Rolf Kruse (* 19. Juli 1940 in Hamburg) ist ein deutscher Politiker der CDU und ehemaliger Abgeordneter der Hamburgischen Bürgerschaft. Er war von 1989 bis 1993 Vorsitzender der CDU-Fraktion in der Bürgerschaft.
Leben und Beruf Rolf Kruse besuchte von 1953 bis 1960 das Gymnasium Alstertal in Fuhlsbüttel. Es folgte bis 1965 ein Studium der Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsgeschichte an der Universität Hamburg, das er als Diplom-Volkswirt abschloss. Er war danach als Regierungsdirektor in der Wirtschaftsbehörde tätig. Zuletzt war er dort bis 1989 für Forschung und Entwicklung zuständig.„Ein Hamburger, wie er im Buche steht“, in Hamburger Abendblatt vom 4. Juli 1989, abgerufen am 1. Februar 2020. Seit 1970 gehörte Kruse der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft an.„Zurück zur Solidarität“, in Hamburger Abendblatt vom 13. Juni 1995, abgerufen am 29. Februar 2020. Vor der Wahl in die Bürgerschaft war er von 1970 bis 1978 Geschäftsführer der CDU-Bürgerschaftsfraktion.„Rolf Kruse neuer Geschäftsführer“, in Hamburger Abendblatt vom 10. April 1970, abgerufen am 18. Januar 2020.
Kruse ist verheiratet und hat zwei Söhne.
Politik Kruse trat 1961 der Jungen Union und 1964 der CDU bei. Er war von 1966 bis 1982 Mitglied der Bezirksversammlung im Bezirk Hamburg-Nord. Seit 1973 war er dort CDU-Fraktionsvorsitzender.„Rolf Kruse: Spitzenkandidat für den Kummerkasten“, in Hamburger Abendblatt vom 15. Januar 1979, abgerufen am 19. Januar 2020. In der Bezirksversammlung setzte er sich unter anderem 1974 für den Erhalt der Straßenbahnlinie 9 ein, die durch große Teile des Bezirks führte.„Linie 9 soll weiter fahren“, in Hamburger Abendblatt vom 16. März 1974, abgerufen am 18. Januar 2020. 1976 kritisierte er die nach seiner Auffassung zu kleine Abmessung der Lärmschutzzone eins, in der nicht einmal alle flughafennahen Gebiete in Langenhorn und Groß Borstel lägen.„In diesem Fall hat der Senat zu großzügig gezahlt“, in Hamburger Abendblatt vom 9. August 1976, abgerufen am 18. Januar 2020. Nachdem die SPD-Mehrheit 1979 beschlossen hatte, die geplante Ortsumgehung für Fuhlsbüttel und Langenhorn nicht zu bauen, kritisierte er dies als Wählertäuschung.„CDU: Kritik an SPD-Entscheidung“, in: Hamburger Abendblatt vom 21. Juli 1979, abgerufen am 19. Januar 2020. Die Ortsumgehung wurde dann gut zwanzig Jahre später eröffnet.„Nach sieben Jahren Baustelle ist die Umgehungsstraße zum Airport fertig“, in Hamburger Morgenpost vom 17. Juni 2000, abgerufen am 19. Januar 2020.
In den 1970er Jahren war er Schatzmeister des CDU-Kreisverbandes Hamburg-Nord.„Zwei CDU-Chefs wiedergewählt“, in Hamburger Abendblatt vom 13. Februar 1978, abgerufen am 19. Januar 2020. Von 1978 bis 1984 war er Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes Alsterdorf.Festschrift 65 Jahre CDU-Kreisverband Hamburg-Nord. Soeth-Verlag, Glinde 2015, Seite 11. Ab 1981 war er Landesvorsitzender der CDU-Sozialausschüsse in Hamburg.„40-Stunden-Woche ist kein Tabu“, in Hamburger Abendblatt vom 23. November 1987, abgerufen am 29. Januar 2020. Als solcher kritisierte er die Zahl von 45.000 Arbeitslosen in Hamburg als „Armutszeugnis des Senats“ und die damalige einprozentige Gehaltskürzung im Öffentlichen Dienst als „massiven Eingriff in die Tarifautonomie“.„CDU kritisiert Gehaltskürzung“, in Hamburger Abendblatt vom 11. Januar 1982, abgerufen am 20. Januar 2020. Er warf dem Hamburger Arbeitssenator Jan Ehlers vor, mit der Fixierung auf die 35-Stunden-Woche das Konjunkturklima in der Hansestadt zu belasten.„Arbeitsmarkt: Die Kluft wird größer“, in: Hamburger Abendblatt vom 5. Mai 1984, abgerufen am 26. Januar 2020. Seit 1982 war er auch Mitglied des Landesvorstandes der Hamburger CDU. Nach seiner Wahl zum Vorsitzenden der CDU-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft trat er 1989 nicht erneut als CDA-Vorsitzender an, zu seiner Nachfolgerin wurde Antje Blumenthal gewählt., Hamburger Abendblatt vom 20. November 1989
