war von erheblichen Rüstungsbemühungen in einem relativ neuen Technikzweig begleitet, denn nur die Weiterentwicklung von Fahrwerkstechnik und Motorisierung ermöglichte den Bau von gepanzerten Kampfwagen. Der Artikel beleuchtet entwicklungstechnische Hintergründe, die Weiterentwicklung des Waffensystems, relevante Erkenntnisse und den Einfluss der sich ergebenden technischen Möglichkeiten auf die Organisation der Streitkräfte.
Überblick zur Ausgangslage Das erste Fahrzeug mit eigenem Antrieb wurde in den Jahren 1769/1770 mit dem Gedanken einer militärischen Nutzung konstruiert, Cugnots Damptraktor. Von diesem Zeitpunkt an entwickelte sich die Antriebs- und Fahrwerkstechnik insbesondere während der Industrialisierung über die nächsten hundert Jahre kontinuierlich weiter, auch wenn der Gedanke der militärischen Nutzung immer vorhanden blieb, gab es bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs wenig Fortschritt bei der Ausrüstung der Streitkräfte. Als frühestes Fahrzeug, bei dem Panzerung und Motorisierung kombiniert wurden, gilt Simms Motor War Car von 1902. Der ab 1903 entwickelte Austro-Daimler Panzerwagen prägte die weitere Entwicklung der gepanzerten Fahrzeuge, indem er nach seiner Fertigstellung Gunther Burstyn nach dem Besuch der ersten Automobilmesse in Wien 1905 zur Entwicklung seines Motorgeschützes, das als erster konzeptioneller Entwurf eines Panzers mit Geschützturm und Raupenfahrwerk gilt, inspirierte.Robert L. DiNardo, Austin Bay: The First Modern Tank: Gunther Burstyn and His Motorgeschütz. In: Military Affairs, Vol. 50, No. 1 (Jan., 1986), S. 12–15, mini|Hornsby Tractor Modell 1907 In Frankreich beschäftigte sich 1903 der Capitain Léon René Levavasseur mit einer gepanzerten, geländegängigen Artilleriekanone (Projet de canon autopropulseur). Dem französischen Kriegsminister wurde vom Präsidenten der Kommission Comité Général d'Artillerie am 1. Februar 1905 ein Entwurf vorgelegt. Als der Entwurf abgelehnt worden war, überarbeitete Levavasseur diesen und nach erneuter Einreichung wurde dieser erneut mit der Begründung, dass nunmehr ein britischer Ketten-Traktor der britischen Firma Richard Hornsby & Sons verfügbar wäre, mit einem von Léonce Ferrus verfassten Report abgelehnt.
Im Jahr 1912, also kurz vor dem Ersten Weltkrieg, legte ein Australier namens Lancelot De Mole dem britischen War Office einen Entwurf eines Kettenfahrzeugs für schwere Lasten zum Transport über schwieriges Gelände und Gräben vor. Weitere Entwürfe wurden 1914, 1916 und 1917 von ihm eingereicht, und auch ein Maßstabsmodell. Nach dem Krieg wurde seitens einer Kommission die Prämienzahlungen für einige an der Entwicklung der Tank-Entwürfe beteiligte Personen erklärt, die Entwürfe von De Mole wären nie berücksichtigt worden, deshalb wäre kein Anspruch entstanden. mini|Holt-Artillerieschlepper (1915) Zu Beginn des Ersten Weltkrieges verfügte keine beteiligte Seite über relevante motorisierte Verbände mit bewaffneten Fahrzeugen.für das DR: Wolfgang Fleischer: . Typenkompass. 1. Auflage. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-613-03358-0, S. 13B.T. White: . 1. Auflage. Ian Allan Ltd., Shepperton (Surrey) 1970, ISBN 0-7110-0123-5, S. 89, 115 Allerdings wurden bereits vereinzelt behelfsmäßig gepanzerte Automobile eingesetzt, zum Beispiel das französische Autoblindé Peugeot 146.François Vauvillier: . Histoire et Collections, Paris 2014, ISBN 978-2-35250-321-7, S. 76 Relativ umfangreicher Gebrauch von Panzerautos und Radpanzern wie dem Austin-Putilow war ab 1915 auf russischer Seite festzustellen. Diese Fahrzeuge waren aber straßengebunden und nicht für Operationen auf den Gefechtsfeldern dieses Kriegs geeignet. Es mangelte ihnen an Geländegängigkeit und Feuerkraft.