Kruse war von 1978 bis 2004 Mitglied der Hamburger Bürgerschaft und für seine Fraktion unter anderem im Ausschuss für Verfassung, Geschäftsordnung und Wahlprüfung. Ab Januar 1979 war er als Nachfolger von Gerhard Flomm, der zum Bürgermeister von Halstenbek gewählt worden war, Vorsitzender des Eingabenausschusses. Er übte dieses Amt bis zum Ende der Legislaturperiode im Juni 1982 und dann wieder nach den Dezemberwahlen von 1982 aus. Anfang der 1980er Jahre war er Parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion.„Dohnanyis Stil ist unfair“, in Hamburger Abendblatt vom 29. Dezember 1981, abgerufen am 20. Januar 2020. Nach der Bürgerschaftswahl im Juni 1982 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden der CDU-Fraktion in der Bürgerschaft gewählt.„Heute treffen sich Kiep und Dohnanyi“, in Hamburger Abendblatt vom 10. Juni 1982, abgerufen am 21. Januar 2020. Aber bereits nach der Neuwahl im Dezember desselben Jahres wechselte er auf den Stuhl des Bürgerschaftsvizepräsidenten.„Menschlich gesehen“, in: Hamburger Abendblatt vom 23. Dezember 1982, abgerufen am 21. Januar 2020. Zeitweise war er auch Vorsitzender des Fraktionsarbeitskreises für Innen und Recht„Hartmut Perschau bleibt Oppositionschef“, in Hamburger Abendblatt vom 5. Dezember 1983, abgerufen am 22. Januar 2020. und sozialpolitischer Sprecher.„Vorrang für den Beruf“, in Hamburger Abendblatt vom 31. Januar 1984, abgerufen am 23. Januar 2020. Er wurde nach dem Wechsel des bisherigen Fraktionschef Hartmut Perschau Anfang Juli 1989 dessen Nachfolger als Fraktionsvorsitzender in der Bürgerschaft und behielt dieses Amt bis nach der Bürgerschaftswahl 1993, als er für vier Jahre erneut auf den Vizepräsidentenstuhl wechselte. Ab 1995 war er als Nachfolger von Markus E. Wegner Vorsitzender des Verfassungsausschusses der Bürgerschaft.„CDU-Mann Kruse ist der neue Chef“, in Hamburger Abendblatt vom 30. August 1995, abgerufen am 29. Februar 2020. Er war Experte für Verfassungsfragen seiner Partei und Vorsitzender der Enquete-Kommission „Finanzbeziehungen zwischen Bund und Ländern“. Er kritisierte 1979, dass der Senat Baugrundstücke für Eigenheim als Erbbaurecht und nicht im Verkaufswege vergeben wolle, das würde zu einer weiteren Abwanderung in das Umland führen,„Es bleibt bei Erbpacht“, in Hamburger Abendblatt vom 12. April 1979. und forderte zudem, dass 8.000 ausgemusterte Polizei-Dienstpistolen des Herstellers Carl Walther GmbH nicht eingeschmolzen werden, sondern deren Handelswert von etwa 820.000 Mark realisiert werde.„Die Pistolen nicht verpulvern“, in Hamburger Abendblatt vom 7. Juni 1979, abgerufen am 19. Januar 2020. Die Einführung der Wegereinigungsgebühren kritisierte er 1979 als „ungerecht und unsozial“.„Reinigungsgebühren: Was Senator Lange alles nicht gesagt hat“, in Hamburger Abendblatt vom 11. Oktober 1979, abgerufen am 20. Januar 2020. 1981/82 gehörte er dem Parlamentarischer Untersuchungsausschuss zum Persien-Engagement der Hamburger Stadtentwicklungsgesellschaft mbH an.„Persien-Pleite: Die Untersuchung beginnt“, in Hamburger Abendblatt vom 30. Juni 1981, abgerufen am 20. Januar 2020. 1981 sprach er sich gegen den Plan von Bausenator Volker Lange (SPD) aus, auf der Billerhuder Insel in Rothenburgsort 1.000 Wohnungen anstelle der bisherigen bewohnten Kleingärten zu errichten.„CDU kämpft für Billerhuder Insel“, in Hamburger Abendblatt vom 8. Oktober 1981, abgerufen am 20. Januar 2020. 1984 forderte er die Einführung verbilligter HVV-Fahrkarten für Arbeitslose, weil diese bei der Arbeitssuche besonders auf Mobilität angewiesen seien.„Billig mit dem HVV“, in Hamburger Abendblatt vom 4. Mai 1984, abgerufen am 26. Januar 2020 Außerdem kritisierte er, dass zwar der Besuch der Vorschule kostenlos sei, Kindergärten aber kostenpflichtig seien„Die neuen Gebühren für Kindergärten“, in Hamburger Abendblatt vom 20. Juli 1984, abgerufen am 26. Januar 2020. und forderte den Erhalt der „Kinderstuben“ in den Hamburger Krankenhäusern, damit nicht Pflegekräfte ihren Beruf aufgeben müssten, weil sie kleine Kinder haben.„CDU will Erhalt der Kinderstuben“, in Hamburger Abendblatt vom 17. Oktober 1984, abgerufen am 26. Januar 2020. 1987 forderte er die Räumung der besetzten Häuser in der Hafenstraße, um dort die „widerrechtlichen und ungesetzlichen Zustände zu beenden“.„Hafenstraße: CDU fordert Klarheit“, in Hamburger Abendblatt vom 26. Juni 1987, abgerufen am 28. Januar 2020. Den angestrebten Vertragsschluss zwischen der Stadt und den Besetzern kritisierte er mit den Worten „wer keine Miete zahlt, wer Strom klaut und anderer Leute Eigentum demoliert, wird von diesem Senat noch mit Schuldenerlass und Verzicht auf Strafverfolgung belohnt“.„Jetzt doch in der Bürgerschaft“, in Hamburger Abendblatt vom 23. November 1987, abgerufen am 30. Januar 2020.