Die Entwicklung gut funktionierender Raupenketten war entscheidend für die technische Möglichkeit, ein hohes Gewicht mit einer guten Traktion im schweren Gelände beweglich zu machen. Entscheidend wurden nunmehr Kraft (Motor) und Kraftübertragung (Antriebsstrang).
Nachdem das britische Militär den Hornsby Tractor nicht gekauft hatte, kaufte 1914 der amerikanische Unternehmer Benjamin Holt die Patente für £ 4.000. Mit Gleisketten ausgerüstete geländegängige Fahrzeuge, wie Raupenfahrzeuge der Holt Manufacturing Company, standen zwar bei Kriegsbeginn zur Verfügung, dienten aber lediglich als Artilleriezugmaschine und für schwere Artillerie. Sie kamen selten näher als 15 km an die Frontlinie heran und sie wurden erst gegen Kriegsende in den USA als Waffenträger erprobt.
Frühe Entwicklungen mini|Schlachtfeld im Stellungskrieg 1914–18
Erstarrte Fronten Maschinengewehreinsätze während des Zweiten Matabele-Kriegs, der Schlacht von Omdurman, dem Russisch-Japanischen Krieg 1904 mit der Schlacht von Mukden, hatten schon vor Beginn des Ersten Weltkriegs gezeigt, welche verheerende Wirkung die automatischen Waffen auf angreifende Infanterie und Kavallerie haben konnten.F.W.A. Hobart: Das Maschinengewehr 1974 Motorbuch Verlag ISBN 3-87943-277-5, S. 56 Maschinenwaffen von Maxim, Vickers, Hotchkiss, St. Etienne und Chauchat veränderten den Krieg. Die industriellen Möglichkeiten zur Fertigung schnell zu ladender und zu richtender Geschütze, die im kontinuierlichen Feuer schießend ganze Räume für Infanterie unpassierbar machen konnten, die zwischen 1912 und 1914 mit Optiken für indirektes Richten ausgestattet worden waren, veränderten den Krieg endgültig.Ian V. Hogg: Allied Artillery of World War One 2004 The Crowood Press ISBN 1-86126-712-6, S. 7–18 Ein weiteres Element, welches den Krieg bei Beginn des Ersten Weltkriegs verändert hatte, war die Nachrichtentechnik, die seit Beginn des Jahrhunderts zunehmend verfügbare Feldtelefonie. Diese ermöglichte die Weitergabe von Zielkoordinaten an die indirekt schießende Artillerie in Echtzeit. Ergänzt um die Beobachtung aus der Luft, durch zunehmend zuverlässigere Flugzeuge, hierbei hatte der französische Offizier Jean Baptiste Eugène Estienne moderne technische Konzepte für den effizienten Einsatz der weitreichenden Artillerie auf dem Schlachtfeld erarbeitet.Arlette Estienne Mondet: Le général J.B.E. Estienne, père des chars L'Harmattan 2010, ISBN 978-2-296-13179-8, S. 25 ff
Im Herbst 1914 erstarrte angesichts der Auswirkung der neuen Technik die Westfront im Stellungskrieg, es fehlte den Soldaten auf dem Schlachtfeld der Schutz, um das Niemandsland zwischen den sich gegenüber liegenden und Stacheldrahtbewehrten Grabensysteme zu passieren und die gegnerische Verteidigung zu durchbrechen.White: British Tanks & Fighting Vehicles 1970 S. 15 Bis zum Jahresende 1914 starben fast eine Million Soldaten. Eine Lösung, um die gegnerische Front zu durchstoßen und wieder in den Bewegungskrieg übergehen zu können, gab es nicht. Zusätzlich zu den automatischen Waffen war jeder Soldat permanent durch Scharfschützen des Gegners gefährdet.
Chronologie der Entwicklung
Entwicklungsphase Juli 1914 Ernest D. Swinton wird von seinem Freund Hugh Marriott auf die neuen Raupenschlepper der amerikanischen Holt Manufacturing Company aufmerksam gemacht, die dieser in Belgien gesehen hat 23. August 1914 Der französische Artillerie-Colonel Estienne, der später zum größten Befürworter des Panzers im französischen Offizierskorps werden sollte, äußert, dass er der Überzeugung sei, dass derjenige den Krieg gewinnen würde, der eine 75-mm-Kanone auf einem Fahrzeug montieren würde, welches mit jeder Art von Gelände klar käme. Anmerkung: Die bereits zur Verfügung stehenden gepanzerten Radfahrzeuge, funktionierten in offenem Gelände mit festem, flachen Boden, denn die Räder hatten einen hohen Bodendruck und sanken ein. Sogar ohne Bewaffnung und Panzerung waren diese Radfahrzeuge nicht in der Lage, schwieriges Gelände zu meistern. Herbst 1914 Captain Murray Sueter, Commander des Royal Navy Air Service und Admiral Bacon, Geschäftsführer der Coventry Ordnance Works (Waffenfabrik in Glasgow) fragten bei William Foster & Co Ltd die Entwicklung von Fahrzeugen für den Transport von 15-inch-Haubitzen in Frankreich an. Admiral Bacon fragte einen Radschlepper mit einer 8-Fuß-Brücke an, der sich jedoch in der Geländeerprobung festfuhr, weshalb der Geschäftsführer von Foster begann, sich mit Kettenlaufwerken zu beschäftigen.Foss/McKenzie: The Vickers Tanks 1995 S. 20 September 1914 William Tritton, Geschäftsführer von William Foster & Co Ltd präsentierte Winston Churchill und Admiral Fisher (First Sea Lord) Zugmaschinenentwürfe und 97 105-PS-Rad-Motorschlepper und 291 Lafetten für 15-inch-Haubitzen wurden bei der Firma bestellt 1. oder 19. Oktober 1914 Major Swinton als offizieller britischer Kriegskorrespondent der Royal Engineers, kommt bei der Fahrt vom britischen Hauptquartier in St. Omer nach Calais auf die Idee, aus dem Holt-Schlepper ein gepanzertes Kampffahrzeug zu machen. November 1914 Konzept eines Fahrzeugs zum Überwinden von Stacheldraht von Jacques Quellennec. November 1914 Swinton unterbreitet seine Idee Sir Maurice Hankey, dem Sekretär des britischen Committee of Imperial Defense. Dieser besprach die Idee mit Captain Tom Tulloch (Trinitro Tom), einem Militäringenieur und Sprengstoffspezialisten, der den Gedanken gut fand. Swinton hätte die Gelegenheit gehabt, den Premierminister anzusprechen, verzichtete aber darauf, um nicht die Befehlskette zu ignorieren. Er wollte erst mit Lord Kitchner sprechen, der sein Vorgesetzter war, den Termin aber absagte. Dezember 1914 Der französische Ingenieur Boitrault schlägt eine Maschine vor, mit der die Drahtsperren auf dem Schlachtfeld überwunden werden können (Boirault Machine -Véhicule de anti barbelé). Der komplizierte und langsame Mechanismus aus 6 großen umlaufenden Rahmen, die von einer ungepanzerten spitzen Dreieckskonstruktion langsam nach vorne transportiert werden, ist ungeschützt und kann praktisch nicht gelenkt werden. Deshalb wurde das Projekt nicht weiterverfolgt. 1. Dezember 1914 Colonel Estienne schickt einen Brief an General Joffre, in dem er den Aufbau einer gepanzerten Truppe mit geschützten Fahrzeugen vorschlug, welche pro Fahrzeug ausgerüstet mit einem Maschinengewehr und einer Gruppe Schützen durch die Gefahrenzone hindurch vorstoßen sollte. Januar 1915 Der von Nikolai Lebedenko, Nikolai Jegorowitsch Schukowski, Boris Stechkin und Alexander Mikulin entwickelte Zar-Panzer (russisch: Царь-танк) wurde dem russischen Zaren vorgeführt und ein Projekt dazu genehmigt. 2. Januar 1915 Maurice Hankey schickte Churchill und Herbert Asquith, dem Prime Minister, ein Memorandum zur Idee von Swinton, obwohl Lord Kitchener erklärt hatte, dass er dieses Projekt nicht unterstützen würde. 5. Januar 1915 Der First Lord of the Admiralty Winston Churchill schrieb dem britischen Prime Minister Herbert Asquith eine Aktennotiz zu Swintons Idee und warnte davor, dass das Deutsche Reich Vergleichbares entwickeln könnte. Daraufhin ließ der Premierminister Lord Kitchener ein Komitee unter der Leitung von General Scott-Moncrieff bilden, um das Konzept zu prüfen. Das Komitee lehnte die Idee, auf dem Holt-Fahrgestell aufzubauen, jedoch ab. Januar 1915 Schneider & Cie schickt seinen Chefkonstrukteur, Eugène Brillié, nach Großbritannien, um an einer Demonstration von Kettenschleppern der amerikanischen Holt Manufacturing Company teilzunehmen. Schneider ist einer der größten Rüstungskonzerne weltweit und stellt überwiegend Artilleriewaffen her, so dass Kettenschlepper für den Transport solcher Geschütze interessant sein könnten.